Bevor ich im Hauptteil auf die Beschreibung der Schwarzen eingehe, werde ich mich kurz mit der Beschreibung im Allgemeinen befassen, wie sie in dem Roman « La Jalousie » vorkommt. Auffallend in diesem Werk sind die minutiösen Beschreibungen, wie die Beschreibung der Schatten zu Beginn des Buches(z.B. S.9/10). Smith bezeichnet die Beschreibungen als „fractured descriptions“ (vgl. S.44).
Darüber hinaus geht er (vgl. S.45) davon aus, dass die übergenauen Beschreibungen, die der Erzähler von der Anordnung der Stühle, die Blickrichtung der Personen, ihre Kleidung, ihre Wortwahl und ihre kleinsten Bewegungen vornimmt, vermuten lassen, dass Franck und A… eine Affäre miteinander haben. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Beurteilung der Schwarzen durch die drei zentralen Personen
1.1 Allgemeine Anmerkungen zur Beschreibung der Schwarzen
1.2 Sicht des Ehemanns
1.3 Sicht von Franck
1.4 Sicht von A
II. Der Kampf der Weißen um ihre Weiterexistenz
III. Die Opposition blanc - noir
IV. Beschreibung einzelner Schwarzer
4.1 Der Boy
4.2 Die Arbeiter auf der Brücke
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Darstellung der Schwarzen in Alain Robbe-Grillets Roman "La Jalousie" und analysiert, wie diese durch die subjektive Wahrnehmung der zentralen Charaktere geprägt ist. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Spannungsfeld zwischen kolonialen Mythen, rassistischen Vorurteilen und der narrativen Struktur des Romans, welche die Ureinwohner als Masse statt als Individuen porträtiert.
- Die kolonialistische Perspektive des Ehemanns
- Die Wahrnehmung der Schwarzen als "unbelebte Objekte"
- Die symbolische Opposition von Licht und Dunkelheit (blanc/noir)
- Die sozio-ökonomische Hierarchie zwischen Plantagenbesitzern und Arbeitern
- Die symbolische Funktion des Raums und der geometrischen Ordnung
Auszug aus dem Buch
1.2 Sicht des Ehemanns
Der Ehemann wird gleich von seinem ersten Auftreten ab als eine Person vorgestellt, die rassistischen und kolonialen Mythen anhängt. (vgl. Leenhardt deutsch, S.56 ) Als nämlich eine Unterhaltung im Gange ist, ob man sein Vertrauen auf schwarze Fahrer setzen sollte, erwähnt er nämlich die Stellungnahme seines Nachbarn Franck (ebd.): « Mais il a bien tort de vouloir confier des camions modernes aux chauffeurs noirs, qui les démoliront tout aussi vite, sinon plus. »(Jalousie, S.25). Den Schwarzen wird also Unbesonnenheit und mangelnde Intelligenz zugeschrieben (vgl. Elaho, S.123). Auch mokiert er sich über den partiellen Analphabetismus des Boy (ebd.): « Madame, elle dit d´apporter la glace, annonce t´il avec le ton chantant des Noirs, qui détache certains syllabes en les accentuant de façon excessive… » (Jalousie, S. 50)
Der Ehemann ist außerdem als klassischer Kolonialist gezeichnet, er lässt seine Plantage nach einem einmal vorgegebenen Muster von alleine weiterlaufen. (vgl. Rother, S.256)
Ein Problem der Sehweise dieses « mari-narrateur » ist laut Leenhardt (Politische Mythen im Roman, S.129), dass er dort, wo Unordnung eine Bedrohung zu implizieren scheint, Ordnung schafft. Indem er nämlich die fünf Arbeiter, die die Brücke reparieren, zu einer „folgsame(n) Materie“ macht(ebd.), die der der Bäume vergleichbar ist, erreicht er eine phantasmatische Eliminierung dieser Bedrohung: Les cinq hommes y sont maintenant ordonnées en quinconce, deux sur chaque berge et un au milieu, accroupi, tourné vers l´amont(…) »(Jalousie, S.118).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die minutiösen Beschreibungsformen Robbe-Grillets ein und stellt die These auf, dass diese Beschreibungen zunehmend durch die Eifersucht und Wahnvorstellungen des Erzählers geprägt sind.
