Die Germanen als primitive Barbaren? Multiperspektivische Erarbeitung der Lebensweise der Germanen mithilfe der Placemat-Methode (Unterrichtsentwurf für das Fach Geschichte, 5. bis 7. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2023

36 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe


1. Tabellarische Auflistung der Stundenthemen innerhalb der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Schriftliche Planung der Unterrichtsstunde

2.1. Ziele und angestrebte Kompetenzen

Stundenziel:

Die SuS erarbeiten arbeitsteilig mithilfe einer Placemat die Darstellung der Germanen des römischen Geschichtsschreibers Tacitus, vergleichen diese mit der Lebensweise der Römer und beurteilen anschließend, inwiefern die von Tacitus beschriebene Lebensweise der Germanen als fortschrittlich oder nicht fortschrittlich zu beurteilen ist.

Teilziele:

- Die Schülerinnen und Schüler formulieren anhand eines Bildimpulses eine Problemfrage zur Lebensweise der Germanen, indem sie z.B. darüber nachdenken, wie die Germanen lebten oder ob sie als rückständig betrachtet werden können.
- Die Schülerinnen und Schüler arbeiten gemeinsam die verschiedenen Merkmale der Germanen heraus, wie sie von Tacitus beschrieben werden, z.B. Aussehen, Herrschaftsform oder Wohn- und Lebensverhältnisse.
- Die Schülerinnen und Schüler untersuchen elementare Merkmale der Quellen, wie das Erscheinungsjahr, den Autor, den Adressaten oder die Absicht des Autors, und tragen diese in eine Tabelle ein.
- Die Schülerinnen und Schüler vergleichen die herausgearbeiteten Informationen über die Germanen mit der Lebensweise der Römer, indem sie in Gruppen jeweils einen Aspekt (z.B. Wohnverhältnisse) der beiden Kulturen gegenüberstellen.
- Die Schülerinnen und Schüler nehmen Stellung zu der zuvor formulierten Problemfrage, indem sie sich auf einer Positionslinie platzieren und ihre Position kurz begründen.

Hierdurch sollen folgende Kompetenzen laut Kernlehrplan gefördert werden:[1]

Sachkompetenz:

Die Schülerinnen und Schüler...

- kennen die Zeit als Dimension, [...] und benutzen zutreffende Zeit und Ortsangaben
- kennen Zeiten und Räume [...] antiker Überlieferung [...] und charakterisieren mittels eines ersten Orientierungswissens diese Epochen ([...] typische Merkmale, Vorstellungen über das Eigene und das Fremde)
- erzählen bzw. informieren exemplarisch über Lebensbedingungen und kulturelle Kontakte in frühen Hochkulturen, antiken Großreichen [...]

Methodenkompetenz:

Die Schülerinnen und Schüler...

- entnehmen gezielt Informationen aus Texten niedriger Strukturiertheit und benennen in elementarer Form die Hauptgedanken eines Textes
- kennen grundlegende Schritte der Bearbeitung schriftlicher Quellen und wenden diese an
- beschreiben in Bildquellen Einzelheiten, stellen deren Zusammenhänge dar und erklären ansatzweise, welche Wirkung die Darstellung hat

Urteilskompetenz:

Die Schülerinnen und Schüler.

- unterscheiden in einfacher Form zwischen Belegbarem und Vermutetem

Handlungskompetenz

Die Schülerinnen und Schüler.

- präsentieren im Rahmen kleinerer Projekte gewonnene Ergebnisse ihrer Arbeit in geeigneter Form

2.2. Didaktische Schwerpunkte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sonderpädagogin betreut werden. Der Geschichtsunterricht wird den Schülern seit dem sechsten Schuljahr erteilt und dauert zwei Stunden pro Woche. Seit dem 14.

