Während die Geschichtsschreibung sich überwiegend mit dem männlichen Geschlecht beschäftigt hat, wurde unter der Geschlechterforschung lange nur die Auseinandersetzung mit dem weiblichen Geschlecht verstanden. Die vorliegende Hausarbeit setzt sich daher mit der Frage auseinander: Auf welche Weise werden Männlichkeitsbilder im Gegenwartsfilm konstruiert? Um die Grundlagen für die Beantwortung der Frage zu schaffen, werden in Kapitel 2 zunächst Möglichkeiten zur Konstruktion von Männlichkeitsbildern abgehandelt und die Bedeutung der Männlichkeit im Film thematisiert. In Kapitel 3 folgt eine Analyse der Darstellung von Männlichkeitsbildern anhand des Films „Billy Elliot – I Will Dance“ aus dem Jahr 2000. Hierbei wird sich intensiver mit traditionellen beziehungsweise hegemonialen und alternativen Männlichkeitskonzepten auseinandergesetzt. Abschließend wird der Inhalt zusammengefasst und ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Männlichkeitsbilder
2.1 Konstruktion von Männlichkeit
2.2 Männlichkeitsbilder im Film
3. „Billy Elliot – I Will Dance“
3.1 Traditionelle Männlichkeitsbilder
3.2 Alternative Männlichkeitsbilder
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht, auf welche Weise Männlichkeitsbilder in Gegenwartsfilmen konstruiert werden. Anhand der Filmanalyse von „Billy Elliot – I Will Dance“ wird hinterfragt, wie das Spannungsfeld zwischen traditionell-hegemonialen Männlichkeitskonzepten und alternativen Darstellungen, etwa durch die Leidenschaft des Protagonisten für den Tanz, erzählerisch verhandelt wird.
- Theoretische Grundlagen zur Konstruktion von Männlichkeit (Gender Studies)
- Mediale Inszenierung und Repräsentation von Männlichkeit im Film
- Analyse traditioneller Männlichkeitsideale am Beispiel der Figuren Jackie und Tony Elliot
- Untersuchung alternativer Männlichkeitsbilder durch die Protagonisten Billy und Michael
Auszug aus dem Buch
3.1 Traditionelle Männlichkeitsbilder
Billys Vater Jackie Elliot und dessen älterer Sohn Tony beteiligen sich an dem Bergarbeiterstreik und demonstrieren gegen die Schließung der Minen, die ihre Arbeitsplätze bedroht. Mitarbeiter, die trotz des Streiks ihrer Arbeit nachgehen, beschimpfen sie als Streikbrecher (22:36 Min.). Beide sind stark in die männlich dominierte Gemeinschaft der Minenarbeiter eingebunden, die sich aufzulösen droht. Vater und Sohn verkörpern ein traditionelles Männlichkeitsbild, doch auf unterschiedliche Weise.
Der Witwer Jackie wirkt dominant und schroff und zeigt seinen Söhnen gegenüber kaum Zuneigung. In der Familie nimmt er die traditionelle Rolle des Ernährers ein. Er erwartet von Tony und hauptsächlich von Billy, dass sie seinen Anweisungen folgen und wird ihnen gegenüber handgreiflich, wenn er sich nicht anders zu helfen weiß (27:40 Min., 43:08 Min.). Seine Familienmitglieder schreit er oftmals an, was sein dominantes Auftreten unterstützt (20:03 Min., 25:06 Min., 27:25 Min.). Anstatt seine Gefühle, wie die Trauer um seine Frau oder Hilflosigkeit auszudrücken, reagiert er in diesen Situationen mit Wut und Abweisung (05:20 Min., 43:43 Min.). Über den Tod seiner Frau spricht er kaum, sondern zerstört sogar ihr altes Klavier. Diese Handlung deutet auf seine Hilflosigkeit und verdrängte Emotionen hin. Als Billy ihn fragt, ob seine Mutter nicht etwas dagegen gehabt hätte, erwidert Jackie pragmatisch: „Sei still, Billy. Sie ist tot.“ (62:00 Min.). Nur sehr selten lässt er Gefühle zu, wie zum Beispiel an Weihnachten, als er vor dem Kamin beginnt zu weinen (62:44 Min.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Konstruktion von Männlichkeitsbildern im Gegenwartsfilm und skizziert das methodische Vorgehen anhand des Films „Billy Elliot – I Will Dance“.
