Im weit verbreiteten Glauben, die Zukunft sei beherrschbar geworden, trifft die derzeitige Wirtschaftskrise die Finanzwelt unerwartet. Fehlende Sicherheiten und Rück-lagen verhindern ein eigenständiges Auffangen der Verluste durch die Banken selbst. Der Antriebsmotor der Marktwirtschaft ist ins Stottern gekommen und mit ihm der ganze Markt. In Zeiten bisher unvorstellbarer wirtschaftlicher Probleme werden einerseits Schuldige gesucht und die „Krise (wird) zum Indiz des Systemversagens geadelt“ (von Hank 2008, S. 3.), andererseits wird die Politik des Staates für die derzeitige Situation verantwortlich gemacht. Immer schneller, höher, weiter, Profit auf Kosten anderer – zuletzt gelebte Prinzipien, die im Jahre 2009 nicht mehr standhalten. Neben all den Schuldzuweisungen steht aber vielmehr im Fokus, wie in der momentanen Lage zu verfahren und die Wirtschaftskrise zu überwinden ist. Hierbei treffen vor allem die beiden großen wirtschaftspolitischen Konzeptionen unserer Zeit aufeinander: „Klassik versus Keynesianismus, Angebotstheoretiker versus Nachfragetheoretiker, Monetaristen versus Fiskalisten“ (Altmann 2000, S. 257). Welche der beiden Theorien hilft der Welt nachhaltig aus der Krise?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der deutschen Wirtschaftspolitik
2.1 Rolle und Funktionsweise der Sozialen Marktwirtschaft
2.2 Gesamtwirtschaftliche Ziele der Wirtschaftspolitik: Das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz
2.3 Wirtschaftspolitische Konzeptionen
2.3.1 Die Klassik
2.3.2 Der Keynesianismus
3 Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems und der Wirtschaft
4 Chancen und Risiken der beschlossenen Maßnahmen
5 Aus Fehlern der Vergangenheit lernen, sich in Zurückhaltung üben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die staatlichen Handlungsoptionen zur Stabilisierung von Finanzmärkten und der Gesamtwirtschaft während einer Wirtschaftskrise. Dabei steht die theoretische Einordnung staatlicher Eingriffe im Kontext der Sozialen Marktwirtschaft sowie die Analyse konkreter Maßnahmen der Bundesregierung, wie beispielsweise das Finanzmarktstabilisierungsgesetz und verschiedene Konjunkturpakete, im Mittelpunkt der Betrachtung.
- Grundlagen und Leitbilder der deutschen Wirtschaftspolitik
- Gegenüberstellung klassischer und keynesianischer Konzeptionen
- Analyse staatlicher Rettungsschirme und Konjunkturprogramme
- Bewertung von Chancen, Risiken und ordnungspolitischen Herausforderungen
- Lehren aus der Vergangenheit für eine nachhaltige Wirtschaftspolitik
Auszug aus dem Buch
3 Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems und der Wirtschaft
Ob der Staat in der derzeitigen Wirtschaftskrise Rettungspakete für angeschlagene Banken wie die deutsche Hypo Real Estate oder große Industrieunternehmen schnüren soll, wird je nach wirtschaftstheoretischer Auffassung unterschiedlich bewertet. Bevor konkret getätigte Maßnahmen erläutert werden, soll zunächst auf die von den einzelnen Systemen theoretisch vorgesehenen Handlungsoptionen eingegangen werden.
Da die Klassik einen prozesspolitischen Eingriff von Seiten des Staates ablehnt, kann in einer akuten Konjunkturkrise nicht zeitnah und flexibel eingegriffen werden (vgl. Altmann 2000, S. 271). Vielmehr muss der Staat, aus der derzeitigen Ausnahmesituation lernend, durch eine vorbeugende Ordnungspolitik günstige Rahmenbedingungen schaffen, die private Investitionen anregen.
Der klassischen Lehre nach müssen neben der Deregulierung, das heißt dem Abbau bzw. der Beseitigung einschränkender staatlicher Regelungen, vor allem die Unternehmen eine kostenmäßige Entlastung in Form der Senkung von Produktionssteuern, unternehmensbelastenden Abgaben, Lohn- und Lohnnebenkosten erfahren. Darüber hinaus sollen Abschreibungserleichterungen und Investitionshilfen Neuanschaffungen begünstigen (vgl. Altmann 2000, S. 269).
