Ziel dieser Arbeit ist es, den Sensemaking-Ansatz mit seinen Elementen und in seiner Komplexität zu verstehen und Hinweise für die interne Kommunikation abzuleiten. Zunächst soll hierzu in Kapitel zwei das Konstrukt des Sensemaking-Prozesses sowohl allgemein als auch die Perspektive von Karl E Weick auf den Prozess abgebildet werden. Im anschließenden dritten Kapitel wird der Sensemaking-Ansatz in Bezug auf Organisationen betrachtet. Es werden der Organisationsbegriff nach Karl E. Weick erläutert und die Herausforderungen in diesem Zusammenhang identifiziert. Das vierte Kapitel schlägt schlussendlich die Brücke zur internen Kommunikation. Es wird erörtert, welche Schnittpunkte bestehen, was die interne Kommunikation vom Sensemaking-Ansatz lernen kann und wie sie ihn für sich nutzen kann. Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengefasst und ein Ausblick gegeben.
Die Idee von Organisationen reicht weit in der Geschichte zurück und kann vielschichtig ausgelegt werden. Von der Sportgruppe bis hin zum Unternehmen kann von Organisation die Rede sein. Im Laufe der Zeit wurden hierzu verschiedenste Theorien entwickelt. Eines der bedeutsamsten und aktuellsten Themen auf dem Gebiet der Organisationsforschung ist die Auseinandersetzung mit Veränderungen oder auch Wandel in Organisationen. Wenn eine substanzielle Veränderung der sogenannten Ordnung der Wirklichkeit eintritt, die die Organisation betrifft, wird von organisationalem Wandel gesprochen.
Durch Wandelprozesse können bei den Mitgliedern der entsprechenden Organisation Irritationen und Unsicherheiten hervorgerufen werden. Mit diesem Phänomen der neuen Wirklichkeitsbewertung setzt sich der Sensemaking-Ansatz von Karl E. Weick unter anderem auseinander. Der Sensemaking-Ansatz fügt sich in eine Reihe von organisationstheoretischen Modellen und Ansätzen ein und wird den modernen Organisationstheorien zugeordnet.
Auch in der internen Kommunikation ist der Wandel aktuell eines der zentralen Themen und erfährt starken Bedeutungszuwachs. Die interne Kommunikation wird mehr denn je als entscheidender Faktor für den Unternehmenserfolg angesehen. Sie zählt zu den am stärksten wachsenden Bereichen der Unternehmenskommunikation. Welche Rolle könnte die interne Kommunikation im Rahmen von Wandel, allgemeiner Irritation und Sensemaking-Theorien haben?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie des Sensemaking-Ansatzes
2.1 Allgemeiner Sensemaking-Prozess
2.2 Sensemaking nach Karl E. Weick
3 Sensemaking-Ansatz in Organisationen
3.1 Organisationsbegriff und Sensemaking beim Organisieren nach Karl E. Weick
3.2 Herausforderungen des Sensemaking beim Organisieren
3.3 Scheitern des Sensemaking-Prozesses im Falle Serebriers
4 Sensemaking und seine Hinweise für die interne Kommunikation
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit hat zum Ziel, den Sensemaking-Ansatz von Karl E. Weick in seiner Komplexität zu durchdringen, um daraus fundierte Handlungsempfehlungen für die interne Kommunikation in Unternehmen abzuleiten, insbesondere im Kontext von Wandel und organisationaler Unsicherheit.
- Grundlagen des Sensemaking-Prozesses nach Karl E. Weick.
- Anwendung der Sensemaking-Theorie auf Organisationsstrukturen.
- Herausforderungen durch Mehrdeutigkeit, Unsicherheit und fehlenden Konsens.
- Die Rolle der internen Kommunikation als Unterstützungsfaktor bei Sinnstiftungsprozessen.
- Analyse von Fallbeispielen zur Veranschaulichung der Sensemaking-Problematik.
Auszug aus dem Buch
3.3 Scheitern des Sensemaking-Prozesses im Falle Serebriers
Bevor in Kapitel 4 die mögliche Rolle der internen Kommunikation erläutert wird, soll hier zu Veranschaulichung von Weick´s Arbeitsweise und der universellen Sensemaking-Problematik ein reales Fallbeispiel herangezogen werden.
