Ob Sexismus wirklich seine empowernde Funktion erfüllt und ob diese Reproduktion von Sexismus mit feministischen Haltungen zu vereinbaren ist, soll in der vorliegenden Arbeit mit folgender Fragestellung "Inwiefern kann in Rap-Musik-Texten bei der Aneignung von Sexismus und sexistischen Männlichkeitsimitationen durch nicht-cis-männliche Musiker:innen von feministischem Empowerment gesprochen werden?" untersucht werden. Zur Beantwortung der Fragestellung werden Textzeilen aus drei Liedern des deutschen Rap-Duos SXTN analysiert.
Eine sexistische Beleidigung ist niemals schön. Sie verletzt und lässt die Betroffenen schlecht fühlen. Sexistische Beleidigungen in Musikstücken von Cis-Männern scheinen zu gesellschaftlich akzeptierten Inhalten geworden, trotzdem aber lassen sich auch immer häufiger sexistische Beleidigungen in Musikstücken von nicht-cis-männlichen, also von Sexismus betroffenen Musiker:innen finden. So nennen sich beispielsweise die US-amerikanischen Musiker:innen Queen Latifah und Missy Elliot selbst ‚Bitch‘ und Schwesta Ewas Texte sind genauso sexistisch wie die ihrer cis-männlichen Deutschrap-Kollegen. Die Reproduktion sexistischer Inhalte wird also mit ihrer empowernden Funktion für die Musiker:innen begründet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Relevanz der Fragestellung
1.2 Selbstpositionierung
2. Definitionen
2.1 Feminismus und Empowerment
2.2 Sexismus
2.3 Rap und HipHop-Kultur
2.4 Wer ist SXTN?
2.5 Begriffserklärungen
3. Theoretischer Rahmen
3.1 Musik als Medium
3.2 Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit
3.2.1 Männlichkeiten in der HipHop-Kultur
4. Empowerment durch Sexismus?
4.1 Kein Empowerment durch Sexismus
4.2 Empowerment durch Sexismus
5. SXTN
5.1 Textinhalte von SXTN
5.2 Sozialisation & Selbstpositionierung von SXTN
5.3 Aneignung hegemonialer Männlichkeit
5.4 SXTNs Rezeption in der Öffentlichkeit
5.5 SXTN und Feminismus
6. Zusammenführung
6.1 SXTN Fazit
6.2 Gesamtfazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Aneignung sexistischer Muster und dem Anspruch auf feministisches Empowerment in der Musik des Rap-Duos SXTN. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, ob und wie die Anwendung hegemonialer männlicher Verhaltensweisen und die Verwendung sexistischer Beleidigungen durch nicht-cis-männliche Musiker:innen als feministische Strategie der Selbstermächtigung gewertet werden kann.
- Analyse von Geschlechterrollen und hegemonialer Männlichkeit in der HipHop-Kultur.
- Diskussion des Empowerments durch die Nutzung stereotyp-sexistischer Ausdrucksformen.
- Untersuchung spezifischer Textinhalte und Selbstinszenierungsstrategien von SXTN.
- Kritische Betrachtung der Rezeption und der öffentlichen Wahrnehmung als feministische oder menschenverachtende Provokation.
