Die Arbeit handelt von der Darstellung der männlichen Figuren in Louise Astons "Aus dem Leben einer Frau". Es werden vier Typen unterschieden, die als starre Konstrukte zur Hervorhebung der Emanzipation der Frau auf verschiedenen Ebenen Anwendung finden. Es handelt sich auch um den gängigen Terminus der "Krisen der Männlichkeit" seit der ersten Emanzipationswelle der Frauen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.) Der Vater – ein untergehender Patriarch
1.1) Väterlichkeit definiert durch eine eigene Geschichte
1.2) Herrscher der Häuslichkeit
1.3) Untergang von Machtausübung und Männlichkeit
1.4) Oburn – ungeliebter Ehemann und Tauschhändler
2.) Männlichkeit markiert durch das Fremde
2.1) Männlichkeit definiert durch Tauschgeschäfte
2.2) Oburn – eine Autorität?
3.) Zwei Seiten des Begehrens – Zwei Kämpfe um männliche Integrität
3.1) Der Intrigant
3.2.) Der positive Held
3.3) Vergewaltigung als Machtkonflikt – Untergang alternativer Männlichkeit
4.) Fazit: Johanna gegen erstarrte Konzepte von Männlichkeit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion und Funktion unterschiedlicher männlicher Rollenbilder in Louise Astons Roman "Aus dem Leben einer Frau". Dabei wird analysiert, wie diese schematisierten Männertypen die Protagonistin Johanna in ihrem Prozess der Emanzipation aus einem Objektstatus hin zu einem freien, selbstbestimmten Individuum beeinflussen.
- Analyse patriarchaler Machtstrukturen und väterlicher Verhaltensmuster.
- Untersuchung der Ehe als Tauschbeziehung und Instrument männlicher Machtausübung.
- Gegenüberstellung von hegemonialen Männlichkeitskonzepten und alternativen Idealen.
- Deutung der Vergewaltigungsszene als Kulminationspunkt eines Machtkonflikts.
- Reflexion über die Emanzipationsstrategien der Protagonistin gegenüber erstarrten Rollenvorgaben.
Auszug aus dem Buch
1.2) Herrscher der Häuslichkeit
„Die im 18. Und 19. Jahrhundert durchgreifende Trennung einer öffentlichen und einer privaten Sphäre sowie die [...] Differenzierung in ‚expressiv-weiblich‘ und ‚instrumentell-männliche‘ Rollen setzen das Vorhandensein polarisierter Geschlechtscharaktere voraus.“ Die Rollen der Figuren Vater und Tochter demonstrieren die polaren Geschlechtstypisierungen. Der Vater ist das Instrument, dass die junge Frau dazu zwingt, etwas ungewolltes zu tun. Johannas Wünsche spielen für ihn keine Rolle. Interessant ist, dass die „instrumentell-männliche“ Rolle nicht den Bereich der Öffentlichkeit für sich beansprucht. Der Vater scheint zum Mobiliar zu gehören: Auf einem altmodischen mit großblumigen Kattun überzogenen Sopha saß ein Greis mit finstern, unheimlichen Zügen. (S. 2f.) Der alte Mann sitzt in der Mitte der Wohnung – er beansprucht den zentralen Punkt des Raumes für sich und kann hier in seiner beherrschenden patriarchalischen Rolle wirken. Da der Vater nicht mehr als Teil des öffentlichen Raumes funktioniert, wird ihm auch ein Teil seiner männlichen Funktion versagt. Seine Position als Mann der Öffentlichkeit ist passé. Seine Identität kann „nur“ als Vater legitimiert werden. Diese Rolle übermittelt er auch seiner widerspenstigen Tochter: ‚Bist du nicht mein Geschöpf? Ist nicht mein Wille Dir Gesetz? Du mußt ihm gehorchen; denn ich bin Herr über Dich!‘. (S. 13) Der Vater akzeptiert den Widerspruch seines „Geschöpfes“ nicht – er spricht hier nicht nur das Urteil über seine Tochter, er führt es auch aus. Die Ausübung ist das letzte Mittel des „Praktizierens“ von Macht für den Vater.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Der Vater – ein untergehender Patriarch: Dieses Kapitel analysiert das traditionelle väterliche Rollenbild und dessen gewaltsame Durchsetzung innerhalb des familiären Raumes sowie dessen finalen Zerfall.
1.1) Väterlichkeit definiert durch eine eigene Geschichte: Hier wird untersucht, wie der Vater seine eigene Lebensgeschichte instrumentalisiert, um seine Macht über die Tochter und den Befehl zur ungeliebten Hochzeit zu legitimieren.
