Die Sklaverei ist das älteste Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnis, das in der Zersetzung der Urgesellschaft bereits vor der Herausbildung der altorientalischen Klassengesellschaft entstand. In der antiken Mittelmeerwelt entwickelte sich die Sklaverei zur herrschenden Produktionsweise und bestimmte damit einige Jahrhunderte die gesellschaftlichen Beziehungen.
Sklaven waren Menschen, die nicht über sich selbst verfügen konnten und einem anderen gehörten. Der Herr der Sklaven, der Sklavenhalter, besaß nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern den ganzen Menschen. Der Mensch wurde Ware.
Die folgende Arbeit befasst sich mit dem Haussklaven im klassischen Griechenland, der sich durch eine besondere Herr-Sklave-Beziehung von den anderen abhebt. Um diese Beziehung besser zu verstehen, soll versucht werden, ein Charakterbild für den idealen Haussklaven zu erstellen.
Zu diesem Zweck wird der Sklave allgemein in die damalige athenische Gesellschaft eingeordnet. Daraufhin wird seine Darstellung in der Philosophie anhand Aristoteles Politik analysiert, weil dieses Werk die bislang vielleicht ausführlichste Quelle zu diesem Thema darstellt. Dem folgt die Darstellung des Dienersklaven in der Literatur anhand Euripides Tragödien. Eine Analyse findet am Beispiel der Medea statt.
Während Aristoteles als ein klarer Befürworter der Sklaverei verstanden wird, behauptet man von Euripides, er sei gegen dieses System gewesen. Es soll ein Versuch stattfinden auf die Frage eine Antwort zu finden, ob sich diese Einstellung in seinen Werken widerspiegelt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE ATHENISCHE GESELLSCHAFT IM KLASSISCHEN GRIECHENLAND
2.1 BÜRGER
2.2 FREIE NICHTBÜRGER
2.3 SKLAVEN
3. DARSTELLUNG DES HAUSSKLAVEN IN DER PHILOSOPHIE ANHAND ARISTOTELES POLITIK
3.1 POLITIK
3.2 DER „SKLAVE VON NATUR“
4. DARSTELLUNG DES DIENERSKLAVEN IN DER LITERATUR ANHAND EURIPIDES DRAMEN
4.1 DIE EURIPIDEISCHE KONZEPTION DES EINFACHEN SKLAVEN
4.2 DIE AMME IN EURIPIDES MEDEA
5. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Charakterbild des Haussklaven im klassischen Athen, um ein tieferes Verständnis für die komplexe Herr-Sklave-Beziehung in dieser Epoche zu gewinnen. Dabei wird analysiert, wie diese Beziehung in der Philosophie von Aristoteles begründet und in den Tragödien des Euripides literarisch dargestellt wird, insbesondere unter der Forschungsfrage, inwieweit Euripides’ Werke eine kritische oder affirmative Haltung gegenüber dem Sklavensystem spiegeln.
- Struktur und Schichtung der athenischen Gesellschaft im klassischen Griechenland
- Aristotelische Theorie des „Sklaven von Natur“ und philosophische Rechtfertigung
- Literarische Darstellung von Dienersklaven und deren Charakteristika bei Euripides
- Analyse des Diener-Ethos am Beispiel der Amme in der Tragödie Medea
Auszug aus dem Buch
3.2 Der „Sklave von Natur“
Aristoteles führt zu Beginn des zweiten Kapitels des ersten Buches der Politik die zwei von Natur aus gegebenen zwischenmenschlichen Beziehungen auf: Zum einen der Fortpflanzung wegen die Beziehung zwischen Mann und Frau, zum anderen der Lebenserhaltung wegen die Beziehung zwischen Herr und Diener. Der Nutzen dieser letzteren Synergie sei beidseitig.
Denn was mit dem Verstand vorauszuschauen Vermag, ist von Natur aus das Regierende und Herrschende, was aber mit seinem Körper das Vorgesehene auszuführen vermag, ist das von Natur Regierte und Dienende. Darum ist auch der Nutzen für Herrn und Diener derselbe.
