In dieser Diplomarbeit wird die Rolle der Italia Irredenta, eine nationalistische Bewegung, welche im Zuge des Risorgimento in Italien aufgekommen ist und sich die Los- bzw. Erlösung der noch unerlösten italienischen Gebiete, der terre irredente, zum Ziel setzte, vor, während und nach der Zeit des Dreibundes analysiert.
Es wird in dieser Arbeit der Frage nachgegangen, inwieweit irredentistische Aktionen und Ideologien innerhalb und außerhalb der italienischen Politikerkreise die Verhältnisse und Beziehungen zum österreichischen Nachbarn beeinflusst haben, zumal die Irredenta auf Triest und Trient schielte, welche sich unter habsburgischer Herrschaft befanden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zwischen italienischer Einigung und politischer Annäherung
2.1. Die Katzelmacher: Das Bild der Italiener und Italiens in Österreich
2.2. Die katholische Kirche im Trentino und Triest
2.3. Morte ai tedeschi: Das Bild der Österreicher in Italien
2.4. Das Risorgimento: Die Bewegung der italienischen Einheit und ihre Folgen
3. Die Italia Irredenta
3.1. Der italienische Irredentismus: Die politischen Anfänge und historischen Grundlagen der Italia Irredenta
3.2. Der Irredentismus und Österreich-Ungarn: Die nationalistischen Bestrebungen in Italien und ihre Rezeption durch die politischen Eliten der Habsburgermonarchie
3.3. Die Italia Irredenta
4. Der Dreibund und die Irredenta: Die Beziehungen zwischen Italien und Österreich während des Bündnisvertrages und der weiterhin vorherrschende Irredentismus
4.1. Grundlagen und erste Überlegungen für einen Bündnisvertrag: „Tunesische Ohrfeige“ und römische Frage
4.2. Der Dreibund und die italienische Politik: Innen- und außenpolitisches Kalkül der neuen Regierung Depretis am Vorabend des Dreibundes
4.3. Der Dreibund und die Irredenta: Die Rezeption der Irredenta in Österreich und Italien und der Beginn der Vertragsverhandlungen
4.4. Dreibund und italienischer Irredentismus: Die ersten Jahre des Bündnisses und das Fortbestehen der Irredenta
4.5. Die neue Irredenta und der Fall Oberdank: Irredentistischer Terrorismus in Italien und Österreich, die reaktionären Maßnahmen der italienischen Regierung und die Hagiographie der irredentistischen „Märtyrer“
4.6. Politische und publizistische Maßnahmen: Die österreichische und italienische Innen und Außenpolitik nach der Verhaftung Oberdans und weitere irredentistische Aktionen
4.7. Der endgültige Bruch der italienischen Regierung mit der Irredenta: Mancinis öffentliche Abrechnung mit dem Irredentismus und die Auswirkungen auf den Dreibund
5. Der Dreibund und die Irredenta nach 1883: „L’interesse e la grandezza del mio paese“
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit analysiert das Verhältnis zwischen Italien und der Habsburgermonarchie vor, während und kurz nach der Gründung des Dreibundes 1882. Im Fokus steht die Frage, inwieweit der italienische Irredentismus und nationalistische Spannungen die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten beeinflussten und wie der Dreibund als politisches Instrument auf diese Herausforderungen reagierte.
- Analyse soziokultureller Diskrepanzen zwischen Österreichern und Italienern im 19. Jahrhundert
- Untersuchung der Entstehung und ideologischen Grundlagen des italienischen Irredentismus
- Bewertung der innen- und außenpolitischen Dynamiken am Vorabend des Dreibundes
- Historische Einordnung und Rezeption des Irredentismus in den politischen Eliten
- Analyse des Einflusses irredentistischer Aktionen auf die bilaterale Bündnispolitik
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Katzelmacher: Das Bild der Italiener und Italiens in Österreich
Der Dreibund, welcher Italien und Österreich-Ungarn zu Vertragspartnern und Verbündeten machte, galt nicht nur den damaligen beteiligten Potentaten, Politikern, Diplomaten und Zeitgenossen als ein schieres Ding der Unmöglichkeit. Auch eine Reihe von Wissenschaftlern und Historikern, die sich intensiv mit den italienisch-österreichischen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert auseinandergesetzt haben und dies immer noch tun, sind sich darüber einig, dass es wohl keine schlechteren Vertragspartner hätte geben können. Weil ich der festen Überzeugung bin, dass sich eine konfliktreiche Beziehung am besten erklären lässt, wenn man nicht nur historische Hintergründe kennt, sondern auch jenes klischeebehaftete Gefühl und Ressentiment, welches vor der Jahrhundertwende durch die Köpfe in Wien und Rom geisterte und die öffentliche Meinungen in beiden Monarchien auf das unvorteilhafteste kompromittierte. Bevor also auf den Dreibund als solchen, die italienisch-österreichischen Beziehungen im Allgemeinen und den Einfluss der Irredenta auf ebendiese im Speziellen eingegangen werden kann, soll diese Gefühlswelt der Vorurteile und Abneigungen einer Vielzahl von Italienern gegenüber der österreichischen Monarchie und ihren Untertanen, der Abneigung der Österreicher gegenüber den Italienern und deren Gründe zum Ausdruck gebracht werden. In politischen und gesellschaftlichen Sphären der Habsburgermonarchie war die Abneigung gegenüber den Nachbarn im Süden weit verbreitet. Man kann zwar im 18. Jahrhundert noch nicht von einem Italiener-Hass als sozialpsychologisches, österreichisches Phänomen sprechen, denn dazu waren wohl die politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und menschlichen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarn zu intensiv, es lassen sich dennoch genügend Beispiele für weit zurückreichende Vorurteile und Klischeevorstellungen anführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Beziehungen zwischen Italien und Österreich im Kontext des Irredentismus und des Dreibundes chronologisch aufzuarbeiten.
