Ziel dieser Arbeit ist es, ein differenziertes Bild der Forschung, um die Beziehung zwischen Geldpolitik und Ungleichheit sowie die Rolle des Arbeitsmarktes in Japan anhand der bestehenden wissenschaftlichen Literatur, darzustellen. Beginnend mit einem Überblick über die wichtigsten begrifflichen Definitionen wird im Anschluss die japanische Geldpolitik der letzten Jahrzehnte sowie die sich über die Jahre ständig erweiterten Instrumentarien der Bank of Japan beschrieben. Im Anschluss erfolgt die Darstellung des japanischen Arbeitsmarktes mit Schwerpunkt auf der Erwerbsbevölkerung, gefolgt von den Auswirkungen der sogenannten "Abenomics" auf den Arbeitsmarkt. Für die Analyse von den im Rahmen der "Abenomics" verursachten Reformen werden die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt durch die kritische Betrachtung verschiedener wissenschaftlicher Studien untersucht. Anschließend werden die für Japan geldpolitisch relevanten Transmissionskanäle beschrieben, welche durch ihre Wirkungsweise einen Einfluss auf die ökonomische Ungleichheit ausüben. Eine besondere Aufmerksamkeit wird auf die mit dem Arbeitseinkommen verknüpften Kanälen gelegt. Im Zuge dessen gilt es auch, die empirische Evidenz dieser Kanäle mithilfe der Auswertung von empirischen Studien zur Geldpolitik und Ungleichheit zu belegen. Auf Basis dieser Vorarbeiten wird die Frage beantwortet, inwiefern die Geldpolitik Einfluss auf die Einkommensungleichheit in Japan übt.
Die Einkommensungleichheit in den Industrie- und den meisten Schwellenländern ist in den letzten Jahrzehnten signifikant gestiegen. Insbesondere die Wirtschaftskrise 2008/2009 führte dazu, dass Zentralbanken auf der ganzen Welt ihre Leitzinsen auf historische Tiefstände gesenkt und auf eine nie dagewesene unkonventionelle Geldpolitik, wie den Ankaufprogrammen für Vermögensgüter oder negative Leitzinsen zurückgegriffen haben. Dies rückte in jüngster Vergangenheit die Diskussion in den Mittelpunkt, in welchem Zusammenhang Geldpolitik und Ungleichheit stehen. Besonders die Bank of Japan (BoJ) steht wie keine andere Zentralbank für eine expansive Geldpolitik und hat mit der Einführung der unkonventionellen Geldpolitik Anfang der 2000er Jahre eine Vorreiterrolle unter den industrialisierten Nationen eingenommen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffliche Grundlagen
3 Die Geldpolitik und Einkommensungleichheit in Japan: Eine Bestandsaufnahme
3.1 Die Geldpolitik, Instrumente und Ziele der japanischen Zentralbank
3.1.1 Die Bubble Economy
3.1.2 Das verlorene Jahrzehnt
3.1.3 Die unkonventionelle Geldpolitik der BoJ
3.2 Die Entwicklung der Einkommensungleichheit in Japan
4 Der Japanische Arbeitsmarkt
4.1 Die Rolle der Arbeitnehmer und das japanische Beschäftigungssystem
4.2 Die Lohn und Reallohnentwicklung
4.3 Die Rolle der Gewerkschaften
4.4 Demografische Entwicklung
4.5 Geschlechtersegregation am Arbeitsmarkt
4.6 Arbeitslosigkeit in Japan
4.7 Das japanische Rentensystem
4.8 Arbeitsmarktreformen
5 „Abenomics“ – Die drei Pfeile
5.1 Ausgangslage: Das verlorene Jahrzehnt
5.2 Die drei Pfeile der „Abenomics“
5.2.1 1. Pfeil – Die expansive Geldpolitik der BoJ
5.2.2 2. Pfeil – Die expansive Fiskalpolitik
5.2.3 3. Pfeil – Reformen und Deregulierungen
5.3 Auswirkungen von „Abenomics“ auf den Arbeitsmarkt
6 Auswirkungen der Geldpolitik
6.1 Geldpolitische Transmissionskanäle
6.2 Auswirkungen der Geldpolitik im Rahmen von „Abenomics“
7 Diskussion der Ergebnisse
8 Fazit
Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte
Ziel dieser Masterarbeit ist die Untersuchung der komplexen Wechselbeziehung zwischen expansiver Geldpolitik und ökonomischer Ungleichheit in Japan, wobei ein besonderer Fokus auf die intervenierende Rolle des Arbeitsmarktes und dessen strukturelle Besonderheiten gelegt wird.
