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Die Synthese der aristotelischen Physik mit der christlichen Schöpfungslehre bei Boethius von Dacien

Titel: Die Synthese der aristotelischen Physik mit der christlichen Schöpfungslehre bei Boethius von Dacien

Hausarbeit , 2017 , 19 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Dr. Klaus Altenbach (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des Mittelalters (ca. 500-1300)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit richtet sich auf Boethius von Dacien, einen Magister der Pariser Artistenfakultät, der sich mit seiner Schrift "De aeternitate mundi – Über die Ewigkeit der Welt" ebenfalls des Konflikts der beiden Lehren annimmt. Der Autor erscheint besonders interessant, weil er als radikaler Aristoteliker und Averroist gilt und deren Schriften als autoritativ ansieht, gleichzeitig sich aber auch der christlichen Lehre verpflichtet fühlt. In der argumentativen Auseinandersetzung nimmt er zahlreiche Einzelaspekte der aristotelischen Lehre in den Blick. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf dem Konzept der ewigen Bewegung, an dem der Widerspruch zu einer geschaffenen Welt besonders anschaulich ist. Es wird gezeigt, wie Boethius die Harmonisierung der gegensätzlichen Positionen gelingt, indem er sich auf die methodischen Ansätze konzentriert und aufzeigt wie die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen (Philosophie und Theologie) an den Untersuchungsgegenstand herangehen.

Mit dieser Lösung setzt er sich vordergründig dem Vorwurf der doppelten Wahrheit aus, der letztlich dazu führt, dass er die Pariser Fakultät verlassen muss. Es lohnt jedoch ein genauerer Blick auf die Argumentation, um festzustellen, dass dieser Vorwurf so nicht haltbar ist. Dem Begriff der doppelten Wahrheit und dessen Bedeutung im Rahmen der Lehrverurteilung von 1277 wird deshalb ein eigenes Kapitel gewidmet.

Die aristotelische Physik (und Metaphysik) geht von einer ewigen Bewegung aus, die keinen Anfang und kein Ende kennt, aber im sogenannten "unbewegten Beweger" seine Ursache hat. Die christliche Schöpfungslehre hingegen, basierend auf der jüdischen Tradition, postuliert einen absoluten Anfang jeglicher Materie und Bewegung im göttlichen Schöpfungsakt.

Das Thema "Ewigkeit der Welt" nahm in der scholastischen Philosophie des 13. Jahrhunderts breiten Raum ein und wurde von vielen Autoren aufgenommen. Insbesondere Thomas von Aquin war ein Meister der Aristoteles-Interpretation, dem es auf vielen Gebieten gelang, die Lehre des griechischen Philosophen mit christlichen Positionen zu harmonisieren. Aber auch Albertus Magnus und Bonaventura, um nur einige der prominentesten Vertreter zu nennen, setzten sich unter jeweils eigener Akzentsetzung mit dem Thema auseinander.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Diskussion

2.1 Boethius von Dacien – Einordnung

2.1.1 Abendländischer Aristotelismus

2.1.2 Averroismus

2.2 De aeternitate mundi – Über die Ewigkeit der Welt

2.2.1 Aufbau

2.2.2 Auseinandersetzung mit der aristotelischen Bewegungslehre

2.2.3 Methodische Überlegungen als Lösungsansatz

2.2.4 Abschluss

2.3 Doppelte Wahrheit – Lehrverurteilung von 1277

2.4 Boethius-Rezeption

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die philosophische Argumentation des Boethius von Dacien, insbesondere in seinem Werk „De aeternitate mundi“, um die Vereinbarkeit der aristotelischen Naturphilosophie mit der christlichen Schöpfungslehre zu beleuchten und den Vorwurf der „doppelten Wahrheit“ kritisch zu hinterfragen.

  • Die aristotelische Bewegungslehre im Kontext der scholastischen Debatten.
  • Boethius von Daciens methodische Trennung von Philosophie und Glauben.
  • Die historischen Hintergründe und Konsequenzen der Lehrverurteilung von 1277.
  • Eine Neubewertung des Vorwurfs der doppelten Wahrheit.
  • Die Rolle der Wissenschaftstheorie bei der Harmonisierung konkurrierender Weltbilder.

