Das Ziel dieser Thesis ist es zu bestimmen, unter welchen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen die Todesstrafe möglicherweise vor Verbrechen abschrecken könnte. Den Schwerpunkt bildet die ethische Betrachtungsweise dieser Strafe. Zunächst wird in der Thesis der geschichtliche Verlauf, bis hin zur aktuellen Verbreitung der Todesstrafe beschrieben. Ferner werden einige deutsche Straftheorien und ihre Vereinbarkeit mit der Todesstrafe analysiert. So gibt es einige Straftheorien, mit denen der Vergeltungs- und Sühnegedanke sowie der präventive Gedanke der Todesstrafe vereinbar ist. Wiederum andere Theorien lehnen diese Gedanken ab und negieren, dass diese die Aufgabe von staatlichem Strafen seien.
Um die Abschreckungswirkung beurteilen zu können, werden mehrere Kriminalitätstheorien analysiert sowie Untersuchungen vorgestellt, die eine Vielzahl von internationalen Studien verglichen haben. Im Weiteren wird die ethische Sichtweise anhand von Aussagen mehrerer bedeutender Philosophen, internationaler Organisationen sowie kulturell stark prägender Religionen behandelt. Sowohl bei den Philosophen als auch bei den Religionen gibt es diametrale Auffassungen. Die Sichtweise wurde unter anderem von geschichtlichen Entwicklungen (z.B. Nationalsozialismus) beeinflusst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Todesstrafe
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Geschichte der Todesstrafe
2.3 Ende der Todesstrafe in Deutschland
2.4 Hinrichtungsmethoden
2.4.1 Steinigung
2.4.2 Friedlosigkeit
2.4.3 Felssturz
2.4.4 Kreuzigung
2.4.5 Hängen / Erdrosseln
2.4.6 Elektrischer Stuhl
2.4.7 Gaskammer
2.4.8 Aktuelle Hinrichtungsarten
2.5 Aktuelle Verbreitung der Todesstrafe
3 Deutsche Straftheorien
3.1 Die absoluten Straftheorien
3.1.1 Die Vergeltungstheorie
3.1.2 Die Sühnetheorie
3.2 Die relativen Straftheorien
3.2.1 Die Generalprävention
3.2.2 Die Spezialprävention
3.3 Die Vereinigungstheorien
3.3.1 Die vergeltende Vereinigungstheorie
3.3.2 Die präventive Vereinigungstheorie
4 Abschreckungswirkung der Todesstrafe
4.1 Klassisch- neoklassische Schule
4.2 Ökonomische Theorie der Kriminalität
4.3 Empirische Untersuchungen zum Modell des rationalen Täters
4.3.1 Korrelationsstudien
4.3.2 Eingleichungsmodelle
4.3.3 Mehrgleichungsmodelle
4.4 Psychologischer Ansatz
4.5 Fazit zur Abschreckungswirkung der Todesstrafe
5 Ethische Betrachtungsweise
5.1 Betrachtungsweisen bedeutender Philosophen
5.1.1 Immanuel Kant (1724-1804)
5.1.2 Cesare Beccaria (1738-1794)
5.1.3 Albert Schweitzer (1875 – 1965)
5.1.4 Konfuzius (551 v. Chr. – 479 v. Chr.)
5.2 Amnesty International
5.3 Der Europarat
5.3.1 Europäische Menschenrechtskonvention
5.3.2 Protokoll Nr. 6 zur EMRK
5.3.3 Protokoll Nr. 13 zur EMRK
5.3.4 Rechtsprechungen des EGMR
5.4 Vereinte Nationen
5.4.1 UN-Zivilpakt
5.4.2 VN-Todesstrafenprotokoll
6 Theologische Sichtweise
6.1 Die Todesstrafe in der jüdisch-christlichen Tradition
6.1.1 Die Todesstrafe im Alten Testament
6.1.2 Die Todesstrafe im Neuen Testament
6.1.3 Die Todesstrafe aus der Sicht der Kirchenväter
6.1.4 Mittelalterliche Haltung der Kirche zur Todesstrafe
6.1.5 Haltung der Kirche zur Todesstrafe heute
6.2 Die Todesstrafe im Islam
6.3 Die Todesstrafe im Buddhismus
7 Fazit
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die Arbeit analysiert kritisch die Todesstrafe unter staatlichen, ethischen und kriminologischen Aspekten, um zu untersuchen, unter welchen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen diese zur Vermeidung von Verbrechen beitragen könnte. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob eine abschreckende Wirkung nach heutigem Forschungsstand überhaupt belegbar ist.
