Cassirer veröffentlicht 1942 sein Werk Zur Logik der Kulturwissenschaften, Fünf Studien.
In der ersten Studie, mit dem Titel Der Gegenstand der Kulturwissenschaft erarbeitet Cassirer seinen Kulturbegriff, indem er ihn gegen die Natur und die naturwissenschaftlichen Methoden stellt und zur neuen Aufgabe der Philosophie erklärt. Zwei Jahre später erscheint ein weiteres Werk Über den Menschen , mit dem Untertitel Einführung in eine Philosophie der Kultur. Es beinhaltet ein populär-wissenschaftliche Darstellung und Erläuterung seiner Anschauungen, die Cassirer vormals in der Philosophie der symbolischen Formen entwickelt hat.
Anhand der folgenden Zusammenfassung beider Werke wird aufgezeigt auf welche Weise Cassirer zum Kulturbegriff gelangt. Ausgehend von einer historischen Betrachtung zur Entwicklung des Erkenntnisbegriffes über das Problem der Objektivität zwischen der Philosophie und den Naturwissenschaften, bis hin zur Bestimmung des Wesen des Menschen als animal symbolicum und der Entwicklung menschlicher Kultur aus den symbolischen Formen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Ernst Cassirer – Erkenntnistheoretiker, Kulturphilosoph, Kulturanthropologe
Die Antike und die Entstehung der exakten Wissenschaft
Sprache und Symbol als neue Erkenntnisform
Das Problem der Objektivität und die neue Aufgabe der Philosophie
Das Wesen des Menschen
Symbolische Formen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturphilosophische Konzeption von Ernst Cassirer, insbesondere seine Theorie der symbolischen Formen. Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie Cassirer ausgehend von erkenntnistheoretischen Fragen den Kulturbegriff als anthropologisches Motiv bestimmt und den Menschen als animal symbolicum definiert.
- Die erkenntnistheoretische Herleitung des Kulturbegriffs
- Die Abgrenzung und Vermittlung zwischen Natur und Geist
- Der Wandel der Philosophie zur Logik der Kulturwissenschaft
- Die Funktion und Bedeutung des Symbolbegriffs in der menschlichen Weltgestaltung
- Die Rolle der Sprache als grundlegende symbolische Form
Auszug aus dem Buch
Das Wesen des Menschen
Um die Frage nach dem Wesen des Menschen zu klären greift Cassirer auf eine lebensphilosophische Sichtweise zurück, in der der Mensch als Tier mit einer spezifischen Sonderentwicklung angesehen wird. Ein typischer Vertreter einer solchen naturalistischen Theorie war namentlich Charles Darwin, dessen biologisch empirischer Entwicklungsbegriff seinerzeit zeigte, dass der Mensch mit seiner Sonderstellung, in einem durch die natürliche Selektion gesteuerten, evolutionären Entwicklungsgefüge steht. Es ist Darwins Vermächtnis, zum einen die „Kluft zwischen „Natur“ und „Geist“ überwunden und zum andern das vereinigende Band[…] zwischen der Naturwissenschaft und Kulturwissenschaft“ gefunden zu haben. Vor ihm bestand ein Problem in der antiken Konzeption des Menschen als Geist-Körper Wesen, wo sich der geistige Teil mit Gott und der körperliche Teil mit der Natur verbanden. Trotz aller Bemühungen lies sich die denkende Seele nicht auf einen biologischen körperlichen Ursprung „der ernähernden oder empfindenden Seele“ zurückführen. Bei Darwin hingegen soll mit der Erforschung der körperlichen Natur der seelische Teil miterklärt werden. Seinem Credo zufolge sind alle höheren Lebensformen mit durch fließende Übergänge mit den elementaren Formen verbunden, daher „kann es auch in ihnen keine Leistung geben, die die Dimension des organischen Daseins als solche verlässt."
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Ambivalenz des Kulturbegriffs und führt das anthropologische Motiv ein, das Kultur als vom Menschen produzierte Lebenswelt und Ausdruck seiner Reflexionsfähigkeit begreift.
Ernst Cassirer – Erkenntnistheoretiker, Kulturphilosoph, Kulturanthropologe: Dieses Kapitel zeichnet den biographischen und fachlichen Hintergrund Cassirers nach und erläutert seinen Übergang von der klassischen Erkenntnistheorie zur Kulturphilosophie.
Die Antike und die Entstehung der exakten Wissenschaft: Hier wird der historische Wandel vom mythischen Welterklärungsmodell hin zur mathematischen Naturwissenschaft und deren Auswirkungen auf das menschliche Erkenntnisideal beschrieben.
Sprache und Symbol als neue Erkenntnisform: Der Fokus liegt auf der Bedeutung der Sprache als erstes symbolisches System, das eine intersubjektive gemeinsame Welt schafft und als Vorstufe wissenschaftlicher Erkenntnis dient.
Das Problem der Objektivität und die neue Aufgabe der Philosophie: Das Kapitel analysiert die transzendentale Wende und die Überwindung des metaphysischen Absolutismus durch eine Philosophie, die die Gesamtheit kultureller Objektivationen betrachtet.
Das Wesen des Menschen: Es wird erörtert, wie der Mensch sich durch die Ausbildung von Symbolnetzen und die Fähigkeit zur Reflexion von seiner reinen animalischen Natur abhebt und zum animal symbolicum wird.
Symbolische Formen: Den Abschluss bildet die funktionale Bestimmung symbolischer Formen wie Mythos, Religion, Kunst und Wissenschaft als Energien des Geistes, die Wirklichkeit erst konstituieren.
Schlüsselwörter
Ernst Cassirer, Kulturphilosophie, Symbolische Formen, animal symbolicum, Erkenntnistheorie, Natur, Geist, Objektivität, Mythos, Sprache, Kulturwissenschaft, Reflexion, Anthropologie, Lebenswelt, Wahrnehmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Philosophie Ernst Cassirers und seine systematische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Kultur sowie dem menschlichen Erkenntnisvermögen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Verhältnis von Natur und Kultur, die Rolle des Symbols in der menschlichen Weltauffassung und die methodische Neuausrichtung der Philosophie als Kulturwissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, darzulegen, wie Cassirer den Menschen durch seine symbolischen Ausdrucksformen als ein Wesen definiert, das seine eigene Wirklichkeit durch Reflexion gestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische und systematisierende Herangehensweise, indem sie Cassirers Hauptwerke (insb. "Philosophie der symbolischen Formen" und "Versuch über den Menschen") analysiert und in den Kontext der Philosophiegeschichte stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert den Übergang von mythischen zu wissenschaftlichen Erkenntnisformen, die Funktion von Sprache als Symbol sowie die biologische und philosophische Bestimmung des Menschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Symbolische Formen, animal symbolicum, Kulturphilosophie, Erkenntnistheorie und die Vermittlung zwischen Natur und Geist.
Wie unterscheidet Cassirer zwischen Signalen und Symbolen?
Cassirer definiert Signale als physikalische Operatoren mit fester Beziehung zur Umwelt, während Symbole als Designatoren subjektive Konstrukte sind, die Bedeutung innerhalb einer kulturellen Welt erst hervorbringen.
Warum ist das Beispiel Helen Keller für Cassirers Theorie wichtig?
Das Beispiel illustriert, wie durch den Erwerb von Symbolen (Sprache) ein Mensch erst Zugang zu einer gegenständlichen Welt und zum menschlichen Denken findet, unabhängig von der sinnlichen Beschaffenheit der Umwelt.
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- Michael Kowalczyk (Author), 2008, Ernst Cassirers Philosophie der Kultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133399