Investitionen am russischen Kapitalmarkt


Projektarbeit, 2008
47 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis…..…..II

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Der russische Kapitalmarkt 2

2.1. Entwicklung des russischen Kapitalmarktes

in den 1990er Jahren 2

2.2. Aktueller Stand der Kapitalmarktentwicklung 3

2.3. Rechtliche Rahmenbedingungen 6

2.4. Börsenhandel und handelbare Finanzprodukte 7

3. Methoden zur Aktienanalyse und Portfoliozusammenstellung.…13

3.1. Fundamentale Aktienanalyse 13

3.2. Performancemessung 16

4. Empirische Untersuchung19

4.1. Stichprobenumfang...19

4.2. Analyse der Stichprobe 19

4.3. Ergebnisse der Untersuchung ..22

5. Fazit…...….26

Quellenverzeichnis…27

Anhangverzeichnis…31

Anhang…32

Abkürzungsverzeichnis

AktG Aktiengesetz

ADRs American depositary receipts

BIP Bruttoinlandsprodukt

BPS Bookequity per Share

bspw. beispielsweise

bzw. beziehungsweise

ca. circa

CAPM Capital Asset Pricing Model

CF Cashflow

d.h. das heißt

EPS Earnings per Share

etc. et cetera

f. folgende

FFMS Federal Financial Market Service

ff. fortfolgende

GDRs Global depositary receipts

Hrsg. Herausgeber

IPO Initial Public Offering

KBV Kurs-Buchwert-Verhältnis

KCV Kurs-Cashflow-Verhältnis

KGV Kurs-Gewinn Verhältnis

KUV Kurs-Umsatz-Verhältnis

LSE London Stock Exchange

MICEX Moscow Interbank Currency Exchange

NASDAQ National Association of Securities Dealers Automated Quotations

NYSE New York Stock Exchange

o.g. oben genannt

o. J. ohne Jahresangabe

OTC Over The Counter

P Price

P/ BV Price per Bookvalue

P/CF Price per Cashflow

P/ E Price per Earnings

P/S Price per Sales

rf risk free rate

rM Marktrendite

rp Portfoliorendite

RSFSR Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik

RTS Russian Trade System

S. Seite

sog. so genannte

SR Sharpe-Ratio

TR Treynor-Ratio

Vgl. vergleiche

WpmG Gesetz der Russischen Föderation "Über den Wertpapiermarkt"

z. B. zum Beispiel

αp Jensen’s Alpha

β Sensitivitätsmaß des relativen Risikos

σp Volatilität des Portfolios

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Handelsvolumen im Zeitraum 2000-2006,

in Mrd. US-Dollar…..8

Abbildung 2: Der Umsatz unterschiedlicher Segmente von der MICEX

Gruppe im Zeitraum 2000-2006, in Prozent...…9

Abbildung 3: Branchenverteilung von MICEX Index…10

Abbildung 4: Der Handel mit ADR/GDR auf russische Aktien

außerhalb der Russischen Föderation…...10

Abbildung 5: Kumulative Wertentwicklung der Portfoliostrategien...22

Abbildung 6: Annualisierte Jahresrendite und Standardabweichung

der einzelnen Portfoliostrategien..23

Abbildung 7: Performance-Vergleich auf Basis der Sharpe- und

Treynor-Ratio..24

Abbildung 8: Interpretation des Jensen’s Alphas im

Rendite-Betafaktor Diagramm25

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Rendite/Risiko-Profil der konstruierten Portfolios.…..20

Tabelle 2: Performanceanalyse der Portfoliostrategien….22

1. Einleitung

Mitte 1986 hat Michail Gorbatschow ein Prozess zur Umbau und Modernisierung der sowjetischen Gesellschaft, die sog. "Perestroika", eingeleitet, was zur Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 führte.

Seit dem Übergang von einer zentral gesteuerten Planwirtschaft zu einer
sozialen Marktwirtschaft haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Russland wesentlich verändert. Derzeit zeichnet sich Russland durch ein hohes Wirtschaftswachstum und zunehmende Integration in die globalen Märkte aus. Viele Reformen wurden umgesetzt und das Steuersystem ist
gerechter und transparenter geworden. Dabei strebt Russland danach, den Folgen der Bürokratie, Korruption und einem schwächenden Gerichtssystems entgegen zu wirken.

