Entstehung und Entwicklung der Krimireihe "Tatort" unter besonderer Berücksichtigung des "Tatorts" Münster


Hausarbeit, 2008
26 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Serie
2.1 Definitionen der fiktiven Serie
2.2 Formale Eigenschaften einer Serie
2.3 Serientypen
2.3.1 Episodenserie (series)
2.3.2 Fortsetzungsserie (serials)
2.3.3 Reihe
2.4 Geschichte des seriellen Erzählens
2.5 Was macht die Faszination Serie aus?

3 Der Fernsehkrimi
3.1 Die Entwicklung der deutschen Fernsehkrimiserie

4 Tatort
4.1 Kriterien des Genres „Tatort“
4.2 Entwicklungen des Tatorts
4.3 Charaktere der Tatort-Folgen

5 Tatort Münster
5.1 Charaktere Tatort Münster
5.1.1 Hauptkommissar Frank Thiel
5.1.2 Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne
5.1.3 weitere Charaktere
5.2 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
5.2.1 Münster vs. Hannover
5.2.2 Münster vs. Frankfurt

6 Warum ist der Tatort so erfolgreich?

7 Resümee

8 Literaturverzeichnis

9 Internetquellen

1 Einleitung

Vor fast 40 Jahren beginnt die Erfolgsgeschichte der Fernseh-Krimireihe Tatort. Der Tatort bringt der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt ARD bis heute beständige Spitzenquoten ein. Die Idee und die Umsetzung entsprangen zunächst aus einer Notlösung heraus. Die ARD wollte dem bislang konkurrenzlosen Der Kommissar des ZDF mit einem neuen und innovativen Konzept entgegentreten.[1] Die föderale Struktur der ARD erweist sich zuletzt als Schlüssel zum Erfolg. Durch die Beteiligung aller regionalen Landesrundfunkanstalten konnten die gewaltigen Produktions- und Redaktionskosten auf die einzelnen Sendeanstalten verteilt werden. Unter dem Titel Tatort entsteht so Anfang der 1970er Jahre eine vielseitige Krimireihe, in die die jeweiligen Sendeanstalten ihre regionalen Eigenheiten einbringen sollen.[2] Der Tatort sollte eine primär „deutsche“ Serie sein und sich nicht an den amerikanischen Fernsehkrimis orientieren. Der Tatort ist mittlerweile für viele Zuschauer, auch Generationen übergreifend, zu einem allwöchentlichen Ritual geworden. Dabei gilt schon lange: „Wer im Fernsehen etwas über den Zustand unseres Landes erzählen will, dreht einen Tatort.“[3]

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung der Krimireihe Tatort unter besonderer Berücksichtigung des Tatort s Münster. Ganz allgemein werde ich zuerst den Serienbegriff definieren, auf formale Eigenschaften eingehen, die verschiedenen Serientypen darlegen, die Geschichte des seriellen Erzählen vorstellen und auf die Faszination der Serie eingehen. Im dritten Kapitel wird der Fernsehkrimi erörtert und die Entwicklung des deutschen Fernsehkrimis aufgezeigt. Ich konzentriere mich nur auf den deutschen Fernsehkrimi und lass den amerikanischen Fernsehkrimi außen vor. Im darauf folgenden Kapitel beschäftige ich mich dann mit der Krimireihe Tatort. Ich skizziere die Entstehung, das Konzept und die Besonderheiten. Daraufhin stelle ich die Kriterien des Genres „Tatort“ nach Gunther Witte vor um dann die Entwicklung des Tatort s von seinen Anfängen 1970 bis heute aufzuzeigen. Zum Schluss dieses Kapitels gehe ich noch auf die allgemeinen Charaktereigenschaften der Tatort -Figuren ein. Im fünften Kapitel widme ich mich speziell dem Tatort Münster und seinen Eigenschaften und Besonderheiten. Die Charaktere des Tatort s Münster werden kurz umrissen um dann abschließend Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Tatort Münster und anderen Tatort en darzulegen. Im sechsten Kapitel gehe ich auf die Essentials der Erfolgsgeschichte Tatort ein. Abschließend ziehe ich ein Resümee.

2 Die Serie

2.1 Definitionen der fiktiven Serie

Der Begriff „Serie“ kommt aus dem lateinischen (serere) und bedeutet reihen, fügen.

