Aus der Rezeption der altfranzösischen Epik und des altfranzösischen Romans entwickelte sich ein eigenständiger italienischer Ritterroman, der im 15. und 16. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte und später selbst nachgeahmt wurde. In Frankreich entstanden die `chansons de geste´, die über Taten in Form von Liedern, Büchern oder Zyklen berichteten. Es gab eine Vielzahl an Themenzyklen, wovon jedoch nur zwei nach Italien gekommen sind: der `Cycle du roi´, der Karlszyklus, und der `Cycle de Guillaume´.
Auch Luigi Pulci bediente sich im 15. Jahrhundert bei der Entstehung seines Werkes Il Morgante des karolingischen Zyklus´, sprich des Karlszyklus. Im Folgenden werde ich kurz auf die Biographie des Autors mit den
wichtigsten Punkten in dessen Leben eingehen. Nach einer Einführung in den
Hof der Medici, in der ich auf die wichtigsten Personen des `Quattrocento´,
die Einfluss auf die Entstehung des Werkes hatten, eingehe, werde ich das
Werk Il Morgante näher erläutern. Gegliedert ist die Analyse des Morgante in
Aufbau und Struktur des Werkes, eine knappe Inhaltsangabe und Personen
des Werkes. Im vierten Unterpunkt der Analyse gehe ich auf den Vorwurf der
Ketzerei ein, dem sich Luigi Pulci unterziehen musste, und wegen der er von
der Kirche exkommuniziert, nicht auf dem Friedhof beerdigt wurde.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographie
3. Florenz un der Hof der Medici
4. Il Morgante
4.1. Aufbau
4.2. Inhalt
4.3. Personen
4.4. Der Vorwurf der Ketzerei
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Luigi Pulcis Ritterepos "Il Morgante" im Kontext des Florenz des 15. Jahrhunderts. Ziel ist es, den Aufbau und die Struktur des Werkes zu analysieren, die zentralen Motive herauszuarbeiten und die kontroversen Aspekte zu beleuchten, die zur Exkommunikation des Autors führten.
- Biographische Einordnung von Luigi Pulci
- Der Einfluss des Medici-Hofes auf das Werk
- Analyse von Struktur und Inhalt des "Morgante"
- Das Verhältnis von Ritterepos und komischen Elementen
- Der historische Vorwurf der Ketzerei und religiöse Implikationen
Auszug aus dem Buch
4.2. Inhalt
Die ersten 23 Gesänge schildern die Taten und Abenteuer Orlandos, der den Hof Karls des Großen in Paris wegen Ganos´ Verleumdungen verlässt und ins Heidenland (Asien, Ägypten) zieht. Er gelangt an eine Abtei, die von drei Riesen belagert wird. Zwei von ihnen tötet er, der dritte, Morgante, bekehrt sich zum Christentum und wird Orlandos Schildknappe. Gemeinsam bestehen Orlando und Morgante eine Unzahl komischer Abenteuer.
Als Orlando auch längere Zeit nicht nach Paris zurückkehrt, machen sich Rinaldo, Uliviero und Dondone von Paris auf, um ihn zu suchen. Von nun an gibt es zwei Handlungsstränge: die Abenteuer Orlandos und die der ihn suchenden Ritter.
Immer, wenn alle Feinde besiegt sind, die Braven unter den Heiden zu Christen bekehrt sind (also die Handlung langweilig zu werden droht), ersinnt der böse Gano eine neue Verleumdung oder überredet den Kaiser zu einer Maßnahme, womit dann eine neue Handlungsfolge ausgelöst wird.
Als die Ritter im Orient ankommen überredet Gano den König Marsilio dazu, die Christen zu attackieren: Orlando kehrt nach Frankreich zurück um zu kämpfen, zusammen mit Rinaldo und Ricciardetto, die von den Teufeln Astarotte und Farfarello nach Roncisvalle (Schlachtfeld) getragen werden. Nach dem heldenhaften Tod Orlandos folgt die Bestrafung Ganos‘ und der Tod Karls des Großen in Aquisgrana.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die Entwicklung des italienischen Ritterromans aus der altfranzösischen Epik und steckt den Rahmen der Analyse ab.
2. Biographie: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Luigi Pulcis nach, von seiner Adelsherkunft bis hin zu seiner Tätigkeit bei den Medici und seinem Tod in Padua.
3. Florenz un der Hof der Medici: Hier wird der kulturelle und politische Kontext des Quattrocento in Florenz erläutert und die Rolle der Medici bei der Entstehung des Werkes beleuchtet.
4. Il Morgante: Dieses Hauptkapitel analysiert den Aufbau, die Handlung, die Charaktere und die kirchenkritischen Inhalte von Pulcis Epos.
5. Schlussbetrachtung: Das Kapitel reflektiert die Vorbildwirkung des "Morgante" auf nachfolgende europäische Autoren wie Rabelais.
Schlüsselwörter
Luigi Pulci, Il Morgante, Ritterroman, Medici, Karl der Große, Orlando, Quattrocento, Ketzerei, Epik, Rabelais, Renaissance, Italienische Literatur, Heldenepos, Margutte, Literaturgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem italienischen Ritterroman "Il Morgante" von Luigi Pulci und dessen Einbettung in die literarische und politische Landschaft des Florenz im 15. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Entstehungsgeschichte des Epos, die stilistischen Besonderheiten des Werkes sowie die religiös-philosophischen Kontroversen um den Autor.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Arbeit?
Ziel ist eine fundierte Analyse des "Morgante", wobei sowohl die Struktur des Textes als auch die kritische Rezeption, insbesondere der Vorwurf der Ketzerei, untersucht werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse unter Heranziehung von Primär- und Sekundärliteratur zur historischen und inhaltlichen Kontextualisierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Aufbaus, des Inhalts, der Charakterzeichnung der Figuren sowie eine ausführliche Auseinandersetzung mit der kirchenfeindlichen Thematik.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Ritterepik, Renaissance, Medici-Hof, Morgante, Ketzer-Debatte und die ironische Brechung des klassischen Stoffes.
Wer sind die zentralen fiktiven Charaktere im "Morgante"?
Neben traditionellen Figuren aus dem Karlszyklus wie Orlando und Karl dem Großen stehen vor allem der Riese Morgante und der Halbriese Margutte im Fokus, die maßgeblich durch Pulci eingeführt wurden.
Warum wurde Luigi Pulci von der Kirche exkommuniziert?
Pulci wurde wegen seines "freizügigen Umgangs" mit religiösen Themen, der Darstellung von Teufeln auf christlicher Seite und seiner skeptischen Haltung gegenüber kirchlichen Dogmen und Wundern als Ketzer gebrandmarkt.
- Quote paper
- Lisa Helfer (Author), 2009, Zu: Luigi Pulci - Il Morgante, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133685