2. Männlichkeitsbilder: Das Kapitel erläutert die theoretischen Konzepte wie „Konstruktion von Männlichkeit“ und „Männlichkeitsbilder im Film“, wobei Konzepte von Raewyn Connell und Ansätze der Queer Studies im Zentrum stehen.
3. „Billy Elliot – I Will Dance“: Hier erfolgt die filmwissenschaftliche Analyse der Figuren konfrontiert mit traditionellen und alternativen Rollenbildern.
3.1 Traditionelle Männlichkeitsbilder: Die Analyse konzentriert sich auf die Figuren des Vaters und des Bruders, die hegemoniale Männlichkeitsstrukturen innerhalb der Bergarbeitergemeinschaft verkörpern.
3.2 Alternative Männlichkeitsbilder: Dieser Abschnitt untersucht Billy und seinen Freund Michael, deren Lebensweisen die starren Binaritäten des Geschlechterverständnisses in Frage stellen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bekräftigt, dass der Film als Beispiel für die Auseinandersetzung mit Heteronormativität dient, wobei eine Identifikation mit dem Protagonisten zur kritischen Reflexion über Stereotype anregt.
Schlüsselwörter
Männlichkeit, Männlichkeitsbilder, Gegenwartsfilm, Gender Studies, Billy Elliot, Heteronormativität, Hegemonie, Identitätskrise, Queer Studies, traditionelle Männlichkeit, alternative Männlichkeit, Vaterschaft, soziale Konstruktion, Geschlechterrollen, Doing Gender
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Männlichkeitsbilder im Gegenwartsfilm konstruiert und durch die filmische Erzählweise dargestellt werden, insbesondere im Kontext gesellschaftlicher Geschlechterrollen.
Welche Themenfelder stehen im Vordergrund?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Männlichkeit, die Bedeutung von Medien für die Geschlechterinszenierung sowie die Spannungen zwischen traditionellen hegemonialen Idealen und alternativen Konzepten.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, durch welche narrativen und visuellen Mittel männliche Identitäten konstruiert werden und wie der Film „Billy Elliot – I Will Dance“ genutzt wird, um diese Konstruktionen zu dekonstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Ansätze der Gender Studies (insbesondere nach Raewyn Connell und anderen) mit einer detaillierten Szenenanalyse des ausgewählten Tanzdramas kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Männlichkeitsbilder sowie die konkrete Untersuchung der Filmcharaktere, unterteilt in ihre traditionellen (Jackie/Tony) und alternativen (Billy/Michael) Ausprägungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die wesentlichsten Begriffe sind Männlichkeitsbilder, Heteronormativität, Hegemonie, Identitätskrise, Gender Studies und die filmische Konstruktion von Geschlecht.
Warum spielt die Figur Jackie Elliot eine so wichtige Rolle für das Verständnis von Hegemonie?
Jackie Elliot verkörpert als Vater und Bergarbeiter das traditionelle, hegemoniale Männlichkeitsbild, das primär über Dominanz, Unterdrückung von Emotionen und die Abwertung des Weiblichen definiert wird.
Inwiefern unterscheidet sich Michael Caffreys Männlichkeitsverständnis von dem der anderen Jungen?
Michael hinterfragt die binäre Geschlechterordnung aktiv, indem er sich über gängige Erwartungen an Jungen hinwegsetzt, beispielsweise durch das Tragen von Kleidung seiner Schwester, und so eine queere Position einnimmt.
- Arbeit zitieren
- Master Fenja Gruetz (Autor:in), 2018, Männlichkeitsbilder im Gegenwartsfilm. Am Beispiel von "Billy Elliot - I Will Dance", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1334911