Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Perspektivstruktur des Sozialismus in Heiner Müllers "Lohndrücker"

Title: Perspektivstruktur des Sozialismus in Heiner Müllers "Lohndrücker"

Term Paper (Advanced seminar) , 2022 , 29 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Heiner Müllers "Lohndrücker" war zwar nicht für den Ausschluss Müllers aus dem Schriftstellerverband der DDR ausschlaggebend, jedoch folgt diese Arbeit der These, dass bereits in diesem Werk Tendenzen zu erkennen sind, die weder dem Sozialistischen Realismus noch der Aufbau-Literatur entsprechen. Es wird dazu unter anderem untersucht, welche Perspektivstruktur das Werk zum Aufbau des Sozialismus einnimmt und wie jener dargestellt wird. Die Arbeit wird das Spannungsverhältnis zwischen Sozialistischem Realismus, Aufbau-Literatur, epischen Theater und Müllers Lohndrücker thematisieren.

Heiner Müller wird zu den bedeutendsten DDR-Schriftstellern sowie zu den wichtigsten deutschsprachigen Dramatikern der Nachkriegszeit gezählt. Er gilt sogar als Weltautor, da er im Laufe der 1970er Jahre in Westeuropa sowie Nordamerika zunehmend erfolgreicher wurde. Wie für viele andere DDR-Schriftsteller war Bertolt Brecht auch für Müller ein entscheidender Lehrer seines ‚Handwerks‘ und wurde durch sein Schaffen geprägt. Müller verstand sich selbst als DDR-Schriftsteller, wenngleich ihn jener Staat – vor allem zu Beginn seiner Karriere – erheblich in seinen Möglichkeiten beschränkte. Umso interessanter ist es, dass er (trotz seines komplizierten Verhältnisses zur DDR und dem Sozialismus) auch nach dem Zusammenbruch von der prinzipiellen Idee des Systems überzeugt blieb und dem westlichen Kapitalismus nichts abgewinnen konnte. Letzteres halte er „nach wie vor für hässlich“ .
Der Lohndrücker zählt zu den frühen Werken Müllers und wurde erstmals 1957 abgedruckt, im März 1958 folgte die Uraufführung in Leipzig. Es fällt damit in eine historisch und kulturell brisante Phase: Die Systemkonkurrenz zwischen Kapitalismus und real existierenden Sozialismus war im vollen Gange, der Kalte Krieg hatte bereits begonnen. Müllers Lohndrücker entstand (und erschien) zur Zeit der sogenannten Aufbau-Literatur, die wiederum vom Sozialistischen Realismus geprägt wurde. Dieser gab Kunst und Kultur innerhalb der Einflusssphäre die Richtung vor und forderte eine bestimmte Darstellung ein, die Müller in seinen Texten wiederum verweigerte. Müller unterstellte man bei seinem späteren Werk Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande antikommunistische und konterrevolutionäre Tendenzen, es folgte 1961 ein Berufsverbot.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Literaturwissenschaftliche Perspektive

1.1 Theoretische Grundlagen

1.2 Analyse der Darstellung

1.2.1 Darstellung des Helden

1.2.2 Darstellung der Arbeiterklasse

1.2.3 Darstellung des Aufbaus

2. Fachdidaktische Perspektive

2.1 Unterrichtspotenzial

2.2 Themenbezogener Zugang

Schluss

Quellen- und Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Sozialistischem Realismus, Aufbau-Literatur, epischem Theater und Heiner Müllers Stück "Der Lohndrücker". Ziel ist es zu analysieren, wie Müller durch eine komplexe Figurenkonzeption und ein kritisches Bild der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse die kunstpolitischen Vorgaben seiner Zeit hinterfragt und wie diese Erkenntnisse unter Verwendung der Methode des themenbezogenen Zugangs didaktisch im Deutschunterricht nutzbar gemacht werden können.

