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Depression nach Querschnittverletzung. Der Einfluss des Alters

Titel: Depression nach Querschnittverletzung. Der Einfluss des Alters

Bachelorarbeit , 2022 , 77 Seiten

Autor:in: Laura Pföhler (Autor:in)

Psychologie - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit wird eine empirische Studie mit einem within-subject- und between-subject-Untersuchungsdesign nach dem Vorbild der European Multicenter Study on Spinal Cord Injury (EMSCI) durchgeführt. Der Gegenstand dieser Studie ist eine retrospektive Datenanalyse mit dem Ziel, Unterschiede in der Depressivitätsausprägung zwischen Personen des jungen, mittleren, und höheren Erwachsenenalters nach Querschnittverletzung auszumachen.

Dafür wird eine ANOVA (Analysis of Variance) mit Messwiederholung nach 1, 3 und 12 Monaten berechnet. Die Messzeitpunkte stellen den Innersubjektfaktor (within) dar. Der Zwischensubjektfaktor (between) ist die Gruppenzugehörigkeit zu einer der Alterskohorten. Alle Daten wurden an der BG-Unfallklinik Murnau standardisiert nach dem EMSCI-Schema erhoben. Die Depressivitätsausprägung wurde mit dem Beck-Depressions-Inventar II (BDI-II) erfasst.

Auch wenn empirisch bewiesen ist, dass man einen Großteil der körperlichen Fitness/konditionellen Fähigkeiten durch Training bis ins hohe Alter bewahren kann, so lässt es sich nicht leugnen, dass auf der körperlichen Ebene die Abbauprozesse überwiegen. Psychologisch interessant ist es, in welchen Bereichen es zu Zuwachsen kommt. Im Bereich der Kristallinen Intelligenz ist ein Zuwachs bis ins hohe Lebensalter zu verzeichnen. Dazu kommt, dass ältere Personen emotional stabiler sind und weniger tägliche Affektschwankungen aufweisen.

Und es gibt empirische Tendenzen, die aufweisen, dass Personen im höheren Alter bei der Auseinandersetzung mit gesundheitlichen Einschränkungen eher zu emotionsregulierenden Bewältigungsstrategien, wie dem Akzeptieren der Situation und der Vermeidung negativer Emotionen, neigen. Dazu kommt, dass aus entwicklungspsychologischer Perspektive die komplexen Entwicklungsaufgaben im höheren Alter abgeschlossen sind.

Im Gegensatz dazu wird das jüngere Erwachsenenalter oft als „Rushhour“ bezeichnet, da hier viele Entwicklungsaufgaben, wie eine Familie gründen und einen Beruf finden, in eine relativ kurze Zeitspanne fallen. Im mittleren Erwachsenenalter dagegen steht der Fokus auf der sozialen Verantwortung für die eigenen Kinder und Eltern. Dazu kommt, dass viele hier ihre höchste Karrierestufe erreichen. Dieser dreigliedrige Spagat ist oft mit einer enormen psychischen Belastung verbunden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Herleitung der Forschungsfrage

2. Theoretische Grundlagen und Definitionen

2.1. Querschnittlähmung

2.1.1. Definition

2.1.2. Klassifikation

2.1.3. Ätiologie

2.1.4. Epidemiologie

2.1.5. Rehabilitation

2.2. Komorbidität zwischen Querschnittlähmung und Psyche

2.2.1. Psychologische Bewältigungstheorien

2.2.2. Depressive Erkrankungen

2.3. Querschnittlähmung und Alter

2.4. Bisherige Forschung zum Einfluss des Alters auf die depressive Symptomatik querschnittgelähmter Personen

3. Fragestellung und Hypothesen

4. Methodisches Vorgehen

4.1. Einführung in das Untersuchungsdesign

4.2. Datenerhebung

4.2.1. EMSCI

4.2.2. BDI‐II

4.3. Datenaufbereitung

4.3.1. Ein‐ und Ausschlusskriterien

4.3.2. Operationalisierung der Altersvariable

4.3.3. Beschreibung der Alterskohorten

5. Statistische Auswertung und Umgang mit fehlenden Werten

6. Ergebnisse

6.1. Deskriptive Beschreibung der abhängigen Variable

6.2. Grundvoraussetzungen für die Berechnung einer mixed ANOVA

6.3. Überprüfung der Stichproben auf Normalverteilung, Ausreißer, Sphärizität und Homoskedastizität

6.3.1. Prüfung der Normalverteilung und Überprüfung auf Ausreißer

6.3.2. Sphärizität

6.3.3. Gleichheit der Varianzen und Kovarianzen (Homoskedastizität)

6.4. Hypothesenüberprüfung

6.4.1. Hypothese I: Unterscheidung der Altersgruppen hinsichtlich der depressiven Symptomatik nach Eintritt einer Querschnittverletzung