I. Beurteilung der Schwarzen durch die drei zentralen Personen: Dieses Kapitel analysiert, wie der Ehemann, Franck und A unterschiedlich auf die schwarze Bevölkerung blicken, wobei die Schwarzen meist als statische Masse oder bloße Objekte im kolonialen Gefüge dargestellt werden.
II. Der Kampf der Weißen um ihre Weiterexistenz: Hier wird untersucht, wie der Ehemann zwanghaft versucht, Ordnung und Geometrie in eine ihm entgleitende Welt zu projizieren, um seine eigene, schwindende Machtposition zu sichern.
III. Die Opposition blanc - noir: Das Kapitel erläutert den zentralen Farb- und Lichtkontrast des Romans, der als Spiegelbild der kolonialen Ideologie dient und die Welt in ein rationales "apollinisches" und ein bedrohliches "chtonisches" Paradigma unterteilt.
IV. Beschreibung einzelner Schwarzer: Dieses Kapitel widmet sich spezifischen Figuren wie dem Boy und den Arbeitern auf der Brücke, wobei deren roboterhafte oder unbewegliche Darstellung hervorgehoben wird.
Zusammenfassung: Abschließend wird konstatiert, dass der Niedergang des Kolonialismus sowohl symbolisch durch die Beschreibung der Charaktere als auch in der unvermeidlichen Niederlage gegenüber der als stärker empfundenen "Natur" der Ureinwohner dargestellt wird.
Schlüsselwörter
La Jalousie, Alain Robbe-Grillet, Nouveau Roman, Kolonialismus, Rassismus, Eifersucht, Geometrismus, Opposition, Schwarz-Weiß-Kontrast, Identität, Wahrnehmung, Narratologie, Exotismus, Machtverhältnisse, Subjektivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Schwarzen im Roman "La Jalousie" von Alain Robbe-Grillet und beleuchtet die damit verbundenen kolonialen und rassistischen Ideologien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die koloniale Wahrnehmung durch die Hauptfiguren, die Symbolik von Farben und Licht sowie die geometrische Ordnung der Welt im Roman.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Identität der Schwarzen im Roman durch das "geometrisierende" und subjektive Auge des kolonial geprägten Ehemanns verzerrt und stilisiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Verfasser?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Textanalyse und Literaturrecherche, wobei Konzepte wie der "Nouveau Roman" sowie postkoloniale und psychoanalytische Lesarten (u.a. nach Leenhardt und Nowak) angewandt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Sichtweisen der Romanfiguren auf die indigene Bevölkerung sowie den symbolischen Kampf der Weißen um die Aufrechterhaltung ihrer Ordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kolonialismus, Rassismus, Eifersucht, Wahrnehmung und die binäre Opposition von Schwarz und Weiß.
Warum wird der Boy als "Automat" beschrieben?
Diese Beschreibung resultiert aus der kolonialen Blickweise des Ehemanns, der die Unabhängigkeit und Lebendigkeit der Eingeborenen leugnet, indem er sie auf rein funktionale Rollen reduziert.
Welche Rolle spielt die Brücke im Roman?
Die Brücke dient als Ort der Beobachtung, an dem der Erzähler versucht, die Arbeiter in sein geometrisches Weltbild einzuordnen, wobei diese Anordnung oft als unplausibel und symbolisch für seine eigene Unsicherheit interpretiert wird.
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- Dominik Menz (Author), 2004, Beschreibung der Schwarzen in Alain Robbe-Grillets Roman "La Jalousie", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133628