Wohl eine spezielle, bisher nie so da gewesene Situation im heiligen römischen Reich
war Anlass, dass Papst Innozenz III. den 1198 mit dem Tod Heinrich VI. ausbrechenden
Thronstreit in einem Spezialregister dokumentieren ließ. Das „Regestum Innocentii
papae super negotio Romani imperii“ – kurz RNI – kann dem Historiker in vielen
Fragen zum Thronstreit, sicherlich auch insbesondere zur Person Innozenz III. und zur
außergewöhnlichen Situation, die 1198 entstanden war, als Quelle sehr aufschlussreich
sein. Im Folgenden möchte ich die Papstregister, im speziellen das Thronstreitregister
vorstellen und die wichtigsten Forschungsstände vorstellen. Nach einer
Charakterisierung der Register soll schließlich ein besonderes Augenmerk darauf gelegt
werden, welchen Zweck Innozenz III. mit dem Thronstreitregister verfolgte. Diese
Frage ist in der heutigen Forschung unabdingbar mit der Frage verknüpft, wann die
Anlegung des Thronstreitregisters (RNI) erfolgte. Hier entbrannte eine
Forschungskontoverse, die verschiedene Varianten des Zwecks und der Datierung des
Thronstreitregisters zuließ.
Fest steht: der Anlass für die Einrichtung eines solchen Spezialregisters wird auch über
den Zweck des Registers Aufschluss geben.
Zunächst werde ich in meiner Arbeit die Papstregister kurz allgemein charakterisieren
und einen Vergleich zum „Regestum Innocentii papae super negotio Romani imperii“
anstellen. Nach einem kurzen Überblick über die Register der Päpste ist es erforderlich,
sich anschließend speziell mit den Registern und der Registerführung Innozenz III.
auseinanderzusetzen, um die Frage klären zu können, warum Innozenz III. dieses
Spezialregister anlegen ließ und aus welchen Anlass. War der Papst bloß in reinem
Editionseifer? Oder war der Thronstreit für Innozenz eine so quälende Situation, die es
unbedingt für die Zukunft zu vermeiden galt und er folgenden Päpsten klare
Anweisungen geben wollte? War der Papst daran interessiert grundsätzliche
Machtfragen zwischen der Kirche und dem Reich wieder aufzurollen? Vielleicht wollte
er diese Frage zugunsten des Papsttums entscheiden? Die Frage wird sein, ob es
tatsächlich einen Zweck gab oder ob nicht vielfältige Gründe auschlaggebend für die
Anlage dieses Spezialregisters waren. Um diese Fragen klären zu können, werde ich zunächst verschiedene
Forschungsstandpunkte erläutern um schließlich zu erörtern und zu begründen, welchen
Standpunkt ich in der Forschungskontroverse am überzeugendsten erhalte bzw. ich
einnehme.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Die Quelle im Überblick: Papstregister im Allgemeinen und die Register Innozenz‘ III.
2.2 Das „Regestum Innocentii papae super negotio Romani imperii“
2.3 Die Datierung und der Zweck des Thronstreitregisters
2.4 Quellenexkurs: Die Fürstenerklärung zu Gunsten des König Philipps – Declaratio Principum in Favorem Philippi Regis
3. Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit
4. Anhang
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das sogenannte Thronstreitregister (RNI) von Papst Innozenz III. Ziel ist es, die Beweggründe und den Anlass für die Anlegung dieses Spezialregisters im Kontext des deutschen Thronstreits zu analysieren und kritisch einzuordnen.
- Charakterisierung der Papstregister des Mittelalters
- Analyse des „Regestum Innocentii papae super negotio Romani imperii“
- Forschungskontroverse um Datierung und Zweck des Registers
- Untersuchung der „Declaratio Principum in Favorem Philippi Regis“ als möglicher Auslöser
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Quelle im Überblick: Papstregister im Allgemeinen und die Register Innozenz‘ III.