Auszug aus dem Buch

2.2.3 Methodische Überlegungen als Lösungsansatz

In Kapitel V („Lösung“) kommt Boethius zur eigentlichen Kernaussage seines Werks, nämlich dass mithilfe der rein auf menschlicher Vernunft basierenden Wissenschaft (Philosophie) nicht bewiesen werden kann, dass die erste Bewegung oder die Welt insgesamt neu seien, sondern dies nur aus dem Glauben zu verstehen ist.

Er ruft zunächst die seinerzeit übliche und anerkannte Wissenschaftseinteilung in Erinnerung, die schon auf Aristoteles zurückgeht. Demnach unterteilt sich die betrachtende (= theoretische) Wissenschaft, die alles Seiende und mit Vernunft Erfassbare zum Gegenstand hat, in: Naturphilosophie (Physik), Mathematik (Astronomie, Geometrie, Arithmetik und Musik) und Metaphysik.

Boethius beschäftigt sich nun hauptsächlich mit der Naturphilosophie und ihren Möglichkeiten und Grenzen. Er wiederholt die Argumentationskette des Aristoteles zur Entstehung von Bewegung und reichert sie mit weiteren Details an, deren Besprechung hier zu weit führen würde. Die daraus gezogene Schlussfolgerung verdeutlicht aber nun die entscheidenden methodischen Überlegungen:

Der Naturphilosoph kann bei konsequenter Anwendung der ihm zur Verfügung stehenden Prinzipien (Methoden) nicht zu dem Schluss kommen, dass die Bewegung (und damit die Welt insgesamt) neu ist. Folglich ist auch ein Schöpfungsakt für ihn undenkbar, denn das Hervorbringen der Welt (auch „Ins-Sein-Führen“ genannt) setzt – wie das Entstehen der Bewegung – etwas Zugrundeliegendes voraus. Eine Schöpfung aus dem Nichts (creatio ex nihilo), wie sie der Glaube annimmt, ist in dieser Logik nicht nachvollziehbar und somit für den Naturphilosophen mit seinen Methoden nicht beweisbar.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung kontrastiert die aristotelische Lehre einer ewigen Welt mit dem christlichen Schöpfungsdogma und führt in die Person und das Werk des Boethius von Dacien ein.

2. Diskussion: Dieses Hauptkapitel analysiert das Leben und die historische Einordnung des Boethius, sein zentrales Werk „De aeternitate mundi“ sowie die Konfliktfelder zwischen Naturphilosophie und Theologie.

2.1 Boethius von Dacien – Einordnung: Dieses Unterkapitel skizziert die biographischen Eckdaten sowie die philosophische Verortung des Boethius als radikalen Aristoteliker innerhalb der Gelehrtenwelt des 13. Jahrhunderts.

2.1.1 Abendländischer Aristotelismus: Es werden die verschiedenen Strömungen der Aristoteles-Rezeption im Mittelalter, vom Eklektizismus bis zum radikalen Aristotelismus, differenziert betrachtet.

2.1.2 Averroismus: Dieser Abschnitt beschreibt den Einfluss des arabischen Gelehrten Averroes und dessen Rationalismus auf die radikalen Aristoteliker in Paris.

2.2 De aeternitate mundi – Über die Ewigkeit der Welt: Hier wird das Werk hinsichtlich seiner Entdeckung, Identifizierung des Autors und strukturellen Aufbaus vorgestellt.

2.2.1 Aufbau: Dieses Kapitel erläutert die sieben Kapitel der Struktur, in die Boethius sein Traktat gliedert.

2.2.2 Auseinandersetzung mit der aristotelischen Bewegungslehre: Der Autor setzt sich hier kritisch mit den aristotelischen Argumenten für die Ewigkeit der Welt auseinander und hinterfragt die Schlüssigkeit der Bewegungsparadoxien.

