Kaum ein anderer Lernbereich ist bei den Schülern so negativ besetzt wie der Aufsatzunterricht. Motivationsmangel, Angst vor dem Schreiben, Angst, die gestellte Aufgabe nicht bewältigen zu können und damit für die zu erbringenden Leistungen negativ benotet zu werden und Desinteresse für die vorgeschlagenen Themen sind nur einige Emotionen von Studenten.
Bereits der Begriff `Aufsatz` löst beim Schüler eine Abneigung aus, die damit auf das Schreiben, d. h. die Textproduktion, übertragen wird. „Ein Seufzen geht durch die Klasse“ , wenn das Schreiben eines Aufsatzes angekündigt wird. Dieses Phänomen ist in den Schulen häufig zu beobachten. Das Verfassen eines Aufsatzes bereitet den Schülern Schwierigkeiten. Schreiben ist für den Schüler eine Qual, mit der er im Unter-richt konfrontiert wird. Der Aufsatz ist beim Schüler nicht beliebt, denn „`Aufsatz` […] klingt nach Hausaufgaben, nach strengen Normen und harten Noten, nach Blut, Schweiß und Tränen“.
Zwar können die Schüler lesen und schreiben, sie üben diese Tätigkeiten jedoch nicht außerhalb der Schulzeit aus, denn dort wird das Lesen und Schreiben durch Medien wie den Fernseher, den Computer oder aber auch das Telefon ersetzt. Die Kulturtechnik Schreiben tritt somit im Leben der Schüler in den Hindergrund.
Wie kann der Schüler aber für das Schreiben gewonnen werden, wenn Schreiben im traditionellen Aufsatzunterricht zur Anstrengung und Qual geworden ist? Wie können die Freude am Schreiben und die Motivation zum Schreiben erweckt werden?
Das kreative Schreiben bietet sich hier als Lösung an.
Das kreative Schreiben, eine in den 80er Jahren entstandene neue Schreibentwicklung in der Aufsatzdidaktik, bietet den Schülern alternative Herangehensweisen an das Schreiben an.
„Kreatives Schreiben ist `in`“.
Im ersten theoretischen Teil der wissenschaftlichen Hausarbeit sollen die didaktischen Konzeptionen des kreativen Schreibunterrichtes dargestellt werden.
Im praktischen Teil der Hausarbeit werden Unterrichtsversuche an vier Berliner Grundschulen vorgestellt.
Zuvor wird jedoch der Bezug zum Rahmenlehrplan hergestellt. Welche Rolle spielt Kreativität im Deutschunterricht der Grundschule?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
A. Theoretischer Teil: Kreatives Schreiben. Didaktische Konzeptionen und methodische Überlegungen
1. Neuere Entwicklungen in der Aufsatzdidaktik
1.1 Das freie Schreiben
1.2 Das personale Schreiben
1.3 Das kreative Schreiben-Eine Einführung
2. Grundlagen des kreativen Schreibens
2.1 Der Kreativitätsbegriff
2.2 Kreatives Schreiben-Seine Bedeutung
2.3 Organisation und Bedingungen des kreativen Schreibunterrichts
2.4 Methoden des kreativen Schreibens
2.4.1 Assoziative Verfahren
2.4.1.1 Die Cluster-Methode
2.4.1.2 Das automatische Schreiben
2.4.1.3 Die Fantasiereise
2.4.2 Schreibspiele
2.4.2.1 Wörter finden
2.4.2.2 Reihum-Geschichten
2.4.3 Schreiben nach Vorgaben, Regeln und Mustern
2.4.3.1 Das Akrostichon
2.4.3.2 Das Elfchen
2.4.4 Schreiben zu und nach (literarischen) Texten
2.4.4.1 Textreduktion
2.4.4.2 Eine Geschichte zu Ende schreiben
2.4.5 Schreiben zu Stimuli
2.4.5.1 Die Wortwiederholung
2.4.5.2 Visuelle Anregungen zum Schreiben
2.4.6 Weiterschreiben an kreativen Texten
2.4.6.1 Kreative Bearbeitungsverfahren