7. Diskussion

7.1. Interpretation der wichtigsten Ergebnisse

7.2. Schlussfolgerung in Bezug auf Forschungsfrage und Hypothese

7.3. Kritische Betrachtung der eigenen Methodik und Implikationen für den weiteren Forschungsbedarf

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang A

Zielsetzung und Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die retrospektive Untersuchung von Unterschieden in der Depressivitätsausprägung bei Patienten unterschiedlicher Altersgruppen nach einer Querschnittverletzung. Forschungsleitend ist die Frage, wie sich die Altersgruppen (junges, mittleres und höheres Erwachsenenalter) hinsichtlich der Entwicklung einer depressiven Symptomatik in den ersten 12 Monaten nach der Diagnose unterscheiden.

  • Biopsychosoziale Aspekte des Alterungsprozesses
  • Komorbiditäten zwischen Querschnittlähmung und psychischen Erkrankungen
  • Einfluss des Alters auf die psychische Anpassung nach Rückenmarksverletzungen
  • Analyse depressiver Symptome mittels BDI-II nach standardisiertem EMSCI-Schema
  • Vergleich von Alterskohorten mittels mixed ANOVA
  • Identifikation präventiver Ansätze für gefährdete Altersgruppen im Rehabilitationskontext

Auszug aus dem Buch

2.1.3. Ätiologie

Die Ursachen für eine QSL können in traumatische und nichttraumatische Gegebenheiten eingeteilt werden.

Die traumatischen Ursachen sind i.d.R. auf äußere mechanische oder Umwelteinflüsse zurückzuführen, die das Rückenmark schädigen (Wirz & Dietz, 2015). Verletzungen der Halswirbelsäule machen 54.3 % aller traumatischen Rückenmarksverletzungen aus, gefolgt von thorakalen (34.9 %) und lumbosakralen (10.4 %) Verletzungen (DeVivo, 2012; Lenehan et al., 2012). Besonders gefährdet sind hier die Schnittstellensegmente der Wirbelsäule zwischen Kopf und Rumpf (C4, C5) und Rumpf und Becken (T12, L1) (Wirz & Dietz, 2015). Global betrachtet sind die häufigsten Ursachen für traumatische QSL (TQSL) Verkehrsunfälle, gefolgt von Stürzen und Gewalt. In westlichen Industrienationen ist ein demografischer Trend zu beobachten (World Health Organization, 2013). Je älter eine Person ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die QSL durch einen Sturz bedingt ist (Feng et al., 2013). Die drittgrößte Ursachenkomponente stellt Gewalt, d.h. eigen- oder fremdverschuldete Körperverletzung, dar. Zu den Ursachen für eine traumatische QSL zählen ebenso Sportverletzungen und Arbeitsunfälle mit Prävalenzen von 4 bzw. 7 % in Deutschland (R. Thietje et al., 2011). Diese unterliegen starken nationalen Schwankungen und fallen in anderen Ländern deutlich höher aus (Thietje & Hirschfeld, 2017).

Nichttraumatische QSL (NQSL) verfügen über einen weniger dichten empirischen Hintergrund. Dies ist zum einen historisch begründet, da der relative Anteil der NQSL im Verhältnis zur TQSL bis vor 70 Jahren sehr gering war (World Health Organization, 2013). Darüber hinaus existieren für die TQSL über-/nationale Register, wie z.B. die European Multicenter Study about Spinal Cord Injury (EMSCI), auf die unter Abschnitt 4.2.1 noch genauer eingegangen wird (Home - EMSCI, n.d.). Die Ursachen für die NQSL liegen hauptsächlich in Infektions- und Autoimmunkrankheiten, Tumoren, degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule, Malformationen und vaskulären Erkrankungen (Thietje & Hirschfeld, 2017). Eine repräsentative Studie aus Deutschland belegt, dass die Hauptursachen in degenerativen Erkrankungen (18 %) Tumoren (20 %), entzündlichen und vaskulären Erkrankungen, wie Multiple Sklerose oder Ischämie liegen (Thietje et al., 2011). Hervorzuheben ist, dass nichttraumatische Querschnittverletzungen häufiger inkomplette Lähmungen zur Folge haben als traumatische Verletzungen (Dahlberg et al., 2005; R. Thietje et al., 2011).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Herleitung der Forschungsfrage: Einführung in den Alterungsprozess und die Herausforderungen einer Querschnittverletzung sowie Ableitung der Forschungsfrage zu altersabhängigen Unterschieden der Depressivität.

