Das Verständnis der Autorschaft hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Mit der Erfindung des Internets - insbesondere mit der kommerziellen und medialen Nutzung desselben - lassen sich Texte en masse digital publizieren. Eine Kommentarfunktion ist die moderne Kritik. Diese hat das Potential der Langlebigkeit. Nie zuvor war die Masse an zugänglichen Texten so groß. Nie zuvor war der Widerhall so zeitnah, persönlich und differenziert. Dadurch verändert sich die Sozialfigur eines Autors.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Autofiktion
2.2 Sozialfigur
3 Fakt und Fiktion in der digitalen Welt
3.1 Avatare und Accounts
3.2 Verifikation und Authentizität
3.3 Quellen- und Medienkompetenz
4 Sozialfiguren
4.1 Narziss
4.2 Fürstenbergs Personalpronomen
4.2.1 Das „Ich“ und die Autobiographie
4.2.2 Das „Wir“
4.3 Der Erzähler/die Erzählerin
5 Netzwelt
5.1 Digitale Autor*innen
5.2 Der öffentliche Raum
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen digitaler Publikationen auf das Verständnis von Autorschaft, Authentizität sowie die Grenze zwischen faktualem Erzählen und Fiktion. Ziel der Untersuchung ist es, anhand von Texten der Autorin Paula Fürstenberg zu analysieren, wie soziologische und figurale Aspekte im Internet die Rolle des Schreibenden sowie die Unterscheidung von Wahrheit und Fake beeinflussen.
- Die Konstituierung von Autofiktion im digitalen Raum.
- Die Rolle von Sozialfiguren wie dem „Narziss“ bei der Online-Selbstinszenierung.
- Macht und Wirkung von Personalpronomen („Ich“ vs. „Wir“) in digitalen autobiographischen Texten.
- Die Problematik der Authentizitätsprüfung und Medienkompetenz in sozialen Netzwerken.
- Die Veränderung des öffentlichen Raums durch digitale Feedbackschleifen.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Das „Ich“ und die Autobiographie
Die bereits häufig angesprochene Authentizität und der Wirklichkeitsbezug waren Eckpunkte, die den faktualen Anteil einer Autobiographie ausmachen. Beinhaltet ein autobiographischer Text fiktionale Elemente, wird dies als Autofiktion bezeichnet. Sind beide Begriffe nun verschiedene, sich nie überschneidende Pole? Ist es gar möglich, eine Autobiographie ohne fiktionale Anteile zu verfassen? MARTINA WAGNER-EGELHAAF schreibt dazu: „Natürlich kann man [...] sagen, dass jede Autobiographie ‚eigentlich‘ Autofiktion sei, aber dies wäre kein ‚starker‘ Autofiktionsbegriff.“34. Auch PAULA FÜRSTENBERG stellt sich genau diese Frage. Sie kommt jedoch zu einem anderen Schluss:
„Was aber bedeutet der Begriff der ‚Autobiografie‘, wenn ich mich nicht mal hier tatsächlichen Vorgängen verpflichtet fühle? Er bedeutet, dass ich eine Fiktion von mir selbst entwerfe, nicht von jemand anderem, nicht von einer fiktiven Figur, hier fallen Autofiktion und Autorfiktion zusammen.“ [PF20, 62].
Nicht bloß des Narziss selbstverliebte Eigeninszenierung oder das Wunschbild des eigenen Ichs wirken hier, sondern die Interpretation des Spiegelbilds in der Quelle. Wie eine Person sich selbst sieht und beschreibt, ist die Fiktion, die von ihr selbst entworfen wird. Nach dieser Prämisse wäre Autobiographie und Autofiktion gar untrennbar. Die Selbstbetrachtung kann von der Natur des Begriffs aus nicht objektiv sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Autorschaft durch das Internet und führt in die Fragestellung ein, wie faktuales und fiktionales Erzählen in digitalen Texten interagieren.
2 Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe „Autofiktion“ und „Sozialfigur“ als theoretisches Fundament für die weitere Analyse.
3 Fakt und Fiktion in der digitalen Welt: Hier werden die Herausforderungen der Verifikation, der Rollen von Avataren und die Bedeutung von Internetquellen für die Authentizität thematisiert.
4 Sozialfiguren: Dieses Kapitel untersucht die Auswirkungen typisierter Identitätsmuster („Narziss“, Personalpronomen wie „Ich“ und „Wir“) sowie Erzählerrollen auf die Art und Weise, wie Autobiographisches konstruiert wird.
5 Netzwelt: Das Kapitel widmet sich der digitalen Autorschaft und dem öffentlichen Raum, in dem Reaktionen und Algorithmen die Wahrnehmung literarischer Texte mitbestimmen.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Grenze zwischen Autofiktion und Autobiographie verschwimmt und die Kompetenz der Rezipienten zur Quellenkritik entscheidend für den Umgang mit dem digitalen „Widerhall“ ist.
Schlüsselwörter
Autofiktion, Autorfiktion, Authentizität, Authentitätsbeteuerung, Sozialfigur, Narziss, Digitalisierung, Online-Autorschaft, Soziale Netzwerke, Fakt, Fiktion, Medienkompetenz, Personalpronomen, Selbstinszenierung, Internet.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie sich das Konzept der Autorschaft verändert hat, seitdem Texte massenhaft digital publiziert werden können, und wie sich dabei das Verhältnis von faktualem Erzählen und Fiktion verschiebt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Die Schwerpunkte liegen auf der Soziologie der digitalen Welt, der Konstruktion von Identitäten in sozialen Medien und der Abgrenzung von literarischen Genres wie Autobiographie und Autofiktion.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern Texte im Internet das Konzept der Autorschaft neu konstituieren und wie dabei soziologische und figurale Aspekte dazu führen, dass die Grenze zwischen Wahrheit und Fälschung unscharf wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Der Autor verknüpft literaturwissenschaftliche Diskursanalysen mit soziologischen Konzepten, um anhand von theoretischer Literatur und konkreten Textbeispielen von Paula Fürstenberg das Phänomen des digitalen „Widerhalls“ zu dekonstruieren.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert, wie sich Menschen im digitalen Raum als „Sozialfiguren“ (z.B. Narziss) inszenieren und wie die Verwendung von Personalpronomen wie „Ich“ und „Wir“ die (vermeintliche) Authentizität von Texten steuert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Text am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch die Begriffe „Autofiktion“, „Authentizitätsverlust“, „digitale Selbstdarstellung“, „Sozialfigur“ und „Quellenkritik“ beschreiben.
Warum spielt der „Narziss“ eine so wichtige Rolle in der digitalen Welt der Texte?
Der „Narziss“ dient als Sozialfigur für die permanente Selbstinszenierung im Internet; die Nutzung des „Ich“ und die Interaktion in „Echo“-Strukturen (Kommentare/Reaktionen) machen die Internetnutzer anfällig für eine Vermischung von Fakten und Fiktion.
Inwieweit verändert das „Wir“ die Authentizität eines autobiographischen Textes laut der Arbeit?
Die Verwendung von „Wir“ kann ein Zugehörigkeitsgefühl erzeugen, das als rhetorisches Mittel der Authentizitätssteigerung oder als Strategie zur Verdeckung der Unterscheidung zwischen Fakt und Fiktion dient.
- Citar trabajo
- Kevin Voß (Autor), 2022, Auto(r)fiktion. Zum Problem der Authentizität in literarischen Internetpublikationen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1337603