2.4.6.2 Kriterienorientierte Verfahren
2.5 Bewertung kreativer Texte
B. Praktischer Teil: Kreatives Schreiben in den Klassenstufen 5 und 6 Unterrichtspraktische Konsequenzen
1. Kreativität im Rahmenlehrplan der Grundschule
2. Kreative Schreibversuche in der Grundschule
2.1 Die Fantasiegeschichte
2.1.1 Vorgehensweise
2.1.2 Reflexion
2.1.2.1 Reflexion in der Klasse 6a der Erich-Kästner-Grundschule in Berlin/ Dahlem
2.1.2.2 Reflexion in der Klasse 6a der Reinhardswald-Grundschule in Berlin/ Kreuzberg
2.2 Die Cluster- Methode
2.2.1 Vorgehensweise
2.2.2 Reflexion
2.2.2.1 Reflexion in der Klasse 6d der Hermann-Sander-Grundschule in Nord-Neukölln
2.2.2.2 Reflexion in der Klasse 6c der Grundschule am Regenweiher in Berlin/ Rudow
C. Schlussbemerkungen: Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das kreative Schreiben als pädagogische Alternative zum traditionellen Aufsatzunterricht in den Klassenstufen 5 und 6. Ziel ist es, didaktische Konzeptionen darzustellen, Schreibblockaden abzubauen und die Motivation der Schüler zur Textproduktion durch spielerische und subjektorientierte Verfahren zu fördern.
- Kritische Analyse der traditionellen Aufsatzdidaktik
- Theoretische Grundlagen kreativer Schreibverfahren
- Praktische Umsetzung an Berliner Grundschulen
- Methoden zur Motivationssteigerung und Schreibförderung
- Umgang mit der Bewertung kreativer Texte
Auszug aus dem Buch
2.4.1.1 Die Cluster-Methode
Große Verbreitung hat beim kreativen Schreiben in den vergangenen Jahren die Cluster-Methode gefunden. Die Cluster-Methode ist die einfachste kreative Verfahrensweise, um in das kreative Schreiben einzusteigen. Diese Verfahrensweise, die von der amerikanischen Schriftstellerin Gabriele L. Rico Anfang der 80er Jahre entwickelt worden ist, geht auf das englische Wort `cluster` zurück, das die Bedeutungen „Bündel, Traube, Gruppe, Anhäufung“ hat. In der Cluster-Methode wird ein Wort in die Mitte eines leeren Blattes geschrieben. Dieses Wort wird anschließend eingekreist. An dieses Wort werden nun weitere Wörter oder Wortgruppen, d. h. Assoziationen, die dieses Wort hervorruft, angeordnet. Die auf diese Weise entstandenen neuen Wörter werden ebenfalls eingekreist und durch eine Linie mit dem Kernwort verbunden. Die neu entstandenen Wörter können aber auch miteinander verbunden werden. Zum Schluss liegt ein verzweigtes Wortnetz bzw. ein Ideennetz vor. Nach einer bestimmten festgelegten oder individuellen Bearbeitungszeit wird aus diesem entwickelten Ideennetz eine Schreibidee gebildet, d. h., der Schüler schreibt mit der Hilfe dieses Clusters einen Text. Der Text wird nicht nach bestimmten formalen Vorgaben entwickelt und der Schreibende darf selbst entscheiden, welche Elemente aus dem Cluster er in dem Text verwendet. Nicht alles, was im Cluster festgehalten wurde, muss für das Schreiben verwendet werden. Der Schüler sollte nur den Teil des Clusters auswählen, bei dem ihm Ideen, d. h. Gedanken, Gefühle oder Erlebnisse, einfallen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Neuere Entwicklungen in der Aufsatzdidaktik: Dieses Kapitel erläutert den historischen Wandel in der Schreibdidaktik, weg von rigiden Normen hin zu neuen Ansätzen wie dem freien, personalen und kreativen Schreiben.
