Inwiefern kann der Umgang mit der Wolhynien-Tragödie in Polen und in der Ukraine als ein Teil vom Konstruktionsprozess ihrer sozialen Identität wahrgenommen werden?
Diese Arbeit befasst sich mit der Wahrnehmung vom Wolhynien-Massaker in Polen und in der Ukraine. Dabei ist das Ziel, nicht die Richtigkeit der Aussagen der Historiker*innen festzustellen, sondern zu analysieren, auf welche Weise mit der Thematik in den beiden Ländern umgegangen wird und wurde.
Die Analyse findet anhand der Theorie von Horst-Alfred Heinrich statt. Der Soziologe erkennt in Henri Tajfel’s Theorie der sozialen Identität viele Aussagen, die den Zusammenhang der sozialen Identität mit der Geschichtspolitik erklären lassen.
Zunächst werden die Thesen von Heinrich erläutert. Der zweite Teil geht auf das Wolhynien-Massaker und das polnisch-ukrainische Konflikt ein. Dabei werden die historischen Aspekte angesprochen, ebenso wie die Versuche der beiden Länder, ihre Geschichte aufzuarbeiten. Daraufhin folgt eine Analyse der kollektiven Erinnerung in Polen und in der Ukraine in Hinsicht auf die Wolhynien-Tragödie. Zum Schluss wird ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Erklärungsansatz von Horst-Alfred Heinrich
3. Das Massaker von Wolhynien und Ostgalizien und ihre Aufarbeitung
3.1 Der Konflikt aus historischer Sicht
3.2 Die Aufarbeitung des Konflikts
4. Der Umgang mit der Geschichte als Teil der Identitätskonstruktion
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern der Umgang mit der Wolhynien-Tragödie in Polen und in der Ukraine als Instrument zur Konstruktion nationaler Identität dient, ausgehend von der Theorie der sozialen Identität nach Horst-Alfred Heinrich.
- Theoretische Grundlagen zur sozialen Identität und Erinnerungspolitik
- Historische Analyse des Wolhynien-Massakers und der polnisch-ukrainischen Beziehungen
- Vergleich der nationalen Erinnerungskulturen und Aufarbeitungsprozesse
- Instrumentalisierung historischer Narrative zur Stärkung des nationalen Selbstbildes
- Spannungsfelder zwischen politischer Geschichtsschreibung und historischer Realität
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die Erinnerung an die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges variieren von Land zu Land, von Nation zu Nation, von Gesellschaft zu Gesellschaft. In einigen Fällen sind diese Unterschiede beträchtlich. Das kann sogar am Beispiel von Deutschland festgestellt werden: Das Dritte Reich wird in Ost- und Westdeutschland ungleich bewertet und die Geschichte wird anders wahrgenommen (vgl. Wolfrum 2002). Besonders große Differenzen bestehen allerdings in Bezug auf die polnisch-ukrainischen Geschichte. Während des Zweiten Weltkrieges kam es zu einer brutalen Auseinandersetzung zwischen den Polen*innen und den Ukrainern*innen auf den Gebieten Wolhyniens und Ostgaliziens. In der Diskussion über diese Ereignisse herrscht viel Unstimmigkeit (vgl. Rossolinski-Liebe 2009). Die Historiker*innen geben verschiedene Opferzahlen an und deuten keine klare Opfer-Täterseite. Das Thema wurde inzwischen auch zum politischen Problem und wird oftmals von der polnischen sowie der ukrainischen Regierung hinsichtlich der Geschichtspolitik angesprochen.
Diese Arbeit befasst sich mit der Wahrnehmung vom Wolhynien-Massaker in Polen und in der Ukraine. Dabei ist das Ziel, nicht die Richtigkeit der Aussagen der Historiker*innen festzustellen, sondern zu analysieren, auf welche Weise mit der Thematik in den beiden Ländern umgegangen wird und wurde. Die Frage lautet: Inwiefern kann der Umgang mit der Wolhynien-Tragödie in Polen und in der Ukraine als ein Teil vom Konstruktionsprozess ihrer sozialen Identität wahrgenommen werden?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der unterschiedlichen nationalen Erinnerungskulturen in Polen und der Ukraine bezüglich des Wolhynien-Massakers ein und definiert die zentrale Forschungsfrage zur Identitätskonstruktion.