Februar habe ich den Unterricht übernommen und hatte inzwischen sechs Doppelstunden sowie eine Einzelstunde mit der Lerngruppe. Grundsätzlich zeichnet sich die Klasse durch ein hohes Engagement und ein großes Interesse aus. Insbesondere drei Schüler fallen durch konstante und exzellente Beiträge auf. Allerdings verfügen zehn Schüler seit Beginn der sechsten Klasse über Vorwissen im Bereich des Lateinunterrichts, was sie in Bezug auf das Orientierungswissen zu den Lebensumständen im alten Rom begünstigt. Gelegentlich zeigen sich fächerübergreifende Verbindungen, die den Unterrichtsbetrieb bereichern.

Während einige Schülerinnen und Schüler eher unruhig sind, sind vier Schülerinnen besonders zurückhaltend und beteiligen sich wenig an Unterrichtsgesprächen. Zwei Schüler lenken sich gegenseitig ab und müssen öfter daran erinnert werden, sich auf den Unterricht zu konzentrieren. Die Klasse ist mit kooperativen Arbeitsformen vertraut und in Partner- und Gruppenarbeitsphasen arbeiten die sonst sehr zurückhaltenden Schüler produktiv mit.

Wie bereits erwähnt, besucht eine Gruppe von vier Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf den Geschichtsunterricht. Einer dieser Schüler hat das Asperger-Syndrom und wird unter dem emotional-sozialen Förderschwerpunkt unterrichtet. Er hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe und arbeitet gut im Unterricht mit. Während kooperativer Arbeitsphasen beteiligt er sich in der Regel aktiv. Es dauert manchmal jedoch etwas länger, bis er anfängt, eine Aufgabe zu bearbeiten, und er braucht mehr Zeit, um die Aufgaben zu bearbeiten. In solchen Situationen ist es wichtig, ihn nicht zu drängen, da er in unvorhersehbaren Fällen emotional sehr impulsiv reagieren kann, obwohl es in letzter Zeit keine solcher Vorfälle mehr gegeben hat. Obwohl er gelegentlich seine Ergebnisse nicht schriftlich festhält, ist er in der Lage, seine Ergebnisse mündlich zu präsentieren. Er ist oft abgelenkt und muss manchmal daran erinnert werden, produktiv zu arbeiten.

Die anderen drei Schüler werden unter dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen betreut und haben unterschiedliche Leistungsniveaus. Einer von ihnen hat starke Lese- und Schreibprobleme, insbesondere sinnerfassendes Lesen fällt ihm schwer. Er kann nur laut lesen, obwohl er in einigen Fällen in der Lage ist, leise zu lesen, wenn er sich sehr konzentriert. Um das Verständnis einfacher Informationen zu erleichtern, werden ihm die Texte, die die anderen Schüler lesen, mithilfe eines MP3-Players vorgelesen. Er hat Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, und manchmal fällt es ihm schwer, sogar einfache Aufgaben zu erledigen. Er ist sehr impulsiv und hat eine geringe Frustrationstoleranz. Wenn er frustriert ist, steht ihm eine Malaufgabe zur Verfügung, um ihn von einer anspruchsvolleren Aufgabe abzulenken.

Eine der beiden zieldifferent zu unterrichtenden Schülerinnen ist aufgrund von Therapiesitzungen vom Unterricht befreit. Sie arbeitet sehr langsam und benötigt oft mehrfache Aufforderungen, um eine Aufgabe zu bearbeiten. Die andere Schülerin arbeitet schneller und ist etwas leistungsstärker, aber auch sie benötigt manchmal Anreize, um Aufgaben zu erledigen, und zeigt eine Abneigung, ihre Ergebnisse vor der Klasse zu präsentieren.

Die Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden in der Regel von einem Freiwilligen betreut, der die Aufgaben, die von der Sonderpädagogin bereitgestellt werden, überwacht. Ich habe in den von mir unterrichteten Stunden die Aufgaben für diese Schüler gemeinsam mit der Sonderpädagogin und der Fachlehrerin geplant. Die Schüler arbeiten nicht die gesamte Unterrichtszeit im Klassenverband, sondern haben einen eigenen Inklusionsraum zur Verfügung, in dem sie unter Anleitung ihre Aufgaben erledigen. Der Unterricht beginnt jedoch gemeinsam.