1.2) Herrscher der Häuslichkeit: Der Fokus liegt auf der räumlichen Inszenierung patriarchaler Macht innerhalb der privaten Sphäre und der gescheiterten öffentlichen Identität des Vaters.
1.3) Untergang von Machtausübung und Männlichkeit: Es wird erörtert, wie der Schlaganfall des Vaters die physische und machtpolitische Ohnmacht sowie den Verlust seiner Identität als Patriarch besiegelt.
1.4) Oburn – ungeliebter Ehemann und Tauschhändler: Dieses Kapitel markiert den Übergang der Tochter von der väterlichen Kontrolle in die ökonomisch determinierte Ehe mit Oburn.
2.) Männlichkeit markiert durch das Fremde: Das Kapitel befasst sich mit der Charakterisierung männlicher Figuren durch raubtierhafte Metaphorik und deren Funktion als Bedrohung der weiblichen Integrität.
2.1) Männlichkeit definiert durch Tauschgeschäfte: Hier wird die Ehe als Mittel zur Aufrechterhaltung männlicher Integrität durch Tauschhandel zwischen Männern analysiert.
2.2) Oburn – eine Autorität?: Es wird die Frage aufgeworfen, ob Oburn trotz fehlender familiärer Bindungen eine echte Autorität als Ehemann und Industrieller beanspruchen kann.
3.) Zwei Seiten des Begehrens – Zwei Kämpfe um männliche Integrität: Dieses Kapitel stellt die gegensätzlichen Konzepte von Prinz C** und Eduard von Stein einander gegenüber.
3.1) Der Intrigant: Analyse der Figur Prinz C** und dessen rein triebhaftem Begehren, das Johanna als reines Objekt wahrnimmt.
3.2.) Der positive Held: Untersuchung der Figur Eduard von Stein als reflektiertem Gegenentwurf zu den anderen Männerbildern im Roman.
3.3) Vergewaltigung als Machtkonflikt – Untergang alternativer Männlichkeit: Analyse des Notzuchtversuchs als Kulminationspunkt zwischen männlichem Trieb und moralischer Integrität.
4.) Fazit: Johanna gegen erstarrte Konzepte von Männlichkeit: Die abschließende Zusammenführung der analysierten Männertypen und Johannas Weg in die individuelle Freiheit.
Schlüsselwörter
Louise Aston, Männlichkeit, Patriarchat, Emanzipation, Tauschgeschäfte, Rollenbilder, Figurenroman, Trivialliteratur, Machtstrukturen, Vormärz, Geschlechterrollen, Oburn, Johanna, Integrität, Subjektstatus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Darstellung und Konstruktion von Männlichkeit in Louise Astons Roman „Aus dem Leben einer Frau“ und wie die Protagonistin Johanna mit diesen verschiedenen, oft unterdrückerischen Männlichkeitskonzepten umgeht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Machtverhältnisse im Patriarchat, die Ehe als ökonomische Tauschbeziehung, die Differenz zwischen triebgesteuerter und reflektierter Männlichkeit sowie der Emanzipationsprozess einer Frau.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie schematisierte männliche Figurenkonzepte als Hindernis oder Katalysator für Johannas Entwicklung vom fremdbestimmten Objekt zum eigenständigen Subjekt fungieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Werkinterpretation, die Konzepte der Genderforschung (z.B. von Walter Erhart) nutzt, um die männlichen Figuren und ihre Interaktion mit der Protagonistin zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der einzelnen männlichen Archetypen – den untergehenden Vater, den opportunistischen Ehemann Oburn, den intriganten Prinzen C** und den reflektierten Helden Eduard von Stein.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Besonders prägend sind die Begriffe Patriarchat, Männlichkeitskonstruktion, Emanzipation, Machtkonflikt und Tauschbeziehung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Vaters in der Erzählung?
Der Vater wird als unbarmherziger Patriarch dargestellt, der seine Tochter durch emotionale Nötigung und die Instrumentalisierung seiner eigenen Lebensgeschichte in ein abhängiges, unselbstständiges Leben zwingt.
Warum spielt die Figur des Eduard von Stein eine Sonderrolle?
Eduard von Stein wird als "positiver Held" gerahmt, da er als einzige männliche Figur im Roman reflektiert handelt, Johannas Intellekt respektiert und sie nicht als bloßes Objekt oder Tauschware betrachtet.
Wie verlässt Johanna den Objektstatus am Ende?
Indem sie das "Tauschspiel" der Männer durchbricht und sich konsequent von den ihr zugewiesenen Identitäten als Tochter oder Ehefrau löst, emanzipiert sie sich und verlässt die von Machtkämpfen geprägte Welt der Männer.
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- Jana Muschick (Author), 2007, Darstellung der männlichen Figuren in Louise Astons "Aus dem Leben einer Frau", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133784