Seit dem Pontifikat Leos I. in der Zeit von 440-461 sind Papstregister, vom Papst in Auftrag gegebene zeitgenössische Abschriften ausgegangener bzw. eingegangener Urkunden bei der Kurie, bezeugt und orientierten sich wohl an den commentarii oder regesta römischer Kaiser. Die Überlieferungen aus jener Zeit sind jedoch rar und bloß fragmentiert überliefert und erhalten. Das erste vollständig erhaltene Originalregister stammt von Papst Gregor VII. (1073-1085) und es werden daraufhin auch weiterhin Register geführt, jedoch ist erst das Register Innozenz` III. wieder im Original überliefert. Die Papstregister sind großformatige Pergamentbände, die im Vatikanischen Archiv, angefangen bei den Registern Innozenz` III., als Registra Vaticana 1-309 und 321-334 aufbewahrt werden. Sie sind kontinuierlich und chronologisch geführt, wobei sie zum Teil Pausen von einigen Tagen, Wochen oder Jahren aufweisen. Aufgrund ihrer Heterogenität lässt sich ein bestimmter Zweck nicht ablesen, sie dienten in vielfältiger Weise „zum einen als offizielle Gedenkbücher, die die wichtigsten Handlungen der Päpste dokumentieren, zum anderen waren sie auch Arbeitsinstrument für den Kanzleigebrauch, etwa als Nachschlagewerk oder Exempelsammlung. Außerdem wurden sie als Beweismittel bei der Prüfung fälschungsverdächtiger Stücke herangezogen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die historische Situation des deutschen Thronstreits ab 1198 und Vorstellung des Spezialregisters RNI als Quelle.
2. Hauptteil: Detaillierte Betrachtung der Papstregister, des Inhalts des Thronstreitregisters und der wissenschaftlichen Debatte um dessen Anlass.
2.1 Die Quelle im Überblick: Papstregister im Allgemeinen und die Register Innozenz‘ III.: Historischer Abriss über die Entstehung und Funktion der päpstlichen Registerpraxis bis zu Innozenz III.
2.2 Das „Regestum Innocentii papae super negotio Romani imperii“: Vorstellung des Thronstreitregisters als Dokumentation der päpstlichen Politik gegenüber Philipp von Schwaben und Otto IV.
2.3 Die Datierung und der Zweck des Thronstreitregisters: Diskussion verschiedener Forschungsthesen zur zeitlichen Entstehung und den Intentionen des Papstes.
2.4 Quellenexkurs: Die Fürstenerklärung zu Gunsten des König Philipps – Declaratio Principum in Favorem Philippi Regis: Analytische Betrachtung des Schreibens der staufischen Partei als zentraler Auslöser für das Handeln des Papstes.
3. Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit: Synthese der Forschungsergebnisse mit der Schlussfolgerung, dass die Fürstenerklärung der staufischen Anhänger der primäre Anlass für die Anlegung des RNI war.
4. Anhang: Bereitstellung des Quellentextes der Fürstenerklärung.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Sekundär- und Primärquellen.
Schlüsselwörter
Papst Innozenz III., Thronstreitregister, RNI, Regestum Innocentii papae, Mittelalter, Papstregister, Philipp von Schwaben, Otto IV., Heiliges Römisches Reich, Quellenkritik, Kirchengeschichte, Reichspolitik, Declaratio Principum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das „Regestum Innocentii papae super negotio Romani imperii“, ein Spezialregister von Papst Innozenz III., das während des deutschen Thronstreits entstand.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die päpstliche Registerführung, die Machtpolitik Innozenz III. gegenüber dem Reich sowie die Auswirkungen der Fürstenerklärung zu Gunsten Philipps von Schwaben.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Die Arbeit möchte den konkreten Anlass und den Zweck der Anlegung des Thronstreitregisters klären und dabei die verschiedenen in der Forschung existierenden Thesen bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine quellenkritische Analyse und vergleicht diese mit dem aktuellen Forschungsstand zur Registerpraxis und politischen Geschichte des 13. Jahrhunderts.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die allgemeine Einführung der Register, die Spezifizierung des RNI, eine Diskussion zur Datierung und einen Quellenexkurs zur „Declaratio Principum“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Innozenz III., Thronstreit, RNI, Papstregister und päpstliche Machtpolitik charakterisiert.
Warum wird das RNI als „tendenziöse Dokumentensammlung“ bezeichnet?
Der Begriff spiegelt wider, dass das Register keine neutrale Chronik ist, sondern gezielt den politischen Standpunkt und die rechtlichen Interessen des Papstes im Konflikt dokumentieren sollte.
Welche Rolle spielt die Fürstenerklärung im Kontext des RNI?
Die Fürstenerklärung zu Gunsten Philipps von Schwaben wird in der Arbeit als der entscheidende Auslöser identifiziert, der Innozenz III. zur Einrichtung des Spezialregisters zwang, um seine Position juristisch abzusichern.
- Quote paper
- Dominik Mönnighoff (Author), 2009, Das RNI - Thronstreitregister, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133669