Elterngeld als familienpolitische Maßnahme zur Steigerung der Geburtenrate aus bevölkerungsökonomischer Perspektive


Hausarbeit, 2008

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Demographische Grundlagen
2.1. Bevölkerungsstand und -entwicklung
2.2 Geburtenentwicklung
2.3 Entwicklung der Mortalität
2.4 Entwicklung der Außenwanderung

3. Gründe für den Geburtenrückgang in Deutschland

4. Kinder bedingte Kosten

5. Geburtenverhalten als Untersuchungsgegenstand ökonomischer Theorie

6. Familienpolitik
6.1 „Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz“ (BEEG)
6.2 Wirkung und Erfolge des Elterngeldes
6.3 Familienpolitik, Elterngeld und Geburtenentwicklung

7. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Deutschland gehört mit einer durchschnittlichen Geburtenrate von 1,4 zu der „Top Ten“ der international niedrigsten Geburtenrate. Dieses Phänomen einfach auf die wirtschaftliche Entwicklung hoch entwickelter Gesellschaften zurückzuführen kann wohl kaum eine hinreichende Erklärung liefern. Wo doch auch Nachbarstaaten mit ähnlicher Wirtschafts- und Sozialstruktur eine höhere Geburtenrate vorweisen können.

Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts sinkt in Deutschland die Geburtenrate. Dennoch blieb eine intensive Auseinandersetzung mit den Gründen für den Rückgang der Geburten lange aus. Die Entscheidung für oder gegen Kinder galt als Privatsache, bis auch in der Öffentlichkeit die Brisanz der Entwicklung erkannt wurde. Der sich vollziehende demographische Wandel ist von sozialer, ökonomischer und politischer Bedeutung. Neben den sozialen Sicherungssystemen sind auch Wirtschaft und Gesellschaft von der Entwicklung betroffen.

Die Familienpolitik hat sich zur Aufgabe gemacht Familien bei der Entscheidung für Kinder zu unterstützen in dem deren Leistungen anerkannt werden und eine zunehmende Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht werden soll.

Daher soll die vorliegende Arbeit die Auswirkungen des seit dem 1. Januar 2007 in Kraft getretene Bundeselterngeld- und Erziehungsgesetz (BEEG) auf die Fertilitätsrate behandeln.

Daher wird vorerst auf die in Deutschland vorherrschende demographische Lage eingegangen unter besonderer Berücksichtigung der drei Haupteinflussfaktoren Fertilität, Mortalität und Migration.

Im Anschluss werden die Einflussfaktoren des Geburtenrückgangs genauer beleuchtet. Als Grundlage dient hier eine wegweisende Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach „Einflussfaktoren auf die Geburtenrate – Ergebnisse einer Repräsentativbefragung der 18- bis 44jährigen Bevölkerung“. Des Weiteren werden kinderbedingte Kosten näher betrachtet um im Anschluss das Geburtenverhalten aus der bevölkerungsökonomischen Perspektive zu betrachten. Mit besonderer Berücksichtigung der ökonomischen Theorie der Fertilität von Gary Becker.

Abschließend wird das Bundeselterngeld- und Erziehungsgesetz (BEEG) näher betrachtet, welches als familienpolitische Maßnahme die Geburtenrate steigern soll.

2. Demographische Grundlagen

Die demographische Entwicklung beruht im Wesentlichen auf drei Faktoren, der Fertilität, der Mortalität und der Migration.

Die Fertilität wird zum einen durch die Zahl von Frauen im gebärfähigen Alter, zwischen 15 und 45 Jahren, bestimmt und zum anderen von der Geburtenhäufigkeit junger Frauen (destatis 2007a, 6). Zum Beispiel zeigt der „Baby-Boom“ in den 1960er, dass viele Frauen im gebärfähigen Alter, bei gleich bleibendem generativem Verhalten, einen Anstieg der Geburtenzahl zur Folge haben können.

Die Altersverteilung der Bevölkerung sowie die Lebenserwartung determinieren die Mortalität. Diese hängt stark von sozialen, wirtschaftlichen und epidemiologischen Faktoren ab.

Die dritte Komponente der Bevölkerungsentwicklung stellt die Migration dar. Wobei Abwanderung reduziert und Zuwanderung entsprechend die Bevölkerung erhöht. Neben der Bevölkerungszahl beeinflussen Wanderungsbewegungen auch die soziale Zusammensetzung der betroffenen Gebiete (Höpflinger 1997, S. 10 f.).

