Der Streit um Molières Lustspiel "Die Schule der Frauen"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I Verlauf der „Querelle de l´école des femmes“

II Besprechung der verschiedenen Kritikpunkte in « La critique de l´ecole des femmes » und Molières Gegendarstellung
2.1 Kritik aus moralischen Gründen: Climène und der Marquis
2.2 Kritik unter ästhetischen Gesichtspunkten: Lysidas

III L a Guerre Comique ou la défense de L´école des femmes
3.1 Erstes Streitgespräch
3.2 Zweites Streitgespräch
3.3 Drittes Streitgespräch
3.4 Viertes Streitgespräch
3.5 Letztes Streitgespräch

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Einleitung

Hierin stütze ich mich auf Molière und sein Publikum: Der Streit um die „Schule der Frauen“ in: Werle, Rüdiger; Wetzel, Christoph; Ziegler, Petra. Die großen Klassiker. Literatur der Welt in Bildern, Texten, Daten. Band 4, Jean- Baptiste Molière. Verlagsbuchhandel Andreas & Andreas. Salzburg, 1980. 123-129.

Molière war ganze dreißig Jahre als Stückeschreiber tätig. Natürlich hat sich während dieser langen Zeit sein Publikum verändert, was auf zweierlei Dinge zurück zu führen ist.

Zum einen muss man anmerken, dass Molière mit seiner Truppe jahrelang durch die Provinzen Frankreichs gezogen ist, wo er den Nerv eines Publikums treffen musste, dass ganz andere Vorlieben aufwies, als die Theaterbesucher in Paris. Dem ländlichen Publikum ging es nämlich nur um die reine Unterhaltung, die Erheiterung stand im Vordergrund, weswegen meistens Farcen dargeboten wurden, die Prügeleien und alle nur erdenklichen Zoten enthielten. Die Landleute wollten einfach nur von ihrem harten Alltag abgelenkt werden.

Als Molière mit dem Schreiben begann, war das Theater vergleichbar mit heute beliebten Jahrmärkten und Volksfesten.

Die zweite Einnahmequelle- neben den Aufführungen vor einfachem Volk- waren die Aufträge von Landadeligen, welche sich zur Unterhaltung ihrer Gäste und zur Untermalung ihrer Feiern Schauspieltruppen an den Hof holten. Obwohl sich die Ansprüche dieses Publikums deutlich von denen des ländlichen Theatergängers unterschieden, da derber Humor nicht erwünscht war, galt das Hauptinteresse nicht den dargebotenen Stücken, sondern der Präsentation, also auch hier stand die Unterhaltung im Vordergrund. Deshalb konnte es geschehen, dass man eine Truppe einer anderen wegen deren schöneren Kostümen vorzog.

Eine wichtige Veränderung fand statt, als Molière und seine Theatergruppe 1658 nach Paris übersiedelten, wodurch aus der Wandertruppe ein fest etabliertes Ensemble wurde. Die Tatsache, dass durch diesen „Umzug“ plötzlich ein Publikum mit divergierenden Erwartungen zufrieden gestellt werden musste, ist mit ein Auslöser für die Querelle de l´ Ecole des femmes. Bei den Pariser Theateraufführungen waren nämlich Mitglieder jeglicher Gesellschaftsschichten anwesend, was zur Folge hatte, dass verschiedene Vorlieben bedient werden mussten, die des Publikums im « Parterre », (Handwerker, einfache Leute und Dienstmädchen), das durch einfache Zoten unterhalten werden wollte sowie die Logenbesucher, das heißt Mitglieder des Klerus, des Bürgertums und des Adels, deren Sinn nach Charakter- und Sittenkomödien stand. Um alle Zuschauerschichten anzusprechen, entwickelte Molière eben jene Arten von Komödien, ließ jedoch auch farcenhafte Elemente zu ihrem Recht kommen.