Eine Fernsehserie ist eine Folge von inhaltlich zusammengehörigen fiktionalen Fernsehsendungen[4], die in regelmäßigen Abständen ausgestrahlt werden.[5] Sie weisen eine fortgesetzte Handlung auf, mit gleichbleibendem Stammpersonal und einheitlichem Handlungsort. Als Fernsehserie in weiterem Sinne kann bereits eine Aufteilung eines erzählerischen Stoffes in zwei oder drei nacheinander gesendeten Teilen verstanden werden (im amerikanischen: „miniseries“).

2.2 Formale Eigenschaften einer Serie

Die formalen Eigenschaften einer Serie sind in den zeitbasierten Medien[6] in der Regel die „Einhaltung eines genau fixierten zeitlichen Umfangs (25- bzw. 30 Minuten-Dauer, 45- bzw. 60 Minuten-Dauer, usf.), einen auf Wiedererkennbarkeit angelegten immer gleichen Vor- und Abspann sowie weitere medial gleichbleibende Formeigenschaften.“[7] Charakteristisch für die meisten Serien ist eine doppelte Formstruktur, nämlich einerseits eine „zeitlich und inhaltlich begrenzte Einheit zu bieten“, und „andererseits sich auf einen größeren, häufig auch vom Zuschauer gekannten Gesamtzusammenhang zu beziehen.“[8] Somit wird das Kontinuum einer Serie durch eine periodische Abfolge hergestellt, d.h. die einzelnen Folgen „stellen von ihrer Dramaturgie und Produktionsstruktur her erkennbare, abgegrenzte Einheiten dar, die in unterschiedlicher Weise Anknüpfungen an vorangegangene Folgen herstellen und Anknüpfungspunkte für die nachfolgenden bieten“.[9] Demnach bilden Serien eine Kette von Einzelfolgen, wobei die einzelne Folge aber im Vordergrund steht. Der zeitlich fixierte Umfang einer Serienfolge macht die Folge leichter konsumierbar. Hierdurch wird die Integrationsfähigkeit in den Zuschaueralltag gesteigert. Die Serienfolgen werden in einen Programmzusammenhang eingebunden, somit wird das Kontinuum der Serie verstärkt. Sie wird als Teil des Programms gesehen. Sie stellt sich den Rezipienten „als ein in sich abgeschlossener Kosmos innerhalb des Fernsehprogramms dar, in den die Zuschauer auf einfache Weise, nämlich durch regelmäßiges Zuschauen, sich einfinden können und der erst durch das Zuschauen entsteht.“[10] Folglich bildet das Seriengeschehen innerhalb des Programmkontinuums eine Welt für sich.

2.3 Serientypen

In der Fernsehgeschichte kristallisierten sich verschiedene Serientypen heraus, die im Weiteren nun kurz vorgestellt werden.

2.3.1 Episodenserie (series)

Dieser Serientyp hat eine abgeschlossene Folgehandlung und ein gleich bleibendes Personeninventar. Es kommen nur einzelne Personen jeweils für die einzelne Folge hinzu. Charakteristisch für diese Serienform ist, dass zu Beginn in der Regel ein harmonischer Zustand herrscht, der durch ein Ereignis gestört wird. Das Stammpersonal beseitigt daraufhin diese Störung und am Ende ist der Ausgangszustand wieder hergestellt. Die „Figuren bleiben stereotyp dieselben“[11], d.h. die Figuren verändern sich von Folge zu Folge nicht und somit sind die einzelnen Folgen untereinander austauschbar (z.B. Bonanza). Die Reihenfolge kann folglich beliebig festgelegt werden. Diese Form der Serie kommt meist in Fernsehkrimis vor.

