In der vorliegenden Arbeit wird die, von der UNESCO anerkannte und in Italien lokalisierte, bedrohte Sprache Molisekroatisch, genauer untersucht. Die Hausarbeit beschäftigt sich zunächst mit der allgemeinen Sprachsituation und der Sprachgesetzgebung in Italien. Anschließend wird anhand der geopolitischen Kontextualisierung, der linguistischen Beschreibung, der typologischen Hauptzüge sowie der soziolinguistischen Darstellung näher auf das Molisekroatische eingegangen. Die Seminararbeit endet mit den Maßnahmen für die Rettung der Sprache, sowie einem Resümee.
Während die Zahl der Weltbevölkerung stetig ansteigt, wird die Zahl der gesprochenen Sprachen auf der Erde jährlich kleiner. Die Sprachen, die von den Menschen verwendet werden, werden immer geringer, was bedeutet, dass immer mehr Menschen eine relativ kleine Anzahl von Sprachen sprechen. Schätzungen zufolge werden gegenwärtig weltweit zwischen 5000 und 7000 Sprachen gesprochen. Ein Teil der darunterfallenden Kleinsprachen werden dieses Jahr vermutlich „aussterben“. Gründe dafür könnten Beispielsweise die Unterdrückung von Minderheiten, die Entwicklung der Technologie und die Nutzung der Massenmedien sein. Die UNESCO hat unterdessen verschiedene Förderprogramme gegründet, welche Initiativen unterstützen, um das Aussterben bedrohter Sprachen zu verlangsamen oder sogar aufzuhalten. Eines dieser Programme ist der Atlas of the World's Languages in Danger.
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1. Einleitung
2. Sprachsituation in Italien
2.1 Minderheitensprachen in Italien
2.2 Sprachgesetzgebung
3. Sprachbezeichnung
4. Geopolitische Kontextualisierung
4.1 Region
4.2 Anzahl der Sprecher
5. Linguistische Beschreibung
5.1 Geschichtliches
5.2 Einordnung in die Sprachwissenschaft
6. Typologische Hauptzüge
6.1 Morphologie
6.2 Phonologie und Phonetik
6.3 Lexik
6.4 Dialektunterschied
7. Soziolinguistische Beschreibung
7.1 Faktoren und Grad der Bedrohung
7.2 Aktuelle Situation der Sprecher
8. Sprachrettungsmaßnahmen
9. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die bedrohte Minderheitensprache Molisekroatisch in Italien mit dem Ziel, ihre linguistischen Merkmale, ihre soziolinguistische Situation sowie die bestehenden Schutzmaßnahmen und ihre Wirksamkeit zu analysieren.
- Allgemeine Sprachsituation und Sprachgesetzgebung in Italien
- Geopolitische Verortung und demografischer Status der Sprachgemeinschaft
- Linguistische Analyse der morphologischen, phonetischen und lexikalischen Besonderheiten
- Untersuchung der soziolinguistischen Faktoren des Sprachverfalls und der Bedrohung
- Evaluierung von Maßnahmen zur Sprachrettung und Erhaltung des kulturellen Erbes
Auszug aus dem Buch
6.2 Phonologie und Phonetik
Auch im Bereich der Phonetik ist ein starker Einfluss der italienischen Umgebungssprache bemerkbar. Die wohl auffallendste Unterscheidung ist die Übernahme der italienisch-dialektalen Satzintonation, bei der unbetonte Vokale sehr schwach ausgesprochen werden und zum Schwund neigen wohingegen betonte Vokale sehr stark hervorgehoben werden. Außerdem wird, genauso wie im Italienischen, zwischen einem offenen und einem geschlossenen e und o unterschieden. Ein passendes Beispiel dafür sind folgende Minimalpaare: bòb (füllige Person) vs. bob (Saubohne) und čèla (Geschlechtsorgan) vs. čela (Biene). Zudem gibt es noch weitere Beispiele, die hier jedoch nicht erwähnt werden, da dies über den Umfang der vorliegenden Hausarbeit gehen würden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die globale Problematik des Sprachsterbens dar und definiert das Molisekroatische als Forschungsgegenstand dieser Arbeit.
