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Narrheit im Kollektiv. Eine Untersuchung zum "Lalebuch"

Titel: Narrheit im Kollektiv. Eine Untersuchung zum "Lalebuch"

Seminararbeit , 2018 , 24 Seiten , Note: 1

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Die Arbeit untersucht, welche Eigenschaften eine Menschenmasse auszeichnen, wie sie sich im "Lalebuch" verkörpern und welche Folgen die Gruppendynamik im Werk hat. Bekanntermaßen endet das "Lalebuch" mit dem katastrophalen Untergang der Sippschaft. Ohne weiteren Kontext zu behaupten, dass größere Verbindungen von Menschen tendenziell zu weniger intelligenten Entscheidungen und Taten fähig sind – ganz nach dem Motto: Ein Mensch ist dumm, viele Menschen sind dümmer –, wäre aber eine vorschnelle Annahme. Gruppen und die Faktoren, durch die sie beeinflusst werden, sind komplex, weswegen es viele Problemherde innerhalb einer Masse geben kann.

Anhand des "Lalebuchs" lässt sich eine solche Entwicklung von einst utopischen Zuständen zum kompletten Zerfall der Völkergemeinschaft Schritt für Schritt beobachten. Die Narrheit, für die sich die Lalen bewusst entscheiden, steigt im Werk kontinuierlich an und breitet sich wie eine ansteckende Krankheit aus. Die Konsequenzen ihrer Entschlüsse, die sie zum Großteil als Gemeinschaft treffen und die immer mit dem Ziel der Verbesserung des Gemeinwohls verbunden sind, werden von Mal zu Mal verderblicher.

Der Zusammenhang zwischen dem Kollektiv und dem Ende der Lalen scheint auf der Hand zu liegen, jedoch muss dabei beachtet werden, dass eine Gesellschaft nur ein vom Mensch geschaffenes Konzept ist, das sich aus vielen Einzelnen derselben konstituiert. Da Menschen von Natur aus durch Heterogenität gekennzeichnet sind, hängt der Erfolg bzw. das Fortbestehen einer Gruppe von der Konstellation und der Motivation derselben ab.

Dies zeichnet sich auch am "Lalebuch" ab: In den meisten Episoden sind die Bürger mit einem Problem konfrontiert, das es zu lösen gilt. Sie beraten sich, was wohl am besten zu tun sei und treffen ihre Entscheidung in der Gemeinschaft. Jedoch ist der Ablauf dieser Entscheidungsfindungsprozesse von Kapitel zu Kapitel anders gestaltet und obwohl sie immer auf andere Wege Beschlüsse fassen, wirkt die Tatsache, dass sie sich trotz allem am Ende immer einig sind, doch sehr utopisch auf den/die Leser/in.

Die Lalen können in der organisierten Gruppe also etwas erreichen, dass sie als Individuen im Volk nicht schaffen könnten. Es soll hier angemerkt werden, dass die Begriffe Masse usw. im Sinne Gustave Le Bons verstanden werden, wonach eine bloße Ansammlung von Menschen noch keine psychologische Masse darstellt. Erst unter ganz speziellen Umständen erhält die Masse die für sie spezifischen Eigenheiten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Gemeinschaft der Lalen

2.1 Die Lalen im Kollektiv

2.2 Entscheidungsfindungsprozesse und Massenmerkmale im Kollektiv

2.3 Entscheidungen der Individuen

3. Der Schultheiß: Kaiser der Narren und der Narr des Kaisers

3.1 Die Wahl des Schultheiß

3.2 Der Schultheiß und der Kaiser

3.3 Der Schultheiß als Führungsperson

4. Kontinuität der Narrheit im Kollektiv

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Gruppendynamik und den Prozess des Weisheitsverlusts der Lalen im Lalebuch, wobei analysiert wird, wie sich das Individuum im Kollektiv zur Masse verhält und welche Rolle die Führungsperson in diesem Zerfallsprozess einnimmt.

  • Psychologische Massenphänomene im Kontext des Lalebuchs
  • Die Entwicklung von individueller Vernunft zu kollektiver Narrheit
  • Die Funktion der Führungsperson und ihre Auswirkungen auf das Gemeinwohl
  • Die Bedeutung von Anonymität und Verantwortungsabgabe in der Gruppe

