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Das albanische Gewohnheitsrecht aus der Perspektive der rechtlichen Volkskunde

Title: Das albanische Gewohnheitsrecht aus der Perspektive der rechtlichen Volkskunde

Seminar Paper , 2001 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nikolaus Wilhelm-Stempin (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Unter Einbeziehung des Ansatzes einer rechtlichen Volkskunde nach Karl-S. Kramer beschäftigt sich der Autor dieses Aufsatzes mit der Problematik der Unvereinbarkeit zwischen Gewohnheitsrecht und staatlichem Recht. Als Beispiel dient hier der "Kanun", der in den alpinen Regionen Nordalbaniens bis heute Gültigkeit hat. Auch im benachbarten Kosovo haben sich bis heute Reste eines alten tradierten Gewohnheitsrechtes bewahrt. Der Artikel aus dem Jahre 2001 ist auch heute noch aktuell, vor allem seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Jahre 2008 und den damit verbundenen internationalen Bemühungen, moderne Rechtsnormen für dsa Kosovo zu entwickeln.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Abgrenzung des Themas

B. Allgemeines über das Gewohnheitsrecht

I. Geographische Abgrenzung

II. Herkunft des Kanun

1. Die Entwicklung des Gewohnheitsrechtes bei den Albanern

2. Der Kanun des Leka Dukagjin

III. Die balkanische Patriarchalität

IV. Teilaspekte des Kanun

1. Die Heirat

2. Die Ehre

3. Die Blutrache

V. Kollisionen mit dem staatlichen Recht

1. Albanien

2. Die albanischen Gebiete Jugoslawiens und dessen Nachfolgestaaten

VI. Lösungsansätze

C. Ausblick für eine rechtliche Volkskunde

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem traditionellen Gewohnheitsrecht der Albaner (dem Kanun) und den jeweils geltenden staatlichen Rechtssystemen im Balkanraum unter Berücksichtigung der rechtlichen Volkskunde.

  • Historische Herkunft und soziokulturelle Bedeutung des Kanun
  • Stellung der Frau und patriarchalische Familienstrukturen
  • Mechanismen der Blutrache und deren soziale Funktion
  • Konfliktlinien zwischen archaischem Gewohnheitsrecht und staatlicher Gesetzgebung
  • Perspektiven für eine rechtliche Volkskunde in Transformationsgesellschaften

Auszug aus dem Buch

3. Die Blutrache

Oftmals wird der Kanun mit der Blutrache gleichgesetzt. Diese umfasst im Kanun jedoch nur 28 von 1.260 Bestimmungen und ist somit nur ein Teilaspekt des Gewohnheitsrechtes, wenn auch ein in die Lebensumstände ganzer Großfamilien sehr einschneidender.

Die Art der Selbsthilfe ist charakteristisch für Gesellschaften, die kein kodifiziertes Recht oder Instanzen, die Rechtssprüche fällen, kennen. Daher muss der Geschädigte sich sein Recht selbst verschaffen. Ein Problem hierbei ist, dass der Akt der Selbstjustiz oftmals weitere Racheakte provoziert, und somit ein unendlicher Kreislauf der Gewalt in Gang gesetzt wird. Die Blutrache ist ein Relikt aus der indogermanischen Zeit, als die Menschen noch glaubten, die Seele des Ermordeten fände erst dann Ruhe, wenn der Mord gesühnt sei.

Bei den Montenegrinern wurde die Blutrache bis in die 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts eingedämmt. Vor allem die österreichischen Behörden versuchten, diese Institution einzudämmen. Hier wurde der Mörder nun zweifach verfolgt: von der Sippe des Ermordeten sowie von der österreichischen Justiz.

In Albanien selbst gab es ab 1920 staatliche Bemühungen, die Blutrache abzuschaffen. Im Kosovo wurde sie noch wesentlich länger praktiziert, und die staatlichen Gesetze, die die Selbsthilfe unter Strafe stellten, wurden weitgehend ignoriert. Erst 1990 wurde dort eine allgemeine Besa (Aussetzung der Blutrache) vereinbart, um Kräfte gegen den serbischen Staat zu bündeln: Der Kanun sieht im Kriegsfalle oder bei ähnlich gelagerter Bedrohung die Besa vor (Kaser 1992: 276-279).

Zusammenfassung der Kapitel

A. Abgrenzung des Themas: Einleitung in die Fragestellung zur Überschneidung von traditioneller Rechtsauffassung und staatlicher Gesetzgebung im Kontext der rechtlichen Volkskunde.

B. Allgemeines über das Gewohnheitsrecht: Untersuchung der historischen und geografischen Wurzeln des Gewohnheitsrechts der Albaner sowie der Rolle des Kanun.