Aufgrund eines stabilen Investitionsklimas und zahlreicher Anlagemöglichkeiten ist Russland inzwischen sowohl für einheimische als auch für ausländische Investoren zunehmend attraktiv geworden. Obwohl schon viele Barrieren abgeschafft wurden, bleiben noch mehrere Sektoren für ausländische Investitionen geschlossen.

Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit besteht darin, den russischen Aktienmarkt als Teil des Kapitalmarktes zu untersuchen und dabei die erfolgreichsten Investitionsstrategien aufzuzeigen. Zu diesem Zweck wird eine empirische Untersuchung anhand des MICEX Indexes auf Basis der fundamentalen Aktienanalyse und Performancemessung durchgeführt.

Der erste Schritt der Arbeit bezieht sich auf die Entwicklung, die Besonderheiten und die Probleme des Kapitalmarktes sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Russischen Föderation. Im zweiten Schritt werden bestimmte Methoden zur Aktienanalyse und Portfoliozusammenstellung vorgestellt, die eine fundierte Investitionsentscheidung ermöglichen. Im Anschluss daran soll Aufbau der empirischen Untersuchung verdeutlicht sowie deren Ergebnisse präsentiert werden.

2. Der russische Kapitalmarkt

2.1. Entwicklung des russischen Kapitalmarktes in den 1990er Jahren

Im Unterschied zur westeuropäischen Staaten sind in Russland wegen eines langjährigen Aufbaus des Kommunismus ziemlich spät börsenähnliche Strukturen entstanden.

Anfang der 1990er Jahren hat Russland infolge des Übergangs zur Markwirtschaft und des Zerfalls der Sowjetunion eine Wirtschaftskrise erlebt. Mit dem Privatisierungsprozess machten sich erste Kennzeichnen für die Wiederherstellung und Entwicklung des russischen Kapitalmarktes bemerkbar.[1]Die rechtmäßige Grundlage dafür war das Gesetz „Über die Privatisierung staatlicher und kommunaler Unternehmen in der RSFSR“ vom 3. Juli 1991. Damit wurde eine konsequente und rasche Überführung zunächst kleiner und mittelständischer Unternehmen in Privateigentum durchgeführt. Nachdem ein Dekret über die Bildung von Aktiengesellschaften von dem Präsidenten Boris Jelzin unterzeichnet wurde, hat die Privatisierung großer Unternehmen begonnen.[2]

Gleichzeitig haben die Unternehmen nach bestimmten Verordnungen das Recht zur Wertpapierausgabe erhalten. Dadurch entstand erstmals in Russland die Gelegenheit Aktien eines Unternehmens zu kaufen. Bis zum Herbst 1991 erreichte die Zahl der Aktiengesellschaften 400. Im Zusammenhang mit der zunehmenden Anzahl der Wertpapiere haben sich auch die Wertpapierbörsen entwickelt.[3]

Die Moskauer Interbank Wertpapierbörse (MICEX), die im Jahr 1992 gegründet wurde, war die erste russische Börse, die sich nur mit dem Handel von Wertpapieren beschäftigte. In dieser Zeit wurden Aktien überwiegend außerhalb der Börse gehandelt und der Umsatzanteil von Aktien an der MICEX lag Anfang 1992 bei 0,3%.[4]Damit hat MICEX einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau der Infrastruktur des russischen Finanzmarktes geleistet.

Im Jahr 1995 entstand das Russische Handelssystem RTS, das analog zur amerikanischen Börse NASDAQ aufgebaut wurde.[5]Die Entstehung des RTS führte zu weiteren Gründungen von Wertpapierbörsen. So wurden im 1997 die Moskauer Fondsbörse sowie regionale Börsen gegründet.

Die erste Entwicklungsphase des neuen russischen Wertpapiermarktes wurde aber infolge der im Jahr 1998 ausgelösten Finanzkrise gestoppt.[6]

2.2. Aktueller Stand der Kapitalmarktentwicklung

Seit der Währungs- und Finanzkrise 1998 befindet sich die Russische Föderation erst im Aufschwung. Die hohen Ölpreise sowie die Abwertung des russischen Rubels haben die Exportwirtschaft stark gefördert. Derzeit zeichnet sich die russische Wirtschaft durch einen hohen Anstieg der Produktion, des Konsums und der Investitionen aus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) weist jährlich ein durchschnittliches Wachstum von 6% auf, hängt aber nach wie vor stark von der Entwicklung der Energiepreise ab.[7]Das Investitionsklima in Russland verbessert sich ständig und immer mehr ausländische Unternehmen drängen auf den russischen Markt.

