Das Nibelungenlied gehört unangefochten zu den bekanntesten Texten der deutschen Literatur. Kaum ein anderer Stoff hat über Jahrhunderte hinweg eine solche Aktualität bewahren können. Es wird als „Nationalepos der Deutschen“ oder als „Heldenepos“ bezeichnet – wobei man sich hier fragen muss, ob das Nibelungenlied überhaupt als Epos bezeichnet werden darf.
Im Verlauf des Nibelungenliedes wird Siegfried, der bis dahin stattliche Held, von Hagen ermordet. Wie kommt es dazu? Warum muss Siegfried sterben?
Die vorliegende Hausarbeit soll dieser Frage nachgehen und hinreichend begründen. Hierbei werde ich zunächst die Rolle des unbekannten Autors des Nibelungenliedes aufzeigen, der den Held hat sterben lassen. War dies dramaturgisch notwendig und somit unumgänglich? Gab es keine andere Möglichkeit? „Warum musste Siegfried sterben?“ impliziert sogleich die Fragestellung „Was wäre, wenn der Dichter Siegfried am Leben gelassen hätte?“
Aufgrund der Tatsache, dass der Autor Siegfried hat sterben lassen und wir Leser an diesem Faktum nichts ändern können, werden anschließend die Umstände, die zu Siegfrieds Tod führen, näher beleuchtet. Wodurch wurde Siegfrieds Ermordung überhaupt erst möglich? Wie hat der Verfasser den Tod Siegfrieds inszeniert? Die Intention des Autors war es, wie bei einem Puzzle, die Fäden sehr komplex zu ziehen. Erst die Gesamtheit aller Teile bildet ein vollständiges Werk. Daher spielen im Handlungsverlauf bis zur Ermordung Siegfrieds sehr viele verschiedene Umstände sowie Verhaltensweisen einiger Figuren eine Rolle, die näher aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rolle des Autors
3. Was wäre, wenn Siegfried noch am Leben wäre?
4. Wodurch wurde Siegfrieds Ermordung überhaupt erst möglich? - Wie hat der Autor den Tod Siegfrieds inszeniert?
4.1 Zur Figur Hagens:
4.2 Zur Figur Brünhilds
4.3 Zur Figur Siegfrieds
4.4 Zur Figur Kriemhilds
4.5 Zur Figur Gunthers
4.6 Zu den Figuren Gernots und Giselhers
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe der Ermordung Siegfrieds im Nibelungenlied und analysiert, inwiefern diese dramaturgisch notwendig war und welche Rolle die verschiedenen Figuren sowie der Autor bei der Inszenierung dieses Ereignisses spielten.
- Die Intention und Gestaltungsmacht des anonymen Autors
- Die Notwendigkeit des Siegfried-Todes für den weiteren Handlungsverlauf
- Motive und Rollen der Hauptfiguren (Hagen, Brünhild, Siegfried, Kriemhild, Gunther)
- Die Analyse der Mordinszenierung und der daraus resultierenden Kausalketten
Auszug aus dem Buch
4. Wodurch wurde Siegfrieds Ermordung überhaupt erst möglich? - Wie hat der Autor den Tod Siegfrieds inszeniert?
Die Figur Siegfried besteht aus drei Komponenten:
1. Siegfrieds Einzigartigkeit sind seine übereinander gelegten Oberflächen.
2. Seine Häute machen ihn unverwundbar (durch Hornhaut), unsichtbar (durch Tarnkappe) oder aber zum glanzvoll auftretenden Ritter (durch Kleidung/Gewänder/Waffen (und Verhalten)).
3. Seine Gegner müssen durch alle seine Häute dringen. Siegfried ist nur bezwingbar, wenn eine schützende Haut nach der anderen entfernt wird. Seine Häute sind unterschiedlich stark an seinen Körper gebunden: Die Tarnkappe, die seine Kraft zur Zwölfmännerstärke steigert, trägt er nur in extremen heroischen Ausnahmezuständen. Sie stellt für Hagen keine Gefahr dar. Doch auch mit seinen Waffen ist Siegfried sehr stark. Allerdings überredet ihn Hagen, sein Jagdgewand abzulegen und mit einem Hemd bekleidet, gegen ihn um die Wette zur Quelle zu laufen. Kurzum, Siegfrieds Tarnkappe, das scharfe, edle Schwert Balmung und ein Bad im Drachenblut lassen ihn zunächst als unbezwingbaren Helden erscheinen.