2. Theoretische Grundlagen und Definitionen: Darstellung medizinischer und psychologischer Grundlagen von Querschnittlähmungen, deren Auswirkungen auf die Psyche sowie eine Übersicht der bisherigen Forschungslage.

3. Fragestellung und Hypothesen: Konkretisierung der Forschungsfrage und Formulierungen der zu prüfenden Hypothesen hinsichtlich der Altersgruppen.

4. Methodisches Vorgehen: Erläuterung des Untersuchungsdesigns, der Datenerhebung über die EMSCI-Datenbank, des BDI-II-Inventars sowie der Datenaufbereitung für die Analyse.

5. Statistische Auswertung und Umgang mit fehlenden Werten: Beschreibung des statistischen Vorgehens unter Verwendung von SPSS und Excel zur Bereinigung des Datensatzes.

6. Ergebnisse: Deskriptive Auswertung der BDI-II-Werte nach Altersgruppen und statistische Prüfung mittels mixed ANOVA auf Signifikanz sowie Interaktionseffekte.

7. Diskussion: Interpretation der Befunde im Kontext der bestehenden theoretischen Erkenntnisse sowie kritische Reflexion der eigenen Methodik.

8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse mit Handlungsempfehlungen für die klinische Praxis und zukünftige Forschung.

Schlüsselwörter

Querschnittlähmung, Alter, Depressivität, BDI-II, EMSCI, Rehabilitation, Anpassungsprozess, Alterskohorten, Psychische Gesundheit, traumatische Querschnittlähmung, nichttraumatische Querschnittlähmung, Bewältigungsstrategien, Suizidalität, Lebensqualität, mixed ANOVA.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Bachelorarbeit untersucht, ob und wie das Alter von Patienten zum Zeitpunkt einer Querschnittverletzung die Entwicklung depressiver Symptome in den ersten 12 Monaten nach Eintritt der Verletzung beeinflusst.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?

Die Arbeit verknüpft entwicklungspsychologische Ansätze des Alterns mit klinischen Daten zur Querschnittlähmung. Im Zentrum stehen dabei der Einfluss von Alter, medizinischen Komplikationen und psychologischen Bewältigungsmechanismen auf die mentale Gesundheit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob sich Altersgruppen (frühes, mittleres, höheres Erwachsenenalter) signifikant in ihrer depressiven Symptomatik unterscheiden, um gefährdete Gruppen in der Rehabilitation besser identifizieren zu können.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine empirische, retrospektive Sekundäranalyse unter Verwendung des EMSCI-Datensatzes. Statistisch wurde eine mixed ANOVA (Analysis of Variance) mit Messwiederholung eingesetzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen zu Querschnittlähmung und Depression, die Methodik der Datenauswertung, die deskriptive Darstellung der Ergebnisse sowie eine eingehende Diskussion der Befunde im Bezug auf die Forschungsfrage.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Querschnittlähmung, psychische Anpassungsprozesse, Depressivität, Alterskohorten, Rehabilitation sowie das Alter zum Verletzungszeitpunkt.

Welche Alterskohorten wurden für die Analyse festgelegt?

Die Stichprobe wurde in die Kohorte 1 (18 bis 34 Jahre), Kohorte 2 (35 bis 65 Jahre) und Kohorte 3 (> 65 Jahre) unterteilt.

Welches zentrale Ergebnis lieferte die Untersuchung?

Personen im höheren Erwachsenenalter zeigen zu allen untersuchten Messzeitpunkten die höchste Ausprägung an depressiven Symptomen. Zudem stagnierte bei dieser Gruppe die Depressivität im Studienverlauf, während sie bei jüngeren Personen deutlicher abnahm.

Warum spielt das Alter bei der Reha eine Rolle?

Die Ergebnisse legen nahe, dass ältere Betroffene ein höheres Risiko für depressive Symptome tragen und schwierigeren Zugriff auf Bewältigungsstrategien haben, was eine Sensibilisierung des Klinikpersonals und spezifische präventive Maßnahmen erforderlich macht.

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Details

Titel
Depression nach Querschnittverletzung. Der Einfluss des Alters
Autor
Laura Pföhler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
77
Katalognummer
V1334000
ISBN (PDF)
9783346845955
ISBN (Buch)
9783346845962
Sprache
Deutsch
Schlagworte
depression querschnittverletzung einfluss alters entwicklungspsychologie bdi2 sekundäranalyse emsi spinalcordinjury paraplegie tetraplegie alter klinischepsychologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Laura Pföhler (Autor:in), 2022, Depression nach Querschnittverletzung. Der Einfluss des Alters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1334000
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Leseprobe aus  77  Seiten
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