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Biblische Wurzeln des Antisemitismus. Der Antijudaismus im Neuen Testament

Titel: Biblische Wurzeln des Antisemitismus. Der Antijudaismus im Neuen Testament

Seminararbeit , 2019 , 13 Seiten , Note: 1

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Theologie - Biblische Theologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der Bedeutung folgenden Sprichworts: „Aug' um Aug', Zahn um Zahn,...“. Die meisten konnotieren das mit grausamer Rache und unversöhnlicher Vergeltung.

Dabei vergleiche ich die Stellen Ex 21,22-27 und Mt 5,38-42 der Bibel; den masoretischen Text von Schemoth (Exodus) und die deutsche Übersetzung der Zürcher Bibel (2007). Man wird schnell merken, dass die Übersetzungen (und vor allem auch die unterschiedlichen Auslegungen), doch so stark differieren, dass der Sinn des Textes eine andere Bedeutung annimmt.
Daher stellt sich die Frage, ob das einer bestimmten Tendenz folgt; beispielsweise, um das Alte Testament (AT) und daher auch die „ältere“ Religion, die mit dem heutigen Judentum identifiziert wird, abzuwerten oder überhaupt zu delegitimieren? Allein die Bezeichnung AT an Stelle des Kurzwortes „Tenach“ für die drei Teile der hebräischen Bibel (Thora für den Pentateuch bzw. die fünf Bücher Mose, Newiim für Propheten und Ktuwim für die übrigen Schriften) spricht für die Substitution des AT durch das NT, was beispielsweise in den diversen Aufschriften zu den Bildern in der Sixtina und auch sonst in der christlichen, bildlichen Kunst vielerorts zum Ausdruck kommt.
Ziel der Arbeit soll außerdem sein, nach Antijudaismus im NT zu fragen, zu begründen, ihn aber auch - sofern möglich - zu erschüttern.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Aug' um Aug'“- Die ursprüngliche Bedeutung

3. Verschiedene Deutungsmodelle

3.1 Beispiel Exodus-Zitat

3.2 Beispiel Matthäus-Zitat

4. Übersetzungen – Bewusste Fehler?

5. Die Wirkungsgeschichte – der „jüdische“ Gott ein Rachegott?

6. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das verbreitete Vorurteil gegenüber dem biblischen Talionsprinzip („Auge um Auge“) und analysiert, inwieweit dieses pejorative Verständnis zur Entstehung und Verbreitung von Antijudaismus beigetragen hat.

  • Analyse des Talionsprinzips in der hebräischen Bibel als zivilrechtliche Schadenersatzregelung.
  • Untersuchung der Interpretation des Talionsprinzips im Neuen Testament (Bergpredigt).
  • Kritische Reflexion von Übersetzungsentscheidungen und ihrer Auswirkungen auf das Verständnis des Judentums.
  • Aufdeckung antijüdischer Tendenzen in der Wirkungsgeschichte christlicher Auslegungen.
  • Gegenüberstellung des „Tenach“ und seiner christlichen Rezeption als „Altes Testament“.

Auszug aus dem Buch

2. „Aug' um Aug'“- Die ursprüngliche Bedeutung

Viele verstehen unter dem Satz „Aug' um Aug', Zahn um Zahn“ das Selbe wie unter „Wie du mir so ich dir“, obwohl das ursprüngliche Ziel das genaue Gegenteil war, nämlich das Morden und die Blutrache einzudämmen.

Sowohl in der Thora, wie in den Vorläufern des Talionsprinzips, dem Codex Ešnunna und dem Codex Hammurapi, ging es bei Körperverletzungen immer um eine finanzielle Entschädigung. Der Codex Ešnunna (1920 BCE) regelte Körperverletzungen schon mit genauen Geldbußen. So hat zum Beispiel ein verletzter Fuß (verletzt in dem Sinne, dass man mit ihm nicht mehr gehen konnte) nach diesem Gesetz ½ Mine Silber gekostet. Der Codex Hammurapi ist eine Stele aus dem 18. Jh. BCE mit eingemeißelten Rechtsfällen von Körperverletzungen, die teils mit Körperverletzungen, teils mit Geldbußen gesühnt wurden. Aus diesen antiken Rechten kennen wir mehrere, die bei den Römern ziemlich einheitlich waren, sich bei den Griechen nach Stadtrechten unterschieden und auch in Ägypten gewiss unterschiedlich waren, zumal es dort jedenfalls ab der Ptolemäischen Periode unterschiedliche Eheverträge gab, die die wechselseitigen Rechte und Pflichten unterschiedlich regelten je nach dem, ob es sich um genuine Ägypter, oder mehr oder weniger "assimilierte Ausländer" handelte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob das Sprichwort „Auge um Auge“ gezielt genutzt wurde, um das Judentum abzuwerten oder zu delegitimieren.