2. Grundlagen des kreativen Schreibens: Hier werden der Kreativitätsbegriff definiert, die Prinzipien der Irritation, Expression und Imagination sowie die methodischen Bedingungen für einen gelingenden Schreibunterricht analysiert.
2.1 Die Fantasiegeschichte: Dieser Abschnitt beschreibt den praktischen Einsatz der Fantasiereise als Methode, um durch Eindenken in fiktive Welten Schreibanlässe zu schaffen und Blockaden zu lösen.
2.2 Die Cluster- Methode: Dieses Kapitel widmet sich der Cluster-Methode als Werkzeug zur assoziativen Stoff- und Ideensammlung und reflektiert deren Erprobung in verschiedenen Grundschulklassen.
Schlüsselwörter
Kreatives Schreiben, Aufsatzunterricht, Schreibdidaktik, Grundschule, Schreibblockaden, Schreibmotivation, Cluster-Methode, Fantasiereise, Schülerzentrierung, Textproduktion, Assoziative Verfahren, Literarische Geselligkeit, Schreibwerkstatt, Schreibspiele, Bildbeschreibung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration des kreativen Schreibens als motivierende Alternative zum traditionellen, oft negativ besetzten Aufsatzunterricht in den Klassen 5 und 6.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Im Fokus stehen die didaktischen Konzeptionen des kreativen Schreibens, die verschiedenen Methoden der Schreibanregung sowie die praktische Erprobung dieser Ansätze im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch kreative Methoden die Schreibfreude geweckt, Schreibblockaden abgebaut und die Individualität der Schüler gestärkt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine wissenschaftliche Hausarbeit, die den theoretischen Diskurs der Fachdidaktik mit der praxisorientierten Reflexion von Unterrichtsversuchen an vier Berliner Grundschulen verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt, der Konzepte wie Assoziationsverfahren und Schreibspiele detailliert erläutert, und einen praktischen Teil, der die konkrete Durchführung und Reflexion der Schreibversuche vorstellt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe wie "kreatives Schreiben", "Schreibblockaden", "Subjektivität", "Ideennetze" und "Schülerzentrierung" definieren den fachlichen Kern.
Inwieweit spielt die Lehrkraft eine Rolle für den Erfolg?
Die Arbeit betont, dass die Authentizität und Sensibilität der Lehrperson eine Grundvoraussetzung dafür ist, um ein angstfreies Klima zu schaffen, in dem sich Schüler kreativ entfalten können.
Wie unterscheidet sich diese Methodik von der Bewertung herkömmlicher Aufsätze?
Die Arbeit plädiert dafür, den Druck der Benotung im kreativen Prozess zu reduzieren, da eine strenge Bewertung den individuellen Ausdruck und die Freude am Experimentieren hemmen würde.
Welche Erkenntnisse wurden aus den Reflexionen in den Klassen gewonnen?
Die Praxisbeispiele zeigen, dass kreative Methoden zwar Geduld erfordern, aber selbst bei heterogenen Lerngruppen die Motivation steigern können, sofern die Schüler lernen, den eigenen Gedankenfluss nicht selbst durch Konventionen zu blockieren.
Warum ist das "Freie Schreiben" so wichtig für die Klassen 5 und 6?
Es bietet den Kindern notwendige Freiräume, um ihre Identität und ihre subjektiven Sichtweisen in einer Zeit auszudrücken, in der Schreiben in der Schule sonst oft als reine Pflichtaufgabe wahrgenommen wird.
- Quote paper
- Özlem Aydin (Author), 2004, Kreatives Schreiben. Didaktische Konzeptionen und unterrichtspraktische Konsequenzen (Klassenstufen 5 und 6), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133639