Die Beurteilung der Lebensweise der "Germanen" auf wissenschaftlich fundierter Basis ist ein schwieriges Vorhaben aus verschiedenen Gründen. Die Sprache der Germanen und ihre Schriftkultur in Form von Runeninschriften verbreiteten sich erst spät, etwa im 3. Jahrhundert nach Christus. Schriftliche Dokumente der Germanen sind nicht erhalten geblieben, was dazu führt, dass die Erkenntnisse über ihr Leben sich in erster Linie auf archäologische Funde und einige wenige schriftliche Quellen, wie die Aufzeichnungen der Römer, stützen.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese schriftlichen Quellen eine externe Perspektive auf die Germanen widerspiegeln und somit auch eine Fremdsicht darstellen. Die Bezeichnung "die Germanen" selbst ist ein Beispiel dafür. Cäsar (*100 v. Chr. - 44 v. Chr.) beispielsweise fasste unter dieser Bezeichnung alle Völker jenseits des Rheins und der oberen Oder zusammen, was zu einer Generalisierung und Vereinfachung führte.2

Diese eingeschränkte Perspektive erschwert die Möglichkeit, ein vollständiges Bild von der Lebensweise und Kultur der Germanen zu zeichnen. Die Archäologie kann jedoch wichtige Einblicke in ihre materielle Kultur und ihre Lebensweise bieten. Zum Beispiel können Funde von Gräbern, Siedlungen, Werkzeugen und Kunstgegenständen wichtige Hinweise liefern.

Es ist auch wichtig zu beachten, dass die Germanen nicht als homogene Gruppe betrachtet werden sollten. Die germanischen Stämme waren vielfältig und unterschieden sich in vielen Aspekten voneinander, wie ihrer Sprache, ihrer Religion und ihren sozialen Strukturen. Eine breitere, kontextuelle Betrachtung ihrer Kultur und Lebensweise kann nur durch die Berücksichtigung dieser Unterschiede und der komplexen Wechselwirkungen zwischen ihnen erreicht werden.3

Es ist offensichtlich, dass der Begriff "Germanen" für die Römer eine sehr vage Bedeutung hatte. Dies wird durch die Tatsache verdeutlicht, dass einige Bewohner des Nordostens Galliens auch als Germanen betrachtet wurden, obwohl sie geografisch nicht in dem Gebiet leben, das man normalerweise mit den Germanen in Verbindung bringt. Der Begriff diente in erster Linie als eine grobe Orientierung und bot keine klaren Grenzen.

Darüber hinaus gibt es auch Diskussionen darüber, wie dieser Begriff verwendet wurde, um Urteile über den Charakter und die Lebensweise der Menschen zu fällen. Der renommierte Historiker Walter Pohl ist der Meinung, dass der Begriff "Germanen" eine Pauschalbezeichnung war, die sowohl politische als auch kulturelle Gemeinsamkeiten unter den Völkern umfasste, die von den Römern als "Germanen" bezeichnet wurden. Der Begriff war auch mit Stereotypen verbunden, die von den Römern übernommen wurden und Vorstellungen über den Charakter und die Lebensweise dieser Völker widerspiegelten.4

In Anbetracht der begrenzten schriftlichen Quellen und der Abhängigkeit von archäologischen Funden ist es schwierig, präzise Aussagen über die Lebensweise der Germanen zu treffen. Die wenigen erhaltenen schriftlichen Quellen stammen meist von römischen Autoren und spiegeln somit eine Fremdsicht auf die Germanen wider. Die Erkenntnisse über die Germanen sind daher begrenzt und müssen mit Vorsicht betrachtet werden.