2.2.3 Methodische Überlegungen als Lösungsansatz: Das methodische Kernelement der Arbeit wird hier dargelegt: die strikte Unterscheidung der Erkenntnisbereiche von Philosophie und Glauben.

2.2.4 Abschluss: In diesem Teil antizipiert Boethius Kritik an seinen Thesen und verteidigt die systematische Trennung der Disziplinen.

2.3 Doppelte Wahrheit – Lehrverurteilung von 1277: Dieses Kapitel untersucht den kirchenpolitischen Kontext der Lehrverurteilung von 1277 und inwieweit der Vorwurf der „doppelten Wahrheit“ gegen Boethius historisch haltbar ist.

2.4 Boethius-Rezeption: Es wird der Forschungsdiskurs um Boethius im 20. Jahrhundert durch Gelehrte wie Géza Sajó und Jan Pinborg beleuchtet.

3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet das Wirken des Boethius in den historischen Kontext der Debatte zwischen Glaube und Naturwissenschaft ein.

Schlüsselwörter

Boethius von Dacien, Aristotelismus, Scholastik, Ewigkeit der Welt, Schöpfungslehre, De aeternitate mundi, Lehrverurteilung 1277, Doppelte Wahrheit, Naturphilosophie, Vernunft, Offenbarung, Methodologie, radikaler Aristotelismus, Mittelalter, Wissenschaftstheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Boethius von Dacien den vermeintlichen Widerspruch zwischen der aristotelischen Physik und der christlichen Schöpfungslehre im 13. Jahrhundert philosophisch zu harmonisieren versuchte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die aristotelische Bewegungslehre, die methodische Abgrenzung von Philosophie und Glaube sowie der historische Kontext der Pariser Lehrverurteilung von 1277.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?

Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, dass Boethius' Ansatz keine „doppelte Wahrheit“ postuliert, sondern eine methodische Differenzierung, die es ermöglicht, als Naturphilosoph zu argumentieren, ohne den eigenen Glauben aufzugeben.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet Boethius von Dacien?

Boethius setzt auf eine analytisch-demonstrative Methode, die strikt zwischen den Prinzipien der Naturphilosophie und den Glaubensgrundsätzen der Theologie unterscheidet.

Welche Inhalte werden primär im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Untersuchung des Werks „De aeternitate mundi“, der Infragestellung aristotelischer Thesen und der Bedeutung der methodischen Trennung als Lösungsansatz für den Schöpfungsstreit.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind Boethius von Dacien, Scholastik, Naturphilosophie, Schöpfung, Ewigkeit der Welt und das Kriterium der methodischen Trennung.

Warum wurde Boethius von Dacien Opfer der Lehrverurteilung von 1277?

Seine Philosophie wurde aufgrund einer oberflächlichen Lesart fälschlicherweise als Lehre der „doppelten Wahrheit“ ausgelegt, die den christlichen Glauben zu untergraben schien.

Worin liegt laut dieser Arbeit der entscheidende Unterschied zwischen Boethius' Lehre und dem Vorwurf der doppelten Wahrheit?

Der entscheidende Unterschied liegt in der Differenzierung zwischen „schlechthin“ (simpliciter) und „als Naturphilosoph“ (secundum quod). Boethius leugnete den Glauben nicht, sondern betonte lediglich die methodischen Grenzen der Vernunft.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Synthese der aristotelischen Physik mit der christlichen Schöpfungslehre bei Boethius von Dacien
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Philosophisches Seminar)
Note
1,0
Autor
Dr. Klaus Altenbach (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V1336463
ISBN (PDF)
9783346841278
ISBN (Buch)
9783346841285
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Boethius von Dacie Ewigkeit der Welt Schöpfung Aristoteles Lehrverurteilung 1277 Scholastik Doppelte Wahrheit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dr. Klaus Altenbach (Autor:in), 2017, Die Synthese der aristotelischen Physik mit der christlichen Schöpfungslehre bei Boethius von Dacien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1336463
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Leseprobe aus  19  Seiten
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