Entscheidungen in Unternehmen, besonders wenn es sich um globalisierte Großkonzerne handelt, haben oft ökonomische, politische und soziale Dimensionen, deren Konsequenzen im Ganzen von den handelnden Akteuren nur schwer überblickt werden können. Trotz der großen Tragweite besteht die Aufgabe des Managements von Unternehmen in eben genau dieser Steuerung des Unternehmens auf eine festgeschriebene Strategie hin. In der ökonomischen Forschung versucht man unter anderem für Akteure der Wirtschaft Modelle und Theorien zu entwickeln, die Entscheidungsprozesse im Unternehmen erleichtern. In diesem Zusammenhang hat die Spieltheorie die Volks- und Betriebswirtschaftslehre, aber auch anderer Sozialwissenschaften entscheidend befruchtet. Trotz des immensen Potenzials bei der wissenschaftlichen Erklärung ökonomischen Verhaltens von Individuen (Spielern), findet der Transfer von Forschungsergebnissen in das Tagesgeschäft von Managern kaum statt. Außer Frage steht, dass die spieltheoretische Modellierung dazu dient, den strategischen Blick zu schärfen sowie viele Marktmechanismen zu beschreiben und somit einen erheblichen Mehrwert bei der Anwendung in der strategischen Analyse in Unternehmen stiften kann.
In dieser Arbeit soll die Eignung spieltheoretischer Konzepte im Bereich des Internationalen Managements untersucht werden. Insbesondere in international agierenden Unternehmen treten Entscheidungssituationen auf, die gerade aufgrund der zusätzlichen Komplexität durch kulturelle, sprachliche und politische Unterschiede eine objektive Abwägung aller entscheidungsrelevanten Faktoren schwer möglich machen. Obwohl die Internationalisierung der Wirtschaft ein bereits seit langem bestehendes Phänomen ist, existieren bisher nur wenige spieltheoretische Untersuchungen in diesem Bereich. Ziel dieser Arbeit soll daher die Beantwortung der Frage sein, ob durch die Anwendung der Spieltheorie international agierenden Unternehmen und deren Führungskräften hilfreiche Entscheidungsunterstützungssysteme zur Verfügung gestellt werden können.
Zur Bearbeitung dieser Frage werden in Abschnitt 2.1 zunächst die besonderen Herausforderungen besprochen, die sich durch die Globalisierung und die daraus folgende Internationalisierung von Unternehmen ergeben. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Internationalisierung und Internationales Management
2.2 Spieltheorie und Ökonomie
3 Spieltheorie im Internationalen Management
3.1 Internationalisierungstheorien aus spieltheoretischer Sicht
3.1.1 Oligopolistisches Parallelverhalten – eine Prisoner’s Dilemma-Situation
3.1.2 Prisoner’s Dilemma in der Prinzipal-Agenten-Beziehung
3.2 Anwendung spieltheoretischer Instrumente auf die Funktionsfelder und die strategische Planung eines IU
3.2.1 Wahl der Markteintrittsform aus spieltheoretischer Sicht
3.2.2 Standortwahl als klassisches Prisoner’s Dilemma
3.2.3 Forschung und Entwicklung – ein Chicken-Spiel
4 Stellungnahme und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Eignung spieltheoretischer Konzepte als Entscheidungsunterstützung für Führungskräfte in international agierenden Unternehmen. Dabei wird analysiert, ob die Spieltheorie trotz der hohen Komplexität und der asymmetrischen Informationsverteilung im internationalen Geschäft greifbare Mehrwerte für strategische Analysen bieten kann.
- Grundlagen der Spieltheorie in der ökonomischen Analyse
- Anwendung spieltheoretischer Modelle auf die Internationalisierung von Unternehmen
- Analyse der Prinzipal-Agenten-Problematik im internationalen Kontext
- Strategische Entscheidungsfindung bei Markteintritt und Standortwahl
- Spieltheoretische Betrachtung von Forschung & Entwicklung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Oligopolistisches Parallelverhalten – eine Prisoner’s Dilemma-Situation
Die Theorie des oligopolistischen Parallelverhaltens erklärt die Investitionsentscheidungen von Unternehmen damit, dass diese versuchen ein Wettbewerbsgleichgewicht wiederherzustellen, das von anderen Unternehmen auf internationaler Ebene verändert wurde. Ihr Fokus liegt auf oligopolistisch strukturierten Märkten, da empirische Untersuchungen von Knickerbocker u.a. ergaben, dass viele internationale Unternehmen auf genau solchen Märkten tätig sind und es dort zu einem oligopolistischen Marktverhalten kommt. Die Industriestruktur ist durch eine relativ hohe Anbieterkonzentration, hohe Markteintrittsbarrieren und stabile Marktanteile gekennzeichnet. Die Internationalisierungsmaßnahme eines Oligopolisten führt zu einer Reaktion der anderen und zwar in Form einer „Follow-the-Leader“- oder einer „Cross-Investment“-Strategie.
