Die folgende Arbeit wird sich mit verschiedenen Texten und Textgattungen von unterschiedlichen Autoren hauptsächlich aus dem 19. Jahrhundert befassen, denen das Motiv der verschleierten Frau gemeinsam ist. Diese Texte sollen gattungs- und epochengerecht interpretiert werden, um sich dann den verschleierten Gestalten in ihnen adäquat zuwenden zu können. Es wird das Beziehungsgeflecht um die verschleierte Frau zu untersuchen sein, um heraus zu arbeiten, inwiefern sie eine zentrale Funktion in den Texten innehat, bzw. welche Rolle sie in ihnen spielt.
Um die Bedeutung des Schleiers herauszustellen, muß man den Blick auf das bzw. die Verschleierte selbst richten.
Die Untersuchung soll zeigen, ob immer das- oder dieselbe hinter dem Schleier zu finden ist. Die Fragestellung der Arbeit läßt vermuten, daß sich in den verschiedenen Texten wohl eine Wandlung des oder der Verschleierten vollzieht. Danach muß eventuell die Frage geklärt werden, warum es überhaupt eine Verschleierung gegeben hat, was sie beabsichtigt und was sie bewirkt.
Außerdem muß man den Zustand der Verschleierten beachten, nämlich ob die Verschleierung bestehen bleibt, oder ob es eine Entschleierung gibt. Wenn letzteres eintritt, interessieren dann zwei Fragen: erstens der Zeitpunkt derselben und zweitens die Person, die die Entschleierung vornimmt: die verschleierte Person selbst oder jemand anderes. Die Entschleierung, wenn es denn zu ihr gekommen ist, hat meist gravierende Konsequenzen für die Entwicklung der Handlung bzw. für den Protagonisten und sein direktes Umfeld.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. HAUPTTEIL
2.1 Die Zauberflöte (Libretto von Schikaneder 1791)
2.1.1 Die Figur der Königin der Nacht
2.1.2 Die Funktion der Schleier
2.2 Das verschleierte Bild zu Sais (Friedrich von Schiller, 1795)
2.2.1 Entstehung und Hintergründe
2.2.1.1 Die Neugier des Jünglings
2.2.1.2 Die Schuld des Jünglings
2.2.1.3 Ein Gedicht Johann Baptist Alxingers- eine Vorlage für Schillers Ballade?
2.2.2 Der monotheistische Gottesbegriff und das Erhabene
2.2.2.1 Die Beschaffenheit und die Bedeutung des Schleiers
2.2.3 Schillers Wahl der Balladenform
2.3 Die Lehrlinge zu Sais (Friedrich von Hardenberg, 1797-99)
2.3.1 Die Epoche der Romantik
2.3.2 Entstehung, Aufbau und Inhalt
2.3.3 Die Metapher des Schleiers bei Novalis
2.3.4 Das Verhältnis des Menschen zur Natur und die Bedeutung des Reisens
2.3.5 Die Wiederkehr des Goldenen Zeitalters
2.4 Der Runenberg (Ludwig Tieck, 1802)
2.4.1 Die Herz-Steinmetaphorik in der Romantik
2.4.2 Die verschleierte Frau bei Tieck
2.5 Die Bergwerke zu Falun (E.T.A. Hoffmann, 1819)
2.5.1 Der Bergbau als Lieblingsmotiv der Romantik
2.5.2 Die Gestalt der Bergkönigin bei Hoffmann
2.5.2.1Tiefenpsychologische Deutung der Gestalt der Bergkönigin
2.6 Die Bergwerke zu Falun (Richard Wagner, 1841/42)
2.6.1 Aufbau des Opernfragments
2.6.2 Die Bergkönigin bei Wagner
2.6.3 Bergwerkssymbolik und Künstlerproblematik
2.7. Das Bergwerk zu Falun (Hugo von Hofmannsthal, 1899)
2.7.1 Aufbau und Inhalt
2.7.2 Die Figur der Bergkönigin bei Hofmannsthal
2.7.3. Die Bedeutung der Kunst
2.8. Das Märchen von der verschleierten Frau (Hugo von Hofmannsthal, 1999)
2.8.1 Die verschleierte Frau im gleichnamigen Märchen
3. Schluß
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der verschleierten Frau in Texten des 19. Jahrhunderts, um dessen Wandel und zentrale Funktion in den Werken verschiedener Autoren sowie die Auswirkungen der Entschleierung auf die Protagonisten zu analysieren.
- Evolution des Schleier-Motivs von der Aufklärung bis zur Jahrhundertwende.
- Gattungsspezifische Unterschiede in der Behandlung der Figur der verschleierten Frau.
- Die symbolische Bedeutung der Entschleierung als Erkenntnisakt oder Untergangsszenario.
- Psychologische und mythologische Deutung der Bergkönigin und der Isis-Gestalt.
