Das Ziel dieser Arbeit ist es, die textspezifische Verteilung indirekter Anaphern zu untersuchen. Zu diesem Zwecke erfolgen vorerst einige allgemeine Definitionen und die Darstellung der verschiedenen Typen indirekter Anaphern bzw. der verschiedenen Wissenssysteme. Danach werden zwei textspezifische Vorhersagen bezüglich der Verteilung indirekter Anaphern getroffen, die mithilfe der Analyse zweier Texte überprüft werden. Bei den Texten handelt es sich einmal um einen Zeitungsartikel und einmal um einen Sachtext.
Ohne Referenz, also der Bezugnahme auf eine externe Weltebene, wäre Kommunikation unmöglich. Referieren können wir sowohl auf reale als auch auf mögliche Welten, wobei es viele unterschiedliche Arten gibt, Referenz zu ermöglichen. Anaphern sind unter anderem eine der vielen Ausdrucksmöglichkeiten, um die Relation zu einem bereits erwähnten Referenten herzustellen. Es wird angenommen, dass die direkten Anaphern dem paradigmatischen Standard definiter Textreferenz entsprechen und indirekte Anaphern einen Sonderfall darstellen, der auf Regelverletzung beruht. Weiterhin existiert die Annahme, dass die Interpretation indirekter Anaphern unter anderem auch stark von der Wissensaktivierung des Rezipienten abhängt.
Inhaltsverzeichnis
1) EINLEITUNG
2) HAUPTTEIL
1.) RELEVANTE DEFINITIONEN
i) REFERENZ
ii) KOREFERENZ
iii) DEFINITHEIT
iv) DIREKTE ANAPHER
v) INDIREKTE ANAPHER
2.) TYPEN INDIREKTER ANAPHERN
i) SEMANTISCHE TYPEN (MERONYMIE-BASIERTE TYPEN & VERBSEMANTISCHE ROLLEN)
ii) VERBSEMANTISCHE TYPEN
iii) SCHEMA-BASIERTE TYPEN
iv) INFERENZ-BASIERTE TYPEN
3) KORPUSANALYSE
1.) KURZE EINFÜHRUNG
2.) WISSENSSYSTEME
3.) VORHERSAGEN
i) ZEITUNGSARTIKEL
ii) SACHTEXTE
4.) ANALYSE EINES ZEITUNGSARTIKELS
5.) ANALYSE EINES SACHTEXTES
6.) INTERPRETATION
4) FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die textspezifische Verteilung indirekter Anaphern in deutschen Texten. Dabei wird der Frage nachgegangen, durch welche Faktoren und Wissenssysteme – insbesondere semantische und konzeptionelle Wissensstrukturen – die Interpretation und Identifizierung dieser sprachlichen Phänomene gesteuert wird.
- Grundlagen der Referenz und Definition definiter sowie indefiniter Ausdrücke
- Klassifizierung indirekter Anaphern in semantische, verbsemantische, schema- und inferenzbasierte Typen
- Analyse der Rolle von Weltwissen und kognitiven Strategien der Rezipienten
- Empirische Korpusanalyse von Zeitungsartikeln und Sachtexten
- Vergleich der Anaphernverteilung in verschiedenen Textgattungen
Auszug aus dem Buch
i) Referenz
Referenz ist „In der traditionellen Semantik [die] Bezeichnung für die Beziehung zwischen dem sprachlichen Ausdruck (Name, Wort) und dem Gegenstand der außersprachlichen Realität, auf den sich der Ausdruck bezieht“ (Bußmann 2008: 574). Wichtig dabei ist, dass man sich auf die reale Welt, aber auch auf irreale, mögliche Welten beziehen kann. „In einer Äußerung wird explizit oder implizit auf die der Prädikation zugrunde liegende Situation sowie auf die von den Argumenten bezeichneten Orte, Zeitintervalle und Gegenstände Bezug genommen.“ (Vater 2005: 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1) EINLEITUNG: Hinführung zur theoretischen Bedeutung von Referenz und der Relevanz indirekter Anaphern in der Sprachwissenschaft.
2) HAUPTTEIL: Fundierte Begriffsklärung von Referenz, Koreferenz, Definitheit sowie eine detaillierte Typologie indirekter Anaphern.
3) KORPUSANALYSE: Anwendung der theoretischen Konzepte auf konkrete Zeitungs- und Sachtexte zur Untersuchung der Anaphernverteilung.
4) FAZIT: Zusammenfassende Auswertung der Analyseergebnisse und Reflexion der Hypothesen über die Bedeutung des Weltwissens beim Sprachverstehen.
Schlüsselwörter
Indirekte Anaphern, Referenz, Koreferenz, Definitheit, Weltwissen, Semantisches Wissen, Konzeptionelles Wissen, Meronymie, Korpusanalyse, Textsemiotik, Sprachwissenschaft, Anaphernvollzug, Wissensaktivierung, Textverständnis, Rezipientenrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie indirekte Anaphern in Texten verteilt sind und durch welche kognitiven Mechanismen Rezipienten diese sprachlichen Bezüge herstellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die linguistischen Begriffe der Referenz, die verschiedenen Klassen indirekter Anaphern sowie der Einfluss des menschlichen Weltwissens auf die Interpretation von Texten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, auf Basis theoretischer Definitionen die Verteilung indirekter Anaphern in unterschiedlichen Textgattungen (Zeitungsartikel vs. Sachtexte) zu untersuchen und Vorhersagen über deren Interpretation zu verifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine korpuslinguistische Analyse vorgenommen, bei der zwei ausgewählte Beispieltexte hinsichtlich ihrer Anaphernstruktur untersucht und kategorisiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition der relevanten linguistischen Fachbegriffe und eine systematische Klassifizierung verschiedener Anapherntypen (wie meronymische oder schemabasierte Anaphern).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind indirekte Anaphern, Weltwissen, Korpusanalyse, Referenz und das mentale Lexikon.
Wie unterscheiden sich die Typen der indirekten Anaphern?
Die Unterscheidung erfolgt anhand der Wissensbasis: Semantische Typen fundieren auf lexikalischem Wissen, während schemabasierte und inferenzbasierte Typen stärker auf konzeptionelles Weltwissen zurückgreifen.
Welche Rolle spielt der „Anker“ bei der Interpretation?
Der Anker ist ein im Text oder im Vorwissen präsenter Bezugspunkt, der für den Rezipienten die Identifizierung des indirekt anaphorischen Ausdrucks erst ermöglicht.
- Arbeit zitieren
- Yaren Erdinc (Autor:in), 2022, Die Verteilung indirekter Anaphern in Texten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1335238