Es war im Jahr 1975 in Mexiko-Stadt beim Oster-Musikfest als der uruguayische Dirigent Jose Serebrier versehentlich seine Hand mit dem Taktstock durchbohrte. Er war gerade dabei, ein 180 Personen großes Blasorchester mit Chor zu dirigieren. Im Moment größter Aufregung und Begeisterung stach er mit seinem Taktstock in die Hand, wobei dieser zerbrach und ein Stück im Gewebe hängen blieb. Er zog das Stück heraus und dirigierte das Stück ohne Unterbrechung zu Ende. Danach wurde er ins Krankenhaus gebracht.
Es stellte sich heraus, dass Serebrier in der Regel nie Taktstöcke verwendete. Doch dieses Engagement und die Vorstellung, so viele Personen dirigieren zu müssen, stellte für ihn eine gewaltige Herausforderung dar. Mit dem Stab erhoffte er sich mehr musikalische Kontrolle zu erlangen. Und genau darin zeigt sich die Sensemaking-Problematik. Den Rahmen bildet das Orchester als organisationale Struktur. Das Scheitern des Sensemaking-Prozesses geschah in dem Moment, als er im Hinblick auf die komplexe Aufgabe zu dem Schluss kam, dass ihm ein bloßer hölzerner Stab mehr Kontrolle verleihen würde. Er setzte diesen Gedanken in die Tat um und nahm den Stab mit. Was dann geschah, ist bereits bekannt. Es hätte jedoch auch anders ausgehen können. Aber dank Serebrier´s Spontanität und Flexibilität konnte das Konzert immerhin zu Ende geführt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themen Wandel, Organisation und Sensemaking ein und stellt das Ziel der Arbeit vor.
2 Theorie des Sensemaking-Ansatzes: Dieses Kapitel definiert das Konstrukt des Sensemaking-Prozesses allgemein und speziell aus der Perspektive von Karl E. Weick.
3 Sensemaking-Ansatz in Organisationen: Hier wird die Übertragung des Ansatzes auf Organisationen analysiert, inklusive der Herausforderungen und eines praktischen Fallbeispiels.
4 Sensemaking und seine Hinweise für die interne Kommunikation: Dieses Kapitel schlägt die Brücke zur internen Kommunikation und leitet konkrete Handlungsempfehlungen ab.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Diese Zusammenfassung fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Relevanz.
Schlüsselwörter
Sensemaking, Sensegiving, Interne Kommunikation, Organisation, Wandel, Sinnstiftung, Mehrdeutigkeit, Unsicherheit, Konsens, Organisationsprozess, Karl E. Weick, Feedbackkultur, Handlungsfähigkeit, Organisationsumwelt, Wissensmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht den Sensemaking-Ansatz von Karl E. Weick und dessen Bedeutung für die interne Unternehmenskommunikation in Organisationen, insbesondere bei Wandelprozessen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretischen Grundlagen des Sensemaking (Sinnstiftung), die Anwendung dieser Theorie auf Organisationen sowie die praktische Verknüpfung der Erkenntnisse mit der internen Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den komplexen Sensemaking-Ansatz sowie dessen Elemente zu verstehen und daraus abzuleiten, wie die interne Kommunikation Unternehmen dabei unterstützen kann, Unsicherheiten zu reduzieren.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einer deskriptiven Auseinandersetzung mit den Modellen von Karl E. Weick und ergänzender Fachliteratur zum Change-Management.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Ausarbeitung?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Sensemaking-Prozesses, die Übertragung auf den Organisationsbegriff nach Weick und die Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Kommunikationspraxis.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die zentralen Termini sind Sensemaking, Mehrdeutigkeit, Unsicherheit, Konsens, Organisationswandel und kommunikative Sinnstiftung.
Wie spielt das Fallbeispiel des Dirigenten Jose Serebrier in die Argumentation hinein?
Es dient als illustratives Beispiel dafür, wie eine Fehlinterpretation einer Situation (falsches Sensemaking) zu einer gefährlichen Entscheidung führen kann und wie wichtig Flexibilität bei unerwarteten Ereignissen ist.
Welche Rolle spielt die "Retentionsphase" im Organisationsmodell nach Weick?
Die Retentionsphase ist essenziell für die Speicherung von Bedeutungsmustern, birgt jedoch das Risiko, dass veraltete Muster zu schnell und unkritisch abgerufen werden, was die zukünftige Handlungsfähigkeit einschränken kann.
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- Patricia Fechteler (Author), 2018, Der Sensemaking-Ansatz und seine Hinweise für die interne Unternehmenskommunikation. Theoretische Ansätze für die interne Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1336146