Bei der Analyse von Parteien und Parteiensystemen liegt meist der Fokus auf der Bundesebene. Dies ist, insbesondere bei einem Bundesstaat wie die Bundesrepublik Deutschland, bei dem das Parteiensystem auf bundesstaatlicher Ebene über die Landesebene, auch durch die „Lizensierungspolitik“ der Besatzungsmächte, entstand, verwunderlich.
Im Rahmen des Spezialisierungsmoduls „Parteien und Parteiensysteme in der Bundesrepublik Deutschland“ beschäftigt sich die vorliegende Seminararbeit mit den Parteiensystemen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Der Analyseschwerpunkt liegt allerdings nicht auf der Charakterisierung des jeweiligen Parteiensystems der Bundesländer, sondern auf Faktoren, die den Niedergang einer Regierungspartei erklären. Dies soll unter anderem anhand verschiedener „Schlüsselereignisse“ in dem entsprechenden Bundesland geschehen.
In einem einführenden Kapitel sollen zunächst die Begrifflichkeiten “Partei“ und “Parteiensystem“ erläutert werden. Dabei wird auf ein analytisches Raster zur Erklärung und/oder Charakterisierung von Parteiensystemen eingegangen. Anhand des Analyseschemas sollen dann die Parteiensysteme in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eingeordnet werden.
Das vierte Kapitel fokussiert unter anderem die Problematik, wie in Nordrhein-Westfalen die Jahrzehnte dauernde “Herrschaft“ der Sozialdemokratie mit der Wahlniederlage 2005 zu Ende ging. Thematisiert wird, wie die CDU unter Jürgen Rüttgers im sogenannten „Stammland der SPD“ punkten und die nordrhein-westfälische SPD in die Opposition schicken konnte. In Rheinland-Pfalz liegt der Schwerpunkt bei dem Machtverlust der Christdemokraten unter Ministerpräsident Carl-Ludwig Wagner, und wie im dem dortigen Stammland der CDU, die SPD mit Rudolf Scharping an der Spitze für die Rheinland-Pfälzer wählbar und regierungsfähig wurde. Auf den Punkt formuliert: Wie konnte zum einen die CDU in einer für die SPD strukturell besseren Ausgangslage in Nordrhein-Westfalen an die Regierung gelangen und wie die SPD in einer für die CDU strukturell besseren Ausgangslage in Rheinland- Pfalz.
Abschließend soll zu den aufgeworfenen politisch und politikwissenschaftlich relevanten Fragestellungen ein Fazit gezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung in die Thematik
2.1. Begriffsdefinition „Partei“
2.2. Begriffsdefinition „Parteiensystem“
3. Charakterisierung der Parteiensysteme Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz
3.1. Das Parteiensystem Nordrhein-Westfalens
3.1.1. Format und Asymmetrie
3.1.2. Polarisierung
3.1.3. Koalitionsfähigkeit / Segmentierung
3.1.4. Zwischenfazit
3.2. Das Parteiensystem von Rheinland-Pfalz
3.2.1. Format und Asymmetrie
3.2.2. Polarisierung
3.2.3. Koalitionsfähigkeit / Segmentierung
3.2.4. Zwischenfazit
4. Analyse von Kategorien für den Niedergang einer Regierungspartei am vergleichenden Beispiel der CDU-Rheinland-Pfalz und der SPD- Nordrhein-Westfalens
4.1. Fallbeispiel Nordrhein-Westfalen
4.1.1. Situative Faktoren
4.1.2. Strukturelle Trends
4.2. Fallbeispiel Rheinland-Pfalz
4.2.1. Situative Gründe für das Wahlergebnis am 21. April 1991
4.2.2. Längerfristige und strukturelle Analyse der Wechselwahl 1991 in Rheinland-Pfalz
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Faktoren, die zum Niedergang langjähriger Regierungsparteien in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz geführt haben, indem sie die jeweilige Charakteristik der Parteiensysteme untersucht und auf historisch relevante Schlüsselereignisse sowie soziologische Trends zurückführt.
