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Der Bürgerhaushalt als Instrument der kooperativen Demokratie

Dargestellt am Beispiel der Bürgerhaushaltsverfahren von Berlin-Lichtenberg und Köln

Title: Der Bürgerhaushalt als Instrument der kooperativen Demokratie

Thesis (M.A.) , 2009 , 94 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Denise Engel (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Die Beeinflussbarkeit der Politik durch alle Bürger scheint auf den ersten Blick eine Selbstverständlichkeit und ein Grundelement demokratischer Herrschaftsmodelle zu sein. Betrachtet man das Zustandekommen von Entscheidungen in demokratischen Staaten genauer, zeigt sich jedoch, dass Zielfindungsprozesse häufig so komplex sind, dass sie von der Mehrheit der Bürger weder nachvollzogen noch bewusst beeinflusst werden können. Diese Entwicklung hat in vielen Fällen zu einer Entfremdung zwischen den Bürgern und dem demokratischen System geführt. Viele der gesellschaftlich oder politisch engagierten Menschen haben den Parteien den Rücken gekehrt und sind heute in Nichtregierungsorganisationen oder Bürgerinitiativen aktiv. So hat seit der Bildungsexpansion der 1960er und 1970er Jahre der Wunsch nach Mitbestimmungsmöglichkeiten tendenziell eher zugenommen, während die Bereitschaft zur Beteiligung im Rahmen des bestehenden Parteiensystems zurückgegangen ist. Langfristig ist eine Anpassung des demokratischen Systems an die gesellschaftlichen Verhältnisse notwendig, um dessen Bestand zu garantieren. Ein solcher Wandel des politischen Systems, hin zu mehr Mitbestimmung, wird in Deutschland verstärkt seit den 1990er Jahren vollzogen. Der Globalisierung der Probleme versucht man dabei mit einer Verörtlichung der Lösungen zu begegnen. Die dialogorientierten Instrumente der kooperativen Demokratie sollen eine sachliche Diskussion der Teilnehmer über politische Entscheidungen ermöglichen. Sie können einen neuen Dialog zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerschaft herbeiführen und zur Findung konsensorientierter Lösungen für kommunale Probleme beitragen. Die Gestaltungsmöglichkeiten für Instrumente der kooperativen Demokratie sind sehr vielfältig. Eines der bekanntesten Verfahren unter ihnen ist der Bürgerhaushalt, der den Bürgern die Mitwirkung bei der Haushaltsplanung der Kommune ermöglichen soll. Der Bürgerhaushalt hat den Anspruch, die Bürgerschaft so in den Ablauf der Haushaltsplanung einzubinden, dass diese in der Lage ist qualifiziert über das Thema zu diskutieren und sinnvolle Vorschläge zum Haushaltsplan zu unterbreiten. Damit ist der Bürgerhaushalt eines der anspruchsvollsten und aufwändigsten Beteiligungsinstrumente der kooperativen Demokratie. Diese Arbeit geht unter anderem der Frage nach, inwieweit die in Deutschland durchgeführten Bürgerhaushaltsverfahren zur Umsetzung der kooperativen Demokratie auf kommunaler Ebene beitragen konnten.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verwaltungsmodernisierung und das Leitbild der Bürgerkommune - Hintergründe der Verbreitung des Bürgerhaushalts in Deutschland