I Verlauf der „Querelle de l´école des femmes“

In diesem Kapitel stütze ich mich auf La querelle de l´Ecole des femmes. in : Mallet, Francine. Molière. Bernard Grasset, Paris. 79-98. Die Uraufführung des Stücks L´Ecole des femmes fand am 26. Dezember 1662 statt, positive wie negative Reaktionen folgten auf dem Fuße: am 1. Januar des folgenden Jahres verfasst der junge Nicolas Boileau-Despréaux seine Stances à Monsieur de Molière sur sa comédie de l´Ecole des femmes que plusieurs gens frondaient, wovon ich zumindest die erste Strophe zitieren möchte:

En vain mille jaloux esprits,

Molière, osent avec mépris

Censurer ton plus bel Ouvrage:

Sa charmante naϊveté

S´en va pour jamais d´âge en âge

Divertir la Postérité. (Boileau., p. 246)

Trotzdem dass dieses Werk auch mit lobenden Äußerungen bedacht wurde – so erwähnt Loret am 13. Januar 1663 in der von ihm herausgegebenen Zeitung den Erfolg der Erstaufführung vor der Königin, der Königinmutter und dem König – werden die Stimmen der Kritiker lauter. Die so genannte Querelle de l´Ecole des femmes dauerte geschlagene 15 Monate und endete erst am 17. März 1664 mit der Veröffentlichung von La Guerre comique ou la Défense de l´Ecole des femmes von Philippe de la Croix.

Schnell bildeten sich zwei Lager : auf der einen Seite die Familie Corneille, die nicht sehr erfreut darüber war, dass diese Kontroverse mehr Leute ansprach als jene über den Cid, die merkwürdigerweise alles Tat, um den Streit um Molières Schauspiel zu schüren, die Theatertruppen vom Hôtel de Bourgogne und die der Compagnie du Saint-Sacrement, die von radikalen Christen unterstützt wurde. Diese beiden Ensembles sahen ihre überfällige Chance gekommen, den einflussreichen Gegner ein für alle Mal aus dem Feld zu schlagen.

Des weiteren sah sich Molière der Opposition der Theaterautoren gegenüber, die glaubten, dieses ganze Aufsehen führe über kurz oder lang zur Aberkennung der Freiheiten, die das Theater seit 1641 hatte, bedingt durch ein entsprechendes Edikt, sowie die Schriftsteller die ihn einfach wegen seines Erfolges beneideten und auch die Schriftsteller, die wie Trittbrettfahrer agierten und versuchten, Geld heraus zu schlagen, indem sie ihren Beitrag zu dieser Kontroverse leisteten. Auf seine Seite schlugen sich das Königshaus sowie Condé, La Fontaine und – wie schon erwähnt – Nicolas Boileau.

Der erste Erfolg wird von Molière eingefahren: der König zahlt ihm 1663 eine Gratifikation in Höhe von 1000 Livres aus, weil er ihn als « bel esprit » und « excellent poète » (Mallet, S. 80) einstuft, seine Theatertruppe erhält 4000 Livres. Als Dank verfasst er die Schrift Remerciement au Roi, was seine Unterstützer zwar positiv stimmt, seine Gegner jedoch nicht: der Konflikt nimmt an Heftigkeit zu und entzweit Hof und Stadt und ruft alle auf den Plan, die den – literarischen wie auch „skandalösen“ – Erfolg fürchten. Der erste „Gegenangriff“ wird von Jean Donneau de Visé, der später ein Freund Molières werden sollte, geritten: in seinen Nouvelles nouvelles kritisiert er das Stück und wirft Molière übergroße Selbstsicherheit vor, weil er die Critique de l´Ecole des femmes verfasst, mit deren Premiere am 1. Juni 1663 die verbale Auseinandersetzung zu einer Auseinandersetzung vermittels Schriften wird.

Der Abt von Aubignac verfasst am 27. Juli seine Quatrième Dissertation sur le poème dramatique, worin er Corneille vorwirft, der heimliche Drahtzieher zu sein, was durch die Tatsache erhärtet werden kann, dass Donneau de Visé sich der gleichen Wortwahl wie jener bedient (bagatelle), wenn es darum geht, den Erfolg der Précieuses ridicules Molières zu erklären. Jedoch hat er nicht geringen Anteil daran, dass Corneille sich nicht auf seine Seite stellte, da er sich – als Reaktion auf dessen Kritik an den Précieuses – in L´Ecole des femmes zu folgenden Versen hinreißen ließ:

Je sais un paysan qu´on appelait Gros-Pierre,

Qui n´ayant pour tout bien qu´un seul quartier du terre,

Y fit tout à l´entour faire un fossé bourbeux,

Et de Monsieur de l´Isle en prit le nom pompeux. (L´Ecole des femmes, acte 1, sc. 1, vers 179-181, p. 46)

Diese Verse zielen auf den jüngeren Bruder Corneilles ab.

