Neue Keynesianische Makroökonomie

Das New Keynesian Model


Hausarbeit, 2008

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Entwicklung
2.1 Keynesianisten und Monetaristen – Der Zusammenbruch des IS-LM-Modells
2.2Entwicklung der New Keynesian Macroeconomics

3. Neue Keynesianische Makroökonomie
3.1 Zentrale Bausteine und grundlegende Eigenschaften
3.2 Feste Preise und generelles Ungleichgewicht
3.3 Rigiditäten im Gütermarkt
3.3.1 Nominale Rigiditäten – menu costs
3.4 Rigiditäten im Arbeitsmarkt
3.4.1 Effizienzlöhne
3.4.2 Der „shirking“ Ansatz
3.4.3 Insider-Outsider-Modell
3.5 Inflation und Arbeitslosigkeit- Die Phillips-Kurve
3.5.1 Ableitung der Philllips-Kurve aus Lohn- und Preissetzungsgerade
3.6 Zentralbankpolitik in neukeynesianischen Modellen

4. Keynesianische Ökonomie ohne die LM-Kurve Ein einfaches neukeynesianisches Modell nach Romer/Taylor
4.1 Das IS-MP-IA-Modell
4.2 IS-MP-Modell und Anpassungsprozesse

Literaturverzeichnis 20

1. Einleitung

Eines der zentralen Probleme mit dem sich die makroökonomische Forschung beschäftigt ist die Analyse und Modellierung und kurzfristiger Fluktuationen der Volkswirtschaft. Dabei gibt es drei keynesianische Grundüberlegungen, denen sowohl neue als auch alte Keynesianer zustimmen würden:1

(1) Es gibt während mancher Perioden ein anhaltendes Überangebot an Ar-beit bei gleichbleibenden realen Löhnen
(2) Die aggregierte ökonomische Aktivität variiert merklich, bezogen auf Auslastung, BIP oder Arbeitslosigkeit. Diese Veränderungen sind zu groß als dass sie sich allein durch Veränderungen der Technologie, Prä-ferenzen oder Demographie
(3) Geld spielt eine Rolle und ist nicht neutral, und Geldpolitik spielt mei-stens eine Rolle.

Dementsprechend war es immer ein Anliegen keynesianischer Ökonomen, wel­cher Prägung auch immer, diese Schwankungen der Volkswirtschaft zu erklä-ren. Die Neukeynesianer stoßen dabei in den Diskussion zwischen Keynesia-nern, Monetaristen und neuen Klassikern, nehmen aber ganz eigene Positionen ein und heben die alten Trennungen auch ein wenig auf.

2. Historische Entwicklung

2.1 Keynesianisten und Monetaristen – Der Zusammenbruch des IS-LM-Modells

Die neue Keynesianische Makroökonomie, wie sie vor allem seit den 1980er Jahren von einigen der einflussreichsten Ökonomen entwickelt wurde, gründet auf dem Versuch die generellen Ideen und Überlegungen Jonh Maynard Key­nes zu überarbeiten und sie somit erneut als Analyseinstrument für die Makro-ökonomie verwendbar zu machen. Keynes entwickelte seine Theorie ursprüng-lich als Antwort auf die Unfähigkeit der neoklassischen Modelle, die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in den USA während der großen Depression zu erklären.

Diese war, bei Raten über 20%, ganz offensichtlich nicht mehr als freiwillig zu charakterisieren, wie es die Theorien neoklassischer Provenienz nahe legen. Keynes stellte sich damit gegen die zentralen Annahmen der Neoklassik: Die Idee perfekter Arbeits- und Gütermärkte, die auf Grund vollständig flexibler Preise zu jeder Zeit geräumt werden. Die absolute Fundierung auf der Mikro-ökonomie liell für die Neoklassiker nur diesen Schluss zu. Auch das Gesetz von Say2, nachdem sich jedes Angebot seine eigene Nachfrage schafft, wurde von Keynes als nicht gültig angesehen. Dies hängt auch mit dem Verständnis des Geldes und seiner Austauscheigenschaften zusammen, und der Liquiditätsprä-ferenz der Wirtschaftssubjekte, durch die dem Gesamtkreislauf Geld entzogen werden kann.3 In seiner General Theory4 bringt Keynes vor allem die Idee der Unterbeschäftigungsgleichgewichte vor, der Annahme also, dass Arbeitslosig-keit auch im wirtschaftlichen Gleichgewicht bestehen kann.5 Aullerdem betont er die Wichtigkeit der aggregierten Nachfrage für Output und Beschäftigung.6

