Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, ein Aufklärungsmaterial für Pädagog:innen in Schulen und Kindertagesstätten zu entwickeln, das ein besseres Notfallmanagement bei epileptischen Anfällen von Kindern und Jugendlichen im Alltag in Schulen und Kindertagesstätten fördern kann.
Dem Aufklärungsmaterial liegen die Ergebnisse speziell geführter explorativer Interviews mit Ärzt:innen, Pädagog:innen und Eltern betroffener Kinder zugrunde. Es umfasst einen Epilepsie-Notfallpass, eine Vereinbarung zur Medikamentengabe in der Einrichtung, einen Anfallsdokumentationsbogen und ein erläuterndes Video.
Im Weiteren dokumentiert die Arbeit die Testung des Materials mithilfe eines Onlinefragebogens an 322 Pädagog:innen. Im Rahmen der Auswertung zeigt sich eine hohe Wirksamkeit in sämtlichen Überprüfungsaspekten. Insbesondere sind dies eine höhere Bereitschaft, ein Notfallmedikament zu verabreichen, eine geringere Befürchtung juristischer Konsequenzen bei fehlerhafter Notfallmedikamentengabe und ein höheres Maß an empfundener Sicherheit der TeilnehmerInnen, auf eine Notfallsituation durch einen epileptischen Anfall eines ihnen anvertrauten Kindes vorbereitet zu sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Theoretischer Hintergrund und Fragestellung
1.1. Epilepsie
1.2. Notfallmedikation
1.3. Notfallmedikation bei Epilepsie
1.4. Inklusion in Schule und Kindertagesstätte
1.5. Notfallmedikation in Schule und Kindertagesstätte
1.6. Notfallmedikation bei Epilepsie in Schule und Kindertagesstätte
2. Studienteil 1
2.1. Methoden und Stichprobe Studienteil 1
2.2. Ergebnisse Studienteil 1
2.2.1. Notfallpass (siehe Anhang 2)
2.2.2. Vereinbarung zur Notfallmedikamentengabe (siehe Anhang 3)
2.2.3. Anfallsdokumentationsbogen (siehe Anhang 4)
2.2.4. Drucksachen insgesamt
2.2.5. Video
3. Studienteil 2
3.1. Hypothesen
3.2. Methoden und Stichprobe Studienteil 2
3.2.1. Online-Fragebogen
3.2.2. Methoden der Auswertung Studienteil 2
3.3. Ergebnisse Studienteil 2
3.3.1. Ergebnisse Hypothese 1
3.3.2. Ergebnisse Hypothese 2
3.3.3. Ergebnisse Hypothese 3
3.3.4. Ergebnisse Hypothese 4
3.4. Interpretation der Testergebnisse Studienteil 2
4. Diskussion
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung und Evaluation eines Aufklärungsmaterials für pädagogische Fachkräfte zur Verbesserung des Notfallmanagements bei epileptischen Anfällen von Kindern in Schulen und Kindertagesstätten. Die Arbeit untersucht, wie eine strukturierte Handreichung sowie ein Erklärvideo die Sicherheit und Bereitschaft der Pädagogen zur Medikamentengabe erhöhen und juristische Ängste abbauen können.
- Entwicklung bedarfsgerechter Notfallmaterialien (Notfallpass, Vereinbarung, Dokumentationsbogen)
- Erhöhung der Sicherheit und Handlungsfähigkeit pädagogischer Fachkräfte im Notfall
- Minimierung juristischer Verunsicherungen bei der Medikamentengabe
- Evaluation der Wirksamkeit durch explorative Interviews und quantitative Online-Befragung
Auszug aus dem Buch
1.2. Notfallmedikation
Für verschiedene Erkrankungen sind Notfallmedikamente, die von Laien verabreicht werden können, unerlässlich. Sie spielen bei speziellen lebensbedrohlichen Ereignissen eine Rolle, bei denen die Zeit bis zum Eintreffen eines Notarztes oder einer Notärztin unter Umständen zu lang wäre. Typische Beispiele für den Einsatz solcher Notfallmedikamente sind schwere Allergien mit der Gefahr eines anaphylaktischen Schocks oder des Zuschwellens der Atemwege (Ring et al., 2014), Diabetes mellitus (Pschyrembel online, o. D.), Asthma (Ortega & Genese, 2022), schwere Migräne oder Epilepsie. Bei diesen Ereignissen müssen die Notfallmedikamente explizit auch von Laien verabreicht werden, da die Gabe zeitsensibel ist, also in einem ganz bestimmten Zeitraum nach ersten Anzeichen eines Notfalls gegeben werden muss, um adäquat zu helfen.