I. Geographische Abgrenzung: Darstellung der regionalen Verbreitung des Gewohnheitsrechts über Staatsgrenzen hinweg im westlichen Balkan.

II. Herkunft des Kanun: Analyse der Entwicklung des Gewohnheitsrechts und des Kanun des Leka Dukagjin als zentrales Element der albanischen Gesellschaftsordnung.

III. Die balkanische Patriarchalität: Analyse der soziokulturellen Bedeutung der patriarchalischen Familienstruktur und der Multifunktionalität des Hausvaters.

IV. Teilaspekte des Kanun: Detaillierte Betrachtung spezifischer Normen zu Ehe, Ehre und Blutrache.

V. Kollisionen mit dem staatlichen Recht: Diskussion der Spannungen zwischen dem Gewohnheitsrecht und staatlichen Systemen in Albanien sowie den Nachfolgestaaten Jugoslawiens.

VI. Lösungsansätze: Erörterung der Möglichkeiten, wie Juristen und Ethnologen zum Ausgleich zwischen traditionellen Bräuchen und moderner Rechtssetzung beitragen können.

C. Ausblick für eine rechtliche Volkskunde: Vorschlag zur zukünftigen Ausrichtung der rechtlichen Volkskunde unter Einbeziehung soziokultureller Modelle.

Schlüsselwörter

Gewohnheitsrecht, Kanun, Albanien, Kosovo, Blutrache, Patriarchalität, Rechtskunde, Volkskunde, Besa, Rechtskollision, Tradition, Sozialgeschichte, Balkan, Rechtsanthropologie, Identität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das historische und aktuelle Verhältnis zwischen dem traditionellen Gewohnheitsrecht der Albaner, bekannt als Kanun, und dem jeweiligen staatlichen Rechtssystem im Balkanraum.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Entstehung von Rechtsgewohnheiten, die Rolle des Patriarchats, die gesellschaftliche Funktion von Blutrache und Ehre sowie den Konflikt zwischen archaischen Normen und staatlicher Gesetzgebung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Gegensatz zwischen traditionellen Rechtsbräuchen und staatlichem Recht aufzuzeigen und Lösungsansätze für eine rechtliche Volkskunde zu diskutieren, die diese Diskrepanz berücksichtigt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine rechtsethnologische Untersuchung, die auf der Analyse von Sekundärliteratur, historischen Gesetzestexten und soziokulturellen Erklärungsmodellen (z.B. nach Karl-S. Kramer) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert den Kanun als System, seine Teilaspekte wie Ehe und Ehre, die historische Entwicklung der Blutrache sowie die Probleme bei der Implementierung staatlicher Gesetze unter kommunistischen und post-kommunistischen Regimen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Kanun, Gewohnheitsrecht, Blutrache, albanische Stammesgesellschaft und rechtliche Volkskunde definieren.

Warum spielt das Haus eine so zentrale Rolle im Kanun?

Das Haus fungiert im traditionellen albanischen Recht als schützende Burg und Basis der Verteidigungspolitik, was historisch zu einer starken Fixierung und einer gewissen Unabhängigkeit vom staatlichen Recht führte.

Wie hat sich die Blutrache im Laufe der Zeit verändert?

Die Blutrache wandelte sich von einem fest verankerten Rechtsinstrument zur Sühne von Ehrverletzungen hin zu einem Phänomen, das in Krisenzeiten (wie in den 1990er Jahren in Albanien) in einem rechtsfreien Raum wieder an Bedeutung gewann.

Warum scheiterten staatliche Bemühungen zur Unterdrückung des Gewohnheitsrechts oft?

Aufgrund der tiefen Verwurzelung des Kanun in der sozialen Struktur und des mangelnden Vertrauens der Bevölkerung in fremde oder aufgezwungene staatliche Institutionen wurde das moderne Recht oft als Einmischung in die Souveränität des Hauses abgelehnt.

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Details

Title
Das albanische Gewohnheitsrecht aus der Perspektive der rechtlichen Volkskunde
College
LMU Munich  (Institut für Deutsche und vergleichende Volkskunde)
Course
Rechtliche Volkskunde
Grade
1,3
Author
Nikolaus Wilhelm-Stempin (Author)
Publication Year
2001
Pages
17
Catalog Number
V133353
ISBN (eBook)
9783640401567
ISBN (Book)
9783640401284
Language
German
Tags
Gewohnheitsrecht Perspektive Volkskunde
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nikolaus Wilhelm-Stempin (Author), 2001, Das albanische Gewohnheitsrecht aus der Perspektive der rechtlichen Volkskunde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133353
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