Die Arbeit beschäftigt sich mit den Herausforderungen und dem Selbstverständnis der Führungsrolle inmitten selbstorganisierter Strukturen, mit besonderem Fokus auf die Kommunikationsquantität und -qualität. Dafür werden zunächst die Konzepte der Selbstorganisation und der internen CEO-Kommunikation betrachtet sowie traditionelle und moderne Führungsselbstverständnisse identifiziert - auch anhand eines aktuellen Beispiels aus Brasilien. Im Anschluss werden die Ergebnisse der empirischen Untersuchung zur CEO-Kommunikation und zum Rollenverständnis in der selbstorganisierten Praxis erläutert, die Fragen nach dem Status Quo, dem Verständnis und Unsicherheiten sowie daraus folgender Bedürfnisse der Führungskräfte/CEOs befragter Organisationen beantwortet.
Die Arbeitswelt ist in Aufruhr. In Zeiten der digitalen Transformation, wachender Vernetzung und Geschwindigkeit sowie des War-for-Talent müssen Unternehmen ihr organisatorisches Grundgerüst auf den Prüfstand stellen und es ggf. grundlegend verändern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Anforderungen an Führung, Mitarbeiterstab, Organisationsgefüge und Kommunikation wachsen und verändern sich.
Können die aktuellen Organisationsstrukturen die stetig steigenden Tempi bewältigen oder lernen, sich anzupassen? Sind die Mitarbeiter an Bord, den Wandel mitzutragen? Falls nicht, kann und will das Unternehmen die steigenden Ansprüche neuer Mitarbeiter nach Selbstverwirklichung, Freiheit und Partizipation erfüllen, um sie zu einer Anstellung zu überzeugen? Vom Start-Up bis zum Großkonzern, gibt es immer mehr Unternehmen, die starre Hierarchie-Konzepte auflockern, in der Hoffnung agiler, effizienter und attraktiver zu werden. Der Trend geht zu flacheren Strukturen, mehr Verantwortungsübertragung, mehr Vertrauen – selbstorganisierten Strukturen am Arbeitsplatz.
Die Veränderungen implizieren einen sinkenden Bedarf an Führungsarbeit, was zunächst nach einer Vereinfachung klingen mag. Tatsächlich besteht jedoch die Gefahr der Verunsicherung bis hin zum Identitätsverlust der Führungskraft. Über Jahrzehnte wurde die Figur des:der Chefs:in durch klare Strukturen, Autorität und Verantwortung geprägt. Welche Rolle spielt sie jedoch in selbstorganisierten Strukturen, wo genau jene Faktoren abnehmen? Wie viel Führung im klassischen Sinn ist noch sinnvoll? Was bedeutet Führung vielleicht im „modernen Sinne“? Wie und was sollte sie verkörpern und vor allem kommunizieren? Welche Inhalte und Kanäle rücken ins Zentrum?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretisches Konzept der Selbstorganisation
2.1 Recall: Traditionelle Organisationslehre und die Bedürfnisse von Heute
2.2 Selbstorganisation: Begriff und Ursprung
2.3 Selbstorganisation: Voraussetzung, Charakteristika und Umsetzung
3. Rolle der Führung
3.1 Führung im „klassischen Sinne“ – ein Rückblick
3.2 Führung 2.0 – Neue Blickwinkel
3.3 Führung in selbstorganisierten Unternehmensstrukturen
4. CEO-Kommunikation
4.1 Grundlagen der CEO-Kommunikation
4.2 CEO-Kommunikation in selbstorganisierten Unternehmensstrukturen
5. Zäsur. Was bisher geschah
6. CEO-Kommunikation und Rollenverständnis in der selbstorganisierten Praxis – Die Untersuchung
6.1 Forschungsdesign
6.2 Datenüberblick und -analyse
6.3 Output: Forschungsergebnisse
6.3.1 Struktur der Selbstorganisation
6.3.2 Rollenverständnis des CEO in selbstorganisierten Strukturen
6.3.3 CEO-Kommunikation in selbstorganisierten Strukturen
6.3.4 Gemeinsame Betrachtung der Dimensionen
6.4 Reflexion der Forschungsarbeit
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des CEO und die Ausgestaltung der CEO-Kommunikation in selbstorganisierten Unternehmensstrukturen. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie sich Führungsrollen und Kommunikationsmuster in Strukturen wandeln, die von klassischen Hierarchien abweichen, und wie CEOs den Spagat zwischen notwendiger Gestaltung und notwendiger Zurücknahme bewältigen.
