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Publius Quintilius Varus und die Frage der Schuld an der Clades Variana

Title: Publius Quintilius Varus und die Frage der Schuld an der Clades Variana

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 34 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Alexander Begerl (Author)

World History - Early and Ancient History
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Im Jahre 9n. Chr. ereignete sich in der Kalkriese-Niewedder Senke bei Osnabrück eine römische Tragödie, in der die XVII., XVIII. und XIX. Legion mitsamt drei Reiteralen und sechs Kohorten unter der Führung des Legaten Publius Quintilius Varus von germanischen Alliierten unter dem Cheruskerfürsten Arminius vernichtet wurde. Dieses Ereignis versetzte der römischen Germanienpolitik einen harten Schlag mit weitreichenden Folgen.
Anlässlich des baldigen 2000jährigen Jubiläums der Varusschlacht und dem weitreichenden Interesse an diesem Forschungsgebiet lässt sich eine Vielzahl an Sekundärliteratur finden, dennoch scheint die Person des Varus in Bezug auf die Frage der Schuld im Gesamtkomplex der Sachverhalte und Meinungen in der Forschung unterzugehen. Daher soll diese Arbeit nun im weiteren Verlauf die Position des Varus und dessen Schuldfrage behandeln, da sein Verschulden offenkundig in den antiken literarischen Quellen als Ursache für die Zäsur in der Germanienpolitik des Augustus benannt wird. War es allein Varus’ Schuld, dass weit über 3 Legionen in Germanien den Tod fanden? Diese Frage soll als Leitfaden in der Analyse der Quellen dienen, nachdem die römisch-politische Lage in Germanien und die Person des Varus näher durchleuchtet wurden. Hierbei steht nicht der genuin militärische Anspruch der Niederlage im Vordergrund, sondern das scheinbare Scheitern der Führungselite der Rheinlegionen, bevor es zu den vernichtenden Kämpfen in der heutigen Region um Osnabrück kam. Die Untersuchung einer militärischen Verfehlungen wird in dieser Arbeit weitgehend im Hintergrund stehen und beanspruchen eine eigene Analyse

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die römische Präsenz am Rhein vor Varus’ Amtsantritt

3. Begriffsklärung „provincia Germania“

4. Geopolitische Lage Germaniens

5. Bezeichnung der „clades variana“

Der Grabstein des Centurios Marcus Caelius.

6. Das Leben und Wirken des Publius Quintilius Varus

Publius Quint. Varus vor dem Jahre 7n. Chr.

Die Persönlichkeit des Publius Quint. Varus

7. Die Quellenlage

8. Die literarische Form des Varusschlachtberichts:

a) Velleius Paterculus – Historia Romana (117-119)

b) Lucius Annaeus Florus – Abriss der römischen Geschichte nach Titus Livius 2,30,21-39

c) Cassius Dio Cocceianus – Römische Geschichte 56,18,1-22,2

9. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Position von Publius Quintilius Varus im Kontext der Varusschlacht und analysiert, inwieweit ihm die alleinige Schuld an der katastrophalen Niederlage in den antiken Quellen zugeschrieben wird. Dabei wird hinterfragt, ob das Scheitern als individuelles Versagen des Statthalters zu werten ist oder ob strukturelle und geopolitische Faktoren, die in der Forschung oft unterrepräsentiert sind, eine entscheidende Rolle spielten.

  • Historische Aufarbeitung der römischen Germanienpolitik zur Zeit des Augustus
  • Analyse der antiken Quellenlage und deren tendenziöse Darstellung der Person Varus
  • Untersuchung der geopolitischen Herausforderungen bei der Verwaltung der Provinz Germanien
  • Bewertung des militärischen und administrativen Wirkens des Varus vor der Katastrophe

Auszug aus dem Buch

Die Persönlichkeit des Publius Quint. Varus

Varus trat seinen Dienst als legatus Augusti pro praetore in Germanien 7v. Chr., in vorgerückten Alter von ungefähr 50 Jahren an, und galt laut Velleius Paterculus, in Anlehnung an die Quellen von Iosephus, als behäbiger und bequemer Mensch. Meiner Meinung nach ist es völlig belanglos, ob Varus laut Paterculus oder Iosephus ein behäbiger oder unbeweglicher Mann gewesen sein soll, solange er seinen auferlegten Pflichten gewissenhaft nachkam. Weiterhin glaube ich nicht, dass es im Aufgabenbereich eines militärischen Verwaltungsfachmanns lag, ein athletisches Äußeres vorzuweisen. Spricht Paterculus nun davon, dass Varus mehr an müßiges Lagerleben, als an den Felddienst gewöhnt war, ist dies in Folge seines damaligen Alters völlig verständlich.