2.3.2 Fortsetzungsserie (serials)

Bei diesem Serientyp bauen die einzelnen Folgen auf die vorangegangene Folgen auf. Die Handlung wird von Folge zu Folge weiter erzählt. Einzelne Figuren machen in dieser Serienform mehr oder minder individuelle Lernprozesse durch.[12] Der Zuschauer bekommt hier das Gefühl, keine einzige Folge verpassen zu dürfen, um nicht den Erzählfaden zu verlieren. Es gibt verschiedene Varianten der Fortsetzungsgeschichten. Da gibt es zum einem den Mehrteiler. Dieser steht im Übergang vom Einzelfilm zur Serie und hat mindestens zwei Folgen. Der Mehrteiler hat einen übergreifenden epischen Handlungsbogen an mehreren nah aufeinander folgenden Tagen (z.B. Das Boot). Ein Mehrteiler ist sozusagen ein Einzelfilm, der aber so lang ist, dass er deshalb auf mehrere Teile aufgeteilt wird. Eine weitere Variante ist die Endlosserie, die für Fortsetzungen unbegrenzt offen ist. Die Produktion läuft in Staffeln (z.B. Dallas). Ein Spezialfall einer Endlosserie ist die Soap. Hier gibt es dialogbetonte Alltagshandlungen unter meist jungen Menschen (z.B. GZSZ). Eine weitere Variante ist die Telenovela. Dies ist eine langlaufende Fortsetzungsserie, deren Ende irgendwann in der Zukunft geplant ist (z.B. Verliebt in Berlin).

2.3.3 Reihe

Eine Reihe ist ein loser Zusammenschluss von einzelnen Filmen (auch Serien) in Spielfilmlänge. Sie werden durch ein gemeinsames Thema und/oder Konzept zusammengehalten. Charakteristisch ist ein regelmäßiger Senderhythmus. Im Gegensatz zur Serie gibt es wechselnde Figuren und Handlungsorte. Fiktionalität ist hier kein Kriterium zur Beschreibung oder Eingrenzung der Reihe.[13] Es gibt fiktionale Reihen (z.B. Tatort) und nicht-fiktionale (z.B. Nachrichtensendungen, Dokumentationsreihen, etc.). Die einzelnen Sendungen/Produktionen treten meist thematisch und Strukturell als `lose Kopplung` mit ihrem je eigenen Titel in den Vordergrund. Verdeutlicht wird die Zugehörigkeit zur Reihe per Ansage oder durch einen visuellen Hinweis (z.B. Reihen-Logo oder gleicher Vor- und Abspann beim Tatort). Möglich sind auch Mischformen zur Serie. Zum Beispiel die reihenhafte Verschränkung von Episodenserien, die in der Tatort-Reihe zusammengefasst werden.

2.4 Geschichte des seriellen Erzählens

Serielle Erzählungen gibt es nicht erst seitdem es Fernsehen gibt. Bereits in den antiken Erzählungen (Epen) des Ilias und die Odyssee Homers sind Vorläufer der massenmedialen Serie[14]. Diese Erzählungen entstammten der mündlichen Überlieferung und wurden rhapsodisch, d.h. bruchstückhaft, vorgetragen. Die Märchensammlung 1001 Nacht ist auch als Serie zu verstehen, denn sie „bildet einen Zusammenhang, in dem die Fiktion einer Fortsetzungsgeschichte als Rahmen aufgebaut wird“[15]. Scheherazade muss dem Kalifen jede Nacht eine Geschichte erzählen. Sie baut cliffhanger ein und hört immer im spannendsten Moment auf zu erzählen, mit dem Hinweis, dass das Beste der Geschichte erst noch kommt. Somit rettet sie jede Nacht ihr Leben, da der Kalif sie jedesmal bittet, die Geschichte weiter zu erzählen.

Im 19. Jahrhundert entstand die Form des Zeitungsromans. Zum einem sind es bereits fertig geschriebene Romane, die für die Zeitung in einzelne Folgen portioniert werden, und zum anderen unfertige Romane, die für die Zeitung geschrieben und abgedruckt wurden noch bevor das Werk fertig war.[16] Die Geheimnisse von Paris, von Eugene Sue, sind für unfertige Romane in der damaligen Zeit am bekanntesten. Dieser Roman erschien von 1942-43 im Pariser Journal des Debats und verhalf dem Blatt zu einer enormen Auflagensteigerung. In Deutschland etablierte sich dieses Phänomen des Zeitungsromans erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Später, in den 1950er Jahren, etablierte sich in Deutschland der Illustriertenroman (Hör Zu).

2.5 Was macht die Faszination Serie aus?

Charakteristisch für die Fernsehserie ist der große Realitätseindruck. Die filmischen Erzählungen vermitteln dem Rezipienten häufig den Eindruck, „er habe es hier nicht mit dem Werk eines Autors, sondern mit dem Leben selbst zu tun, und dies in zugespitzter, geballter Form“.[17] Der Bildschirm der Serien erscheint als „ein durchsichtiges Fenster für die in der Handlung stattfindenden Ereignisse“[18] Es entsteht ein Gefühl der Einbeziehung beim Rezipienten. Dieses Gefühl wird verstärkt durch die in starkem Maße emotionalisierte Darstellung, die sich zu einer Kette von Emotionshöhepunkten verdichtet. Die cliffhanger[19] am Ende jeder Folge tragen zur emotionalen Verdichtung bei. Dieses Konzept dient der Zuschauerbindung an die Serie, aber auch an das Programm und somit an das Medium.