Eine positive Wirtschaftsdynamik beeinflusst die Entwicklung des russischen Kapitalmarktes.Das Handelsvolumen mit Aktien hat an den russischen Börsen seit 1998 stark zugenommen, auch die Kurse, besonders die der Rohstoffe, sindum das Zehnfache gestiegen. Um das Vertrauen der Investoren wieder-zugewinnen, wurden gewisse Maßnahmen seitens russischer Regierung und Unternehmen getroffen. Dazu zählen vor allem die Aufnahme des auf den OECD-Grundsätzen basierenden „Corporate Governance Kodex“ im Jahr 2002 und auch dieverbesserteTransparenz undVeröffentlichung der Unternehmensbilanzen.Der russische Gesetzgeber bemüht sich, eine gute Corporate Governance einzuführen und dabei die Interessen der Anteilseigner, ausgehend von einem „Shareholder-Value-Ansatz“, mit den Interessen der restlichen Gruppen, wie Management, Belegschaft, Kunden, Lieferanten und Banken, in Einklang zu bringen.[8]

Der russische Aktienmarkt hat sich im Vergleich zu den westlichen Aktienmärkten in den letzten Jahren gut entwickelt und ist derzeit durchzunehmende Diversifizierung charakterisiert. Die Kapitalisierung des Aktien-marktes ist in letzter Zeit wegen der hohen Rohstoffpreisen und des binnenwirtschaftlichen Wachstums deutlich gestiegen. Die Liquidität bleibt aber im internationalen Vergleich gering.[9]Der durchschnittliche Tagesumsatz des Handels mit russischen Aktien betrug im Jahr 2007 ca. 5,94 Mrd. US-Dollar. Davon entfällt 70% auf die russischen Börsen und 30% der Aktien werden außerhalb der Russischen Föderation an der LSE, der NYSE sowie an der Frankfurter Börse gehandelt.[10]

Der russische Anleihenmarkt ist weiterhin im internationalen Vergleich sehr gering. Während inländische Anleihen einen Anteil von ca. 7% des BIP haben, machen Eurobonds nur ca. 9% des BIP aus. Wobei das Volumen der inländischen Anleihen um 300% seit 2003 gewachsen ist. Was das Emissions- als auch das Handelsvolumen betrifft, haben die Unternehmensanleihen am inländischen Markt im Jahr 2006 einen Vorsprung gegenüber der Staatsanleihen zum ersten Mal gewonnen. Der Markt für Staatsanleihen wies früher den größten Anteil am russischen Anleihenmarkt auf, heute schrumpft er jedoch wegen der Haushaltüberschüsse.[11]

Trotz der genannten Veränderungen befindet sich der russische Kapitalmarkt noch in der Entwicklung. Sowohl der Mangel an den gesetzlichen Vorschriften als auch die Unterentwicklung der Kapitalmarktinfrastruktur, der Zahlungs- und Abwicklungssysteme halten ausländische Investoren zurück. Staatlichen Institutionen bleiben weiterhin schwach. Die Folge ist ein Defizit des Angebotes sowie der Nachfrage nach Wertpapieren und eine relativ geringe Anzahl von in- und ausländischen Investitionen. Dabei üben die Energiepreise sowie Entwicklungen an den Weltkapitalmärkten einen hohen Einfluss aus.[12]

Der russische Kapitalmarkt leistet einen kleinen Beitrag zu den Investitionen. Für die Finanzierung russischer Unternehmen haben Börsengänge oder IPOs wegen des komplizierten und teueren Erwerbs eine geringe Bedeutung. Die Unternehmen werden heutzutage überwiegend durch Eigenfinanzierung, Bankkredite oder Emission von Industrieobligationen unterstützt. Dennoch ist z.B. der Anteil der über den Aktienmarkt finanzierten Investitionen von 0,3% im Jahr 2005 auf 2,2% gestiegen, was auf die große Anzahl von Neuemissionen im Jahr 2006 zurückzuführen ist.[13]Große russische Unternehmen wie Lukoil, Gazprom oder die wichtigsten Banken emittieren ihre Anleihen aufgrund des steigenden Finanzierungsbedarfs sowohl auf dem einheimischen Markt als auch auf dem Eurobond-Markt. Nicht alle Unternehmen, überwiegend mittelständische, haben aber einen Zugang auf den Markt für Eurobonds wegen der fehlenden Bonitätsratings und des erforderlichen Mindestemissions-volumens von 100 Mio. US-Dollar.[14]

