"Britain had lost an empire and had not yet found a new role" – das Zitat des ehemaligen Außenministers Dean Acheson formuliert bereits das Problem, mit dem sich diese Hausarbeit beschäftigen wird. Welche Bedeutung hatten Großbritannien und die britische Europapolitik im Besonderen für den europäischen Integrationsprozess zwischen 1947 und 1963? In welcher Rolle sahen sich die Protagonisten, die britischen Entscheidungsträger?
Die vorliegende Arbeit wird sich also damit beschäftigen, inwieweit Großbritannien in den
Einigungsprozess der europäischen Staaten involviert war und welchen Einfluss letztlich die
britische Europapolitik auf diesen hatte.
Ich werde zunächst die britische Europapolitik von 1947 bis 1963 generell charakterisieren,
im Anschluss den europäischen Einigungsprozess kennzeichnen, die Rolle Großbritanniens in
diesem Prozess analysieren und zum Schluss die Bedeutung der britischen Europapolitik für
den europäischen Integrationsprozess näher beleuchten und systematisieren.
Diese Arbeit nimmt nicht für sich in Anspruch, jegliche Verhandlungsszenarien zu
kennzeichnen und zu untersuchen. Es soll lediglich die Bedeutung des Marshallplans, der
Sechsmächtekonferenz in London, des Brüsseler Vertrages, der Montanunion, der
Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, der Pariser und Römischen Verträge, sowie der
European Free Trade Association kurz skizziert und die Rolle und Bedeutung
Großbritanniens analysiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Quellen und Quellenkritik
2 Charakteristik der britischen Europapolitik
3 Der europäische Einigungsprozess und die Rolle Großbritanniens
3.1 European Recovery Program und die Gründung der OEEC
3.2 Die Sechsmächtekonferenz in London
3.3 Der Brüsseler Vertrag und die Gründung des Europarates
3.4 Schuman-Plan und Montanunion
3.5 Der Pleven-Plan und die Europäische Verteidigungsgemeinschaft
3.6 Die Pariser Verträge
3.7 Die Römischen Verträge und die EFTA
4 Die britische Europapolitik und die Europäische Integration
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die britische Europapolitik zwischen 1947 und 1963, um die Rolle und den Einfluss Großbritanniens im europäischen Einigungsprozess zu analysieren und zu klären, inwieweit das Land in diesen Prozess involviert war.
- Charakterisierung der britischen Außen- und Europapolitik im Nachkriegszeitalter
- Analyse der Haltung Großbritanniens zu supranationalen Institutionen
- Bedeutung der US-Beziehungen und des Commonwealth für die britische Strategie
- Untersuchung kritischer Wendepunkte wie der Gründung von OEEC, EGKS und EFTA
- Bewertung der Rolle Großbritanniens während der Berlinkrise und beim Bau der Mauer
Auszug aus dem Buch
Charakteristik der britischen Europapolitik
Als der Konservative Winston Churchill im Oktober 1951 durch einen knappen Wahlsieg wieder Premierminister wurde, formulierte er den Rahmen der britischen Europapolitik, den auch vor ihm Premier Clement Attlee und sein Außenminister Ernest Bevin (beide Labour Party) setzten: Die Briten seien „neighbours of Europe“, ihr Territorium läge aber „not in Europe“. Diese Feststellung charakterisiert die britische Europapolitik nach dem Zweiten Weltkrieg bis Juli 1961 am treffendsten – zwar war es Churchills und zuvor auch schon Attlees Ziel, Deutschland und Frankreich zu versöhnen und eine Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern zu initiieren, aber nur, um den „Unruheherd Europa“ zu beseitigen und somit freien Spielraum für die eigenen Interessen zu haben.
Im Oktober 1948 formulierte die Labour-Regierung unter Clement Attlee als Premierminister und Ernest Bevin als Außenminister im Foreign Office das Konzept der „Drei Kreise“. Demnach habe das „Commonwealth of Nations“ in der britischen Außenpolitik oberste Priorität. Erst dann folgen die USA und Europa in einem Prinzip der Rangordnung. Mit anderen Worten: Die europäischen Fragen und Probleme waren drittrangig für die Außenpolitik Großbritanniens.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Bedeutung der britischen Europapolitik für den Integrationsprozess zwischen 1947 und 1963 und erläutert die methodische Vorgehensweise.
2 Charakteristik der britischen Europapolitik: Dieses Kapitel arbeitet das Konzept der „Drei Kreise“ heraus und beschreibt das britische Selbstverständnis als „Nachbarn Europas“, aber nicht als Teil desselben.
3 Der europäische Einigungsprozess und die Rolle Großbritanniens: Hier werden zentrale Institutionen und Ereignisse wie der Marshallplan, die Montanunion und die EFTA untersucht, um die ablehnende Haltung Großbritanniens gegenüber supranationalen Strukturen zu verdeutlichen.
4 Die britische Europapolitik und die Europäische Integration: Dieses abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und stellt fest, dass Großbritannien zwar frühzeitig Einfluss nahm, aber erst 1973 den vollen Weg nach Europa vollendete.
Schlüsselwörter
Großbritannien, Europäische Integration, Marshallplan, EFTA, EWG, Außenpolitik, Ernest Bevin, Harold Macmillan, Winston Churchill, Supranationalität, Commonwealth, Kalter Krieg, Berlinkrise, Souveränität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle Großbritanniens im europäischen Einigungsprozess in der Zeit von 1947 bis 1963.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die britische Haltung gegenüber supranationalen Organisationen, die Priorisierung des Commonwealth gegenüber Europa und das Verhältnis zu den USA.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Bedeutung Großbritannien für den europäischen Integrationsprozess hatte und in welcher Rolle sich die britischen Entscheidungsträger sahen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die sowohl Primärquellen wie die Memoiren von Anthony Eden als auch umfangreiche Sekundärliteratur auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Charakterisierung der britischen Europapolitik sowie eine detaillierte Betrachtung einzelner Etappen der europäischen Einigung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Integration, Souveränität, britische Außenpolitik, EFTA und der Marshallplan.
Welche Haltung nahm Großbritannien zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) ein?
Großbritannien lehnte eine Beteiligung an der EGKS ab, da die Regierung keine supranationalen Bindungen eingehen wollte, die einen Souveränitätsverlust zur Folge gehabt hätten.
Wie reagierte die britische Regierung auf den Bau der Berliner Mauer?
Die britische Regierung unter Harold Macmillan reagierte vergleichsweise gelassen und rief zur Ruhe auf, was von den Bündnispartnern und der deutschen Öffentlichkeit teilweise scharf kritisiert wurde.
- Quote paper
- Robert Griebsch (Author), 2007, Ein langer Weg nach Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133771