3. Kooperative Demokratie in der Bürgerkommune

4. Der Bürgerhaushalt als Partizipationsinstrument

4.1. Der Ursprung des Beteiligungshaushalts in Porto Alegre

4.2. Die Verbreitung des Beteiligungshaushalts in der Welt

5. Die Verbreitung des Bürgerhaushalts in Deutschland

5.1. Der Beteiligungshaushalt von Christchurch als Vorbild deutscher Verfahren

5.2. Das Grundmodell der deutschen Bürgerhaushaltsverfahren

6. Modellprojekte zum Bürgerhaushalt in deutschen Kommunen

6.1. Das Reformnetzwerk „Kommunen der Zukunft“

6.2. Das Projekt „Kommunaler Bürgerhaushalt“ in Nordrhein-Westfalen

6.3. Das Projekt „Bürgerhaushalt in Großstädten“

7. Deutsche Bürgerhaushaltsverfahren - Zwei Beispiele aus der Praxis

7.1. Der Bürgerhaushalt 2007 in Berlin-Lichtenberg

7.1.1. Die Vorgeschichte des Bürgerhaushalts von Lichtenberg

7.1.2. Das Bürgerhaushaltsmodell von Berlin-Lichtenberg

7.1.3. Die Ergebnisse des ersten Bürgerhaushaltsverfahrens in Lichtenberg

7.2. Der Bürgerhaushalt von Köln

7.2.1. Die Vorgeschichte des Kölner Bürgerhaushalts

7.2.2. Das Bürgerhaushaltsmodell von Köln

7.2.3. Die Ergebnisse des Bürgerhaushalts von Köln

7.3. Vergleich der Bürgerhaushaltsverfahren von Berlin-Lichtenberg und Köln

7.3.1. Vergleich der Ausgangsbedingungen in Berlin-Lichtenberg und in Köln

7.3.2. Vergleich der Bürgerhaushaltsmodelle von Lichtenberg und Köln

7.3.3. Vergleich der Resultate der Bürgerhaushaltsverfahren in Lichtenberg und Köln

8. Bewertung des Bürgerhaushalts als Beteiligungsinstrument

8.1. Kritik am deutschen Bürgerhaushalt

8.2. Die Stärken des Bürgerhaushalts

9. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial des Bürgerhaushalts als Instrument der kooperativen Demokratie in deutschen Kommunen. Dabei wird analysiert, inwiefern dieses Verfahren zur Verwaltungsmodernisierung beitragen und das Vertrauen der Bürgerschaft in politische Entscheidungsprozesse stärken kann.

  • Grundlagen der kooperativen Demokratie und des Leitbilds der Bürgerkommune
  • Geschichte und internationale Verbreitung des Beteiligungshaushalts (von Porto Alegre bis Christchurch)
  • Analyse und Vergleich der Praxisbeispiele Berlin-Lichtenberg und Köln
  • Kritische Bewertung der Chancen und Grenzen von Bürgerhaushaltsverfahren
  • Herausforderungen bei der Umsetzung in Zeiten knapper kommunaler Kassen

Auszug aus dem Buch

4.1. Der Ursprung des Beteiligungshaushalts in Porto Alegre

Der erste Beteiligungshaushalt weltweit wurde in der brasilianischen Stadt Porto Alegre durchgeführt, der Hauptstadt des südlichsten Bundesstaates Rio Grande do Sul. Die Stadt liegt an der Mündung des Flusses Guaíba und hat rund 1,3 Millionen Einwohner. Bereits seit 1989 werden die Bürger der Hafenstadt Jahr für Jahr an der Aufstellung des städtischen Investitionshaushaltes beteiligt. Bis heute dient der Beteiligungshaushalt von Porto Alegre als Vorbild für Gemeinden in der ganzen Welt und gehört dabei zu den komplexesten und erfolgreichsten Verfahren.

Die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen für ein solches Verfahren sind in Brasilien ganz anders als in Westeuropa. Brasilien ist in Lateinamerika eine Regionalmacht. Seine wirtschaftliche Stärke verdankt es neben dem Export von Agrarprodukten wie Soja und Kaffee auch der Herstellung von Sekundärgütern wie Maschinen und elektronischen Geräten. Porto Alegre entwickelte sich unter anderem aufgrund seiner Nähe zu Uruguay und Argentinien in den letzten Jahren zu einem wichtigen Knotenpunkt der südamerikanischen Freihandelszone Mercosur.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Entfremdung zwischen Bürgern und dem demokratischen System sowie den Wunsch nach verstärkter lokaler Mitbestimmung.

2. Verwaltungsmodernisierung und das Leitbild der Bürgerkommune - Hintergründe der Verbreitung des Bürgerhaushalts in Deutschland: Das Kapitel verknüpft die Einführung des Bürgerhaushalts mit den Verwaltungsreformen und den finanziellen Zwängen der 1990er Jahre.

3. Kooperative Demokratie in der Bürgerkommune: Es werden Formen der konventionellen und unkonventionellen Beteiligung beschrieben und die Bedeutung der lokalen Ebene als "Nachwuchsschule der Demokratie" herausgestellt.

4. Der Bürgerhaushalt als Partizipationsinstrument: Hier wird der Bürgerhaushalt als dialogorientiertes Verfahren definiert, das den Einwohnern Einfluss auf die Verteilung kommunaler Ressourcen ermöglicht.