Das allgemeine Niveau von Corporate Governance in Russland bleibt jedoch nach wie vor unter den internationalen Standards. Ein großes Problem bei der Umsetzung von Corporate Governance ist durch den Ausmaß der Insider-Kontrolle bedingt. Das hängt mit der Tatsache zusammen, dass überwiegend die Unternehmens-Insider, also Manager und Mitarbeiter, zu Anteilseignern geworden sind. Bei vielen russischen Unternehmen mangelt es noch an effizienten Eigentums- und Kontrollstrukturen.[15]

Die geringe Anzahl der börsennotierten Unternehmen, deren Aktien hinreichend liquide sind, verursachte eine sehr starke Konzentration des Handels mit Blue Chips (z.B. Sberbank, VTB, Surgutneftegaz und Norilsk Nickel), der mehr als 90% des Gesamthandels mit Wertpapieren russischer Emittenten beträgt.[16]

Eine schwache Wertpapiernachfrage ist durch die begrenzte, aber tendenziell steigende Anzahl der institutionellen Investoren sowie das Misstrauen seitens Privatanleger gegenüber marktwirtschaftlichen Mechanismen bedingt. Dieses noch nicht ausgenutzte enorme Marktpotenzial aller Investoren könnte eine Umsatzsteigerung der russischen Börsen fördern. Ein weiterer Grund für mangelnde Nachfrage besteht in den fehlenden Schutzmechanismen der Rechte von Klein- und Minderheitsaktionären.[17]

Um das Investitionsklima in Russland zu verbessern und gleichzeitig zur Diversifizierung und Wettbewerbsfähigkeit der russischen Wirtschaft einen Beitrag zu leisten, sind wirtschaftliche Strukturreformen sowie eine Reform der öffentlichen Verwaltung notwendig.[18]

Der Bildungsprozess eines funktionierenden und leistungsfähigen Kapital-marktes in der Russischen Föderation sowie die Annäherung an westeuropäische Standards sind noch nicht abgeschlossen. Obwohl noch erhebliche Hindernisse im Wege stehen, sollten Fortschritte nicht unterschätzt werden.

2.3. Rechtliche Rahmenbedingungen

Nach der Entstehung der Russischen Föderation sollte Russland in den letzten 17 Jahren mit einer komplett neuen Rechtsordnung ausgestattet werden. Da der Kapitalmarkt sich ständig durch neue Produkte und Innovationen weiterentwickelt, arbeitet der Gesetzgeber daran, Gesetze, Normen und Richtlinien zu entwerfen und zu ergänzen, die ein problemloses Funktionieren des Marktes ermöglichen. Somit können sich die am Wertpapierwesen Beteiligten auf einigermaßen sicherem Boden bewegen.

Zur Regulierung des Wertpapiermarktes sind das russische Zivilgesetzbuch, das föderale Aktiengesetz sowie Verordnungen der Regierung, der Zentralbank und des Finanzministeriums von zentraler Bedeutung.[19]

Der Kapitalmarkt und die Wertpapiertransaktionen in der Russischen Föderation sind in erster Linie durch das Föderalgesetz №39-FZ "Über den Wertpapiermarkt" vom 22. April 1996, geändert am 04. Januar 2003, und Föderalgesetz №46- FZ "Über die Verteidigung der Rechte und Interessen von Investoren am Wertpapiermarkt" vom 5. März 1999 geregelt.[20]

Das Föderalgesetz „Über den Wertpapiermarkt“ (WpmG) erfasst allgemeine Definitionen sowie Regelungen zur Tätigkeit professioneller Teilnehmer am Wertpapiermarkt, zur Emission und Umlauf von Wertpapieren, zur Informationsoffenlegung und Regulierung des Wertpapiermarktes.[21]