- Analyse des Parteiensystems und seiner strukturellen Merkmale (Format, Fragmentierung, Polarisierung)
- Untersuchung von Schlüsselereignissen und deren Einfluss auf den Wählerwillen
- Vergleichende Betrachtung der Wählerwanderungen und Erosionsprozesse bei den Großparteien
- Bedeutung von Spitzenkandidaten und wahrgenommener Problemlösungskompetenz für den Wahlerfolg
Auszug aus dem Buch
(3) Ursprung oder Genese der Partei
Parteien entstehen entweder zuerst in Form einer Parlamentsfraktion („création parlementaire“) oder als außerparlamentarische Organisationsform („création extérieure“).9 In Deutschland ist im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten wie Frankreich oder Italien die „création parlementaire“ sehr selten. Hier gehen Abspaltungen oft auf ideologische Flügelkämpfe in einzelnen Parteien zurück. Parteien können nicht nur durch Abspaltung, sondern auch durch Verschmelzung entstehen. Insbesondere die Grünen können von ihrer Genese her als Vereinigung verschiedener “grüner“ oder “alternativer“ Landesverbände verstanden werden. Von einer anderen Perspektive können die Grünen in Deutschland auch als „création“ extérieure“ angesehen werden, da sie aus einer Bürgerinitiativenbewegung entstanden sind.10 Die Transformation einer bestehenden Partei kann neben den schon vorgestellten Entstehungsvarianten als vierte Möglichkeit angesehen werden. In diesem Zusammenhang ist die Frage schwer zu beantworten, ob hierbei wirklich eine neue Partei entsteht oder lediglich eine neue Fassade.11
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert das Erkenntnisinteresse an den Ursachen für den Niedergang von Regierungsparteien auf Landesebene am Beispiel von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
2. Einführung in die Thematik: Dieses Kapitel definiert die Begriffe „Partei“ und „Parteiensystem“ und stellt ein analytisches Raster zu deren Kategorisierung vor.
3. Charakterisierung der Parteiensysteme Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz: Hier werden die Parteiensysteme beider Bundesländer anhand der Kriterien Format, Asymmetrie, Polarisierung und Segmentierung detailliert eingeordnet.
4. Analyse von Kategorien für den Niedergang einer Regierungspartei am vergleichenden Beispiel der CDU-Rheinland-Pfalz und der SPD- Nordrhein-Westfalens: Die Analyse untersucht konkrete Fallbeispiele, bei denen situative Faktoren und strukturelle Trends zum Machtverlust der jeweiligen Regierungsparteien führten.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Niedergang beider Parteien als Ergebnis eines Zusammenspiels aus langfristigen soziologischen Erosionsprozessen und spezifischen situativen Ereignissen zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Parteiensystem, Landtagswahl, Regierungspartei, Niedergang, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Parteienforschung, Wählerwanderung, Strukturwandel, Wahlanalyse, Koalitionsbildung, CDU, SPD, Parteienfinanzierung, Wahlverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Faktoren, die den Niedergang etablierter Regierungsparteien in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erklären.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Typologie von Parteien, die Struktur von Parteiensystemen, der Einfluss von situativen Ereignissen auf Wahlergebnisse sowie langfristige gesellschaftliche Trends.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Gründe für den Machtverlust der SPD in Nordrhein-Westfalen (2005) und der CDU in Rheinland-Pfalz (1991) zu analysieren und miteinander zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein vergleichender politikwissenschaftlicher Analyseansatz gewählt, der auf Parteiensystemmodellen (z.B. nach Sartori, Duverger) und empirischen Wahldaten basiert.
Welche Inhalte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den Parteienbegriff sowie eine detaillierte Analyse der Parteiensysteme und der jeweiligen politischen Machtwechsel in den beiden Bundesländern.
Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit charakteristisch?
Charakteristische Begriffe sind unter anderem Parteienwettbewerb, Wählerwanderung, soziale Basis, Konzentrationsgrad und politische Hegemonie.
Warum wird im Fall von Rheinland-Pfalz besonders auf den Parteitag 1988 eingegangen?
Das Kapitel nennt den Parteitag 1988 als Wendepunkt, da die dortige Kampfkandidatur zu einer tiefen Spaltung und Zerrissenheit der CDU führte, die den späteren Machtverlust 1991 mit verursachte.
Welche Rolle spielt die „Spendenaffäre“ für Nordrhein-Westfalen?
Die Arbeit identifiziert die Spendenaffäre als situativen Faktor, der insbesondere die Landtagswahl 2000 in Nordrhein-Westfalen beeinflusste und das Vertrauen in die SPD-Regierung minderte.
- Arbeit zitieren
- Marius Niespor (Autor:in), 2009, Die Parteiensysteme in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133349