5. Die Verbreitung des Bürgerhaushalts in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die Ankunft der Idee in Deutschland und die starke Orientierung am neuseeländischen Christchurch-Modell.

6. Modellprojekte zum Bürgerhaushalt in deutschen Kommunen: Es werden die drei wichtigsten Initiativen vorgestellt, die die Verbreitung des Bürgerhaushalts in deutschen Kommunen maßgeblich beeinflusst haben.

7. Deutsche Bürgerhaushaltsverfahren - Zwei Beispiele aus der Praxis: Ein detaillierter Vergleich der Verfahren in Berlin-Lichtenberg und Köln, basierend auf ihrer Entstehungsgeschichte, Gestaltung und Ergebnissen.

8. Bewertung des Bürgerhaushalts als Beteiligungsinstrument: Dieses Kapitel analysiert sowohl die Kritik an der mangelnden sozialen Reichweite als auch die Stärken des Bürgerhaushalts hinsichtlich Transparenz und Kommunikation.

9. Fazit und Ausblick: Die abschließende Betrachtung fasst zusammen, dass der Bürgerhaushalt ein lernendes Instrument ist, dessen Erfolg stark von der konsequenten Umsetzung durch Verwaltung und Politik abhängt.

Schlüsselwörter

Bürgerhaushalt, Kooperative Demokratie, Bürgerkommune, Verwaltungsmodernisierung, Partizipation, Bürgerbeteiligung, Kommunalpolitik, Porto Alegre, Christchurch, Berlin-Lichtenberg, Köln, Haushaltspolitik, Transparenz, Zivilgesellschaft, Haushaltsplanung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Bürgerhaushalt als Instrument der kooperativen Demokratie in deutschen Kommunen und wie dieses Verfahren dazu genutzt werden kann, Bürger stärker an der kommunalen Haushaltsplanung zu beteiligen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung, die theoretischen Grundlagen der kooperativen Demokratie sowie der Vergleich praktischer Umsetzungsmodelle in verschiedenen deutschen Städten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Autorin geht der Frage nach, inwiefern durchgeführte Bürgerhaushaltsverfahren in Deutschland tatsächlich zur Umsetzung einer kooperativen Demokratie auf lokaler Ebene beitragen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende Analyse der Bürgerhaushaltsverfahren in Berlin-Lichtenberg und Köln durchgeführt, ergänzt durch die Aufarbeitung von Literatur, Dokumentationen und internationalen Best-Practice-Beispielen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Bürgerhaushalts, beleuchtet internationale Vorbilder wie Porto Alegre und Christchurch und wertet die Erfahrungen aus den Modellprojekten in Nordrhein-Westfalen und den beiden Fallbeispielen Lichtenberg und Köln aus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben Bürgerhaushalt und kooperativer Demokratie auch Bürgerbeteiligung, Verwaltungsmodernisierung, Haushaltsplanung und Partizipationsinstrumente.

Warum unterscheiden sich die Modelle in Lichtenberg und Köln so stark?

Die Unterschiede ergeben sich aus den spezifischen lokalen Ausgangsbedingungen: Während Lichtenberg als Pilotprojekt für Großstädte durch die Bundeszentrale für politische Bildung stark geprägt wurde, setzte Köln primär auf ein vollständig webbasiertes, großflächiges Internetportal-Modell.

Welche Rolle spielt die Zivilgesellschaft bei den Verfahren?

Die Zivilgesellschaft ist oft ein entscheidender Treiber für die Einführung, wird jedoch im laufenden Verfahren in den deutschen Modellen häufig eher beratend und weniger direkt gestaltend einbezogen.

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Details

Title
Der Bürgerhaushalt als Instrument der kooperativen Demokratie
Subtitle
Dargestellt am Beispiel der Bürgerhaushaltsverfahren von Berlin-Lichtenberg und Köln
College
RWTH Aachen University  (Institut für Politikwissenschaften)
Grade
1,5
Author
Denise Engel (Author)
Publication Year
2009
Pages
94
Catalog Number
V133872
ISBN (eBook)
9783640415946
ISBN (Book)
9783640406999
Language
German
Tags
Bürgerhaushalt Demokratie Partizipation Köln Lichtenberg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Denise Engel (Author), 2009, Der Bürgerhaushalt als Instrument der kooperativen Demokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133872
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