Zu den wichtigsten Aufgaben der staatlichen Regulierung des Wertpapiermarkts gemäß WpmG gehören die Feststellung der Anforderungen an die Tätigkeit der Emittenten und der professionellen Teilnehmer des Wertpapiermarktes sowie die Lizenzierung ihrer Tätigkeit; die Registrierung der Emissionen und Emissionsprospekte; die Schaffung eines Systems zum Schutz der Rechte der Besitzer, etc.[22]

Die o.g. Staatsregulierungen werden durch den Föderalen Dienst für Finanzmärkte (FFMS) umgesetzt. FFMS ist die Aufsichtsbehörde, die die Tätigkeit der professionellen Teilnehmer des Finanzmarktes, einschließlich des Wertpapiermarktes, kontrolliert und überwacht sowie die Bedingungen des Wertpapierhandels und der Emissionen bestimmt.[23]

Die Verabschiedung der Föderalgesetze Nr. 208-FZ "Über Aktien-gesellschaften" (AktG) vom 26. Dezember 1995[24]und №160-FZ "Über ausländische Investitionen in der Russischen Föderation" (Auslands-investitionsgesetz) vom 9. Juli 1999[25]hat zweifellos ein positiver Beitrag zur Lage des Wertpapiermarktes und zum Investitionsklima in Russland geleistet.

Besonders interessant ist das AktG, das folgende Aspekte wie Veröffentlichung von Jahresabschlüssen für den allgemeinen Zugang, Umwandlung geschlossener Aktiengesellschaften in offene, Schutzmaßnahmen gegen Insidergeschäfte, Befugnisse der Manager und der Aktionäre berücksichtigt. Im Rahmen des AktG wurde festgestellt, einen sog. Marktwert (fair value) des Unternehmens nach bestimmten Methoden der Unternehmensbewertung zu ermitteln, bevor diese Gesellschaft neue Aktien emittiert. Dies ist ein wichtiges Schutzmittel des Rechts der Aktionäre und potenzieller Anleger sowie des Marktes insgesamt gegenüber der Geldbeschaffung durch insolvente oder betrügerische Firmen.[26]

Das Auslandsinvestitionsgesetz garantiert die Rechte ausländischer Investoren und sieht das Gleichbehandlungsprinzip, Schutz vor Verstaatlichung und Enteignung vor.[27]

Insgesamt können die o.g. verabschiedeten und in Kraft getretenen Gesetze als die wichtigsten Rechtsgrundlagen zur Regulierung des Wertpapiersmarktes betrachtet werden.

2.4. Börsenhandel und handelbare Finanzprodukte

Momentan entwickeln sich in Russland zwei Börsenhandelsysteme: börsengebundene (MICEX, Moskauer Fondbörse und St. Petersburger Fondbörse) und nicht börsengebundene (RTS).[28]

MICEXist die größte Börse in Russland, in den GUS-Staaten und Mittel- und Osteuropa hinsichtlich des Handelsvolumens und konnte im Jahr 2007 der Liste der weltweit 20 Top-Börsen beitreten und den Platz 17 einnehmen.[29]Aus der Abbildung 1 wird ersichtlich, dass das Handelsvolumen von 2000 bis zum Jahr 2006 sehr stark gestiegen ist.[30]Im Jahr 2006 lag es bei rund 1,924 Mrd. US-Dollar.[31]

Abbildung 1:Das Handelsvolumen im Zeitraum 2000-2006, in Mrd. US-Dollar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an MICEX Group Annual Report.[32]

Derzeit werden auf MICEX Devisen, Aktien, Staats- sowie Unternehmens-anleihen, Derivaten, Indexfonds, aktiv verwaltete Fonds, Exchange Traded Commodities sowie Zertifikate gehandelt.[33]Die Abbildung 2 zeigt die Struktur des Handelsumsatzes unterschiedlicher Segmente der MICEX Gruppe innerhalb der Zeitperiode von 2000 bis zum Jahr 2006. Im Jahr 2006 hat sich die Struktur aufgrund der Diversifizierung der Börsengeschäfte im Vergleich zum Vorjahr verändert. Während sich im Jahr 2005 der Handelsumsatz mit Devisen auf 63,5% belief, sank es im Jahr 2006 auf 49,7%. Gleichzeitig ist der Anteil des Aktienmarktes in dem gesamten Handelsumsatz von 24,2% im Jahr 2005 auf 39,2% im Jahr 2006 gestiegen.[34]

