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Die Gentechnik als Mittel der modernen Kriegsführung

Title: Die Gentechnik als Mittel der modernen Kriegsführung

Term Paper , 2003 , 53 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Christoph Schmitt (Author)

Biology - Genetics / Gene Technology
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Der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 hat nicht nur welt-weites Bestürzen ausgelöst – in Folge lieferte er gerade die Motivation zu weiteren terroristischen Akten. Nicht zuletzt wurde die aufkommende Panik in der „westlichen Welt“ von der Furcht vor Angriffen mit tödlichen Viren und Bakterien getragen. In den USA wurden mehrfach Briefe mit Milzbranderregern an öffentliche Stellen verschickt und in Deutschland sorgten Trittbrettfahrer mit fingierten Milzbrand-Anschlägen für
Aufruhr.
Die Diskussion über biologische Waffen erhält in diesem Zusammenhang eine ganz neue Brisanz. Von der „Atombombe des kleinen Mannes“ ist hier die Rede (vgl. J. v. Aken 2001) und es heißt, dass solche Waffen bereits von Amateuren mit einfacher Laborausrüstung herzustellen seien. In den USA wurde gar ein Buch veröffentlicht, das eine „Bauanleitung“ für Milzbrand-Waffen (Anthrax) beinhaltet. (L. W. Harris: "Bacteriological Warfare: A Major Threat to North America")
In der Bundesrepublik Deutschland rüsten die Gesundheitsbehörden neuerdings wieder zur Pockenimpfung, um im Falle des ersten Auftretens dieser seit 1977 als ausgerottet
geltenden Seuche sofort reagieren zu können. (s. z. B. ARD Tagesschau, 16.01.2003)
Welche Bedrohung geht von biologischen Waffen nun tatsächlich aus ?
Wie und in welcher Art werden solche Agenzien hergestellt, wie können sie von Unter-grundorganisationen oder vom Militär eingesetzt werden ?
Bestehen wirksame Schutzmaßnahmen gegen biologische Kampfstoffe ?
Diese Fragen werden in der vorliegenden Arbeit erörtert. Der Fokus konzentriert sich hierbei auf die neuesten Verfahren der Gentechnologie, die für das Militär nützlich sind.
Sollte die eigentliche Bedrohung etwa erst mit der gentechnischen Aufrüstung der Militärs beginnen ? – Nun, leider bahnt sich diese Aufrüstung gerade an.
Über Jahrtausende hinweg war der Missbrauch von Krankheiten zu feindseligen Zwecken überwiegend geächtet. Doch seit einiger Zeit ist erneut ein deutlicher Knick in der allge-meingültigen Ablehnung zu spüren. Dass die Wende mit der explosionsartigen Expansion der Biotechnologien einhergeht, ist, wie im Folgenden ausgeführt wird, offensichtlich!

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte biologischer Kriegsführung

2.1 Biowaffen im vor-gentechnischen Zeitalter

a) Klassisches Stadium

b) Ursprung der biologischen Rüstungsspirale

c) Der Weg zum endgültigen B-Waffenverbot

d) Die Genfer Konvention von 1972

2.2 Der Einzug der Gentechnik

a) Das sowjetische B-Waffenprogramm

b) Perestroika mit Gentechnik-Waffen

c) Perestroika der Gentechnik-Waffen ?

3. Moderne Biowaffenproduktion

3.1 Basismaterial und Verbreitung

a) B-Waffen – Definition und Überblick

b) Trägersysteme und Trägersubstanzen

c) Drei Steckbriefe waffentauglicher Krankheiten

3.2 Gentechnische „Produktveredlung“

a) Krankheitserreger aus dem Modellbaukasten

b) Umgehung der Immunabwehr

c) Neuartige Krankheitsbilder

d) Freund-Feind-Erkennung

e) Ethnische Bombe

f) „Nicht-tödliche“ B/C-Waffen

g) Toxinwaffen

h) Biologische Anti-Tierwaffen

i) Pflanzenpathogene

j) Material zerstörende Agenzien

4. Schutz vor biologischen Waffen

a) Reaktive Maßnahmen

b) Schutz vor akuter Bedrohung

c) Schutz vor abstrakter Bedrohung, Vorbeugung

5. Diskussion und Ausblick

a) Wirklich die „Atombombe des kleinen Mannes“ ?