- Kritik am aufkommenden Frühkapitalismus durch die Gegenüberstellung von materieller Gier und geistiger Suche.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Zauberflöte (Libretto von Schikaneder, 1791)
Die Zauberflöte ist sicherlich Mozarts bekannteste Oper, die sich bis heute ungebrochener Beliebtheit erfreut. Wer kennt nicht Taminos berühmte Bildnisarie (1. Aufzug, 4. Auftritt) oder die eindrucksvolle Arie (1.Aufzug, 6. Auftritt) der Königin der Nacht, die sich in anmutigen Koloraturen zum höchsten singbaren Ton, dem f´´´, emporschwingt und in der die Königin Tamino zum Retter ihrer Tochter Pamina erwählt.
Die Oper führt zu einem guten Ende, Tamino und Pamina werden ein glückliches Paar, und auch Papageno findet seine Papagena. Die Liebe der Königskinder war und ist stark genug, um alle Gefahren und Prüfungen zu überstehen. Diese Aussage und die wunderbare Musik dürften wohl der Grund für die Popularität der Zauberflöte bis heute sein.
Für das Thema dieser Arbeit ist jedoch ein Hintergrundswissen vonnöten, das der emeritierte Ägyptologie-Professor Jan Assmann in seinem Buch zur Zauberflöte umfassend, plausibel und gut verständlich liefert. Er konzentriert sich auf das freimaurerische Umfeld, in welchem die Zauberflöte entstanden ist, und auf das Verhältnis der Freimauer zu Ägypten und den ägyptischen Mysterien, die in der Zauberflöte eine nicht geringe Rolle spielen, da ja schließlich Tamino und Pamina zu Priestern der Isis, der Göttin der ägyptischen Mysterien, geweiht werden. Ohne die Kenntnis dieses Buches kann man die Verschleierung der Königin der Nacht nicht deuten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das gemeinsame Motiv der verschleierten Frau in Texten des 19. Jahrhunderts und formuliert die grundlegende Forschungsfrage nach der Wandlung und Funktion dieser Gestalten.
2. HAUPTTEIL: Der Hauptteil analysiert chronologisch verschiedene Werke von Mozart/Schikaneder bis Hofmannsthal, wobei die jeweiligen Identitäten und Rollen der verschleierten Frauen im Kontext ihrer Zeit untersucht werden.
3. Schluß: Das Schlusskapitel fasst die vielfältige Verwendung des Motivs zusammen und verdeutlicht den Wandel von der isishaften Wahrheitssuche hin zu dämonisierten, erotisierten Bergköniginnen.
Schlüsselwörter
verschleierte Frau, Motivgeschichte, 19. Jahrhundert, Romantik, Aufklärung, Isis, Bergkönigin, Entschleierung, Erkenntnis, Wahrheit, Aberglaube, Initiation, Mysterien, Kapitalismuskritik, Psychoanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das literarische Motiv der „verschleierten Frau“ in verschiedenen Texten des 19. Jahrhunderts, von Mozarts „Zauberflöte“ bis zu Hofmannsthals Märchenfragmenten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Zusammenhänge von Mythologie, literarischer Epochengeschichte, Initiationsriten und der symbolischen Bedeutung des Schleiers als Verhüllung und Offenbarung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Rolle der „verschleierten Frau“ von einer eher allegorischen oder mythologischen Gestalt zu einer dämonischen Verführerin gewandelt hat und welche Auswirkungen dies auf die Protagonisten hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin wendet eine textnahe Interpretation an, die die Werke gattungs- und epochengerecht einordnet und dabei philosophische sowie tiefenpsychologische Ansätze zur Deutung einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Einzelanalysen, die von der Aufklärung (Zauberflöte, Schiller) über die Romantik (Novalis, Tieck, E.T.A. Hoffmann) bis zur Jahrhundertwende (Wagner, Hofmannsthal) reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen: verschleierte Frau, Initiation, Wahrheit, Aberglaube, Bergkönigin, Erkenntnis und Entschleierung.
Warum wird die „Zauberflöte“ in dieser Arbeit analysiert?
Die Zauberflöte dient als Ausgangspunkt, da die Königin der Nacht als zentrale verschleierte Figur auftritt, deren Deutung maßgeblich durch den Bezug zu ägyptischen Mysterien und freimaurerischem Gedankengut bestimmt wird.
Welche Rolle spielt die Bergkönigin in den romantischen Texten?
Die Bergkönigin fungiert in den romantischen Texten meist als dämonische Gegenwelt zur bürgerlichen Realität, welche die Protagonisten durch materielle Versprechungen in den psychischen oder physischen Untergang lockt.
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- Heike Dilger (Author), 2006, Das Märchen von der 'verschleierten' Frau. Metamorphosen eines Motivs von Schiller bis Hofmannsthal, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133433