2. Sprachsituation in Italien: Analysiert die historische und heutige sprachliche Vielfalt sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen für Minderheitensprachen in Italien.
3. Sprachbezeichnung: Erläutert die verschiedenen Bezeichnungen der slawischen Mikrosprache in der Fachliteratur sowie die Eigenbezeichnung der Sprecher.
4. Geopolitische Kontextualisierung: Beschreibt die regionale Verbreitung in den drei spezifischen Dörfern und skizziert die demografische Situation der Sprecher.
5. Linguistische Beschreibung: Behandelt die historische Herkunft der Moliseslawen und ordnet das Molisekroatische in die slavische Sprachwissenschaft ein.
6. Typologische Hauptzüge: Analysiert detailliert die strukturellen Anpassungen der Sprache in Morphologie, Phonetik und Lexik sowie die dialektalen Unterschiede vor Ort.
7. Soziolinguistische Beschreibung: Untersucht die Gründe für die Gefährdung der Sprache und die heutige totale Sprachkontaktsituation.
8. Sprachrettungsmaßnahmen: Stellt gesetzliche Anerkennungen sowie praktische Initiativen zum Erhalt der Sprache vor.
9. Resümee: Fasst die aktuelle Bedrohungslage zusammen und bewertet die Zukunftsaussichten für das Fortbestehen des Molisekroatischen.
Schlüsselwörter
Molisekroatisch, Minderheitensprache, Sprachbedrohung, Italien, Soziolinguistik, Dialektologie, Sprachkontakt, Sprachrettung, Slawische Sprachen, Kulturpflege, Sprachsterben, Sprachgesetzgebung, Morphologie, Phonetik, Lexik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit thematisiert die bedrohte Minderheitensprache Molisekroatisch in Italien und analysiert sowohl deren sprachliche Charakteristika als auch die soziolinguistische Bedrohung durch die italienische Umgebungssprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Herkunft, der linguistischen Beschreibung (Morphologie, Phonetik, Lexik), der aktuellen soziolinguistischen Situation und den Maßnahmen zum Spracherhalt.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, den Sprachverfall des Molisekroatischen zu dokumentieren, die Ursachen für die Gefährdung aufzuzeigen und die Wirksamkeit der bisherigen Schutzbemühungen zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine deskriptive linguistische Vorgehensweise, gestützt auf soziolinguistische Analysen, den Vergleich mit aktuellen Sprachdaten und die Auswertung relevanter Fachliteratur.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben der Sprachgesetzgebung und der geopolitischen Kontextualisierung vor allem die linguistischen Besonderheiten und die soziolinguistischen Herausforderungen wie Emigration und Sprachprestige diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Molisekroatisch, Sprachkontakt, Minderheitensprache, Sprachbedrohung und soziolinguistische Beschreibung geprägt.
Warum wird das Molisekroatische als "severely endangered" eingestuft?
Die Einstufung resultiert aus einem starken Rückgang der aktiven Sprecherzahlen, dem schwindenden Interesse der jungen Generation und der Dominanz des Italienischen im öffentlichen und privaten Leben.
Welche Rolle spielt der Ort Montemitro für die Erhaltung der Sprache?
Montemitro gilt als das sprachloyalste der drei Dörfer, in dem sich der ursprüngliche kroatische Charakter der Sprache am besten erhalten hat, auch wenn dort ebenfalls Herausforderungen bezüglich der Weitergabe bestehen.
- Arbeit zitieren
- Sara Casa (Autor:in), 2020, Die Sprachbedrohung der Minderheitensprachen in Italien anhand des Beispiels des Molisekroatischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1334096