b) Die Verklärung der US-Regierung

c) Tod durch „nicht-tödliche“ Waffen

d) Internationale Ver- und Vorstöße gegen das Genfer Abkommen

e) Die Erosion des Völkerrechts

f) Die Bedrohung liegt in der Zukunft – Ein Plädoyer für eine Stärkung der B-Waffenkonvention

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Bedrohungslage durch biologische Waffen unter besonderer Berücksichtigung der neuesten Verfahren der Gentechnologie, die für militärische Zwecke missbraucht werden können. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Aufrüstung des Militärs durch biotechnologische Fortschritte gestaltet und welche Schutzmaßnahmen dagegen existieren.

  • Historische Entwicklung biologischer Kriegsführung
  • Gentechnische Modifikation von Krankheitserregern
  • Strategien zur Freund-Feind-Erkennung und ethnische Waffen
  • Entwicklung und Risiken „nicht-tödlicher“ B/C-Waffen
  • Erosion des Völkerrechts und Stärkung der B-Waffenkonvention

Auszug aus dem Buch

a) Krankheitserreger aus dem Modellbaukasten

Die Übertragung von Antibiotikaresistenzen und Virulenzgenen auf Bakterien ist nichts Neues – ein gewisses know how der Mikrobengenetik ist beinahe seit Ende des zweiten Weltkrieges vorhanden. Mit der Gentechnologie fällt den B-Waffenentwicklern jedoch ein ungleich effizienteres Werkzeug in die Hand. Anstrengungen, die zuvor mehr auf das Herbeiführen günstiger Zufälle ausgerichtet waren und zeitintensive Zuchtreihen erforderten, können nun planmäßig und gezielt in Angriff genommen werden. Die natürlichen Schranken der genetischen Rekombination sind aufgehoben, der Austausch kann beinahe beliebig zwischen höheren und niederen Organismen stattfinden.

Das besondere Interesse der Militärs gilt nach wie vor dem Milzbranderreger Bacillus anthracis. Nach Kiper (GID, Februar 1991) wurde seit 1980 in Mission des Pentagons an der „gentechnischen Aufrüstung“ dieses Erregers gearbeitet. Dem beauftragten Professor C. B. Thorne und seinen Mitarbeitern ist es demnach gelungen, die drei für das Gift codierenden und die für Verkapselung verantwortlichen Gene zu isolieren und auf andere Bakterien zu übertragen. Weiter heißt es, Thorne habe genetische Elemente an ein „Schnellübertragungssystem gekoppelt, das es erlaubt, neuartige Erreger innerhalb kürzester Zeit kreieren zu können“. Offenbar handelte es sich dabei um das Plasmid pX012 des Bacillus thuringiensis.

Ein solcher Bericht klingt heute – kaum mehr als ein Jahrzehnt später – beinahe lächerlich. Im Zeitalter der Entschlüsselung des menschlichen Genoms zählen Gen Banken zu den Standardverfahren. Dass Militärs inzwischen über umfangreiche libraries verfügen, in denen sämtliche Gene für Antibiotika- bis Hitzeresistenz, von Kapsel- bis Toxinbildung gespeichert sind und dass sie damit nach Art eines Modellbaukastens neue Erreger zusammenstellen – wer mag heute noch ernsthaft darüber spekulieren ?

Kürzlich ist es US-Forschern gelungen, das Polio-Virus, den Erreger der Kinderlähmung, komplett in der Retorte zu erzeugen. Die Synthese der Online verfügbaren Gensequenz wurde hierzu abschnittsweise kommerziellen Dienstleistungsfirmen in Auftrag gegeben und von den Wissenschaftlern zu einem vollständigen Genom zusammengefügt. Durch die Zugabe entsprechender Kapselenzyme bildeten sich schließlich infektiöse Viruspartikel. (vgl. Cello J., Paul A.V., Wimmer E., 2002, zit. n. van Aken 2002)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Gefahrenlage durch biologische Waffen nach dem 11. September 2001 ein und skizziert das Ziel der Arbeit, den militärischen Missbrauch der Gentechnologie zu beleuchten.