Die Überlegungen Keynes wurden dann von Hicks7 formalisiert, der damit die Grundlage für das bekannte IS-LM-Modell gelegt hat. Das IS-LM-Modell stellt die beiden Gleichgewichte auf Geld- und Gütermarkt sowie die Beziehung zwi-schen Zins und Output dar und trifft prinzipiell die beiden folgenden Aussagen: Auf dem Gütermarkt kann ein steigender Zins zu reduzierter Nachfrage führen, sofern die Löhne fix sind. Dies bewirkt eine Veränderung der IS-Kurve. Auf dem Geldmarkt kann beobachtet werden, dass die Geldnachfrage mit dem Einkom-men steigt und dem Zins sinkt. Im Grundmodell ist das Preisniveau exogen ge-geben, das IS-LM-Modell ist also prinzipiell ungeeignet um Inflation zu analysie-ren.8 Es ist umso bemerkenswerter, dass das IS-LM-Modell bis in die 1970er Jahre vorherrschend vor allem in der Lehre der Makroökonomie war9, da es neben der Ausgrenzung von Inflation über einige theoretische Schwächen ver-fügt. Hier sind vor allem die fehlende mikroökonomische Fundierung, aber auch die Annahme von Preisstarrheiten, ohne diese weiter zu erklären oder zu bele-gen, die Ausblendung von Erwartungen sowie die Simplifizierung der Volkswirt-schaft auf einige wenige grobe Zusammenhänge zu nennen.10 Diese theoreti-sche Schwächen, sowie das Problem des IS-LM-Modells die in den 1970er Jahren zunehmend auftretende Stagflation zu erklären führten dann zumindest in der Wissenschaft zu eine Abkehr von IS-LM-Modell. So brach der bis dahin bestehende Konsens in der makroökonomischen Forschung zusehend zusam-men. Beteiligt daran waren vor allem Friedman11 und Phelps12, die zeigen konn-ten, dass die zentrale Interpretation der Phillips-Kurve, nämlich die Annahme, dass sich eine sinkende Arbeitslosigkeit durch eine höhere Inflation erkaufen ließe, nicht haltbar war. Die entscheidende Kritik, die schlussendlich zum Zu-sammenbruch des IS-LM-Modells geführt hat, brachte dann Lucas vor, indem er anführte, dass im Grunde alle makroökonomischen Variablen von den Erwar-tungen der Akteure beeinflusst werden13, welche bis dahin in den Modellen überhaupt keine Berücksichtigung gefunden hatten. Der Ansatz der neuen Klassiker und Monetaristen betonte dann vor allem wieder perfekte und flexible Preise und die Idee, dass alle beteiligten Agenten Preisnehmer sind.14

2.2 Entwicklung der New Keynesian Macroeconomics

Aus dem Zusammenbruch dieses Konsens entwickelten sich dann, wie Mankiw zeigt, drei ‚neue’ theoretische Schulen.15 Eine Forschungsrichtung befasst sich vor allem mit der Modellierung von Erwartungen.16 Hier wird inzwischen allge- mein davon ausgegangen, dass wir es mit rationalen Erwartungen der Akteure zu tun haben, dass die Akteure also nutzenmaximierend handeln. Eine weitere breite Strömung beschäftigt sich mit den sogenannten ‚neuen klassischen Mo-dellen’. Diese nehmen weiterhin flexible Preise mit einer Markträumungswir-kung an. Die letzte Richtung, mit der sich diese Arbeit befasst, ist dann die der neuen keynesianischen Modelle. Die folgende Arbeit wird dabei einen Überblick über die zentralen Annahmen der neuen keynesianischen Makroökonomie ge-ben, ein einfaches und einführendes Modell darstellen und aufzeigen, inwieweit die neuen keynesianischen Modell noch als keynesianisch gelten.

3. Neue Keynesianische Makroökonomie

3.1 Zentrale Bausteine und grundlegende Eigenschaften

Bevor im Einzelnen auf spezielle Bereiche der neuen keynesianischen Makro-ökonomie eingegangen werden soll seien am Anfang einige Grundüberlegun-gen skizziert. Zunächst einmal können unter der Überschrift der neuen keyne-sianischen Modelle verschiedenste Modelle und Theorien zusammengefasst werden, die untereinander sicherlich einiges an Widersprüchen und unter-schiedlichen Positionen aufweisen.

