Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich vor allem mit den unterschiedlichen Funktionen und dem oben beschriebenen grammatikalischen Wandel von "ob" im Frühneuhochdeutschen. Zunächst wird kurz die Etymologie von "ob" dargelegt. Anschließend werden die Unterschiede zwischen koordinierenden und subordinierenden Konjunktionen und die Polysemie und Polyfunktionalität von "ob" in früheren Sprachstufen erläutert, was notwendig ist, um im nächsten Schritt den im einleitenden Zitat erwähnten Prozess, bei dem semantische Profilierungen subordinierender Konjunktionen im Fnhd. vorgenommen werden, näher zu analysieren. Unter anderem wird anhand der vier Grammatikalisierungsschritte nach Heine die Grammatikalisierung von ob als Haupteinleiter von konditionalen Nebensätzen im Mhd., bis hin zum fnhd. ob-Partikel als Haupteinleiter konzessiver Nebensätze untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Etymologie
3. Rekapitulation: Konjunktionen und Subjunktionen
4. Syntax: Polyfunktionalität von ob in früheren Sprachstufen
4.1 Exkurs: ob als Präposition
4.2 Attributsätze
4.3 Adverbialsätze
5. Semantik: Polysemie von ob in früheren Sprachstufen
5.1 ob als konditionale Subjunktion bis zum Fnhd.
5.2 ob als konzessiv- konditionale Subjunktion im Fnhd.
5.3 ob als konzessive Subjunktion im Fnhd.
6. Veränderungen des Konjunktionssystems im Frühneuhochdeutschen
7. Monosemierung von ob- Partikel
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den grammatikalischen Wandel der Konjunktion "ob" im Frühneuhochdeutschen, insbesondere ihre Entwicklung von einem polysemen Fügewort hin zur konzessiven Subjunktion "obwohl" durch Prozesse der Monosemierung und Grammatikalisierung.
- Etymologische Herleitung und ursprüngliche Funktionen von "ob"
- Unterscheidung zwischen koordinierenden und subordinierenden Konjunktionen
- Polyfunktionalität von "ob" im Mittelhochdeutschen
- Grammatikalisierungsprozesse und Univerbierung von "ob+Partikel"
- Korpusanalysen zur Frequenz von "ob" und "obwohl" im Deutschen Textarchiv
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Während die koordinierenden Konjunktionen sich nur unwesentlich verändern, wird das System der subordinierenden Konjunktionen als Mittel zum Ausdruck der Art der jeweiligen Beziehung von Haupt- und Nebensatz im Frnhd. neu gestaltet. Dieser Prozeß, in dem Konkurrenten abgebaut und semantische Profilierungen vorgenommen werden, wird zu den sprachgeschichtlich wichtigsten im Frnhd. gezählt. (Hartweg/Wegera, 1989)
Einleitend zur vorliegenden Arbeit zum Thema subordinierender Konjunktionen im Frühneuhochdeutschen am Beispiel von ob, soll obiges Zitat ein interessantes Phänomen der Sprachgeschichte des Frühneuhochdeutschen näherbringen.
Im Alt- und Mittelhochdeutschen dient ob, wie im Gwd. als Einleiter von abhängigen Fragesätzen, außerdem als Einleiter von Konditionalsätzen. Bis zum Ende der mhd. Zeit fungiert ob als übliche konditionale Konjunktion (Dal, 2016) und beschreibt ‘wenn-dann-Relationen‘. Als kausale Konjunktionen konkurrierend stehen dazu während der ganzen frühneuhochdeutschen Zeit, besonders häufig im 15. Und 16. Jh., wenn, so und wo. Während des späten 15. Jh. wird ob von so/ wo und in temporal-konditionalen Kontexten von wenn/ wann ersetzt, bis der Gebrauch schließlich im Laufe des 16. Jh. immer seltener wird (Ebert, 1993).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des grammatikalischen Wandels von "ob" ein und erläutert die sprachgeschichtliche Bedeutung der Neugestaltung des Systems subordinierender Konjunktionen im Frühneuhochdeutschen.
2. Etymologie: Dieses Kapitel liefert die etymologischen Wurzeln von "ob" und beleuchtet die Herleitung vom althochdeutschen "ibu" sowie dem Pronominalstamm für "beide".