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Wahl des Schultheiß

Als der Kaiser Utopiens seinen Besuch ankündigt, breiten sich Angst und Panik unter den Lalen aus. Einerseits befürchten sie, dass der Kaiser ihre angenommene Narrheit durchschauen wird und sie wieder zur Weisheit zwingt, andererseits brauchen sie notwendigerweise jemanden, der ihr Volk in angemessener Art und Weise repräsentiert. Untersucht man jedoch den Fall näher, warum der alte Schultheiß von den anderen für diese Aufgabe als ungeeignet eingestuft wird, erkennt man, dass diese beiden Gründe einen kausalen Zusammenhang aufweisen: „[J]nen der erste / so sie zum anfang jrer Thorheite gewehlet / […] als jme die kunst und Weyßheit gar zu vil zuleid gethan / gar zum Narren / vnd deßnhalben zu solchem Ampt vntaugelich worden war“56. Wie zuvor schon veranschaulicht, gilt übermäßige Weisheit bei den Lalen als Fehlverhalten und sogar als Desintegrationsgrund, weshalb man diese nicht unzweifelhaft formulierte Textstelle so auslegen kann, dass der ehemalige Schultheiß mit dem sprechenden Namen M.O.R.O.S. (griech. ‚Narr’) noch zu viel von seiner alten Weisheit innehatte und somit den durch die Umstände postulierten Anforderungen nicht nachkommen kann. Denn Personen, die sich der Gesellschaft nicht unterordnen können, werden berechtigterweise ebenfalls als Narr bezeichnet.57 Der Wunsch nach einem Führer, der die gemeinsamen Ideale verkörpert, ist uns Menschen als gesellschaftsliebende Wesen inhärent, vor allem in Zeiten einer

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Gruppenverhaltens ein und stellt die zentrale Fragestellung der Untersuchung zum Lalebuch vor.

2. Die Gemeinschaft der Lalen: Dieses Kapitel analysiert die Zusammensetzung des Kollektivs der Lalen sowie die psychologischen Faktoren und Entscheidungsprozesse innerhalb ihrer Gemeinschaft.

3. Der Schultheiß: Kaiser der Narren und der Narr des Kaisers: Hier wird die Rolle des Schultheiß als Führungsperson beleuchtet, insbesondere seine Funktion als Repräsentant des Narrentums und Mittler zwischen den Gesellschaftsschichten.

4. Kontinuität der Narrheit im Kollektiv: Dieses Kapitel zeigt die Korrelation zwischen schwindender Weisheit und zunehmender Massendynamik im Laufe des Werkes auf.

5. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und verdeutlicht die Ironie, dass die kollektive Narrheit zum Untergang der Laleburger führt.

Schlüsselwörter

Lalebuch, Narrheit, Kollektiv, Massenpsychologie, Weisheitsverlust, Schultheiß, Gruppendynamik, Führung, Soziale Struktur, Utopien, Individuum, Vernunft, Gesellschaftskritik, Konformismus, Desintegration

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Verhalten der Gemeinschaft der Lalen im Lalebuch und zeigt auf, wie aus einem rationalen Volk durch Gruppendynamik eine psychologische Masse wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die psychologische Massenbildung, den Verlust individueller Weisheit zugunsten kollektiver Narrheit und die satirische Funktion des Schultheiß als Führungsperson.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Untersuchung fragt nach den Eigenschaften und Folgen der Gruppendynamik im Lalebuch und wie sich die Rolle des Einzelnen im Gegensatz zum Kollektiv über den Verlauf der Handlung verändert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analysen sowie massenpsychologische Konzepte, insbesondere im Sinne von Gustave Le Bon.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert schrittweise die Entstehung des Kollektivs, die Rolle des Schultheiß bei der Zerstörung gesellschaftlicher Ordnung und die zunehmende Unvernunft der Lalen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Narrheit, Kollektiv, Massenpsychologie, Lalebuch, Gruppendynamik und Weisheitsverlust stehen im Fokus der Untersuchung.

Warum wird der Schweinehirt als Schultheiß ausgewählt?

Er ist die Personifizierung des Narrentums und für das Kollektiv der ideale Führer, da er die angestrebte Narrheit der Lalen glaubhaft repräsentiert.

Welche Rolle spielt das Öfen-Beispiel?

Das Ofen-Beispiel dient als Beleg für die Pejoration der Weisheit, bei der ein einzelner vernünftiger Einwand gegen die Entscheidung der Masse feindselig abgelehnt wird.

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Details

Titel
Narrheit im Kollektiv. Eine Untersuchung zum "Lalebuch"
Hochschule
Universität Salzburg
Note
1
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V1333961
ISBN (PDF)
9783346843531
ISBN (Buch)
9783346843548
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lale Lalen Lalebuch Schildbürger Literaturwissenschaft Germanistik Massenpsychologie Narrheit Kollektiv Mediävistik Frühe Neuzeit Narr Narren Gemeinwohl Gemeinschaft Literaturgeschichte 16. Jahrhundert Mittelalter Frühneuhochdeutsch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2018, Narrheit im Kollektiv. Eine Untersuchung zum "Lalebuch", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1333961
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Leseprobe aus  24  Seiten
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