- Analyse der japanischen Geldpolitik und ihren Auswirkungen auf Einkommens- und Vermögensverteilung.
- Untersuchung der strukturellen Merkmale des japanischen Arbeitsmarktes, insbesondere des "lebenslangen Beschäftigungssystems".
- Bewertung der ökonomischen Transmissionskanäle, über die geldpolitische Maßnahmen die Ungleichheit beeinflussen.
- Kritische Evaluation der "Abenomics"-Politik und ihrer Auswirkungen auf Löhne, Beschäftigungsqualität und soziale Ungleichheit.
Auszug aus dem Buch
Die unkonventionelle Geldpolitik der BoJ
Es war ein leiser Zeitenwechsel, als die BoJ Ende 1999 den Leitzinssatz auf 0,15 Prozent senkte. Da die japanische Wirtschaft jahrelang unter einer Deflation gelitten hat, beschloss die BoJ im Folgenden Jahr den Leitzinssatz auf den Nullpunkt zu senken. Wie die folgende Abbildung 1 zeigt, war die Nullzinspolitik nur ein erster Schritt der japanischen Geldpolitik auf einer Etappe von neuen Maßnahmen, um der drohenden Deflation und Rezession entgegenzutreten.
Wie in Abbildung 1 zu erkennen ist, startete die BoJ im Jahr 2001 mit dem Quantitative Easing, d. h. dem Kauf von Staatsanleihen um die Wirtschaft mit Liquidität zu versorgen und so die Wirtschaftstätigkeit anzukurbeln. 2006 beendete die BoJ diesen Sonderweg, aufgrund einer erfolgreichen Wirtschaftsbelebung und steigenden Verbraucherpreisen. 2010 kam es zu umfassender geldpolitischer Lockerung. Dabei beschränkte sich die BoJ nicht nur auf den Kauf von Staatsanleihen, sondern investierte auch in Unternehmensobligationen und sogar börsengehandelten Aktienfonds, um den Markt mit Liquidität zu versorgen. Nachdem Ende 2012 mit der Übernahme von Premierminister Shinzō Abe die sogenannten „Abenomics“ ausgerufen wurden, startete die BoJ das sogenannte Qualitative and Quantitative Easing (QQE), was die Zinsen im Jahr 2016 sogar ins Negative drückte. Die Eskalation der Geldpolitik kannte aber keine Grenze und die BoJ setzte sich zum Ziel, die zehnjährige Rendite auf null Prozent zu drücken. Die Folge war eine im Vergleich zu den 90er Jahren Versiebenfachung der Bilanzsumme der BoJ auf 560.000 Mrd. Yen. Die nachfolgende Abbildung 2 verdeutlicht die Auswirkungen der unkonventionellen Geldpolitik auf den japanischen Aktienindex Nikkei 225.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der steigenden Einkommensungleichheit in entwickelten Volkswirtschaften ein und skizziert die besondere Rolle Japans als Vorreiter einer expansiven, unkonventionellen Geldpolitik sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 Begriffliche Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert zentrale finanzwissenschaftliche Messgrößen wie den Gini-Koeffizienten sowie geldpolitische Instrumente wie Quantitative Easing (QE) und Quantitative and Qualitative Easing (QQE).
3 Die Geldpolitik und Einkommensungleichheit in Japan: Eine Bestandsaufnahme: Hier wird die geldpolitische Historie Japans seit den 1980er Jahren analysiert und die Korrelation zwischen der geplatzten "Bubble Economy", dem nachfolgenden verlorenen Jahrzehnt und der beobachtbaren Einkommensspreizung dargelegt.
4 Der Japanische Arbeitsmarkt: Das Kapitel widmet sich dem spezifischen Beschäftigungssystem, dem demografischen Wandel sowie den sozioökonomischen Auswirkungen der Geschlechtersegregation auf die Einkommensverteilung.