Donneau de Visé kritisierte Molières Theaterstück als Erster, und er war es auch, der eine Komödie (Zélinde ou la Véritable Critique de l´Ecole des femmes, 1663 ) hat, um seiner Kritik Ausdruck zu verleihen; allerdings deutet nichts darauf hin, dass dieses Stück jemals zur Aufführung gekommen wäre. Der Verfasser dieses Bühnenstücks war der Erste, der sich des Anagramms Elomire bediente, was der Boulanger de Chalussay als Titel für eine seiner Komödien auserkoren hat. Auch im Hinblick darauf, dass Donneaus Kritik erstmals an dem mutmaßlichen Gewicht des Steins ansetzt, an dem ein Liebesbrief befestigt ist, und den sie auf Geheiß ihres Ziehvaters Arnolph ihrem Angebeteten hinterher wirft, begründet er ein Leitmotiv der zukünftigen Molière-Kritik. Auch bezichtigt Donneau de Visé Molière, sich beispielsweise bei italienischen Stückeschreibern bedient zu haben. Des Weiteren prangert dieser ästhetische Schwächen von Molières Theaterstück an und wirft ihm Irreligiosität vor. Anlass zur Kritik gibt für Donneau de Vise vor allem die Szene, in der Arnolph Agnes seine Maximes du mariage einzutrichtern versucht. Jener sieht darin nämlich die Zehn Gebote verhöhnt und stuft Molière folglich als Ketzer ein:

Bis zu diesem Zeitpunkt drückten sich dessen Kritiker in scheinheiliger, verklausulierter Form und ohne übergroße Aggressivität aus und auch ohne das Objekt ihrer Kritik explizit zu zitieren. Das sollte sich jedoch mit der Erstaufführung von Boursaults Stück Le Portrait du Peintre ou la Contre-Critique de l´Ecole des femmes Ende September oder Anfang Oktober 1663 ändern: nun sehen Molières Gegner das Feld bestellt für unverhohlene Bedrohungen.

Allerdings handelte Boursault nicht aus freien Stücken, sondern wurde von Corneille beauftragt, weil er in der Riege der damaligen jungen Autoren derjenige war, der am unerbittlichsten zu Werke ging und über das größte Talent verfügte.

Die Antwort Molières – sowohl auf Le portrait du Peintre als auch auf Zélinde - ließ nicht lange auf sich warten und erfolgte in Form des L´Impromptu de Versailles, wo er die Vermutung äußert, dass Boursault nur vorgeschoben sei.

In seinem Werk führt dieser den Beweis, Molière achte Predigten und „heilige Dinge“ gering, was einer Denunziation gleichkommt und einen schwerwiegenden und gefährlichen Vorwurf darstellt. Aber Molière hat den Braten sofort gerochen und bleibt denjenigen, welche seiner Meinung nach die Hintermänner Boursaults sind, die Antwort nicht schuldig: Corneille, den Schauspielern, die ihn verbal angegriffen hatten, allen voran macht er sich über Montfleury lustig, aber auch der Hof bekommt „sein Fett weg“, dazu aber später mehr.

Donneau de Visé lässt Molière nicht zur Ruhe kommen. In den Diversités galantes veröffentlicht er am 7. Dezember 1663 Réponse à l´Impromptu de Versailles ou la Vengeance des Marquis, ein Werk, das wohl ebenso wenig aufgeführt worden ist wie Zélinde. Jener gibt zu, dass das Stück eigentlich besser den Titel La Vengeance des Comédiens hätte tragen sollen, weil in dem Stück unter anderem zwei Personen von Rang auf die Bühne gebracht werden, von denen die eine die Interessen des Hôtel de Bourgogne verfechtet, wohingegen die andere sich auf die Seite Molières schlägt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Streit um Molières Lustspiel "Die Schule der Frauen"
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Komödie der französischen Klassik
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V133631
ISBN (eBook)
9783640403127
ISBN (Buch)
9783640403547
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zitate auf Französisch!
Schlagworte
Streit, Molières, Lustspiel, Schule, Frauen
Arbeit zitieren
Dominik Menz (Autor), 2006, Der Streit um Molières Lustspiel "Die Schule der Frauen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133631

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