Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus sind auch im 21. Jahrhundert weiterhin relevante gesellschaftliche Themen, die in unterschiedlicher Weise auf die Institution Schule einwirken. Kinder und Jugendliche haben in aller Regel bereits aktiv oder passiv Ausgrenzungserfahrungen gemacht und die Schule ist zu einem großen Teil dafür verantwortlich, den Kindern und Jugendlichen Informationen zu Rassismis, Antisemitismus und Rechtsextemismus zur Verfügung zu stellen und sie für die Themen zu sensibilisieren.
Öffentlich wird vielfach die Meinung vertreten, eine Auseinandersetzung mit dem Thema Holocaust sei für Schülerinnen und Schüler ausreichend, um sie für die Problematik zu sensibilisieren. Genau diese Art der Herangehensweise wird aber mittlerweile in der Literatur als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet. In Abschnitt vier der Arbeit werden deshalb dazu alternative Konzepte vorgestellt.
Auch Lehrerinnen und Lehrer scheinen den Herausforderungen der Thematisierung von Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus in der Schule nicht immer gewachsen zu sein. So wurden laut einer Studie latent und teilweise auch manifest antisemitische Schüleransichten von einer Lehrerin nicht als problematisch angesehen. Dieser Punkt zeigt einmal mehr, dass eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Problematik von Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus in der Schule für Lehrerinnen und Lehrer vonnöten ist.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daran anlehnend mit dieser Fragestellung. Zunächst werden in Abschnitt zwei die drei Begriffe Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus erläutert, Abschnitt drei legt dann den Schwerpunkt auf Schüleransichten zu den drei Bereichen, bevor in Abschnitt vier die sich daraus ergebenden Probleme und Herausforderungen der Themen im Schulunterricht thematisiert werden und in Abschnitt fünf ein Fazit gezogen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Rassismus / Antisemitismus / Rechtsextremismus?
3. Schüleransichten zu Rassismus / Antisemitismus / Rechtsextremismus
4. Probleme und Herausforderungen der Themen im Schulunterricht
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz und die Problematik von Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus im schulischen Kontext. Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie Jugendliche diese Themen wahrnehmen, welche Herausforderungen sich für Lehrkräfte bei der Thematisierung ergeben und welche pädagogischen Ansätze, insbesondere im Bereich des interkulturellen Lernens, zu einer Sensibilisierung beitragen können.
- Begriffsbestimmung von Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus
- Analyse von Schüleransichten und Vorurteilen im schulischen Alltag
- Herausforderungen für Lehrkräfte bei der pädagogischen Vermittlung
- Kritik an gegenwärtigen institutionellen Strukturen und der Bildungspolitik
- Potenziale interkulturellen Lernens zur Prävention
Auszug aus dem Buch
3. Schüleransichten zu Rassismus / Antisemitismus / Rechtsextremismus
Welche Ansichten vertreten Schülerinnen und Schüler bei der Thematisierung von Rassismus, Antisemitismus oder Rechtsextremismus im Unterricht?
Zunächst auffällig ist, dass viele Jugendliche der Ansicht sind, Nationalsozialismus, Antisemitismus und Holocaust würden in der Schule zu häufig angesprochen. Diese Aussagen verweisen aber weniger auf eine Kritik an der generellen Thematisierung, sondern vielmehr auf eine Kritik an der Form des historisch-politischen Umgangs mit eben jenen. Motive, die Jugendliche für diese Themenkomplexe motivieren können wären etwa ein vorhandenes Interesse an politischen oder moralischen Auseinandersetzungen sowie eine Fokussierung auf Gerechtigkeitsaspekte und alltägliche Diskriminierung. (vgl. Fechler 2006, S. 189f; Schäuble / Scherr 2006, S. 54)
Kontexte, in denen Jugendliche heute hauptsächlich die Themen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus thematisieren, sind Diskussionen über den Nahostkonflikt, die weltpolitische Rolle der USA, das Judentum oder eben das Dritte Reich. Dabei beziehen sie sich beispielsweise auf ihr schulisches Wissen über Nationalsozialismus und Holocaust oder die Berichterstattung in den Medien über aktuelle Ereignisse und dabei insbesondere den Nahostkonflikt. Juden werden in diesen Kontexten größtenteils als homogene Gruppe angesehen, die sich alleine über ihre Religion definiert, und oft nur als Opfer der Nationalsozialisten dargestellt. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit Juden oder dem Judentum findet demnach meist nicht statt. Für die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler sind die unterschiedlichen Bedeutungen des Jüdischen nicht klar und Diskussionen über Juden oder Antisemitismus gehen in generelle Diskussionen über Ausländer über. (vgl. Fechler 2006, S. 189f; Schäuble / Scherr 2006, S. 58ff)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die anhaltende Relevanz von Rassismus und Rechtsextremismus als gesellschaftliche Herausforderungen für die Schule und skizziert die Notwendigkeit einer zeitgemäßen pädagogischen Auseinandersetzung.