Es gibt jedoch auch einen grundlegenden Konsens auf einige zentrale Punkte. Carlin und Soskice formulieren drei Bedingungen die neukeynesianische Mo-delle prinzipiell charakterisieren.17 Zunächst die Eigenschaft, mit unvollkommen flexiblen Löhnen und Preisen zu arbeiten, die durch unvollkommene Arbeits-und Gütermärkte verursacht werden. Als zweites die Aussage, dass alle Agen-ten rationales und intertemporales Maximierungsverhalten aufweisen, welches drittens, durch rationale Erwartungen geprägt ist. Gordon beschreibt zwei zen-trale Unterscheidungen die in der Beschäftigung mit neukeynesianischen Theo-rien getroffen werden müssen:

„Two central distinctions are required as a preliminary to any summary of recent

new-Keynesian work. The first is between price setting in product markets and

wage setting in labor markets. The second is between nominal rigidity and real rigidity.“18

Mankiw und Romer hingegen definieren die neue keynesianische Ökonomie vor allem darüber, dass sie die folgenden Fragen positiv beantwortet:

„Does the theory violate the classical dichotomy? Does it posit that fluctuations in nominal variables like the money supply influence fluctuations in real vari­ables like output and employment?

Does the theory assume that real market imperfections in the economy are cru­cial for understanding economic fluctuations? Are such considerations as imper-

fect competition, imperfect information, and rigidity in relative prices central to the theory?“19

Es lässt sich also festhalten, dass ein Grundkonsens dahingehend besteht, dass makroökonomische Fluktuationen durch ein irgendwie geartetes Marktver-sagen, ja sogar ein “market failure on a grand scale”20 ausgelöst werden. Und der am häufigsten gebrauchte Erklärungsversuch für dieses Marktversagen ist das Misslingen des Anpassungsprozesses von Löhnen und Preisen.21

3.2 Feste Preise und generelles Ungleichgewicht

Die neuen keynesianischen Modelle beziehen zur Erklärung der bereits erwähnten Marktunvollkommenheiten preissetzende Akteure mit einer gewissen Marktmacht ein. Dies können etwa Gewerkschaften sein, die Löhne festsetzen oder Firmen, die auf Grund einer Monopolstellung die Preise festsetzen können.22 Das Misslingen die Wirtschaft im Gleichge-wicht zu halten erübrigt damit auch die Annahme eines irgendwie gearte-ten walrasianischen Auktionators, der zu einer Markträumung beitragen würde, da starre Preise und ein vollkommener Wettbewerb nicht in Ein-klang zu bringen sind.23

Im Folgenden werden einige Ansätze zur Erklärung dieses Marktverhal-tens angeboten. Es kann dabei nicht auf sämtliche Ideen eingegangen werden, es sollen daher vielmehr einige der als zentral angesehen Theo-rien kurz dargestellt werden.24

3.3 Rigiditäten im Gütermarkt

3.3.1 Nominale Rigiditäten – menu costs

Wie schon angedeutet wurde, ist ein zentrales Argument zur Erklärung von Marktversagen in neuen keynesianischen Modelle die Annahme dass nominale Preise starr sind („sticky prices“), und nicht direkt auf Nachfrageschocks reagie-ren. Dies führt in der Folge dazu, dass Nachfrageschocks Auswirkungen auf Output sowie Beschäftigung besitzen.25 Starre Preise wurden bereits von Key­nes angenommen, es mangelte aber an der theoretischen und empirischen Fundierung.26 Einen Hauptbeitrag zu dieser Debatte liefert Mankiw, der auch die Bezeichnung der „menu costs“ oder Speisekartenkosten eingeführt hat. Hiermit sind die Kosten einer Preisänderung bezeichnet, die, wörtlich genommen, durch das Drucken einer neuen Speisekarte entstehen. Auf einer abstrakteren und vermutlich relevanteren Ebene sind darunter aber solche Kosten zu verstehen, die entstehen um die Kunden über die Preisänderung zu informieren, die dar-aus resultierenden Unzufriedenheit der Kunden (bei steigenden Preisen) sowie der Aufwand über Preisänderungen überhaupt nachzudenken.27 Auch wenn es die Kosten von Preisanpassungen für einzelne Unternehmen zunächst vernach-lässigbar erscheinen, nimmt Mankiw an, dass sie doch Auswirkungen auf ge-samtwirtschaftliche Fluktuationen haben können, und etwa Rezession erklären können. Sie können demnach sogar individuell effizient aber, aber gesellschaft-lich zu negativen Externalitäten führen, und sind somit auch mit der Bedingung der rationalen Erwartungen in Einklang zu bringen.28 Es wird deutlich gemacht, dass starre Preise (bedingt durch das Maximierungsverhalten der einzelnen Unternehmer und menu costs) individuell effizient sein können, soziale Externa-litäten aber nicht berücksichtigt werden. Solche Externalitäten können positivsein, zu niedrige Preise etwa erhöhen den Realkassenbestand und damit die Nachfrage, oder negativ, zu hohe starre Preise dämpfen die Nachfrage ab und können sogar in eine Rezession führen.29