Im ersten Fall wird das zunächst nationale Oligopol dadurch gestört, dass einer der Wettbewerber (Leader) im Ausland investiert und sich dadurch Vorteile (z.B. Größenvorteile, größere Marktnähe, Sicherung von Faktorquellen im Ausland etc.) verschafft. Andere Wettbewerber (Follower) werden nun ebenfalls im Ausland investieren, um die Wettbewerbsvorteile des Leaders zu neutralisieren und ihre relative Position im Oligopol wieder zu stärken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz spieltheoretischer Modelle für das Management internationaler Konzerne ein und definiert die zentrale Forschungsfrage nach deren Eignung als Entscheidungshilfe.
2 Begriffliche Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die Kernbegriffe Internationales Management sowie Spieltheorie und erläutert die Bedeutung strategischer Interaktionen in einem ökonomischen Umfeld.
3 Spieltheorie im Internationalen Management: Hier werden theoretische Ansätze wie das Gefangenendilemma und das Chicken-Spiel auf konkrete Geschäftssituationen wie Markteintrittsentscheidungen, Standortwahl und F&E-Investitionen angewendet.
4 Stellungnahme und Ausblick: Das abschließende Kapitel kritisiert die Anwendbarkeit rein spieltheoretischer Modelle unter Berücksichtigung menschlicher Verhaltensanomalien und plädiert für die Integration der Behavioral Game Theory.
Schlüsselwörter
Spieltheorie, Internationales Management, Prisoner’s Dilemma, Nash-Gleichgewicht, Strategische Planung, Prinzipal-Agenten-Theorie, Markteintrittsstrategie, Oligopol, Standortwahl, Forschung und Entwicklung, Chicken-Spiel, Behavioral Game Theory, Transaktionskostentheorie, Internationalisierung, Wettbewerbsstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie spieltheoretische Konzepte genutzt werden können, um strategische Entscheidungsprozesse in international agierenden Unternehmen zu unterstützen und zu analysieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen das internationale Management, die Anwendung von Spieltheorie auf oligopolistische Märkte, Prinzipal-Agenten-Beziehungen, Markteintrittsformen, Standortwahl sowie Investitionen in Forschung und Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Spieltheorie Führungskräften in internationalen Unternehmen hilfreiche Instrumente zur Entscheidungsunterstützung bieten kann, um komplexe Situationen besser zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird eine spieltheoretische Modellierung (unter Verwendung von Matrix-Spielen und Spielbäumen) eingesetzt, um Entscheidungssituationen in einperiodigen "One-Shot Games" abzubilden und strategische Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische internationale Business-Szenarien, darunter das Parallelverhalten von Unternehmen, die Delegationsproblematik zwischen Zentrale und Tochtergesellschaft sowie strategische Investitionen unter Unsicherheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Spieltheorie, Internationales Management, Nash-Gleichgewicht, Gefangenendilemma (Prisoner’s Dilemma) und strategische Wettbewerbsanalyse.
Wie wird die "Prinzipal-Agenten-Problematik" spieltheoretisch erklärt?
Sie wird als Situation modelliert, in der die Zentrale (Prinzipal) zwischen der Gewährung von Autonomie und Kontrolle wählen muss, während die Tochtergesellschaft (Agent) zwischen Kooperation und opportunistischem Verhalten entscheidet.
Warum ist die "Behavioral Game Theory" ein wichtiger Ausblick der Arbeit?
Sie dient dazu, die Schwächen der klassischen Spieltheorie auszugleichen, indem menschliche Faktoren wie begrenzte Rationalität, Emotionen und soziale Einbettung in die Analyse integriert werden, um realitätsnähere Prognosen zu ermöglichen.
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- Olga Lackmann (Author), 2008, Spieltheorie im Internationalen Management, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133681