- Transformation traditioneller Führungsmodelle in Richtung Selbstorganisation
- Die sich ändernde Rolle des CEO als "Gestalter des Rahmens" statt als "Kontrollinstanz"
- Identifikation von Kommunikationsinstrumenten und -kanälen vor dem Hintergrund von Transparenz und Partizipation
- Analyse der Herausforderungen wie Rollenunsicherheit und Komplexität in der Kommunikation
Auszug aus dem Buch
3.3 Führung in selbstorganisierten Unternehmensstrukturen
Die bisherige klassische, aber auch neuere Führungstheorie hat zu wertvollen Erkenntnissen geführt, was Eigenschaften und Verhalten von guter Führung angehen. Diese individualorientierten Ansätze können jedoch der Meinung von Wellmann nach nicht die breite Realität abbilden. Das Feld der Führung befindet sich inmitten einer Revolution. Die vielen Führungskonzepte mögen verschiedene Namen haben, jedoch geht es bei Strukturen, wie es bei Selbstorganisation der Fall ist darum, als Leiter vor allem als Facilitator of good Judgement zu fungieren. Gutes Urteilsvermögen wird durch Dialog, repräsentatives Denken und beispielhaftes Verhalten der Führung gefördert. Anstatt die Mitarbeiter auf ihre Eigenschaft als Folgende zu reduzieren, sollen sie als Co-Kreierende und Co-Führende wahrgenommen werden. Es besteht die Annahme, dass jede verantwortungsbewusste Person in der Lage ist, eine eigene Meinung zu bilden, richtig zu urteilen und zweckmäßig zu handeln – also durchaus eigenständig und mündig ist. Weitere Adjektive in diesem Zusammenhang sind authentisch, bescheiden, aufmerksam (= mindful). Diese Suggestionen kommen jedoch auch oft aus traditioneller Literatur. Interessanter als die bloße Frage nach Eigenschaften, ist hier die Frage nach der neuen Rolle des CEO.
Absehbare Tendenzen sind die zunehmende Abflachung bis hin zur Befreiung von Hierarchie, die Demokratisierung und zunehmende Einbindung der Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse sowie die Dezentralisierung von Entscheidungsmacht an den Entstehungsort. Letztlich bleibt die wirtschaftliche Verantwortung jedoch beim CEO. Dadurch wird die Rolle des CEO jedoch nicht geschwächt, sondern tritt im Gegenteil klarer hervor. Er wird zum Gestalter des organisationalen Rahmens.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den Wandel der Arbeitswelt und die wachsende Bedeutung von Selbstorganisation und flacheren Hierarchien.
2. Theoretisches Konzept der Selbstorganisation: Dieses Kapitel definiert Selbstorganisation, klassifiziert verschiedene Organisationsparadigmen und diskutiert deren theoretische Fundamente.
3. Rolle der Führung: Es findet eine Auseinandersetzung mit klassischen Führungsstilen statt und es wird die Frage nach der notwendigen Veränderung von Führung in selbstorganisierten Umgebungen gestellt.
4. CEO-Kommunikation: Das Kapitel erörtert die Definition, die Wirkungsweise und die neuen Anforderungen an die CEO-Kommunikation in einem sich wandelnden Umfeld.
5. Zäsur. Was bisher geschah: Eine Zwischenbilanz wird gezogen, um die theoretischen Erkenntnisse zu bündeln, bevor die praktische Untersuchung einsetzt.
6. CEO-Kommunikation und Rollenverständnis in der selbstorganisierten Praxis – Die Untersuchung: Der empirische Teil präsentiert das qualitative Forschungsdesign, die Resultate der Experteninterviews sowie die daraus abgeleiteten Thesen.
7. Schlussbetrachtung: Die Erkenntnisse werden zusammengefasst und ein Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der CEO-Rolle in selbstorganisierten Systemen gegeben.
Schlüsselwörter
Selbstorganisation, CEO-Kommunikation, Führung, Führungstheorie, Organisationsstrukturen, Transformation, Partizipation, Transparenz, Psychological Ownership, Führungsrolle, Personalmanagement, Unternehmensführung, Agilität, Authentizität, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Master-Thesis untersucht, wie sich die Rolle und das Kommunikationsverhalten von CEOs in Unternehmen verändern, die auf selbstorganisierten Strukturen basieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Übergang von hierarchischen Führungskonzepten zu agilen Organisationsmodellen, die Bedeutung von Transparenz und Partizipation sowie der Wandel der CEO-Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu ergründen, wie Führungskräfte in einem selbstorganisierten Setting erfolgreich als "Gestalter des Rahmens" agieren können, ohne die Kontrolle durch klassische Top-Down-Anweisungen auszuüben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, das auf leitfadengestützten Experteninterviews mit Geschäftsführern verschiedener Organisationen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt sowohl die theoretische Fundierung über Organisationsparadigmen und Führungstheorien als auch die empirische Analyse der Untersuchungsergebnisse ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Selbstorganisation, CEO-Kommunikation, Führung, Partizipation und Psychological Ownership.
Wie unterscheidet sich die Rolle des CEO in einer selbstorganisierten Struktur?
Der CEO agiert weniger als klassische "Kommandostelle", sondern verstärkt als Vorbild, Gestalter der Rahmenbedingungen und Coach, der seine Mitarbeiter zu eigenverantwortlichem Handeln befähigt.
Welche Rolle spielt die Kommunikation in diesen Modellen?
Kommunikation rückt in den Mittelpunkt, um Orientierung zu geben, Beziehungen aufzubauen und ein gemeinsames Verständnis für den Unternehmenszweck zu schaffen, da formale Anweisungen an Bedeutung verlieren.
- Quote paper
- Patricia Fechteler (Author), 2019, CEO-Kommunikation in selbstorganisierten Unternehmensstrukturen mit Fokus auf die Kommunikationsquantität und -qualität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1336130