2. Was ist Rassismus / Antisemitismus / Rechtsextremismus?: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Definition der drei zentralen Begriffe und arbeitet deren Gemeinsamkeiten hinsichtlich Ausgrenzung und ideologischer Differenzbildung heraus.
3. Schüleransichten zu Rassismus / Antisemitismus / Rechtsextremismus: Hier werden die Einstellungen und Wahrnehmungen von Jugendlichen analysiert, wobei insbesondere der Einfluss von Medienberichterstattung und die Rolle von Stereotypen kritisch hinterfragt werden.
4. Probleme und Herausforderungen der Themen im Schulunterricht: Dieses Kapitel thematisiert die Schwierigkeiten für Lehrkräfte im Unterricht, wie etwa den Umgang mit vorurteilsbehafteten Äußerungen und die Notwendigkeit eines Mittelwegs zwischen Faktenwissen und Sensibilisierung.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Schule strukturelle Veränderungen benötigt und plädiert für das Konzept des interkulturellen Lernens, um diskriminierende Mechanismen nachhaltig abzubauen.
Schlüsselwörter
Rassismus, Antisemitismus, Rechtsextremismus, Schule, Interkulturelles Lernen, Jugendliche, Vorurteile, Diskriminierung, Holocaust, Nahostkonflikt, Bildungspolitik, Migrationshintergrund, Pädagogik, Stereotype, Schulsystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Problematik von Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus als wichtige gesellschaftliche Themen, die den Schulalltag prägen und spezielle Anforderungen an die pädagogische Arbeit stellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung der Begriffe, die Analyse aktueller Schüleransichten zu diesen Phänomenen sowie die Möglichkeiten der pädagogischen Intervention in der Schule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrerinnen und Lehrer mit fremdenfeindlichen Einstellungen umgehen können und welche alternativen Konzepte, wie das interkulturelle Lernen, eine bessere Sensibilisierung ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die einschlägige Studien und Fachliteratur zur Bildungs- und Rechtsextremismusforschung auswertet und verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe definiert, anschließend die Schülerwahrnehmung (z.B. im Kontext des Nahostkonflikts) beleuchtet und schließlich die Herausforderungen für die Unterrichtspraxis diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Rassismus, Antisemitismus, Interkulturelles Lernen, Diskriminierung, Bildungspolitik und Schüleransichten.
Warum wird die aktuelle Form der Holocaust-Erinnerung in der Schule kritisiert?
Die Arbeit verweist auf Literatur, die kritisiert, dass die bloße Erinnerung an den Holocaust für Jugendliche heute oft nicht mehr ausreicht oder sogar zur Legitimation von neuem Antisemitismus umgedeutet wird.
Welche Rolle spielt der Migrationshintergrund bei der Thematisierung dieser Fragen?
Die Arbeit stellt fest, dass Lehrkräfte oft durch komplexe ideologische Muster von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gefordert sind und ein sensiblerer Mittelweg zwischen Faktenvermittlung und Empathie erforderlich ist.
Inwiefern wird das deutsche Schulsystem im Fazit kritisiert?
Das Fazit schlägt vor, das viergliedrige Schulsystem zu überdenken, da die frühe Selektion und die bestehenden Ungleichheitsstrukturen die Ausgrenzung von Jugendlichen fördern können.
- Quote paper
- Bachelor of Arts (B.A.) Nicolas Sturm (Author), 2008, Die Problematik von Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133565