Unwahrscheinlich halte ich ebenso Varus’ Gesuch beim Kaiser Augustus, um den Dienst in der kalten und von Unruhen geschüttelten Provinz Germanien gebeten zu haben, doch dies ist lediglich Spekulation. Die in diesem Zusammenhang evidenten Quellen berichten, dass Varus nicht nur körperlich unfähig gewesen war, eine Provinz und ihre Verwaltung zu leiten, sondern auch als gierig, leichtgläubig, grausam, und militärisch ungeeignet bezeichnet wurde. Ob sich die Meinungen der Quellenautoren bewahrheiten und Varus gänzlich ungeeignet war, sehen wir präziser in der Auseinandersetzung mit den Quellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das historische Ereignis der Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. und Darlegung der Leitfrage nach der persönlichen Schuld des Statthalters Varus.

2. Die römische Präsenz am Rhein vor Varus’ Amtsantritt: Überblick über die militärische Situation und die Versuche zur Konsolidierung römischer Herrschaft in den Gebieten vor der Ankunft des Varus.

3. Begriffsklärung „provincia Germania“: Untersuchung der verschiedenen Bedeutungen des Begriffs Germania und dessen politischer Konnotation im römischen Denken.

4. Geopolitische Lage Germaniens: Analyse der räumlich-strategischen Faktoren und der Schwierigkeiten bei der Erschließung und dauerhaften Kontrolle des germanischen Raums.

5. Bezeichnung der „clades variana“: Erläuterung der spezifischen Namensgebung der Niederlage und deren Funktion in der historischen Rezeption.

6. Das Leben und Wirken des Publius Quintilius Varus: Detaillierte Betrachtung des Werdegangs und der bisherigen administrativen Erfahrungen des Varus vor seinem Einsatz in Germanien.

7. Die Quellenlage: Methodische Reflexion über die Beschaffenheit und die Voreingenommenheit der antiken Berichte zur Varusschlacht.

8. Die literarische Form des Varusschlachtberichts: Analyse der individuellen Perspektiven und Wertungen von Velleius Paterculus, Florus und Cassius Dio auf das Ereignis.

9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Schuldfrage unter Berücksichtigung der Kausalketten und der Rolle des Varus im Vergleich zum politischen Kontext.

Schlüsselwörter

Varusschlacht, Publius Quintilius Varus, Augustus, Tiberius, Arminius, Germanien, Clades Variana, Römische Geschichte, Antike Quellen, Militärverwaltung, Schuldfrage, Geopolitik, Velleius Paterculus, Cassius Dio, Römisches Reich.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Einordnung der Varusschlacht und der Frage, ob der römische Statthalter Publius Quintilius Varus die alleinige Verantwortung für die katastrophale Niederlage trug.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die römische Germanienpolitik, die Person des Varus, die Analyse antiker Quellentexte sowie die geopolitischen Herausforderungen der römischen Okkupation rechts des Rheins.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die einseitige Schuldzuweisung der antiken Quellen kritisch zu hinterfragen und die Niederlage als Ergebnis eines komplexen Zusammenwirkens verschiedener Faktoren zu verstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es erfolgt eine quellenkritische Analyse der literarischen Berichte von Paterculus, Florus und Dio unter Berücksichtigung moderner historischer Forschungsergebnisse.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Ausgangslage, die Biographie des Varus, die Bedeutung des Begriffs „clades Variana“ und vergleicht detailliert die verschiedenen antiken Berichte zur Niederlage.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Varusschlacht, Römische Germanienpolitik, Quellenkritik, Statthalterschaft des Varus und historische Kausalität definiert.

Wie bewertet der Autor den Grabstein des Marcus Caelius?

Der Autor sieht im Grabstein einen wertvollen epigraphischen Beleg, der objektiv von der Schlacht berichtet, im Gegensatz zu den erst später populär gewordenen, tendenziösen Begriffen wie „clades Variana“.

Ist der Vorwurf der Naivität gegenüber Varus gerechtfertigt?

Der Autor hält den Vorwurf der Naivität für übertrieben, da Varus lediglich seinen administrativen Pflichten nachging und es für ihn schwer war, einen heimtückischen Verrat durch jemanden wie Arminius unter den gegebenen Umständen zu antizipieren.

Warum spielt Fortuna in den Berichten eine Rolle?

In den Berichten wird das Schicksal (Fortuna) oft herangezogen, um das unvorhersehbare Ausmaß der Niederlage zu erklären und eine übergeordnete Ursache jenseits der persönlichen Fehler des Befehlshabers zu postulieren.

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Details

Title
Publius Quintilius Varus und die Frage der Schuld an der Clades Variana
College
University of Mannheim  (Historisches Institut)
Course
Augustus und seine Zeit
Grade
1,3
Author
Alexander Begerl (Author)
Publication Year
2008
Pages
34
Catalog Number
V133654
ISBN (eBook)
9783640415601
ISBN (Book)
9783640407323
Language
German
Tags
Publius Quintilius Varus Frage Schuld Clades Variana
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Begerl (Author), 2008, Publius Quintilius Varus und die Frage der Schuld an der Clades Variana, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133654
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