Der Keynesianismus und das keynesianistisch geprägte Stabilitätsgesetz betonen dagegen die Notwendigkeit in Krisen flexibel eingreifen zu können. Hier steht der Einkommenseffekt von Investitionen und die Auslastung des gegebenen Produktionspotenzials im Fokus, weshalb eine staatliche Industriepolitik befürwortet wird. Staatliche Investitions und Beschäftigungsprogramme, welche durch Entnahme von Mitteln aus der Konjunkturausgleichsrücklage oder aus Deficit Spending und dem damit verbundenen Aufnehmen neuer Kredite finanziert werden, sollen öffentliche Aufträge, die der Allgemeinheit zugute kommen, im großen Stil an die Industrie vergeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die unerwartete Entstehung der Wirtschaftskrise und stellt die zentrale Frage nach der Effektivität klassischer versus keynesianischer Theorien zur Krisenbewältigung.
2 Grundlagen der deutschen Wirtschaftspolitik: Dieses Kapitel erläutert die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft, die Ziele des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes sowie die theoretischen Gegensätze zwischen der Klassik und dem Keynesianismus.
3 Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems und der Wirtschaft: Es werden die theoretischen Handlungsoptionen des Staates dargelegt und die konkreten Maßnahmen der Bundesregierung, wie das Finanzmarktstabilisierungsgesetz sowie verschiedene Konjunkturpakete, detailliert beschrieben.
4 Chancen und Risiken der beschlossenen Maßnahmen: Dieses Kapitel kritisiert die mangelnde Gegenleistung bei staatlichen Garantien und diskutiert die langfristigen Risiken staatlicher Eingriffe, insbesondere hinsichtlich der Überregulierung und Staatsverschuldung.
5 Aus Fehlern der Vergangenheit lernen, sich in Zurückhaltung üben: Das Fazit plädiert für eine Abkehr von extremen ideologischen Lagern hin zu einem differenzierten Policy Mix, der die Ordnungspolitik stärkt und vorschnellen Aktionismus vermeidet.
Schlüsselwörter
Wirtschaftskrise, Finanzmärkte, Soziale Marktwirtschaft, Klassik, Keynesianismus, Stabilitätsgesetz, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Konjunkturpaket, Deficit Spending, Industriepolitik, Ordnungspolitik, Globalsteuerung, Staatsverschuldung, Bankenregulierung, Nachhaltigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, welche staatlichen Handlungsoptionen in Deutschland während der Wirtschaftskrise ergriffen wurden, um die Finanzmärkte zu stabilisieren und die Konjunktur zu stützen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Grundlagen der deutschen Wirtschaftspolitik, der Gegenüberstellung von klassischen und keynesianischen Konzeptionen sowie der kritischen Bewertung konkreter staatlicher Interventionsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu erörtern, ob staatliche Eingriffe in der Krise zielführend sind und wie ein angemessener Ausgleich zwischen staatlicher Stabilisierungspolitik und ordnungspolitischen Prinzipien erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse wirtschaftspolitischer Konzeptionen und verknüpft diese mit einer Untersuchung der realpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung, gestützt durch Fachliteratur und Gesetzestexte.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung theoretischer Grundlagen, die Analyse spezifischer Rettungspakete und Konjunkturprogramme sowie eine kritische Diskussion der damit verbundenen Chancen und Risiken.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Wirtschaftskrise, Keynesianismus, Finanzmarktstabilisierung, Stabilitätsgesetz und staatliche Ordnungspolitik beschreiben.
Welche Rolle spielen Banken laut der Autorin in der Krise?
Banken werden aufgrund ihrer Schlüssel- und Scharnierfunktion zwischen Investoren und Unternehmen als systemrelevant eingestuft, weshalb ihre Stabilität für die gesamte Volkswirtschaft von essenzieller Bedeutung ist.
Warum wird die staatliche Intervention bei Banken kritisch hinterfragt?
Die Autorin kritisiert, dass bei der Vergabe von Garantien und Finanzhilfen häufig keine ausreichenden Gegenleistungen eingefordert wurden, was die Gefahr birgt, moralische Anreize für unvorsichtiges Handeln zu schaffen.
Was ist die Kernbotschaft bezüglich der zukünftigen Wirtschaftspolitik?
Die Arbeit fordert, aus vergangenen Fehlern zu lernen, mehr Eigenverantwortung einzufordern und einen Policy Mix zu verfolgen, der langfristige Stabilität gegenüber kurzfristigem Aktionismus bevorzugt.
- Arbeit zitieren
- Julia Walter (Autor:in), 2009, Staatliche Handlungsoptionen zur Stabilisierung der Finanzmärkte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133466