5 „Abenomics“ – Die drei Pfeile: Untersuchung der drei Kernstrategien der Abenomics – expansive Geldpolitik, fiskalische Stimulation und Strukturreformen – mit Fokus auf ihre intendierten versus tatsächlichen Auswirkungen auf den japanischen Arbeitsmarkt.
6 Auswirkungen der Geldpolitik: Dieses Kapitel systematisiert die theoretischen Transmissionskanäle (z.B. Portfolio-Kanal, Erwerbseinkommenskanal) und evaluiert empirische Studien zur Wirksamkeit der japanischen Geldpolitik.
7 Diskussion der Ergebnisse: Die Befunde werden kritisch diskutiert, wobei insbesondere der Widerspruch zwischen der kurzfristigen Stabilisierung durch "billiges Geld" und der langfristigen Verschärfung von Ungleichheiten durch Asset-Preis-Inflation hervorgehoben wird.
8 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Geldpolitik maßgeblich zur Vermögenskonzentration beigetragen hat, während der Arbeitsmarkt aufgrund seiner strukturellen Rigidität nicht im intendierten Maße von den Konjunkturimpulsen profitieren konnte.
Schlüsselwörter
Geldpolitik, Japan, Einkommensungleichheit, Abenomics, Arbeitsmarkt, Bank of Japan, quantitative Lockerung, fiskalische Expansion, Reallohnentwicklung, Vermögensverteilung, Strukturreformen, Transmissionsmechanismen, Deflation, demografischer Wandel, Gini-Koeffizient.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der unkonventionellen Geldpolitik, die in Japan seit Jahrzehnten praktiziert wird, und der daraus resultierenden Entwicklung der Einkommens- und Vermögensungleichheit, wobei der japanische Arbeitsmarkt als zentrale Schnittstelle betrachtet wird.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die zentralen Felder sind die Historie der japanischen Geldpolitik (von der Bubble Economy bis zu Abenomics), die Struktur des japanischen Beschäftigungssystems sowie die empirische Analyse von geldpolitischen Transmissionskanälen auf die Haushalts-Ungleichheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Hauptziel ist es, ein differenziertes Bild darüber zu zeichnen, inwiefern die expansive Geldpolitik der Bank of Japan zur ökonomischen Ungleichheit beigetragen hat und welche Rolle dabei spezifische Gegebenheiten des japanischen Arbeitsmarktes, wie das Senioritätsprinzip oder der hohe Anteil an irregulärer Beschäftigung, einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse sowie eine kritische Auswertung empirischer volkswirtschaftlicher Studien. Die Arbeit vergleicht dabei verschiedene ökonomische Modelle und Datensätze, um die Wirkung geldpolitischer Schocks auf die Ungleichheit zu bestimmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der japanischen Geldpolitik, eine detaillierte Analyse der Arbeitsmarktstrukturen, die kritische Betrachtung der "Abenomics"-Strategie und eine theoretische Beschreibung der geldpolitischen Transmissionskanäle, gefolgt von einer Auswertung empirischer Forschungsergebnisse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben der Geldpolitik und den japan-spezifischen "Abenomics" sind Begriffe wie "Transmissionskanäle", "Einkommensungleichheit", "irreguläre Beschäftigung" und "Portfolio-Kanal" für das Verständnis der Argumentationslinie essenziell.
Wie wirken sich geldpolitische Maßnahmen laut der Studie auf die Vermögensungleichheit aus?
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass expansive Geldpolitik über den "Portfolio-Kanal" oft dazu führt, dass die Preise für Aktien und Immobilien steigen. Da vermögende Haushalte überproportional an diesen Asset-Märkten partizipieren, steigt die Vermögenskonzentration, was wiederum zur Verschärfung der allgemeinen Ungleichheit beiträgt.
Was ist die spezifische Schlussfolgerung bezüglich des japanischen Arbeitsmarktes?
Die Arbeit zeigt, dass die strukturelle Starrheit und der demografische Wandel in Japan dazu führen, dass geldpolitische Impulse nicht zu den erhofften breiten Lohnsteigerungen führen. Stattdessen förderte die Politik teilweise eine Ausweitung prekärer Arbeitsverhältnisse, was die soziale Schere eher weiter öffnet als schließt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Geldpolitik und Ungleichheit in Japan. Zur Rolle des Arbeitsmarktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1337551