Die Entwicklung dieser Faktoren, der so genannte demographische Übergang, vollzieht sich idealer Weise in vier Phasen. In der ersten Phase liegt sowohl die Sterberate als auch die Geburtenrate auf hohem Niveau. Hier ist zu beachten, dass „Geburten als Sterbeprophylaxe von Kindern gesehen werden“ und somit höher liegen als die Mortalitätsrate. Im zweiten Stadium beginnt ein Sinken der Sterblichkeit, allerdings bleibt die Geburtenrate hoch, es kommt zu einem Geburtenüberschuss. Die dritte Phase wird durch eine weiter sinkende Sterberate gekennzeichnet aber auch durch eine sinkende Geburtenrate. Dies hat einen kontinuierlichen Rückgang des Geburtenüberschusses zur Folge. In der vierten Stufe ist der Tiefpunkt der Sterberate erreicht während sich die Geburten auf einem ebenfalls niedrigen Niveau stabilisieren. Jedoch endet der Entwicklungsprozess in Deutschland, wie auch in anderen europäischen Ländern, nicht mit der vierten Phase sondern es zeigt sich eine weitere Stufe. Die Geburten sinken unter Bestandserhaltungsniveau. Auf lange Sicht hat dies einen Verlust des demographischen Gleichgewichts zur Folge.

Der Prozess in Deutschland ist zum einen geprägt von einem Anstieg der alternden Bevölkerung, welcher auf den in Phase fünf charakteristischen Geburtenrückgang zurückzuführen ist, als auch auf die steigende Lebenserwartung. Zum anderen zeichnet sich die Entwicklung durch Zuwanderung aus. Ohne Immigration wäre bereits seit Anfang der 1970er Jahre ein Bevölkerungsrückgang in Deutschland zu verzeichnen gewesen (Enquete-Kommission 2006, S.15).

Auf Grund dieses Verlaufs wird vom demographischen Wandel auch als demographisches Dilemma, der schrumpfenden Gesellschaft, gesprochen ().

Fest steht, dass seit 2003 ein stetiger Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen ist (BIB 2008, S.6; Schmidt 2006, S. 2-5).

2.1. Bevölkerungsstand und -entwicklung

Am 31.12.2007 zählte Deutschland rund 82,2 Millionen Einwohner. Das ist ein Bevölkerungsrückgang von 0,1Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zurückzuführen ist dies auf das negative Ergebnis der natürlichen Bevölkerungsbilanz. Angaben des statistischen Bundesamts zur Folge wurden 2007 rund 685.000 Kinder geboren, während 827.000 Sterbefälle zu verzeichnen waren. Diesem Geburtendefizit von 142.000 stand der geringe Zuwanderungsüberschuss von rund 44.000 gegenüber (destatis 2007b; destatis 2007c).

Bis zum Jahr 2050 wird die Einwohnerzahl Deutschlands, bei anhaltenden aktuellen demographischen Trends, zwischen 74 und 69 Millionen liegen (destatis 2006, S. 5).

Im Folgenden werden die Entwicklungsprozesse der Haupteinflussfaktoren Fertilität, Mortalität und Außenwanderung genauer beleuchtet.

2.2 Geburtenentwicklung

Bekannt ist, dass ein Reproduktionsniveau von rund 2,1 notwendig ist um die Bevölkerungszahl, ohne Zuwanderung, konstant zu halten. Tatsächlich ist bereits seit etwa 30 Jahren ein stetiger Geburtenrückgang zu beobachten.

Sogar im Jahr 1946, im Jahr nach dem zweiten Weltkrieg, lag die Geburtenzahl mit 922.000 rund 26 Prozent über der Geburtenhäufigkeit 2007. Der sich nach dem zweiten Weltkrieg einstellende „Baby-Boom“ zeichnete sich Anfang der 1960er durch eine Geburtenrate von 2,5 aus. Der Höhepunkt wurde 1964 erreicht mit etwa 1,4 Millionen Geburten. In den folgenden Jahren nahmen die Geburten in Deutschland kontinuierlich ab. Grundlegend bedingt durch die Einführung der Pille und der veränderten Haltung gegenüber der Familie. Der vorläufige Geburtentiefststand von weniger als 1,3 Kindern pro Frau wurde Mitte der 1980er erreicht. In den 1990er kam es auf Grund der höheren Anzahl an gebärfähigen Frauen wiederum zu einem Anstieg von Kindergeburten (destatis 2007a, S.8-16).

Ab 1998 sanken die Geburten erneut und schwanken seither zwischen 1,3 und 1,4. Es ist davon auszugehen, dass die Geburtenziffer weiter sinkt, da mit zurückgehender Geburtenzahl auch die Anzahl potentieller Mütter sinkt (destatis 2006, S.5; Enquête-Kommission, S.15).

Festzuhalten ist allerdings auch, dass selbst bei einem allmählichen Anstieg der Geburtenrate auf bestandserhaltendes Niveau von 2,1 bis zum Jahr 2030 eine Bevölkerungsschrumpfung bei einem Einwanderungsüberschuss von 150000 jährlich bis zum Jahr 2060 nicht abzuwenden wäre. Ohne Einwanderung würde sich der Bevölkerungsrückgang trotz 2,1 Kind pro Frau bis 2080 fortsetzen (Birg 2006, S. 12).

2.3 Entwicklung der Mortalität

Die Sterberate bildet die Gegenseite zur Fertilitätsrate in der natürlichen Bevölkerungsbilanz. Hier muss neben der Lebenserwartung auch die Altersstruktur Beachtung finden.