  • Spannungsfeld zwischen Sozialistischem Realismus und epischem Theater
  • Analyse der widersprüchlichen Heldenfigur Balke
  • Darstellung der Arbeiterschaft und des Aufbaus in der DDR
  • Didaktische Potenziale und Methoden für den Deutschunterricht
  • Kompetenzorientierung durch themenbezogene Textanalyse

Auszug aus dem Buch

1.2.1 Darstellung des Helden

In Müllers Lohndrücker ist die Figur Balke dem Aktivsten Hans Garbe nachempfunden. Mehrmals wird Balke von anderen Figuren explizit als „Aktivist“ und „guter Arbeiter“ bezeichnet und damit dem Sozialistischen Realismus gerecht. Die Figur ist allerdings von Müller alles andere als eindimensional angelegt, sodass es nicht nur bei der vermeintlich positiven Beschreibung bleibt: Balkes Aktivismus führt auch zu der titelgebenden Bezeichnung als „Lohndrücker“, er sei darüber hinaus ein „Wirrkopf“, ein „Arbeiterverräter“ und ein „Denunziant“. Balkes Heldentum im Sinne der sozialistischen Produktion hat demzufolge eine Kehrseite: Durch die Übererfüllung der Arbeitsnorm erhält er die Prämien und etabliert eine neue Norm, was die Missgunst der anderen Beschäftigten weckt. Es ist jene dialektische Darstellung Müllers, die ein handlungsgenerierendes Spannungsfeld erzeugt.

Müller interessierte ein Allgemeines und doch sehr Konkretes: der ‚Kampf zwischen Altem und Neuem‘, genauer: wie sich das Handeln von Balke auswirkt innerhalb sozialistischer Produktionsverhältnisse, die alltäglich realisiert werden von Arbeitern mit zumeist vorsozialistischem (also kapitalistischem, ja zuweilen nazistischem) Bewußtsein.

Der Konflikt zwischen dem ‚Alten‘ und dem ‚Neuen‘ ist dabei ganz im Sinne der Aufbau-Literatur. Das ‚Neue‘ wird im Lohndrücker sogar personifiziert, denn Balke ist „der Neue“. Bereits an der vielseitigen Bezeichnung Balkes kann aber gezeigt werden, dass Müller auf ‚Schönfärberei‘ verzichtet. Balke ist folglich auch kein typischer Protagonist im Sinne des Sozialistischen Realismus. Er ist kein positiver Held, auch wenn er zu Recht für seine Taten als Aktivist bezeichnet wird. Müller unterstreicht dies, indem er Balke „mit einer halbfaschistischen Vergangenheit“ ausstattet, wie sich in einem Konflikt mit dem Parteisekretär Schorn herausstellt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Bedeutung Heiner Müllers und die thematische Einordnung des Werkes "Der Lohndrücker" in den historischen Kontext der DDR-Aufbau-Literatur.

1. Literaturwissenschaftliche Perspektive: Analyse der theoretischen Grundlagen und Untersuchung der Figurenkonzeption sowie der Darstellung von Arbeitswelt und System im Werk.

1.1 Theoretische Grundlagen: Erläuterung der zentralen Begriffe Sozialistischer Realismus, Aufbau-Literatur und episches Theater für das Verständnis der Werkanalyse.

1.2 Analyse der Darstellung: Detaillierte Untersuchung des literarischen Stoffes und der Figurenkonstellation in Müllers Werk.

1.2.1 Darstellung des Helden: Kritische Betrachtung der widersprüchlichen Hauptfigur Balke und ihres Verhältnisses zum sozialistischen Heldentum.

1.2.2 Darstellung der Arbeiterklasse: Untersuchung der negativen Darstellung der Arbeiterschaft und deren systemkritischer Haltung.

1.2.3 Darstellung des Aufbaus: Analyse der Darstellung des Aufbauprozesses unter den Bedingungen von Mangelwirtschaft und staatlicher Repression.

2. Fachdidaktische Perspektive: Herleitung des Potenzials von Müllers Werk für den Deutschunterricht und Vorstellung methodischer Zugänge.