2. Der Erklärungsansatz von Horst-Alfred Heinrich: Dieses Kapitel erläutert die Theorie der sozialen Identität nach Tajfel und Heinrich als theoretisches Fundament zur Erklärung, wie Geschichtspolitik zur Sicherung eines positiven Selbstbildes eingesetzt wird.
3. Das Massaker von Wolhynien und Ostgalizien und ihre Aufarbeitung: Es erfolgt eine historische Einordnung der Ereignisse von 1943-1944 sowie eine detaillierte Analyse der unterschiedlichen politischen Aufarbeitungsprozesse und Gesetzgebungen in Polen und der Ukraine.
4. Der Umgang mit der Geschichte als Teil der Identitätskonstruktion: In diesem Kapitel werden die historischen Narrative und politischen Vorgehensweisen anhand der eingeführten Theorie analysiert, um aufzuzeigen, wie durch Vergleiche und Stereotypisierung Identität gestärkt wird.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass beide Länder die Geschichte instrumentalisieren, um ihr nationales Selbstbild zu festigen, und betont die Notwendigkeit eines offenen Dialogs anstelle einseitiger Narrative.
Schlüsselwörter
Wolhynien-Massaker, soziale Identität, Geschichtspolitik, Erinnerungskultur, Polen, Ukraine, Identitätskonstruktion, nationales Selbstbild, OUN, UPA, kollektive Erinnerung, Theorie der sozialen Identität, historische Aufarbeitung, Opfer-Täter-Narrativ, Genozid-Diskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der unterschiedlichen Wahrnehmung und politischen Instrumentalisierung des Wolhynien-Massakers in Polen und der Ukraine im Kontext der Identitätsbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Theorie der sozialen Identität, die Erinnerungspolitik beider Länder, die historische Dimension des polnisch-ukrainischen Konflikts im Zweiten Weltkrieg und die heutige staatliche Aufarbeitung.
Welche Forschungsfrage steht im Mittelpunkt?
Die zentrale Frage ist, inwiefern der Umgang mit der Wolhynien-Tragödie in Polen und in der Ukraine als Teil des Konstruktionsprozesses ihrer nationalen sozialen Identität verstanden werden kann.
Welche theoretische Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Analyse basiert primär auf der Theorie der sozialen Identität nach Henri Tajfel sowie der Erweiterung durch Horst-Alfred Heinrich, um geschichtspolitisches Handeln zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine historische Faktenanalyse des Massakers und eine vertiefende Untersuchung, wie politische Akteure durch die Interpretation dieser Geschichte das nationale Wir-Gefühl stärken.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kollektive Identität, Erinnerungspolitik, Geschichtspolitik, soziale Kategorisierung und nationales Selbstwertgefühl charakterisiert.
Wie beeinflusste das kommunistische Erbe die heutige Aufarbeitung?
Laut der Arbeit hat das kommunistische System durch Zensur und Ideologisierung zur Verzerrung und Tabuisierung der Vergangenheit beigetragen, was nach 1989 zu einer aufgeheizten Nachhol-Debatte führte.
Warum ist der Vergleich zwischen Polen und der Ukraine laut dieser Arbeit so schwierig?
Der Vergleich ist aufgrund der gegensätzlichen nationalen Narrative erschwert, da beide Seiten zur Absicherung ihres positiven Selbstbildes dazu neigen, die „eigene“ Gruppe als Opfer und die „andere“ als Täter oder Bedrohung darzustellen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Geschichtspolitik und soziale Identität. Zur Rolle der Geschichtspolitik im Konstruktionsprozess der sozialen Identität anhand des Wolhynien-Massakers 1943-1944, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1333629