Seit der Zeit Cäsars war der Begriff "Germanen" im Umlauf, jedoch wurde er im Laufe der Zeit zu einem allgemeinen Sammelbegriff für eine Vielzahl von Stämmen, anstatt ein spezifischer Name für eine einheitliche ethnische Gruppe zu sein. Obwohl es schwierig ist, den Germanenbegriff präzise zu definieren, ist es dennoch lohnenswert, das Leben der Germanen im Kontext der Expansionsbestrebungen des Römischen Reiches zu betrachten. Schon im 2. Jahrhundert kam es zu kulturellen Kontakten zwischen dem Römischen Reich und verschiedenen germanischen Gruppen, was sich im Laufe der Zeit zu militärischen Konflikten ausweitete.5

Im Laufe des 1. Jahrhunderts n. Chr. intensivierten sich die Konflikte zwischen Römern und Germanen, als das Römische Reich weiter expandierte. Um sich vor feindlichen Angriffen zu schützen, errichteten die Römer eine Grenze, den sogenannten Limes, der von der Mündung der Mosel bis zur Donau bei Regensburg reichte. Diese Grenze diente jedoch nicht nur der Abwehr von Angriffen, sondern fungierte auch als Kommunikationszone zwischen den verschiedenen Völkern.

Es ist wichtig zu beachten, dass der Germanenbegriff nicht nur aufgrund der Tatsache, dass er ein Sammelbegriff ist, sondern auch aufgrund der Fremdsicht der Römer auf die Germanen eine gewisse Unschärfe aufweist. Dies wird deutlich anhand der Tatsache, dass auch einige Bewohner des Nordostens Galliens von den Römern als Germanen bezeichnet wurden. Nichtsdestotrotz hat sich der Begriff im Laufe der Zeit etabliert und bietet eine ungefähre Orientierung für die unterschiedlichen Stämme und Kulturen, die unter diesem Begriff zusammengefasst werden.6

Es gibt nicht nur archäologische Funde, sondern auch schriftliche Überlieferungen, Tacitus die uns Einblicke in das Leben der Germanen geben. Vor allem die "Germania" von „Germa Publius Cornelius Tacitus, einem römischen Senator und Historiker, ist von Interesse. Die Schülerinnen und Schüler erhalten in der Unterrichtsstunde Auszüge aus dem ersten Teil der "Germania", in dem Tacitus allgemein die Lebensweise der Germanen beschreibt. Im späteren Verlauf geht er dann auch auf die Gebräuche verschiedener germanischer Stämme wie der Chatten, Friesen oder Dulgubiner ein. Um zunächst einen Überblick zu erhalten, wird sich in der Unterrichtsstunde auf die verallgemeinernden Aussagen beschränkt.7

Tacitus beschreibt die Germanen als Menschen mit wild blickenden blauen Augen, rotem Haar und großen Körpern, die jedoch nur zum Angriff taugen. Sie sind zwar durch das Leben in ihrem kalten Land abgehärtet, können aber Hitze und Durst nicht gut aushalten. Die Germanen wählen Könige aus dem Kreis ihrer Adeligen und auch Heerführer aufgrund ihrer Tapferkeit. Wichtige Entscheidungen werden nicht von einem Einzelnen, sondern von allen getroffen.8 Tacitus beschreibt auch das Rechtssystem der Germanen in Grundzügen. Frauen, Schwache und Alte kümmern sich um Haus und Hof, und Städte sind den Germanen unbekannt. Die Häuser sind aus Holz errichtet, und auf ein gepflegtes Äußeres der Wohnstätten wird kein Wert gelegt. Positiv hervorzuheben ist die germanische Auffassung der Ehe, da es nur Einehen gibt und die Germanen ihre Kinder selbst aufziehen. Dennoch wachsen auch die Kinder "nackt und schmutzig zu der von uns [den Römern] bestaunten Größe heran". Tacitus beschreibt auch die religiösen Bräuche der Germanen, vor allem den Kriegs- und Totengott Wotan, den Donnergott Donar, die Göttin Freya und die Bedeutung religiöser Praktiken und Kultplätze.9