2. „Aug' um Aug'“- Die ursprüngliche Bedeutung: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass das Talionsprinzip in der antiken Rechtstradition ursprünglich als zivilrechtliche Regelung für finanziellen Schadenersatz und nicht als bloße Rache konzipiert war.

3. Verschiedene Deutungsmodelle: Anhand von Exodus- und Matthäus-Zitaten wird aufgezeigt, wie unterschiedliche Auslegungsansätze zu einer Entfremdung zwischen jüdischer Tora-Treue und christlicher Interpretation führen.

4. Übersetzungen – Bewusste Fehler?: Das Kapitel diskutiert, wie philologische Feinheiten bei der Übersetzung bestimmter Begriffe das negative Image der „jüdischen Rache“ befördern konnten.

5. Die Wirkungsgeschichte – der „jüdische“ Gott ein Rachegott?: Es wird analysiert, wie antijüdische Narrative und die Passionsgeschichte das christliche Verständnis vom Gott des Alten Testaments als vermeintlichen „Rachegott“ über Jahrhunderte prägten.

6. Resümee: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das Talionsprinzip ursprünglich eine humane zivilrechtliche Funktion hatte und christliche Vorwürfe gegen das Judentum oft auf einer delegitimierenden Auslegungsgeschichte basieren.

Schlüsselwörter

Antijudaismus, Talionsprinzip, Auge um Auge, Judentum, Christentum, Altes Testament, Tenach, Bergpredigt, Schadenersatz, Wirkungsgeschichte, Rechtsgeschichte, Bibelauslegung, Deuteronomie, Exodus, Matthäus-Evangelium

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das weit verbreitete Missverständnis des biblischen Rechtssatzes „Auge um Auge“ und analysiert dessen Rolle als Instrument antijüdischer Argumentation.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die antike Rechtsgeschichte, die vergleichende Analyse biblischer Texte und die historische Wirkungsgeschichte christlicher Vorurteile gegenüber dem Judentum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das Talionsprinzip als zivilrechtliches Instrument (Schadenersatz) freizulegen und den antijüdischen Charakter der christlichen Substitutions-Interpretationen kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-kritische Methode, vergleicht masoretische Urtexte mit Übersetzungen und analysiert die hermeneutischen Unterschiede zwischen jüdischer und christlicher Tradition.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der ursprünglichen Bedeutung des Talionsprinzips, der Analyse spezifischer Bibelstellen (Exodus vs. Matthäus) und der Frage, wie Übersetzungsnuancen und kirchengeschichtliche Narrative den Antijudaismus befeuerten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Talionsprinzip, Antijudaismus, Schadenersatz, Bibelauslegung und Wirkungsgeschichte.

Inwiefern spielt die Bergpredigt eine Rolle für die Argumentation?

Die Bergpredigt dient als prominentes Beispiel für eine Textpassage, die innerhalb des Christentums oft als „Ersatz“ oder „Verschärfung“ des jüdischen Gesetzes gelesen wird, was der Autor als antijüdische Tendenz kritisiert.

Warum wird die Passionsgeschichte in diesem Kontext thematisiert?

Der Autor führt die Passionsgeschichte als zentralen Punkt an, an dem eine historisch zweifelhafte Belastung des jüdischen Volkes (Blutruf) für christliche Identitätsstiftungen instrumentalisiert wurde.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Biblische Wurzeln des Antisemitismus. Der Antijudaismus im Neuen Testament
Hochschule
Universität Wien
Note
1
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V1335602
ISBN (PDF)
9783346832603
ISBN (Buch)
9783346832610
Sprache
Deutsch
Schlagworte
biblische wurzeln antisemitismus antijudaismus neuen testament
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2019, Biblische Wurzeln des Antisemitismus. Der Antijudaismus im Neuen Testament, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1335602
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Leseprobe aus  13  Seiten
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