Dazu Prof. Dr. Angela Kaindl, Leitung des Sozialpädiatrischen Zentrums, Direktorin der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Neurologie der Charité Universitätsmedizin Berlin: Je länger ein epileptischer Anfall anhält, desto eher ändern sich Rezeptoren an Zelloberflächen und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Notfallmedikamente greift. (Kaindl, 2022, persönliche Kommunikation)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretischer Hintergrund und Fragestellung: Dieses Kapitel erläutert die medizinischen Grundlagen der Epilepsie, die Notwendigkeit von Notfallmedikation und beleuchtet die in Deutschland bestehende Unsicherheit im pädagogischen Alltag bei der Inklusion betroffener Kinder.
2. Studienteil 1: Hier wird der qualitative Forschungsprozess beschrieben – von explorativen Experteninterviews bis hin zur Entwicklung der konkreten Materialien wie Notfallpass, Rechtsvereinbarung und Erklärvideo.
3. Studienteil 2: Dieser Teil widmet sich der quantitativen Überprüfung des entwickelten Materials mittels einer Online-Umfrage, bei der Hypothesen zur Bereitschaft und Sicherheit von pädagogischem Personal bei der Medikamentengabe getestet wurden.
4. Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch hinterfragt, Limitationen der Studie aufgezeigt und zukünftige Forschungsansätze sowie Optimierungsmöglichkeiten für das Notfallmanagement in Bildungseinrichtungen diskutiert.
5. Fazit: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bestätigt die Wirksamkeit der entwickelten Materialien zur Verbesserung des notfallpädagogischen Handelns.
Schlüsselwörter
Epilepsie, Notfallmedikation, Pädagogik, Kindertagesstätte, Schule, Inklusion, Notfallmanagement, Notfallpass, Medikamentengabe, Rechtsgrundlagen, Evaluation, Aufklärung, Schüler, Erzieher, Lehrer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung und Überprüfung von Aufklärungsmaterialien, die pädagogischen Fachkräften helfen sollen, bei epileptischen Notfällen von Kindern in Schulen und Kitas sicher und kompetent zu handeln.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind medizinisch-pädagogische Aspekte der Epilepsie, die rechtliche Situation der Medikamentengabe durch Laien sowie die praktische Umsetzung eines effizienten Notfallmanagements.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erhöhung der Handlungssicherheit und Bereitschaft pädagogischer Fachkräfte, Notfallmedikamente zu verabreichen, bei gleichzeitiger Reduzierung von Ängsten vor rechtlichen Konsequenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Studie ist zweigeteilt: Zuerst wurden durch explorative Experteninterviews qualitative Daten erhoben, danach erfolgte eine quantitative Wirksamkeitsprüfung mittels Online-Fragebogen bei 322 pädagogischen Fachkräften.
Was wird im Hauptteil der Arbeit erläutert?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die methodische Erarbeitung von Notfallmaterialien sowie deren statistische Testung hinsichtlich der Hypothesen zu Medikamentenbereitschaft und juristischer Absicherung.
Welche Keywords beschreiben die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Epilepsie, Notfallmedikation, Schule, Kindertagesstätte, pädagogische Fachkräfte, Notfallmanagement, Rechtssicherheit und Inklusion.
Welchen konkreten Zusatznutzen bietet der Anhang für die Praxis?
Der Anhang liefert direkt nutzbare Vorlagen wie einen Epilepsie-Notfallpass, eine schriftliche Vereinbarung zur Medikamentengabe und einen Anfallsdokumentationsbogen sowie Transkripte der Interviews.
Warum ist das Thema "juristische Konsequenzen" so relevant für die Arbeit?
Die Arbeit zeigt auf, dass viele Lehrkräfte und Erzieher aus Angst vor haftungsrechtlichen Problemen zögern, obwohl sie im Notfall zur Hilfeleistung verpflichtet sind; das Aufklärungsmaterial zielt explizit darauf ab, diese Sorgen zu mindern.
Welche Rolle spielt das begleitende Erklärvideo?
Das Video ergänzt die gedruckten Unterlagen, indem es die Applikationsformen der Notfallmedikation anschaulich demonstriert und somit Barrieren in der praktischen Anwendung abbaut.
Wie unterscheidet sich die Wirksamkeit des neuen Materials gegenüber Vorhandenem?
Die Untersuchung belegt, dass das neu entwickelte, übersichtliche Material signifikant dazu beiträgt, sowohl die Medikamentengabe-Bereitschaft als auch das Gefühl, auf eine Notfallsituation vorbereitet zu sein, bei den Befragten zu steigern.
- Arbeit zitieren
- Stephanie Wolf (Autor:in), 2022, Epilepsie und Notfallmedikation in Schule und Kindertagesstätte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1334407