Diese Quellen sind von unschätzbarem Wert, um einen Einblick in das Leben und die Kultur der Germanen zu erhalten. Sie zeigen uns, wie die Germanen lebten, welche Werte und Bräuche sie hatten und wie sie ihr Leben organisierten. Die Beschreibungen von Tacitus und anderen römischen Schriftstellern helfen uns, die Geschichte dieser faszinierenden Kultur besser zu verstehen. Es ist erstaunlich zu sehen, wie sich diese Menschen in einer so kalten und rauesten Umgebung zurechtgefunden haben und eine einzigartige Kultur und Gesellschaft aufbauen konnten.10

Obwohl die Schrift "Germania" von Tacitus für Historiker von Bedeutung ist, bleibt der Aussagewert der Quelle umstritten. Tacitus, der niemals in Germanien war, gibt in seiner Schrift lediglich Caesar als seine Quelle an, ohne dabei weitere Quellen zu nennen, auf die er sich stützt. Trotzdem ist die "Germania" eine geeignete Quelle, um sich einen ersten Überblick über die Thematik zu verschaffen. Die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Quelle wird im Geschichtsunterricht aufgegriffen und in der Folgestunde intensiver behandelt. Es ist von besonderer Bedeutung, eine solche Quelle im Unterricht zu thematisieren, da es deutlich macht, dass die

Konstruktion von Geschichte ein wesentlicher Aspekt ist. Es verdeutlicht auch, wie wichtig es ist, kritisch mit Quellen umzugehen und sie auf ihre Glaubwürdigkeit hin zu überprüfen, z.B. durch die Analyse des Verfassers und anderer Kontextinformationen. Nur so kann man sicherstellen, dass man vertrauenswürdige und zuverlässige Informationen erhält.11

Im Vergleich zu den Römern lässt sich feststellen, dass die Germanen, laut der Beschreibung des Tacitus, anders zivilisiert sind. Es gibt keine größeren Städte mit einer strukturierten Wasserversorgung, keine Bäder und Thermen und v.a. keine der Römer so übergreifenden zentralen Herrschaftsstrukturen wie im Römischen Reich. Die Angabe, dass wichtige Dinge gemeinsam beschlossen werden, weist jedoch auf eine gewisse politische Mitbestimmung hin. Inwiefern die Lebensweise der Germanen demnach als rückständig im Vergleich zu der Lebensweise der Römer beurteilt werden, lässt sich, je nach Argumentation, demnach unterschiedlich beurteilen. Da es hier um den Vergleich einzelner historischer Gesellschaften geht, bietet sich der Ansatz eines solchen vergleichenden Verfahrens an. Es findet hier ein synchroner Vergleich statt, der zu einer punktuellen Einsicht über das Leben der Germanen führt.12

Dieses Unterrichtsvorhaben legitimiert sich zum einen durch die Förderung der bereits genannten Kompetenzen (s.o.) und zum anderen durch die inhaltlichen Vorgaben, die im Kernlehrplan des Faches beschrieben werden. Hier reiht sich die Unterrichtsstunde durch den kurzen Vergleich zur Lebensweise der Römer in das Inhaltsfeld 2, „Herrschaft, Gesellschaft und Alltag im Imperium Romanum“ und in das Inhaltsfeld 4, „Die Grundlagen: Romanisierung, Christentum, Germanen“ ein. Somit bietet es einen passenden Übergang zum kommenden Thema (Christentum und mittelalterliche Ständegesellschaft). Außerdem legitimiert sich das Unterrichtsvorhaben durch das schulinterne Curriculum des Faches Geschichte für die Sekundarstufe I. Hier fügt es sich in die dritte und vierte Unterrichtssequenz, „Was Menschen im Altertum voneinander wussten“ und „Europa im Mittelalter: Grundlagen: Romanisierung, Christentum, Germanen, Lebenswelt in der Ständegesellschaft: Formen politischer Teilhabe in Frankreich, England und im römisch- deutschen Reich“ ein.13

