Die Rolle des Schachspiels in Lessings "Nathan der Weise"


Hausarbeit, 2003

16 Seiten, Note: 1-


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Weg des Schachspiels nach Europa

3. Lessings Beziehung zum Schach

4. Analyse der Schachszene

5. Werkimmanente Funktion
5.1. Einführung von Saladin und Sittah
5.2. Vorbereitung der Hauptszene

6. Symbolische Bedeutung
6.1. Metapher für die politische Situation
6.2. Das Schachspiel als Toleranzsymbol
6.2.1. Das Verhältnis der Religionen
6.2.2. Das Verhältnis der Geschlechter
6.3. Spekulationen bzgl. der Personengestaltung

7. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Abbildungsnachweis

1. Einleitung

Nathan der Weise, das letzte Werk von Gotthold Ephraim Lessing, ist ein von vielen Forschern besprochenes Stück. Im Vordergrund steht hierbei zumeist die Ringparabel, die übereinstimmend als Aufforderung zur Toleranz zwischen den Religionen gedeutet wird..

Ich möchte in meiner Arbeit den Fokus auf eine andere Szene legen, die in ihrer ungewöhnlichen Anlegung den Rahmen für vielfältige Deutungen bietet: die Schachszene im zweiten Aufzug. Dem Schachspiel zwischen dem König Saladin und seiner Schwester Sittah ist auffallend viel Raum gegeben. Das wirft die Frage nach dem Grund für diese Konzeption auf. Die Vermutung, dass Lessing seiner Spielleidenschaft ein literarisches Denkmal setzen wollte[1] ist sicherlich ein erster Ansatz, doch wird man mit dieser Überlegung der außergewöhnlichen Szene wahrscheinlich noch nicht gerecht.

Im Folgenden möchte ich daher - nach einer inhaltichen Analyse der Schachspielszene - verschiedene Deutungsansätze vorstellen und diskutieren.

Da Lessing Nathan der Weise in Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge spielen lässt, halte ich es für sinnvoll, zu Beginn kurz den Ablauf zu skizzieren, wie das Schachspiel den Weg aus dem Orient zu uns nach Europa fand.

Im Anschluss daran soll Lessings eigenes Verhältnis zum „Spiel der Könige“ beschrieben werden und zur Schachszene des Nathan überleiten.

2. Weg des Schachspiels nach Europa

Die Forschung ist sich nicht ganz einig, in welchem Land das Schachspiel seinen Ursprung hat. Der überwiegende Teil der Wissenschaftler spricht sich für Indien aus; es gibt jedoch auch Forscher die die These vertreten, dass das Spiel in China erfunden worden sei.[2]

Wo auch immer es seinen originären Ursprung hat: mit Sicherheit ist es von Indien aus in den Orient gelangt. „[...] die Übernahme des indischen Schachs durch die Perser wird sowohl von den alten persischen und arabischen Quellen als auch von allen namhaften früheren und heutigen Iranisten und Indologen unzweifelhaft angesehen.“[3]

Das Schach gelangte vermutlich auf mehreren Wegen nach Europa: zum einen über Spanien durch die Kämpfe zwischen Arabern und Franken in Nordspanien und Südfrankreich im 8. Jahrhundert; zum anderen ist auch der Weg über Italien wahrscheinlich, da Sizilien und Süditalien Mitte des 9. Jahrhunderts von den Arabern unterworfen wurden.[4]

Wesentlich zur Verbreitung des Schach beigetragen haben dürften aber in erster Linie die Kreuzzüge, während derer die Ritter das Spiel in Palästina kennengelernt und anschließend mit in die Heimat gebracht haben.[5]

„Schon um die Wende zum 12. Jahrhundert war das Schachspiel in Europa so weit verbreitet, dass seine Beherrschung ausdrücklich zu den Rittertugenden gezählt wurde“[6]

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die Schachgeschichtsforschung noch nicht so weit fortgeschritten, den Ursprung in Indien anzusiedeln, denn so ist im 1732 erschienen Zedler-Universallexikon zu lesen: „[...] ist eines der edelsten und nachdenklichsten Spiele, so die Persianer erfunden haben sollen.“[7] In den folgenden Jahrzehnten muss diesbezüglich die Wissenschaft einen Fortschritt erzielt haben, denn in Adelungs „Grammatisch-kritischem Wörterbuch“ aus dem Jahre 1811 wurde notiert: „Dieses Spiel ist in ganz Asien gewöhnlich, und ist dem übereinstimmenden Zeugnisse aller Morgenländer zu Folge in ganz Indien [...]. Es ist ein Kriegsspiel, und bildet die alte indianische Art zu kriegen sehr deutlich ab.“[8]

3. Lessings Beziehung zum Schach

Im Folgenden soll Lessings Beziehung zum Schach herausgearbeitet werden. Die gewonnen Erkenntnisse sollen dann später– soweit möglich - mit der Konzeption der Schachspielszene in Nathan der Weise in Beziehung gesetzt werden.

„Für den Ernst zu viel Spiel, für das Spiel zu viel Ernst“, diese Aussage wird Lessing zugeschrieben.[9] IIIIsoliert gesehen scheint die Äußerung eher eine negative Einstellung zum Spiel zu bezeugen. Lessings Zeitgenossen jedoch rühmen ihn als einen guten Schachspieler, so auch bezeugt von seinem Stiefsohn Vicarius König.[10] Demnach zählten in Hamburg bevorzugt Klopstock und in Berlin Moses Mendelssohn zu seinen Schachgegnern. Und nach Aussage seiner Tochter Amalie stand ihm in Wolfenbüttel sein Hausarzt namens Topp als Spieler zur Verfügung.[11]

Wo und wann er mit dem Spiel zum ersten Mal in Kontakt gekommen ist, ist nicht bekannt. Fehr vermutet, dass er es in der Fürstenschule zu St. Afra bei Meissen gelernt haben könnte, „da in den klösterlichen Erziehungsanstalten jener Zeit bekanntlich das Schach als das allein zu gestattende Unterhaltungsspiel gegolten hat.“[12]

[...]


[1] vgl. Petzold, J: Das Schachspiel als Toleranzsymbbol in Lessings „Nathan der Weise“, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Nr. 47, Leiden 1995, S. 37

[2] vgl. Petzold, J.: Das Königliche Spiel. Die Kulturgeschichte des Schach, Leipzig 1987, S. 18

[3] Syed, R.: Kanauj, die Maukharis und das Caturanga. Der Ursprung des Schachspiels und sein Weg von Indien nach Persien, Kelkheim/Ts. 2001, S. 62

[4] vgl. Petzold (s. Anm.2). S. 70

[5] ebd.

[6] ebd., S. 95

[7] Zedler, J.H. (Hrsg.): Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, 1732, S. 674

[8] Adelung, J.H. (Hrsg.): Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, 1811, S. 1313

[9] Maßmann, H. F.: Geschichte des mittelalterlichen, vorzugsweise des deutschen Schachspiels, Leipzig 1839, S. 10

[10] vgl. Fehr, A.: Gotthold Ephraim Lessing, seine Beziehungen zum Schachspiel, in: Deutsche Schachzeitung Nr. 4, Leipzig 1881, S. 97

[11] vgl. Petzold (s. Anm. 1), S. 37

[12] s. Fehr a.a.O., S. 98

16 von 16 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Schachspiels in Lessings "Nathan der Weise"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Veranstaltung
Grundkurs
Note
1-
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V133547
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Schachspiels, Lessings, Nathan, Weise
Arbeit zitieren
Andrea Honcia (Autor), 2003, Die Rolle des Schachspiels in Lessings "Nathan der Weise", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133547

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