Folglich ist das erste Kennzeichen, das der idealtypische Sklave laut Aristoteles hat, dass dieser nicht über genügend Verstand verfügt, um vorausschauend denken zu können. Andernfalls müsste er naturgemäß selbst herrschen oder zumindest den Drang verspüren aufzubegehren. Was an seiner Formulierung interessant ist, ist dass er die Begriffe „Verstand“ als Attribut für den Regierenden und „Körper“ als Merkmal für den Regierten verwendet, weil dadurch der Bezug zum Geist-Körper Dualismus hervortritt. Wenn der Mensch nur mit beiden Teilen ein Ganzes ergibt, lässt sich daraus für den Menschen der Antike ableiten, dass oikoi nur dann existieren können, wenn es Herren und Diener gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das Thema der antiken Sklaverei ein und definiert das Ziel der Arbeit, das Charakterbild des Haussklaven durch den Vergleich philosophischer und literarischer Quellen zu erarbeiten.
2. DIE ATHENISCHE GESELLSCHAFT IM KLASSISCHEN GRIECHENLAND: Dieses Kapitel skizziert die soziale Hierarchie in Athen, unterteilt in Bürger, freie Nichtbürger und Sklaven, und erläutert die Bedeutung der Polis für das athenische Wertesystem.
3. DARSTELLUNG DES HAUSSKLAVEN IN DER PHILOSOPHIE ANHAND ARISTOTELES POLITIK: Hier wird analysiert, wie Aristoteles das Herr-Sklave-Verhältnis als natürliches, synergetisches Instrument zur Sicherung des Hauses (Oikos) philosophisch legitimiert.
4. DARSTELLUNG DES DIENERSKLAVEN IN DER LITERATUR ANHAND EURIPIDES DRAMEN: Dieses Kapitel untersucht die differenzierte, teils ambivalente Darstellung von Sklaven bei Euripides, bei der Sklavenfiguren einerseits Tugend zeigen, aber in ihren Handlungen strikt auf ihre Herren bezogen bleiben.
5. SCHLUSS: Die Zusammenfassung resümiert die Ergebnisse und stellt fest, dass Euripides zwar ein nuanciertes Bild des Sklaven zeichnet, das System der Sklaverei jedoch grundsätzlich nicht infrage stellt.
Schlüsselwörter
Athen, Antike, Sklaverei, Haussklave, Aristoteles, Politik, Euripides, Medea, Oikos, Sklave von Natur, Sozialgeschichte, Griechenland, Herr-Sklave-Beziehung, Dienersklaven, Antike Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem sozialen Status und der literarischen sowie philosophischen Darstellung von Haussklaven im klassischen Athen des 5. Jahrhunderts v. u. Z.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Einordnung von Sklaven in die athenische Gesellschaft, die philosophische Begründung der Sklaverei durch Aristoteles und die literarische Gestaltung von Dienerfiguren bei Euripides.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erstellung eines Charakterbildes für den „idealen Haussklaven“ durch einen Vergleich von theoretisch-philosophischen Vorgaben und der literarischen Praxis in Dramen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse und Gegenüberstellung von Quellentexten (Aristoteles’ „Politik“ und Euripides’ „Medea“) sowie eine wissenschaftliche Literaturrecherche zur sozialen Struktur der Antike.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition des „Sklaven von Natur“ bei Aristoteles und untersucht die Charakteristika von Dienersklaven in den Tragödien des Euripides, besonders unter Berücksichtigung des „Diener-Ethos“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben den Hauptbegriffen wie Sklaven und Antike sind die Konzepte von Oikos, Bürgerrecht und das Spannungsfeld zwischen rationaler Argumentation und existierender Knechtschaft maßgeblich.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „Geist“ und „Körper“ bei Aristoteles eine so große Rolle für die Sklaverei?
Aristoteles nutzt diesen Dualismus, um die Unterordnung des Sklaven zu rechtfertigen: Da der Sklave angeblich über weniger Verstand verfügt und eher durch körperliche Arbeit definiert ist, ist es für ihn „natürlich“, von einem vernunftbegabten Herrn regiert zu werden.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Amme bei Euripides von der philosophischen Definition des Sklaven?
Während die Philosophie den Sklaven als bloßes Werkzeug beschreibt, zeigt Euripides in seiner „Medea“ Sklavenfiguren mit Reflexionsvermögen und einer eigenen moralischen Integrität, die jedoch immer in den Dienst des Hauses gestellt bleibt.
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- Ismail Durgut (Author), 2009, Die Charakterdarstellung des Haussklaven im klassischen Athen anhand Aristoteles "Politik" und Euripides Dramen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133794