Nachdem die Schülerinnen und Schüler bereits seit einigen Wochen im Relevanz für Geschichtsunterricht intensiv das Römische Reich und seine Expansion untersucht die SuS haben, ist es nun von Bedeutung, dieses Wissen in einen breiteren Kontext zu setzen. Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass die Römer nicht die ganze damals bekannte Welt beherrschten oder beeinflussten und dass es auch andere Lebensweisen gab, die es zu untersuchen gilt. Durch die Auseinandersetzung mit der Lebensweise der Germanen können die Schülerinnen und Schüler einen Vergleich zweier unterschiedlicher Gesellschaften ziehen und somit zu einem fundierten Urteil über diese gelangen. Kulturkontakte waren nicht nur ein Phänomen der heutigen Zeit, sondern auch in der Antike ein wichtiges Thema. Daher ist es sinnvoll, die Lebensweisen anderer Menschen zu verstehen und so das Verständnis für die Pluralität der Gesellschaften zu fördern.

Aus quellenkritischer Sicht ist die Beschäftigung mit der Tacitus-Quelle ebenfalls lohnenswert. Durch die Reflexion des Aussagewertes und der Perspektivität des Tacitus können die Schülerinnen und Schüler an eine quellenkritische Bewertung herangeführt werden. Dies ermöglicht es ihnen, sich der Thematik der Interessen- und Standortgebundenheit anzunähern. Obwohl der Begriff "der Germane" eine Konstruktion ist und keine einheitliche Bevölkerungsgruppe umfasst, kann er im Sinne der didaktischen Reduktion auf die Menschen, die damals auch in rheinischen Gebieten siedelten, angewendet werden. Auch die englische Bezeichnung der Deutschen als "Germans" leitet sich aus dieser Vorstellung ab. Der regionale Bezug erhöht die Relevanz für die Schülerinnen und Schüler, da sie sich besser mit den historischen Entwicklungen in ihrer Region identifizieren können. Durch diese vielfältigen Zugänge und Perspektiven können die Schülerinnen und Schüler ein umfassendes Verständnis für die Lebensweise der Germanen erlangen und zugleich wichtige Fähigkeiten im Umgang mit Quellen und im Fremdverstehen erwerben.

Zu Beginn des Unterrichtsvorhabens sollen die Schülerinnen und Schüler durch eine Einführung in das Thema auf die Unterrichtsstunde eingestimmt werden. Dabei wird durch die Vorstellung zweier gegensätzlicher Aussagen über die Germanen eine Problemfrage generiert. Diese Fragestellung lautet: Inwiefern waren die Germanen rückständig oder fortschrittlich? Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, wie man mithilfe von Quellen diese Frage untersucht. Dabei wird auch die Frage aufgeworfen, warum wir uns mit einer römischen statt einer germanischen Quelle beschäftigen. Diese Frage lässt sich damit beantworten, dass es aufgrund der fehlenden Schriftkultur keine germanischen Schriftquellen gibt, auf die wir zurückgreifen können.

Sollte sich die Frage nicht ergeben, wird diese Problematik erst in der Folgestunde im Rahmen der Besprechung der Hausaufgabe durch die Fachlehrerin thematisiert, da in dieser Stunde der Fokus auf der Erarbeitung grundlegender Informationen zur Lebensweise der Germanen und nicht auf der Annäherung an eine Quellenkritik liegt.

