Die Aussage „Kleider machen Leute“, schreibt Kleidung einen beachtlichen Stellenwert für das individuelle Auftreten zu. Doch war das schon immer so? Wie wurde Kleidung früher genutzt und welchen Stellenwert hatte sie für die Menschen? Ich möchte mich dieser Frage annähern, indem ich mir das Kleidungsverhalten der Frauen in den 1920er Jahren genauer anschaue und dabei auf eine bestimmte Erscheinung, die der „Neuen Frau“ eingehe. Was genau versteht man unter diesem Phänomen und ist die Frau wirklich schon so fortschrittlich und modern, wie es diese Bezeichnung annehmen lässt? Wie hat sich ihr Kleidungsverhalten entwickelt und welche Rückschlüsse lassen sich dadurch auf die derzeitige soziale Situation der Frau ziehen? Verändert das äußere Erscheinungsbild seinen Träger und welche Möglichkeit bietet sie, sich selbst darzustellen? Mit diesen Fragen möchte ich mich in meiner Ausarbeitung beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kleidung
2.1 Kleidungsforschung
2.2 Funktion von Kleidung
2.3 Kleidung und Geschlecht
3 Die Frau in den 1920er Jahren
3.1 Kleidungsreform der Frauenkleidung
3.2 Die Rolle der Frau in den 20er Jahren
3.3 Die „neue Frau“
3.4 Die weibliche Angestellte
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Kleidungsverhalten von Frauen in den 1920er Jahren, um Rückschlüsse auf ihre damalige soziale Situation und die Entwicklung des Phänomens der „Neuen Frau“ zu ziehen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das äußere Erscheinungsbild der Frau gewandelt hat, welche Bedeutung ihre Kleidung in diesem Kontext einnahm und inwiefern der Begriff der „Neuen Frau“ tatsächlich mit gesellschaftlichem Fortschritt und Emanzipation gleichzusetzen ist.
- Kulturanthropologische Grundlagen der Kleidungsforschung
- Die historische Kleidungsreform der Frauenkleidung
- Die gesellschaftliche Rolle der Frau in der Weimarer Republik
- Das kulturelle Konstrukt der „Neuen Frau“
- Die Rolle der weiblichen Angestellten als Typus der Moderne
Auszug aus dem Buch
3.1 Kleidungsreform der Frauenkleidung
Nachfolgend möchte ich die Kleidungsreform genauer betrachten, um anhand dieser die Veränderung der Kleidung der Frau darzulegen und sie historisch einzuordnen. Die Zeit, beginnend mit der Nationsgründung und -sicherung der 1870er Jahre bis zum Ersten Weltkrieg, lässt sich durch einen „expansiven Wachstum[s] in der Textil- und Bekleidungsindustrie“, sowie „entsprechenden technischen Innovationen“ kennzeichnen (Ellwanger & Meyer-Renschhausen 1998, 88).
Die Kleidungsreform der Frauenkleidung, welche ihren Höhepunkt zwischen 1895 und 1910 fand, lässt sich im Sinne einer „radikaleren Neuorganisation und Neupräsentation des weiblichen Körpers“ verstehen (ebd. 87). Hierbei ist besonders das Korsett als Zentrum der Diskussion zu nennen. Grund dafür stellt zum einen die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, zum anderen der ausgeübte Druck auf die Organe dar (vgl. ebd. 87). Die maximale Ausformung des Körpers lässt sich in den 1880er Jahren verordnen. Daraufhin folgte ein Diskurs, welcher sich vor allem gegen das Tragen des Korsetts und die sogenannte »Eitelkeit« der Frau richtete. Mediziner vertraten den Standpunkt, den weiblichen Körper, des werdenden Kindes willens, zu erhalten. Dennoch ist um 1900 eine neu entwickelte Form des Korsetts festzuhalten, welches unter der Bezeichnung »femme fragile« die Taille einer Frau wie die eines jungen Mädchens erscheinen ließ (ebd. 91). Durch die beginnende industrielle Produktion und die damit verbundenen billigeren Anschaffungspreise, wurde es nun auch Fabrikarbeiterinnen ermöglicht, sich ein Korsett zu leisten. Diese schränkten jedoch die körperlichen Arbeiten, durch die erheblich erschwerte Atmung, maßgeblich ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hier wird das Interesse an der kulturanthropologischen Kleidungsforschung vorgestellt, um das Kleidungsverhalten der Frau in den 1920er Jahren zu beleuchten.
2 Kleidung: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen der Kleidungsforschung, die Funktionen von Kleidung sowie deren geschlechtsspezifische Konstruktion.
3 Die Frau in den 1920er Jahren: Hier werden die historische Kleidungsreform, die veränderte gesellschaftliche Rolle der Frau, das Phänomen der „Neuen Frau“ und das spezifische Beispiel der weiblichen Angestellten analysiert.
4 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Kleidung zwar als Ausdruck einer neuen weiblichen Identität fungierte, die tatsächliche Emanzipation jedoch durch sozio-ökonomische Rahmenbedingungen begrenzt blieb.
Schlüsselwörter
Kleidungsforschung, 1920er Jahre, Neue Frau, Kleidungsreform, Emanzipation, Geschlechterrollen, weibliche Angestellte, Identität, Körperideal, Soziokulturelle Bedingungen, Konsum, Mode, Weimarer Republik, Selbstbild, Modernität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des weiblichen Kleidungsverhaltens in den 1920er Jahren als Spiegelbild gesellschaftlicher Transformationsprozesse und Emanzipationsbestrebungen in der Weimarer Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die kulturanthropologische Kleidungsforschung, die historische Entwicklung der Kleidungsreform, die veränderte soziale Rolle der Frau in den 20er Jahren sowie die Auswirkung medialer Bilder auf die Identitätsbildung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Begriff der „Neuen Frau“ zu hinterfragen und zu prüfen, ob die in Mode und Auftreten manifestierte Modernität einer tatsächlichen gesellschaftlichen Gleichstellung entsprach oder lediglich eine auf Fiktion basierende Inszenierung darstellte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin wählt einen kulturanthropologischen Ansatz, der historische Entwicklungen von Kleidung und deren semantische Funktion im sozialen Kontext untersucht.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Kleidungsreform vor und während der 1920er Jahre, den sozio-ökonomischen Veränderungen für Frauen sowie einer detaillierten Klassifizierung des Typus der „Neuen Frau“ und der weiblichen Angestellten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kleidungsreform, Geschlechterrollen, Emanzipation, weibliche Angestellte, Identität und die „Neue Frau“.
Welchen Einfluss hatte der Zweite Weltkrieg auf die Mode und Rolle der Frau?
Die Arbeit verdeutlicht, dass der Krieg als Auslöser für einen gesellschaftlichen Wandlungsprozess diente, der Frauen vermehrt in den Erwerbssektor zwang und langfristig zu einer Abkehr von traditionellen Kleidungszwingen wie dem Korsett führte.
Warum war das Bild der weiblichen Angestellten so prägend für das Jahrzehnt?
Die weibliche Angestellte galt als Massenphänomen und Prototyp der Moderne, da ihr Aufstieg in den „neuen Mittelstand“ als Symbol für wirtschaftliche Unabhängigkeit und den Bruch mit alten Geschlechtergrenzen wahrgenommen wurde.
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- Anonym (Autor), 2021, Die "Neue Frau" in den 20er Jahren, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1335621