- Historische Entwicklung und Methoden der Todesstrafe
- Analyse deutscher Straftheorien in Bezug auf die Todesstrafe
- Untersuchung der kriminologischen Abschreckungswirkung
- Ethische Beurteilung durch verschiedene philosophische Schulen
- Theologische Perspektiven der Weltreligionen
Auszug aus dem Buch
Die Todesstrafe
Unter dem Begriff „Todesstrafe“ versteht man die Verurteilung eines Menschen zum Tode, als staatliche Reaktion auf die Begehung einer Straftat. Eine lebenslange Freiheitsstrafe gilt nicht als Todesstrafe, auch wenn sie bis zum Tod andauert oder unweigerlich zum „sozialen“ Tod führt. Auch nicht erfasst von der Todesstrafe ist der „finale Rettungsschuss“, der in vielen Polizeigesetzen der Länder festgehalten ist (in Hessen in § 60 II 2 HSOG geregelt) und die Tötung eines Angreifers legitimiert, sofern diese das einzige Mittel zur Abwehr einer gegenwärtigen Lebensgefahr oder einer gegenwärtigen Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der körperlichen Unversehrtheit ist. Hierbei dient die Tötung rein präventiven Zwecken. Auch die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK), die im Art. 2 das Recht auf Leben schützt, sieht in der Tötung eines Menschen keine Verletzung des Artikels, „wenn sie sich aus einer unbedingt erforderlichen Gewaltanwendung ergibt“. In der vorliegenden Thesis wird sich daher lediglich auf staatlich angeordnetes Töten zu repressiven Zwecken, also nach der Verhängung eines Todesurteils durch ein staatliches Gericht bezogen.
Kapitelzusammenfassungen
1 Einleitung: Beleuchtet die historischen Debatten und die heutige Relevanz der Todesstrafe, verbunden mit der Forschungsfrage zur potenziellen Abschreckungswirkung.
2 Die Todesstrafe: Definiert den Begriff, beschreibt die historische Entwicklung von der Antike bis heute sowie unterschiedliche Hinrichtungsmethoden und die weltweite Verbreitung.
3 Deutsche Straftheorien: Erläutert die Grundlagen absoluter, relativer und Vereinigungstheorien und deren Bezug zum deutschen Strafrecht.
4 Abschreckungswirkung der Todesstrafe: Analysiert kriminologische Theorien und empirische Studien, um die Effektivität von Strafandrohungen als Abschreckung zu bewerten.
5 Ethische Betrachtungsweise: Diskutiert die Positionen bedeutender Philosophen sowie internationaler Organisationen wie Amnesty International und des Europarats.
6 Theologische Sichtweise: Untersucht die Haltung verschiedener Weltreligionen, insbesondere der jüdisch-christlichen Tradition, des Islams und des Buddhismus.
7 Fazit: Führt alle Ergebnisse zusammen und zieht den Schluss, dass die Todesstrafe keinen empirisch belegbaren Beitrag zur Kriminalitätsprävention leistet.
Schlüsselwörter
Todesstrafe, Abschreckungswirkung, Strafrechtsphilosophie, Kriminologische Theorie, Grundgesetz, Ethische Verantwortung, Hinrichtungsmethoden, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Religion, Prävention, Vergeltung, Normvertrauen, Gerechtigkeit, Strafzumessung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Thesis untersucht die Rolle der Todesstrafe aus kriminologischer, ethischer und theologischer Sicht, insbesondere unter dem Aspekt ihrer vermeintlichen Fähigkeit, Verbrechen durch Abschreckung zu verhindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte der Todesstrafe, die Bewertung durch Strafrechtstheorien, die Analyse empirischer Abschreckungsstudien sowie die ethische und religiöse Bewertung aus unterschiedlichen Perspektiven.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, unter welchen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eine Todesstrafe tatsächlich zur Vermeidung von Verbrechen beitragen könnte und ob dies nach wissenschaftlichem Stand überhaupt möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die vorhandene Literatur, kriminologische Theorien, empirische Studien sowie ethisch-theologische Ansätze systematisch zusammenführt und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Strafzwecke, die Auseinandersetzung mit Theorien zum rationalen Täter, die empirische Auswertung von Studien zur Abschreckung sowie die ethische und religiöse Einordnung der Problematik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Begriffe sind Todesstrafe, Abschreckung, Straftheorien, Kriminologie, Ethik, Menschenrechte, Strafe und Rechtsstaatlichkeit.
Gibt es einen Konsens über die Abschreckungswirkung der Todesstrafe?
Nein, die wissenschaftlichen Studien kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen; der aktuelle Erkenntnisstand deutet jedoch darauf hin, dass eine abschreckende Wirkung nicht hinreichend belegt werden kann.
Wie bewerten die Weltreligionen die Todesstrafe?
Die Einschätzungen variieren stark; während Teile der jüdisch-christlichen Tradition und der Islam historische Argumente für die Todesstrafe bieten, neigen moderne christliche Lehren und der Buddhismus heute weitgehend zu einer Ablehnung.
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- Sheeraz Asif (Author), 2021, Die Todesstrafe als Abschreckung vor Verbrechen. Unter welchen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen würde die Todesstrafe zur Vermeidung von Verbrechen beitragen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1336650