Nachdem der Einstieg in das Unterrichtsvorhaben abgeschlossen ist, werden nun die Arbeitsaufträge besprochen. Da die Schülerinnen und Schüler bisher noch nicht mit der Placemat-Methode gearbeitet haben, muss diese zunächst kurz erläutert werden. Die Placemat-Methode bietet sich jedoch in dieser Unterrichtsstunde besonders an, da durch eine strukturierte Zusammenarbeit sowohl die individuellen Ergebnisse als auch das Gruppenergebnis festgehalten werden können. Diese Phase dient somit auch der Schaffung von Transparenz und einer klaren Arbeitsstruktur. Die Schülerinnen und Schüler sind bereits mit arbeitsteiligem Vorgehen vertraut. Um Zeit zu sparen und sicherzustellen, dass alle Mitglieder der Gruppe aktiv an der Erstellung des Gruppenprodukts beteiligt sind, wird in diesem Fall jedoch nicht jeder einzelne Schüler eine eigene Placemat ausfüllen.14 Stattdessen werden die Teilaufgaben aufgeteilt und von verschiedenen Gruppenmitgliedern bearbeitet, bevor die Gruppenergebnisse zu einem Gesamtprodukt zusammengesetzt werden. Dies soll verhindern, dass Schülerinnen und Schüler lediglich die Ergebnisse ihrer Gruppenmitglieder abschreiben, ohne dass eine aktive Beteiligung stattfindet.

[...]


1 Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.), Kernlehrplan für die Sekundarstufe I (G8) Gymnasium / Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen. Geschichte, 1. Aufl. 2007, URL: http://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/upload/lehrplaene_download/gymnasium_g8/gym8_geschic hte.pdf. S. 24ff.

2 Vgl. Walter Pohl, Die Germanen, in: Lothar Gall (Hrsg.), Enzyklopädie Deutscher Geschichte, Band 57, Oldenburg Verlag, 2. Aufl. München 2004, S. 84 ff.

3 Ebd., S. 2 ff.

4 Ebd., S. 4f.

5 Vgl. Herfried Münkeler, Die Deutschen und ihre Mythen, Rowolth Berlin 2009, S. 150.

6 Näheres zu den kriegerischen Kulturkontakten in: Gabriele Uelsberg (Hrsg.), Ausstellung Krieg und Frieden. Kelten - Römer - Germanen, Rheinisches Landesmuseum Bonn, Primus Darmstadt 2007.

7 Gaius Iulius Caesar, Bellum Gallicum: lateinisch - deutsch, Georg Dorminger (Hrsg.), 4. Aufl., Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1977.

8 Publius Cornelius Tacitus, Germania. Über Ursprung und Sitten der Germanen, Zusammenstellung, Überarbeitung und Übersetzung: Theresa Stivala, ofd edition Nordstedt 2015.

9 Publius Cornelius Tacitus, Germania, zit. nach Wolfgang Lautemann / Manfred Schlenke (Hrsg.), Geschichte in Quellen. Altertum: Alter Orient, Hellas, Rom, Bd. 1, bearb. v. Walter Arend, 4. Aufl. Bayer. Schulbuchverlag München 1989, bearb. durch Michael Sauer, S. 877-883.

10 Vgl. Tacitus übers. v. Stivala, Position 117.

11 Vgl. Pohl, S. 62.

12 Vgl. Michael Sauer, Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, 11. aktualisierte Auflage, Klett und Kallmeyer, Seelze 2013, S. 63.

13 KLP, S. 27 und Schulinternes Curriculum, S. 3.

14 vgl. Kersten Reich (Hrsg.), Methodenpool, in: URL: http://methodenpool.uni-koeln.de

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Die Germanen als primitive Barbaren? Multiperspektivische Erarbeitung der Lebensweise der Germanen mithilfe der Placemat-Methode (Unterrichtsentwurf für das Fach Geschichte, 5. bis 7. Klasse)
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Jahr
2023
Seiten
36
Katalognummer
V1336876
ISBN (eBook)
9783346844224
ISBN (Buch)
9783346844231
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsentwurf, Tacitus, multiperspektivität, entwurf, upp, ub, germanen, römer, cäsar, gladiator, limes, perspektive, beurteilung, kompetenz, urteilskompetenz, sachkompetenz, methodenkompetenz, lebensweise, quelle, quellekritik, antike, rom, unterricht, examen
Arbeit zitieren
Anonym, 2023, Die Germanen als primitive Barbaren? Multiperspektivische Erarbeitung der Lebensweise der Germanen mithilfe der Placemat-Methode (Unterrichtsentwurf für das Fach Geschichte, 5. bis 7. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1336876

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