Als ihm Hagen hinterrücks seine Waffen entwendet, bietet Siegfried nur noch seine hürnerne Haut einen Schutz. Doch da Hagen Siegfrieds einzige verwundbare Stelle durch Kriemhild in Erfahrung bringt, gelingt es ihm, Siegfried mit seinem eigenen Speer von hinten zu ermorden. „Siegfrieds Häutung und seine Zerstörung sind eins“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Siegfried-Todes ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der dramaturgischen Notwendigkeit und den Umständen des Mordes.
2. Die Rolle des Autors: Dieses Kapitel erläutert, wie der Autor durch die bewusste Planung des Handlungsverlaufs und die Einbettung in die Überlieferung Siegfrieds Ende als notwendig für die Gesamtdramaturgie etabliert.
3. Was wäre, wenn Siegfried noch am Leben wäre?: Hier wird hypothetisch analysiert, wie das Epos ohne den Mord an Siegfried verlaufen wäre, wobei deutlich wird, dass der zweite Teil (Kriemhilds Rache) somit entfallen würde.
4. Wodurch wurde Siegfrieds Ermordung überhaupt erst möglich? - Wie hat der Autor den Tod Siegfrieds inszeniert?: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Komponenten von Siegfrieds Figur sowie die spezifischen Mordmotive und Rollen der beteiligten Charaktere wie Hagen, Brünhild und Kriemhild.
5. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass eine komplexe Kausalkette von Ereignissen und persönlichen Fehlern der Figuren zum Tod Siegfrieds führte.
Schlüsselwörter
Nibelungenlied, Siegfried, Hagen von Tronje, Kriemhild, Brünhild, Gunther, Mordmotiv, Heldenepos, dramaturgische Notwendigkeit, Untergang der Burgunden, Schuldfrage, Literaturwissenschaft, mittelalterliche Epik, Rache, Handlungsverlauf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Ursachen, Motive und die dramaturgische Inszenierung des Mordes an Siegfried im Nibelungenlied.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Rolle des Autors bei der Handlungsplanung, die Notwendigkeit des Mordes für die Erzählstruktur sowie die spezifischen Verhaltensweisen und Schuldanteile der Figuren Siegfried, Hagen, Brünhild, Kriemhild und Gunther.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, hinreichend zu begründen, warum Siegfried sterben muss und wie der Autor die Handlung bis zu diesem Punkt komplex inszeniert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Textanalyse der Strophen des Nibelungenliedes unter Einbeziehung relevanter wissenschaftlicher Sekundärliteratur zu den Heldenfiguren.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich mit den einzelnen Figuren, deren Motiven, ihren strategischen Handlungen sowie der Frage, wie durch die Kombination aus persönlichen Fehlern und situativen Umständen Siegfrieds Tod ermöglicht wurde.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nibelungenlied, Siegfried, Mordmotiv, Heldenepos, Schuldfrage und dramaturgische Struktur charakterisiert.
Welche Rolle spielt Hagen von Tronje bei der Inszenierung des Todes?
Hagen fungiert als treibende und ausführende Kraft, die den Mord plant, um die Ehre der Königin Brünhild wiederherzustellen und die Macht der Burgunden zu sichern.
Inwiefern trägt Kriemhild eine Mitschuld am Tod ihres Mannes?
Kriemhild trägt durch ihre ungezügelte Zunge im Streit mit Brünhild sowie durch das (gut gemeinte, aber fatale) Verraten von Siegfrieds verwundbarer Stelle an Hagen eine objektive Mitschuld.
Kann man Siegfrieds Tod als monokausal bezeichnen?
Nein, die Arbeit stellt klar, dass Siegfrieds Tod nicht monokausal, sondern als Folge einer komplexen Kausalkette verschiedener normverletzender Handlungen vieler beteiligter Figuren zu verstehen ist.
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- Katharina Keil (Author), 2009, Das Nibelungenlied: Vorschläge - warum muss Siegfried sterben?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133665