3. Rekapitulation: Konjunktionen und Subjunktionen: Hier werden die Begriffe Konjunktion und Subjunktion definiert und deren syntaktische Rolle sowie die verknüpfenden Eigenschaften innerhalb eines Satzgefüges erläutert.
4. Syntax: Polyfunktionalität von ob in früheren Sprachstufen: Der Abschnitt analysiert die verschiedenen syntaktischen Funktionen von "ob", einschließlich seiner Rolle in Attribut- und Adverbialsätzen sowie einem Exkurs zur präpositionalen Verwendung.
5. Semantik: Polysemie von ob in früheren Sprachstufen: Dieses Kapitel betrachtet die verschiedenen semantischen Rollen von "ob" als konditionale, konzessiv-konditionale und konzessive Subjunktion im Mittel- und Frühneuhochdeutschen.
6. Veränderungen des Konjunktionssystems im Frühneuhochdeutschen: Hier werden die allgemeinen Entwicklungen des Satzbaus, insbesondere der Trend zur Hypotaxe, sowie der Bedarf an einem präziseren Konjunktions-Inventar in Verwaltung und Wissenschaft beschrieben.
7. Monosemierung von ob- Partikel: Dies ist der Kern der Arbeit, der die Disambiguierung und univerbierte Grammatikalisierung zu "obwohl" anhand von Prozessbeschreibungen und Korpusdaten darlegt.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die erfolgreiche Darstellung der Grammatikalisierung sowie die heutige Beschränkung von "ob" auf indirekte Fragesätze.
Schlüsselwörter
Frühneuhochdeutsch, ob, Konjunktion, Subjunktion, Grammatikalisierung, Monosemierung, Polysemie, Syntax, Semantik, obwohl, hypotaktische Sätze, Sprachgeschichte, Korpusanalyse, Satzgefüge, Konzessivität.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung und Grammatikalisierung der Konjunktion "ob" im Frühneuhochdeutschen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themenfelder sind die Etymologie, die semantische Polysemie sowie die syntaktische Veränderung von "ob" in verschiedenen Sprachstufen des Deutschen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Grammatikalisierungsprozess hin zur modernen konzessiven Subjunktion "obwohl" nachzuzeichnen und die Entstehung der Monosemierung zu belegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt korpuslinguistische Methoden unter Verwendung des Deutschen Textarchivs (DTA), ergänzt durch eine theoretische linguistische Analyse des Grammatikalisierungsprozesses nach Heine.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Syntax, Semantik, den Systemveränderungen des Konjunktionsgebrauchs im Frühneuhochdeutschen und die detaillierte Analyse der Monosemierung von "ob+Partikel".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Frühneuhochdeutsch, Grammatikalisierung, Polysemie, Monosemierung und Konzessivität charakterisiert.
Was unterscheidet "ob" früher von seiner heutigen Verwendung?
Früher fungierte "ob" auch als konditionale Konjunktion für "wenn", während es heute fast ausschließlich zur Einleitung indirekter Fragesätze verwendet wird.
Welche Rolle spielt die Univerbierung in dieser Untersuchung?
Die Univerbierung von "ob" mit Partikeln wie "wohl" oder "schon" bildet den entscheidenden letzten Schritt der Grammatikalisierung, durch den die neue Form "obwohl" entsteht.
Warum wird im Rahmen der Analyse zwischen den Zeiträumen 1550 und 1600-1650 unterschieden?
Dieser Vergleich dient dazu, die im Frühneuhochdeutschen besonders stark ausgeprägten Unterschiede im Konjunktionssystem sowie den Abschluss des Monosemierungs-Prozesses belegbar zu machen.
Was besagt die Theorie zur Polysemie in Bezug auf "ob"?
Die Theorie besagt, dass "ob" ursprünglich eine Vielzahl an Bedeutungen (konditional, konzessiv) innehatte, die durch den Prozess der Monosemierung zugunsten einer spezialisierten Verwendung abgebaut wurden.
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- Michelle Paul (Author), 2020, Zur Grammatikalisierung subordinierender Konjunktionen im Frühneuhochdeutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1338584