Der „Realitätsschein steht in einem Spannungsverhältnis dazu, daß die einzelnen Serien letztlich eine eigene Welt […] erzeugen, die sich durch zentrale, letztlich mythische Konstruktionen definiert und diese in immer neuen Variationen durchspielt“[20]. Diese mythische Basis ist der Grund, weshalb sich so viele Zuschauer immer wieder die gleichen oder doch ähnliche Geschichten anschauen. „Sie geben auf eine strukturelle Weise durch das Zeigen von immer gleichen Beziehungen und ihren Konflikten eine Gewißheit von der Welt, in der wir leben, und versichern, daß das Leben sinnvoll ist.“[21]

Die Serie ist auch ein kulturelles Forum. Durch die Serie erhält der Zuschauer Einblicke in andere Lebenszusammenhänge und sieht, wie andere Menschen Sachverhalte oder auch Konflikte bewerten, damit umgehen und lösen. Die Fernsehserie verhilft dem Zuschauer „vor allem Einblicke in Grenzbereiche, die sonst der alltäglichen Erfahrung nicht zugänglich sind.“[22]

3 Der Fernsehkrimi

Krimis gehören zweifelsohne zu den populärsten Genres. „Der Fernsehkrimi ist eine im Fernsehen gesendete Spielhandlung, die auf die Darstellung von Verbrechen bzw. Kriminalität und deren Aufklärung abzielt.“[23] Auf diese Weise sind der mediale Aspekt des Fernsehkrimis, seine Fiktionalität und seine thematische Bindung aufgeführt. Der Begriff Fernsehkrimi beinhaltet einzelne Kriminalfilme (meist von 90 Minuten Länge) und Kriminalspiele wie auch Mehrteiler. Darüber hinaus gibt es noch Kriminalfilm-Reihen und Krimiserien.[24] Die Krimiserie ist die am häufigsten vorkommende Form.

[...]


[1] Brück 2003, S. 160

[2] Wiebel, S. 249

[3] http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2005/06/02/a0196 (Zugriff am 14.08.2008)

[4] Abzugrenzen sind die nicht-fiktionalen Sendungen (Nachrichtensendungen, Magazinsendungen, etc.)

[5] http://lexikon.meyers.de/meyers/Fernsehserie (Zugriff am 11.08.2008)

[6] Kino, Radio, Fernsehen, etc.

[7] Hickethier 2003 S. 398

[8] Hickethier 1991, S. 10

[9] Ebd. S. 9

[10] Hickethier 1991, S. 10

[11] Ebd. S. 400

[12] Ebd. S. 401

[13] Rademacher S. 375

[14] Hickethier 2003 S. 397

[15] Hickethier 2003 S. 397

[16] Hickethier 2003 S. 398

[17] Hickethier 2003 S. 402

[18] Ien Ang 1985, S. 50 in Hickethier 1991, S. 31

[19] (englisch): ein effektvoller, voller Spannung hervorrufender Schluss einer Folge einer Hörfunk-, Film- oder Fernsehserie, die Neugier auf die Fortsetzung wecken soll (Meyers Lexikon)

[20] Hickethier 2003, S. 402

[21] Ebd. S. 402

[22] Ebd. S. 402

[23] Brück 1996, S. 9

[24] Strobel 1999, S. 475

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Entstehung und Entwicklung der Krimireihe "Tatort" unter besonderer Berücksichtigung des "Tatorts" Münster
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Veranstaltung
"Fortsetzung folgt" - Serienanalyse
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
26
Katalognummer
V133734
ISBN (eBook)
9783640403196
ISBN (Buch)
9783640858460
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tatort, die Serie, Serientypen, Geschichte des seriellen Erzählens, Fernsehkrimi, Tatort Münster, Krimi
Arbeit zitieren
Diplom-Sozialwirt Sebastian Krell (Autor), 2008, Entstehung und Entwicklung der Krimireihe "Tatort" unter besonderer Berücksichtigung des "Tatorts" Münster, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133734

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