- Reflexion über die Grenzen und Widersprüche zwischen Unterdrückungserfahrung und Rebellion.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Eine sexistische Beleidigung ist niemals schön. Sie verletzt und lässt die Betroffenen schlecht fühlen. Sexistische Beleidigungen in Musikstücken von Cis-Männern scheinen zu gesellschaftlich akzeptierten Inhalten geworden, trotzdem aber lassen sich auch immer häufiger sexistische Beleidigungen in Musikstücken von nicht-cis-männlichen, also von Sexismus betroffenen Musiker:innen finden. So nennen sich beispielsweise die US-amerikanischen Musiker:innen Queen Latifah und Missy Elliot selbst ‚Bitch‘ (vgl. Bifulco/Reuter, 2017: 68) und Schwesta Ewas Texte sind genauso sexistisch wie die ihrer cis-männlichen Deutschrap-Kollegen (vgl. Lange, 2017). Die Reproduktion sexistischer Inhalte wird also mit ihrer empowernden Funktion für die Musiker:innen begründet (vgl. Bifulco/Reuter, 2017: 68). Ob dieser Sexismus wirklich seine empowernde Funktion erfüllt und ob diese Reproduktion von Sexismus mit feministischen Haltungen zu vereinbaren ist, soll in der vorliegenden Arbeit mit folgender Fragestellung Inwiefern kann in Rap-Musik-Texten bei der Aneignung von Sexismus und sexistischen Männlichkeitsimitationen durch nicht-cis-männliche Musiker:innen von feministischem Empowerment gesprochen werden? untersucht werden. Zur Beantwortung der Fragestellung werden Textzeilen aus drei Liedern des deutschen Rap-Duos SXTN analysiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Nutzung sexistischer Sprache durch marginalisierte Gruppen ein und definiert die zentrale Forschungsfrage sowie das Vorgehen der Analyse.
2. Definitionen: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe wie Feminismus, Empowerment, Sexismus sowie spezifische kulturelle Kontexte von HipHop-Kultur und das Duo SXTN bestimmt.
3. Theoretischer Rahmen: Hier wird Musik als Medium der Selbstentfaltung konzeptualisiert und Raewyn Connells Theorie der hegemonialen Männlichkeit auf den HipHop übertragen.
4. Empowerment durch Sexismus?: Dieses Kapitel diskutiert die ambivalente Debatte darüber, ob die Aneignung von Sexismus als Strategie zur Selbstermächtigung legitim oder kontraproduktiv ist.
5. SXTN: Eine inhaltliche Analyse der SXTN-Werke, ihrer Sozialisation sowie ihrer Rezeption, die aufzeigt, wie das Duo mit hegemonialen Männlichkeitsnarrativen operiert.
6. Zusammenführung: Hier werden die Ergebnisse der Texte und Diskussionen synthetisiert, um ein Fazit über die Möglichkeiten und Grenzen feministischen Empowerments durch diese Strategien zu ziehen.
Schlüsselwörter
SXTN, Rap, Sexismus, Feminismus, Empowerment, Männlichkeit, Hegemonie, Musikmachen, Identität, Diskriminierung, Repräsentation, Deutschrap, Subkultur, Selbstermächtigung, Reclaiming
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Nutzung sexistischer Sprache und Männlichkeitsimitationen durch nicht-cis-männliche Musiker:innen, speziell am Beispiel des Rap-Duos SXTN.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstellen von Feminismus, Rap-Kultur, Sexismus-Debatten und Empowerment-Strategien im Musikgeschäft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist, zu klären, inwiefern die Aneignung hegemonialer, sexistischer Männlichkeit durch SXTN als Form von feministischem Empowerment interpretiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine qualitative Analyse von Textzeilen ausgewählter Lieder kombiniert mit einer theoretischen Einordnung durch fachspezifische Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte wie Connells Modell der hegemonialen Männlichkeit sowie die Analyse von SXTN-Texten und ihrer öffentlichen Rezeption gegenübergestellt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sexismus-Kritik, Queerfeminismus, hegemoniale Männlichkeit und Reclaiming von Sprache geprägt.
Inwiefern spielt der "Perspektivenwechsel" bei SXTN eine Rolle für die Argumentation?
SXTN rechtfertigt die Verwendung frauenfeindlicher Texte häufig durch einen bewussten Perspektivenwechsel, um sexistische Strukturen der Branche aufzudecken, was in der Arbeit kritisch hinterfragt wird.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Öffentlichkeit für SXTN?
Die Arbeit beleuchtet die gespaltene Rezeption des Duos, bei der sich deutliche Generationenunterschiede und widersprüchliche Auffassungen von "feministischer Musik" zeigen.
- Quote paper
- Lu Reuschling (Author), 2022, Rap-Musik zwischen sexistischer Männlichkeitsimitation und feministischem Empowerment am Beispiel der Lyrics von SXTN, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1338551