2. Die Geschichte biologischer Kriegsführung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Einsatz biologischer Kampfstoffe von der Antike bis zum Aufkommen der modernen Gentechnologie und der Genfer Konvention.

3. Moderne Biowaffenproduktion: Hier werden die Grundlagen biologischer Waffen, deren Verbreitungswege und die gentechnischen Möglichkeiten zur „Produktveredlung“ von Erregern detailliert analysiert.

4. Schutz vor biologischen Waffen: Dieses Kapitel befasst sich mit den notwendigen reaktiven Maßnahmen und den modernen, gentechnisch basierten Ansätzen zum Schutz vor biologischen Bedrohungen.

5. Diskussion und Ausblick: Abschließend wird die politische Dimension hinter der Angst vor Biowaffen kritisch hinterfragt und ein Plädoyer für eine Stärkung der internationalen Biowaffenkonvention gehalten.

Schlüsselwörter

Biologische Waffen, Gentechnologie, Bacillus anthracis, Pocken, Bioterrorismus, Genfer Konvention, Proliferation, Nicht-tödliche Waffen, Immunabwehr, Toxinwaffen, Pflanzenpathogene, Mikrobiologie, Biosecurity, Aufrüstung, Völkerrecht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Gefahr, die von biologischen Waffen ausgeht, insbesondere im Kontext der modernen gentechnischen Möglichkeiten, die für militärische oder terroristische Zwecke missbraucht werden könnten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Biowaffen, der gentechnischen „Produktveredlung“ von Erregern, den Schutzstrategien der modernen Forschung und der politischen Diskussion über die Erosion des Völkerrechts.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Fortschritte in der Biotechnologie den Missbrauch von Krankheitserregern als Massenvernichtungswaffen erleichtern und warum eine Stärkung der internationalen Abkommen dringend erforderlich ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine wissenschaftliche Literaturanalyse, die auf Berichten, Studien, Konferenzergebnissen und aktuellen Presseinformationen basiert, um den Stand der Forschung und die Sicherheitsrisiken zu bewerten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Analyse der Biowaffenproduktion (einschließlich Erregermodifikation) und die Untersuchung verschiedener Schutz- und Abwehrstrategien gegen biologische Angriffe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Biowaffen, Gentechnologie, Bioterrorismus, Proliferation, Genfer Konvention und die Überwachung von Pathogenen.

Welche Rolle spielt die Gentechnik konkret bei der "Produktveredlung" von Waffen?

Die Gentechnik ermöglicht es, Erreger zielgerichtet zu verändern, um beispielsweise deren Antibiotikaresistenz zu erhöhen, die Immunabwehr des Wirts zu umgehen oder deren Überlebensfähigkeit in der Umwelt zu optimieren.

Warum ist das sogenannte „general purpose criterion“ laut Autor problematisch?

Der Autor argumentiert, dass das Motiv zur Handhabung von Erregern („friedliche Zwecke“) beliebig deklariert werden kann, was den Staaten weiterhin einen zu großen Spielraum für die biologische Aufrüstung unter dem Deckmantel der Forschung lässt.

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Details

Title
Die Gentechnik als Mittel der modernen Kriegsführung
College
University of Bremen  (Fachbereich 2: Biologie)
Course
BGW - Chancen und Risiken der Gentechnik
Grade
sehr gut
Author
Christoph Schmitt (Author)
Publication Year
2003
Pages
53
Catalog Number
V13345
ISBN (eBook)
9783638190251
ISBN (Book)
9783638731485
Language
German
Tags
Biowaffen Gentechnik Terror
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Schmitt (Author), 2003, Die Gentechnik als Mittel der modernen Kriegsführung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13345
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