2. Zwischen italienischer Einigung und politischer Annäherung: Dieses Kapitel skizziert die soziokulturellen Spannungen, Vorurteile und das gegenseitige Bild der beiden Nationalitäten vor der Bündnisbildung.
3. Die Italia Irredenta: Der Abschnitt befasst sich mit der Genese der irredentistischen Bewegung, ihren historischen Grundlagen und ihrer politischen Wahrnehmung in Wien.
4. Der Dreibund und die Irredenta: Die Beziehungen zwischen Italien und Österreich während des Bündnisvertrages und der weiterhin vorherrschende Irredentismus: Das Hauptkapitel untersucht die diplomatischen Bemühungen um den Dreibund, die Rolle Oberdanks und die wachsenden Konflikte durch irredentistische Agitation.
5. Der Dreibund und die Irredenta nach 1883: „L’interesse e la grandezza del mio paese“: Dieses Kapitel analysiert die Phase nach 1883, in der der Irredentismus in Italien politisch zusehends in den Hintergrund gedrängt wurde.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert, dass der Irredentismus von beiden Seiten oft überschätzt wurde und die Machtpolitik sowie die internationale Isolation Italiens eine größere Rolle für das Bündnis spielten.
Schlüsselwörter
Dreibund, Italien, Österreich-Ungarn, Habsburgermonarchie, Irredentismus, Italia Irredenta, Risorgimento, Diplomatie, Nationalismus, Guglielmo Oberdan, Außenpolitik, Bündnispolitik, territoriale Ansprüche
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das schwierige Beziehungsgeflecht zwischen dem jungen Königreich Italien und der Habsburgermonarchie in den Jahren vor und kurz nach 1882, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Rolle des Irredentismus liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die gegenseitige Wahrnehmung (Vorurteile/Klischees), die politische und territoriale Bedeutung des Irredentismus sowie die diplomatischen Verhandlungen, die zum Dreibund führten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Es soll geklärt werden, wie irredentistische Bestrebungen die diplomatischen Beziehungen zwischen Italien und Österreich beeinflussten und ob der Abschluss des Dreibundes diese nationalen Spannungen wirksam eindämmen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Methodik basiert auf der Konsultation sowohl deutsch- als auch italienischsprachiger Sekundärliteratur sowie der Analyse primärer Quellen wie diplomatischen Korrespondenzen, Zeitungsartikeln und zeitgenössischen Streitschriften.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Genese des Irredentismus, die komplexen Verhandlungen zum Dreibund unter dem Eindruck der „tunesischen Ohrfeige“ und die instrumentelle Nutzung des Märtyrerkults um Guglielmo Oberdan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk am besten?
Dreibund, Italien, Österreich-Ungarn, Irredentismus, Diplomatie, Nationalismus und Bündnispolitik.
Welche Rolle spielte Guglielmo Oberdan für die italienisch-österreichischen Beziehungen?
Oberdan wurde zum irredentistischen Symbol und Märtyrer stilisiert; sein versuchtes Attentat auf den österreichischen Kaiser illustriert die Radikalisierung und die diplomatische Belastung, die das Verhältnis zwischen den Bündnispartnern stetig destabilisierte.
Warum wurde der Irredentismus nach Ansicht des Autors „überschätzt“?
Der Autor argumentiert, dass der Irredentismus zwar für atmosphärische Spannungen sorgte, die offizielle italienische Außenpolitik jedoch primär durch machtpolitische Interessen und die Sorge vor internationaler Isolation (Tunesien-Frage) geleitet wurde.
- Arbeit zitieren
- Gregor Lechner Bazzanella (Autor:in), 2016, Die österreichisch-italienischen Beziehungen vor und nach 1882 unter dem Einfluss italienisch-nationalistischer Ideologien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1335843