Abbildung 2:Der Umsatz unterschiedlicher Segmente der MICEX Gruppe im Zeitraum 2000-2006, in Prozent

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an MICEX Group Annual Report.[35]

MICEX ist ein absoluter Leader im Aktienhandel, auf dem täglich mehr als 900 Wertpapiere von 500 Emittenten gehandelt werden. Auf MICEX entfällt über 98% des gesamten Handelsumsatzes mit Aktien an allen russischen Börsen und mehr als 70% des gesamten Handelsumsatzes mit Wertpapieren russischer Emittenten weltweit.[36]An der MICEX wird der MICEX Index ermittelt, der zurzeit 30 Stamm- und Vorzugsaktien, wie z.B. Gazprom, Bank of Moscow und Aeroflot beinhaltet.[37]

Aus der Abbildung 3 wird ersichtlich, dass im MICEX Index überwiegend die Unternehmen der Öl- und Gas-Branche vertreten sind. Ihr Anteil beträgt aktuell 57,5%. Banken machen fast 17,4% des Index aus, wobei allein die Sparkasse Russlands Sberbank im Index 14,1% einnimmt, gefolgt von den Branchen Metalle, Energieversorgung und Telekommunikation.[38]

[...]


[1]Vgl. Miller, R. (2000), S.79.

[2]Vgl. Rosen, R. (1993), S. 279.

[3]Vgl. Heeg, V. (2003), S.194.

[4]Vgl. Osteuropa Consulting Center (1997), S.379.

[5]Vgl. http://www.rts.ru/en/.

[6]Vgl. Vasiliev, D. (o.J.), S.5ff.

[7]Vgl. OECD (2006), S.3.

[8]Vgl. Institutional Investor magazine & MICEX Stock Exchange (2008), S.37.

[9]Vgl. Deutsche Bank Research (2007), S.7ff.

[10]Vgl. Institutional Investor magazine & MICEX Stock Exchange (2008), S.10ff.

[11]Vgl. Deutsche Bank Research (2007), S.9.

[12]Vgl. Noël, M. (2006), S.40ff.

[13]Vgl. Deutsche Bank Research (2007), S.6.

[14]Vgl. Deutsche Bank Research (2007), S.9ff.

[15]Vgl. Institutional Investor magazine & MICEX Stock Exchange (2008), S.37.

[16]Vgl. Institutional Investor magazine & MICEX Stock Exchange (2008), S.26.

[17]Vgl. Noël, M. (2006), S.33ff.

[18]Vgl. Deutsche Bank Research (2007), S.4.

[19]Vgl. Valdaitsev, S./ Zielke, R. (1997), S. 54.

[20]Vgl. PWC (2008), S.24.

[21]http://www.micex.com/4investors/download/fed_law.pdf.

[22]Abschnitt 5, Artikel 38 des WpmG.

[23]Vgl. PWC (2008), S. 21.

[24]Vgl. Valdaitsev, S./ Zielke, R. (1997), S. 54.

[25]Vgl. Brockstedt,K. (1999), S.455.

[26]Vgl. Valdaitsev, S./ Zielke, R. (1997), S. 54.

[27]Vgl. Brockstedt,K. (1999), S.455.

[28]Vgl. Raiffeisen Bank (2007), S.10.

[29]Vgl. http://www.micex.com/profile/.

[30]Vgl. MICEX Group Annual Report (2006), S.26.

[31]Vgl. PWC (2008), S. 22.

[32]Vgl. MICEX Group Annual Report (2006), S.26.

[33]Vgl. http://www.micex.com/profile/.

[34]Vgl. MICEX Group Annual Report (2006), S.27.

[35]Vgl. MICEX Group Annual Report (2006), S.27.

[36]Vgl. Institutional Investor magazine & MICEX Stock Exchange (2008), S.6.

[37]Vgl. MICEX Index Brochure (2008), S.2.

[38]Vgl. MICEX Index Brochure (2008), S.3.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Investitionen am russischen Kapitalmarkt
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Investmentbanking/Finanzmarktanalyse
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
47
Katalognummer
V133886
ISBN (eBook)
9783640415977
ISBN (Buch)
9783640412112
Dateigröße
854 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Investitionen, Kapitalmarkt
Arbeit zitieren
Irina Markova (Autor), 2008, Investitionen am russischen Kapitalmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133886

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Investitionen am russischen Kapitalmarkt


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden