Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit vulgären spanischen Redewendungen und mit deren möglichen deutschen Übersetzungen in der Filmuntertitelung. Es soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die Bedeutung von Redewendungen allgemein konstituiert und wie eine geeignete Übersetzungsstrategie von vulgären Redewendungen aussehen könnte. Zudem soll untersucht werden, ob im Deutschen häufig Abschwächungen oder Auslassungen vorkommen. Bei der Analyse der Redewendungen sollen die impliziten Informationen der Redewendungen, die sogenannten Implikaturen, gefunden werden.
Das gewählte Thema ist aus verschiedenen Gründen interessant. Zum einen scheint die Akzeptanz gegenüber vulgären Redewendungen in Spanien weitaus größer zu sein als in Deutschland. Zum anderen entfalte nach Schröpf das geschriebene Wort eine größere Wirkung als das gesprochene. Für die geeignete Übersetzungsstrategie müssen beide Punkte ausreichend berücksichtigt werden, da Übersetzer*innen eine ethische Verantwortung gegenüber allen Beteiligten haben und sie ungewollte Tabubrüche vermeiden sollten.
Im Theorieteil werden die relevanten Begriffe und mögliche Übersetzungsstrategien bei vulgären Redewendungen und Besonderheiten bei Untertiteln dargestellt. Im Praxisteil wird zunächst das Vorgehen der Analyse erläutert. Kernstück der Arbeit bildet die Analyse von 7 spanischen Redewendungen mit den Lemmata „cagar“ bzw. „cojón“. Dazu wurden 10-15 zufällige Beispiele aus dem spanisch-deutschen Korpus OpenSubtitles2011 von Tiedemann (2009), das insgesamt 3 979 alignierte Dokumente bzw. 50,7 Millionen Tokens umfasst, mithilfe des Korpuskompilationswerkzeugs SketchEngine ausgewertet. Für die Analyse wurde das spanisch-deutsche Wörterbuch der Redewendungen von Torrent et al. (2020), kurz SDWDR, sowie das monolinguale Online-Wörterbuch der Real Academia Española, kurz RAE, verwendet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Phraseologie im weiteren und engeren Sinne
2.2 Die Bedeutungskonstitution von Redewendungen
2.3 Einschränkungen und Strategien bei der Übersetzung vulgärer Redewendungen
2.4 Besonderheiten bei der Untertitelung von Filmen
3 Praktischer Teil
3.1 Methodologische Überlegungen
3.1.1 Vorgehen
3.1.2 Das Korpus OpenSubtitles2011
3.2 Analyse der Übersetzung von vulgären spanischen Redewendungen mit „cagar“ und „cojones“ ins Deutsche
3.2.1 Me cago en algo o alguien
3.2.2 Que te cagas
3.2.3 Cagarse encima una persona
3.2.4 De cojones
3.2.5 De los cojones
3.2.6 Faltarle a alguien cojones
3.2.7 Estar [bzw. tener] hasta los cojones
3.3 Gesamtauswertung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Übersetzung von vulgären spanischen Redewendungen in deutschen Filmuntertiteln. Dabei ist das primäre Ziel herauszufinden, ob eine direkte Übertragung vulgärer Ausdrücke sinnvoll ist oder ob eine pragmatische Anpassung unter Berücksichtigung der Implikaturen und der sozio-kulturellen Empfindungen der Zielgruppe notwendig ist.
- Methoden der Phraseologie und Bedeutungskonstitution
- Übersetzungsstrategien für vulgäre Redewendungen
- Analyse von spanisch-deutschen Filmuntertiteln basierend auf dem Korpus OpenSubtitles2011
- Berücksichtigung von sozio-kulturellen Faktoren bei der Translation
- Vergleichende Untersuchung von Bedeutungsinvarianz vs. Tabubruch
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Vorgehen
Das Kapitel 2.4 hat verdeutlicht, das verschiedene nonverbale und verbale Komponenten für die Bedeutungskonstitution in Filmen in verschiedener Gewichtung grundsätzlich relevant sind. Bei der vorliegenden Analyse geht es jedoch nicht darum, alle bedeutungstragenden Elemente der verschiedenen Kanäle zu identifizieren oder deren Gewichtung festzulegen. Es geht vielmehr darum, vulgäre spanische Redewendungen mit den Lemmata „cagar“ und „cojón“ aus dem Spanischen mit dem zugehörigen deutschen Segment zu vergleichen. Mithilfe von Sket-chEngine wurden ca. 10-15 zweisprachige Beispiele aus dem Korpus OpenSubtitles2011 zu 7 spanischen Redewendungen zufällig generiert, extrahiert und in einer Excel-Datei gespeichert.
Analysiert wurden zunächst die Implikaturen der spanischen Redewendungen anhand des spanisch-deutschen Wörterbuch der Redewendungen von Torrent et al. 2020, nachfolgend kurz SDWR, und bei vorhandenem Eintrag mithilfe des einsprachigen Online-Wörterbuchs der Real Academia Española (RAE). Gegenüber anderen Wörterbüchern ist der Vorteil des SDWR, dass gerade diese konventionellen Implikaturen im sog. Definiens aufgeführt sind, in dem die Erläuterung der Bedeutung der Redewendung bzw. einer Variante kontextunabhängig aufgeführt ist (vgl. Torrent & Lucía Uría 2020: X, XXIII). Durch die Angabe der kontextunabhängigen Bedeutung entsteht ein umfassendes Bild der Bedeutung (vgl. Kapitel 2.2). Das Wörterbuch der RAE wurde hinzugezogen, um mögliche weitere AT-Bedeutungen zu identifizieren. Generische bilinguale Wörterbücher wurden nicht konsultiert, da bei diesen die Übersetzungsvorschläge zumeist kontextabhängig sind und daher kein umfassendes Bild der Implikaturen entsteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema der vulgären spanischen Redewendungen in der Filmuntertitelung und Definition der Forschungsziele.
2 Theoretische Grundlagen: Erläuterung der Phraseologie, der Bedeutungskonstitution sowie Besonderheiten und Strategien bei der Untertitelung.
3 Praktischer Teil: Vorstellung der methodischen Analyse, des Korpus OpenSubtitles2011 sowie die detaillierte Auswertung der gewählten Beispiele.
4 Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse und Beantwortung der Frage nach der optimalen Übersetzungsstrategie für vulgäre Ausdrücke.
Schlüsselwörter
Übersetzung, Untertitelung, Vulgärsprache, Phraseologie, Spanisch-Deutsch, OpenSubtitles2011, Redewendungen, Implikaturen, Soziokulturelle Faktoren, Translation, Filmuntertitel, Bedeutungskonstitution, Sprachökonomie, Äquivalenz, Funktionalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kontrastiven Analyse spanischer vulgärer Redewendungen und deren Umsetzung in deutschen Filmuntertiteln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf Phraseologie, Übersetzungstheorie, Filmuntertitelung und die sozio-kulturelle Dimension pejorativer Sprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage prüft, wie Bedeutung konstituiert wird und welche Übersetzungsstrategie bei vulgären Redewendungen angemessen ist, ohne Tabubrüche im Zielmedium zu provozieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Das Vorgehen basiert auf einer korpusgestützten Analyse (SketchEngine, OpenSubtitles2011) von ausgewählten Redewendungen im Vergleich zu zweisprachigen Wörterbüchern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgen die metodologischen Überlegungen und eine dezidierte Analyse von 7 spezifischen Redewendungen mit den Lemmata "cagar" und "cojón".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Translation, Vulgärsprache, Phraseologie, Untertitelung und Implikaturanalyse.
Warum wird das Wörterbuch SDWR anderen Quellen vorgezogen?
Das SDWR führt konventionelle Implikaturen kontextunabhängig auf, was ein umfassenderes Verständnis der Redewendungen ermöglicht als generische bilinguale Wörterbücher.
Welche Rolle spielt die "soziokulturelle Erfahrung" bei der Übersetzung?
Sie entscheidet darüber, ob ein vulgärer Ausdruck in der Zielsprache als adäquat empfunden wird oder ob er für das Publikum einen ungewollten Tabubruch darstellt.
Wird die Vermutung bestätigt, dass Untertitel generell stark abgeschwächt werden?
Nein, die Studie konnte diese pauschale Vermutung nicht bestätigen; die Ergebnisse zeigen eine differenziertere Verteilung der Übersetzungsstrategien.
Was ist das Fazit hinsichtlich der Vulgärsprache in Untertiteln?
Es ist nicht sinnvoll, vulgäre Wendungen blind zu übersetzen; Übersetzer sollten stattdessen die impliziten Bedeutungen unter Einbeziehung des Kotexts funktionsgerecht übertragen.
- Arbeit zitieren
- Madlin Grünhagel (Autor:in), 2021, Die Übersetzung von vulgären Redewendungen in Untertiteln. Untersuchung anhand von spanisch-deutschen Beispielen aus dem Korpus OpenSubtitles2011, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1336131