[...]


1 Vgl. Greenwald/Stiglitz (1993), S.23

2 Vgl. Samuelson, P., & Nordhaus, W. (2007). S. 962

3 Vgl. Benassi/Chirco/Colombo (1994), S.6f.

4 Vgl. Keynes, (2007)

5 Vgl. auch Lindbeck, A. (1998). S.167

6 Vgl. Carlin, W., & Soskice, D. (2006), S.563ff.

7 Vgl. Hicks, J. (1937)

8 Vgl. Romer (2000). S.150

9 Vgl. Mankiw, N. G. (1990). S.1645

10 Vgl. Romer (2000). S.149 und Lindbeck (1998), S.167 sowie Barro (1979), S.54

11 Vgl. Friedman, M. (1968)

12 Vgl. Phelps, E. S. (1968)

13 Vgl. Lucas, R. E. (1976)

14 Vgl. Snowdon/Vane(2005), S.383

15 Vgl. hierzu und zum folgenden: Mankiw, N. G. (1990) S.1648

16 Eine Definition von Erwartungen liefert Muth (1961). Er zeigt, dass sehr einfache Annahmen über Erwartungen und Erwartungsbildung meist ausreichend sind und aussagefähiger als kom-plexe Theorien. Seine Definition lautet daher: „In order to explain fairly simply how expectations are formed, we advance the hypothesis that they are essentially the same as the predictions of the relevant economic theory.“ S. 315

17 Vgl. Carlin/Soskice, (2006), S.564

18 Gordon (1990), S.1139

19 Mankiw/Romer (1998), S.2

20 ebd. S.1

21 Vgl. Mankiw (1990), S. 1654 und Lindbeck (1998), S. 167

22 Vgl. Mankiw (1990), S.1655

23 Vgl. Ball/Mankiw/Romer (1988), S.10

24 Den umfassendsten Überblick über die gesamte neue keynesianische Ökonomie geben si-cherlich die Sammelbände von Mankiw/Romer (1997 & 1998)

25 Vgl. Lindbeck (1998), S.167

26 Vgl. Mankiw (1985), S. 529

27 Vgl. Mankiw (1990), S.1657

28 Vgl. Mankiw (1985), S.529

29 Vgl. Mankiw (2003), S. 588

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Neue Keynesianische Makroökonomie
Untertitel
Das New Keynesian Model
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Veranstaltung
Internationale Währungspolitik und Finanzmärkte
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V133485
ISBN (eBook)
9783640404971
ISBN (Buch)
9783640405343
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschreibt die grundlegenden theoretischen Aussagen und Modelle der neuen keynesianischen Makroökonomie (NKM) und deren Auswirkung auf die internationale Währungspolitik. Nach einer Beschreibung der historischen Entwicklung folgt die Darstellung der theoretischen Bausteine: Rigiditäten in Güter- und Arbeitsmärkten, Phillips-Kurve sowie Zentralbankpolitik. Einen Überblick über die Anwendung gibt das IS-MP-Modell nach Romer/Taylor.
Schlagworte
Währungspolitik, Finanzmärkte, Keynesianismus, New-Keynesianism, Neu-Keynesianismus, Neue keynesianische Makroökonomie, NKM, Makroökonomie, Zentralbank, Inflation, Arbeitslosigkeit
Arbeit zitieren
Michel Seeger (Autor), 2008, Neue Keynesianische Makroökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133485

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