In den letzten 130 Jahren ist die Lebenserwartung in Deutschland kontinuierlich gestiegen, um mehr als 45 Jahre. Weiter ist davon auszugehen, dass jeder heute geborene Jahrgang zwei bis drei Monate länger lebt als der jeweilige vorherige (destatis 2006, S. 37 f.).

Bis 2050 ist mit einer Vervierfachung der über 80jährigen zu rechnen (Enquête-Kommission, S.15). Dieser Anstieg der Lebenserwartung ist im Wesentlichen auf die stetige Verbesserung der medizinischen Versorgung zurückzuführen und dem damit verbundenen gesundheitlichen Zustand der Bevölkerung. Ebenso ist auch die Lebensweise ein wichtiger Faktor (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2007, S.12). Allerdings ist trotz der steigenden Lebenserwartung mit einer Zunahme von Sterbefällen zu rechnen auf Grund der aktuellen Altersstruktur. Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen allmählich ein hohes Alter, somit kann bis 2030 von einem Anstieg der Sterbefälle auf etwa eine Million ausgegangen werden.

Die Auswirkungen werden unter anderem am Altenquotienten deutlich, welcher Ende 2005 in Deutschland bei 32 lag (destatis 2006, S. 5). Das heißt, dass auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter, zwischen 15 und 65 Jahren, 32 nicht mehr erwerbsfähige Personen im Altern von 65 und älter entfielen. Bis im Jahr 2050 wird mit einem Altenquotienten zwischen 60 und 64 gerechnet (Birg 2004, S.2; Enquête-Kommission, S.15).

Festzuhalten ist hier, dass von einem stetigen aber langsameren Anstieg der Lebenserwartung ausgegangen wird als es bisher der Fall war. Diese Annahme beruht auf dem nahezu ausgeschöpften Verbesserungspotenzial hinsichtlich Sterberaten in niedrigen Altersklassen wie zum Beispiel der Säuglingssterblichkeit. Somit erfolgt der Zuwachs an Lebenserwartung überwiegend in höheren Altersklassen (destatis 2006, S. 41).

2.4 Entwicklung der Außenwanderung

Außenwanderung ist neben der natürlichen Bevölkerungsbilanz ebenfalls ein einflussreicher Faktor der demographischen Entwicklung. Unter Außenwanderung sind alle Bewegungen über die Grenze eines Landes zu verstehen.

Ausschlaggebend sowohl für die Bevölkerungszahl eines Landes als auch die Alterstruktur ist das Wanderungssaldo.

Im Gegensatz zur Geburten- und Streberate lassen sich hinsichtlich der Wanderungsdynamik nur schwer Vorhersagen treffen, da neben der Migrationspolitik auch die allgemeine politische, wirtschaftliche, demographische und ökologische Situation der jeweiligen Herkunftsländer und auch von Deutschland ausschlaggebend sind.

Dennoch können anhand der bisherigen Wanderungsprozesse Tendenzen abgeleitet werden.

Festzuhalten ist hier, dass 80 Prozent der Wanderungsströme von Personen mit nicht deutscher Staatsangehörigkeit verursacht werden. Die starken Schwankungen im Migrationsverlauf ausländischer Personen sind auf politische Entscheidungen zurückzuführen wie zum Beispiel das Anwerben ausländischer Arbeitnehmer während des Wirtschaftsaufschwungs in den 1950er und 1960er Jahren und entsprechend der Anwerbestopp 1973.

Die Fortzüge aus Deutschland bleiben hingegen über viele Jahre stabil. Ebenfalls weisen die Zu- und Fortzüge ausländischer Personen eine charakteristische Geschlechts- und Alterstruktur auf. So zeigen die Daten bei der Betrachtung im Zeitraum von 1991 bis 2004, dass zwar männliche Migranten eine höhere Mobilität als weibliche Migranten aufweisen allerdings bleiben per Saldo seit 1993 mehr Frauen in Deutschland als Männer. Männliche Migranten wandern überwiegend im Alter zwischen 20 und 30, eine ähnliche Alterstruktur zeigt sich bei den Frauen welche am häufigsten zwischen 19 und 29 zu- oder fortwandern.

Betrachtet man die positiven Wanderungssaldi der verschiedenen Herkunftsländer zwischen 2002 und 2004 stellen Polen, Russland und die Türkei die ersten Positionen dar.

[...]

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Details

Titel
Elterngeld als familienpolitische Maßnahme zur Steigerung der Geburtenrate aus bevölkerungsökonomischer Perspektive
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Soziologie )
Veranstaltung
Bevölkerungsdynamik und Sozialstruktur
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V133866
ISBN (eBook)
9783640415915
ISBN (Buch)
9783640408504
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elterngeld, Maßnahme, Steigerung, Geburtenrate, Perspektive
Arbeit zitieren
Martina Geyer (Autor), 2008, Elterngeld als familienpolitische Maßnahme zur Steigerung der Geburtenrate aus bevölkerungsökonomischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133866

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