2.1 Unterrichtspotenzial: Begründung der Eignung des Werkes für die Sekundarstufe II unter Berücksichtigung von biografischen und inhaltlichen Aspekten.

2.2 Themenbezogener Zugang: Darstellung der Methode des themenbezogenen Zugangs und deren konkrete Anwendung auf "Der Lohndrücker".

Schluss: Zusammenführung der literaturwissenschaftlichen Erkenntnisse und Reflexion der didaktischen Ergebnisse.

Schlüsselwörter

Heiner Müller, Der Lohndrücker, Sozialistischer Realismus, Aufbau-Literatur, episches Theater, DDR-Literatur, Arbeiterklasse, Heldenkonzeption, Bildung, Deutschunterricht, Literaturdidaktik, Aufbauliteratur, Systemkonkurrenz, Literaturwissenschaft, Arbeitertheater

Häufig gestellte Fragen

Was ist das grundlegende Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert Heiner Müllers Stück "Der Lohndrücker" im Spannungsfeld zwischen den literarischen Vorgaben des Sozialistischen Realismus bzw. der Aufbau-Literatur und den dramaturgischen Ansätzen des epischen Theaters.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den Kernbereichen gehören die Heldenkonzeption bei Müller, die Darstellung der Arbeiterklasse und des sozialistischen Aufbauprozesses sowie die Möglichkeiten, diese komplexen Inhalte didaktisch im Deutschunterricht der Sekundarstufe II zu vermitteln.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Müllers Werk keine einfache Affirmation des sozialistischen Systems darstellt, sondern durch eine widersprüchliche Darstellung ein Spannungsfeld eröffnet, dessen didaktische Aufbereitung durch einen themenbezogenen Zugang gezielt gefördert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?

Die Arbeit kombiniert eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Heranziehung von Sekundärliteratur mit einer fachdidaktischen Perspektive auf Basis der Methodik von Marion von der Kammer.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?

Im Zentrum steht die Untersuchung von Müllers Figurenkonzeption (insbesondere der Figur Balke), die Analyse des kritischen Bildes der DDR-Arbeiterklasse und die Erörterung des themenbezogenen Zugangs als effektive Methode für den kompetenzorientierten Unterricht.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Wichtige Schlagworte sind Heiner Müller, Der Lohndrücker, Sozialistischer Realismus, Aufbau-Literatur, Arbeiterklasse, Heldenkonzeption und Literaturdidaktik.

Warum wird Balke im Text als "fragwürdiger" Protagonist bezeichnet?

Balke ist kein eindimensionaler "Held der Arbeit", da er zwar aktivistisch handelt, aber gleichzeitig eine halbfaschistische Vergangenheit hat, denundiant ist und sein Handeln sowie die damit verbundenen Motive (wie der Wunsch nach Prämien) von Müller bewusst ambivalent und diskussionswürdig gestaltet werden.

Welche Rolle spielt der themenbezogene Zugang in der Arbeit?

Der themenbezogene Zugang dient als Leitmethode für den Unterricht, um Schüler gezielt zur Auseinandersetzung mit komplexen Texten zu führen, indem Fragestellungen wie "Ist 'Der Lohndrücker' eine sozialistische Heldengeschichte?" die analytische Auseinandersetzung kontrovers strukturieren.

Excerpt out of 29 pages  - scroll top

Details

Title
Perspektivstruktur des Sozialismus in Heiner Müllers "Lohndrücker"
College
http://www.uni-jena.de/
Grade
2,7
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2022
Pages
29
Catalog Number
V1335424
ISBN (PDF)
9783346834355
ISBN (Book)
9783346834362
Language
German
Tags
Literatur Heiner Müller Heiner Müller DDR Sozialismus Realismus Brecht episches Theater Theater Drama Nachkriegsliteratur Sozialistischer Realismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2022, Perspektivstruktur des Sozialismus in Heiner Müllers "Lohndrücker", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1335424
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  29  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint