Seminartagebuch und Lernprozessentwicklung für ein Seminar im Sachunterricht


Seminararbeit, 2009
61 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Einführung in die Themenstellung, Verständigung über das Seminarkonzept und die Arbeitsweise

Unsere Erde und unser eigener Sachunterricht

20.Oktober 2008 Eigene Fragen an das Buch zu den Seminarthemen 4, 5, 6

27.Oktober 2008 Welches Wissen sollen Kinder erwerben?- am Beispiel „ Unsere Erde für Kinder“

3. November 2008 Können/sollten sich die Kinder heute mit den Fragen, die in der Publikation angesprochen werden, schon beschäftigen?

10 November 2008 Wie lässt sich die Beschäftigung mit den angesprochenen Themenfeldern begründen? (Stark Bezugnehmend auf das Thema Heimatbegriffe)
Der etwas andere erste Schultag in einer Dortmunder Grundschule In dieser Klasse gibt es kein deutsches Kind mehr (Zeitungsartikel)

17. November 2008 Wie lässt sich die Beschäftigung mit den genannten Themenfeldern begründen? (Fortsetzung)
Ein paar Flügel für Schulen- Schulen im Rampenlicht (Zeitungsartikel )

24.November 2008 Kinderwissen und Lehrerwissen als Element des didaktischen Konzepts

01.Dezember 2008 Problemorientierung – Fachlichkeit – Interdisziplinarität
Artikel 13 der UN Kinderrechtskonventionen

08. Dezember 2008 Unsere Fragen zum Seminartagebuch und zum Seminar
Keine Noten, kein Sitzenbleiben, zwei Einschulungstermine (Zeitungsartikel)

15. Dezember 2008 Beschäftigung mit der Frage inwieweit eine Bildung für eine nachhaltige Entwicklung schon in der Praxis existiert.

05. Januar 2009 Kontexte für den Wissens- und Kompetenzerwerb oder Sinnvolle Kontexte für den Wissenserwerb

19. Januar 2009 Was sollen die Kinder aus dem Sachunterricht mitnehmen?

Aufsatzdiskussion Teil 1

Aufsatzdiskussion Teil 2

Seminarreflexion

Literaturverzeichnis

Einleitung

Ich heiße Carola Willner und dieses ist ein Seminartagebuch, das ich aufgrund des von mir besuchten Seminares „Unsere Erde für Kinder“ geschrieben habe. Ich möchte Grundschullehrerin für Deutsch und Sachunterricht werden. Begleitend zu meiner Sachunterrichtsvorlesung in meinem ersten Semester für den B.A. Lehren und Lernen an der Leuphana Universität Lüneburg besuchte ich also dieses Seminar, in dem wir über unterschiedliche Bildungsprozesse im Sachunterricht gesprochen haben. In diesem Seminartagebuch halte ich meine Gedanken und Ideen fest, die mir vor, während und nach den Seminarsitzungen kamen. Es geht in dieser Prüfungsleistung darum, zu erkennen, dass ein Lernprozess während des laufenden Semesters stattfand. Alle Einträge sind unmittelbar nach dem Seminar entstanden und wurden deshalb inhaltlich nicht noch einmal überarbeitet, da die an dem Tag aktuellen Einflüsse wichtig für die Bildung einer Meinung oder eines Standpunktes sind. Zu jeder Sitzung habe ich eine Reflexion geschrieben (durch einen Kasten erkenntlich gemacht), die wiedergibt, was ich persönlich aus dieser Sitzung mitgenommen habe, womit ich mich noch nach dem Seminar beschäftigt habe oder welche Fragen sich für mich beim späteren Überdenken noch ergaben. Im Anschluss an alle Sitzungen wird eine komplexe Seminarreflexion stehen, in der ich das ganze Seminar reflektiere und meinen Arbeitsprozess beschreibe. Des Weiteren werden zwei Texte aus unserem Reader diskutiert und bearbeitet, die sich mit den unterschiedlichen Themen des Seminars beschäftigen.

06. Oktober 2008

Einführung in die Themenstellung, Verständigung über das Seminarkonzept und die Arbeitsweise

In dem heutigen ersten Seminar haben wir uns mit dem Titel des Seminars beschäftigt. Was bedeutet dieser Titel? Auf welche unterschiedlichen Arten kann man den Titel verstehen? Bedeutet es, wie verstehen Kinder die Welt, oder wie erklärt man den Kindern die Welt? Mit welchen Themen der Erwachsenenwelt sollten Kinder schon konfrontiert werden und wie kann man sie für Kinder verständlich erklären?

Wir hatten viele Ideen, wovon ich einige jetzt aufgreifen möchte. Unter dem Titel kann man verstehen, dass man den Kindern den täglichen Umgang mit der Erde verdeutlicht und dass auch die Kinder täglich mit der Erde zu tun haben. Man könnte z.B. mit Kindern den Wasserkreislauf der Natur erarbeiten. Andere Stimmen des Seminars verstanden unter dem Titel, dass wir, die jungen Erwachsenen von heute, an die Nachhaltigkeit denken sollen. Wir sollen den Kindern "unsere" Erde so hinterlassen, dass auch sie ihren Kindern die Erde hinterlassen können. Somit käme man auf das Thema Umwelt, Umweltschutz und wie wichtig es ist, dass man den Kindern erklärt, dass sie selbst dazu beitragen können. Viele Stimmen beschäftigten sich aber damit, wie Kinder die Welt sehen und erkunden, doch fast in der gesamten Diskussion wurde nie darüber nachgedacht, wie wir die Welt eigentlich wahrnehmen oder wahrgenommen haben als Kinder.

Wir haben heute außerdem über grundlegende Fragen diskutiert, worauf man achten muss, wenn man Kindern Sachverstände erklärt. Vergleicht man die Wissensstände von Kindern und Erwachsenen wird man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit große Unterschiede nachweisen können. Kinder sind äußerst wissbegierig und hinterfragen alles, was sie grade sehen, und was sie noch nicht kennen. Ein Beispiel einer Seminarteilnehmerin verdeutlichte uns, dass Kinder ihr Wissen häufig aus selbst hergeleiteten Theorien, sogenannten Alltagstheorien, ziehen. (Genanntes Beispiel : Das Kind fragt: "Was sind das für weiße Streifen hinter dem Flugzeug da am Himmel? - Ach ich weiß schon, die Kochen da oben.") Zum Teil fragen sie immer weiter („Und warum?"), bis auch wir Erwachsenen keine Antwort mehr darauf wissen. Das suchen einer eigenen Antwort ist die Schaffung einer Alltagstheorie. Diese sind keineswegs immer richtig, doch helfen sie den Kindern, sich selbst die Welt zu erklären. Solche Alltagstheorien gibt es in vielen Themengebieten und auch nicht nur bei Kindern. Viele Erwachsene machen sich nicht die Mühe, eine Problematik zu hinterfragen, sondern erklären sie sich selbst, mit für sie plausibel erscheinenden Antworten.

Es hätte sehr wenig Sinn, wenn wir den Kindern versuchen die Welt mit komplizierten physikalischen oder mathematischen Gesetzen zu erklären. Wir fragten uns also im Seminar, wie wir den richtigen Weg für die Erklärungen gehen können. Wie kann man den Kindern den Zugang zu Wissen ermöglichen, ohne dass man die Kindertheorien einfach zerstört und dadurch die Kinder demotiviert werden?

Es gibt keinen roten Faden, keine Formel und kein Rezept, wie man Unterricht macht. Vielmehr ist es wichtig, sich selbst zu finden, zu verstehen, wieso grade diese Themen im Sachunterricht unterrichtet werden und nicht andere. Man muss den Sinn des Faches Sachunterricht verstehen und mit Ideen und Kreativität den Unterricht gestalten. Wir lernen im Laufe unseres Studiums und innerhalb des Seminares zu begreifen, wieso das Fach Sachunterricht für Kinder in der Grundschule so wichtig ist, wieso bestimmte Themen behandelt werden sollten und wie wir die passenden und geeigneten Themen für unsere Klassen herausfiltern können. In unserem späteren Beruf haben wir eine enorme Verantwortung den Kindern und deren Eltern gegenüber, da ein Mensch im Kindesalter extrem aufnahmefähig ist. Wegen dieser großen Verantwortung ist es wichtig, dass wir verstehen, wieso wir unseren Unterricht so gestalten, dass die Kinder mit Spaß beim Wissenserwerb dabei sind.

Ich muss zuerst einmal sagen, dass ich heute einen Einblick darin bekommen habe, was auf mich im Laufe des Studiums zukommen wird. Ich konnte mir erst nicht so recht vorstellen, was wir in einem Seminar mit diesem Titel wohl besprechen werden. Mir ist klar geworden, dass es nicht eine Art Abhakliste gibt, nach der man den Kindern Sachunterricht „beibringt“. Es ist, so denke ich, sehr wichtig, auf die Kinder einzugehen, bzw. sich zu überlegen, was die Kinder sich vielleicht schon für ein Bild von der Welt gemacht haben, um dann zu wissen, wie man auf die Kinder eingeht und mit ihnen zusammen die Welt erkunden kann. Dabei ist es aber unumgänglich, dass ein bestimmtes Einfühlungsvermögen besteht, mit welchem der Lehrer individuell auf die Schüler eingehen kann. Es ist sehr wichtig, dass grade in der Grundschule ein gutes Verhältnis zwischen den Kindern und dem Lehrer aufgebaut wird, denn hier ist die Wurzel allen Ursprungs ihrer späteren Schullaufbahn. Darum ist ein Feingefühl im Umgang mit dem Kinderwissen nicht verzichtbar.

Anhand des oben genannten Beispiels von dem Kind, das sich die Luftspuren eines Flugzeugs selbst erklärt, kann man sehr gut eine Alltagstheorie erklären. Kinder erklären sich selbst die Welt, indem sie ihnen bekanntes Wissen nutzen und es auf neue Situationen beziehen, oder sie entwickeln ihre ganz eigene Theorie, warum ein Sachverhalt so verläuft, wie er ist. Diese Problematik, dass Kinder sich selbst die Welt erklären und wir Lehrer da behutsam drauf eingehen müssen, wäre mir ohne dieses Seminar spontan nicht gekommen. Ich habe zu Hause darüber nachgedacht, was ich wohl früher für Alltagstheorien hatte, doch leider sind mir keine mehr eingefallen. Ich finde den Gedanken interessant, die unterschiedlichen Sichtweisen der Kinder zur Erklärung von Alltagsphänomenen oder einfachen Dingen zu erfahren und zu lernen. Es wäre aber wichtig, auf jedes Kind einzugehen, da jedes Kind sich seine eigenen Theorien entwickelt. Hierin sehe ich einen großen Schwachpunkt, denn es wird nie möglich sein, jedes Kind zu jedem Thema zu befragen. Ich hoffe, in dem Seminar und in meinem weiteren Studium Wege kennenzulernen, mit denen ich nicht nur die Kinder meiner Klasse, sondern auch möglichst viele Sichtweisen zu den behandelten Themen kennenlernen kann. Dafür benötigen wir nicht nur die Vorlesung und die Seminare für den Sachunterricht, sondern auch grundlegendes und vertiefendes Wissen aus der Pädagogik, der Psychologie sowie auch Wissen über verschiedene Kulturen aus denen die Kinder kommen.

Um auf die Frage der Themenkomplexität einzugehen, mit denen wir die Kinder konfrontieren, meine ich, dass sich auch Kinder im Grundschulalter schon mit Themen wie z.B. Krieg beschäftigen sollten. Es gibt in vielen Klassen Kinder, die vielleicht selbst schon damit konfrontiert wurden oder zumindest in den Medien dieses Thema gehört haben. Ich finde es wichtig, dass die Kinder ihre Ängste und Gedanken zu diesem Thema aussprechen, denn nicht alle Elternhäuser interessieren sich für die Gedanken ihrer Kinder. Da der Sachunterricht ein sehr problemorientiertes Fach ist, erscheint mir die Beschäftigung mit solchen Themen hier absolut passend und wichtig.

13. Oktober 2008

Unsere Erde und unser eigener Sachunterricht

Unser heutiges Seminar begann mit einer Ansammlung von Themen, an die wir Seminarteilnehmer uns noch aus unserem eigenen Sachunterricht erinnerten. Die Themen waren sehr weit gefächert von Tieren in verschieden Lebensräumen, zu Obst und Verkehrserziehung. Wir fanden bald raus, dass es sinnvoll ist, in einigen Bereichen ganz bestimmte Themen anzusprechen, z.B. bei den Obstsorten die Banane mit den Kindern zu besprechen, da man hier Themen wie die Ökologie oder den Hafen miteinander verknüpfen kann.

Unsere Aufgabe als angehende Lehrer ist es nicht nur, Kindern bestimmtes, ausgesuchtes Wissen zu vermitteln, sondern auch, die Kinder an ein lebenslanges Lernen heranzuführen. Hierbei müssen auch verschiedene kulturelle Sichtweisen und die unterschiedlichen Erlebnisse und Erfahrungen der Kinder mit berücksichtigt werden.

Wir fanden außerdem während der Diskussion heraus, dass wir die soziale Komponente in unserer Themenansammlung nicht beachtet und komplett übergangen haben. Natürlich ist es von größter Wichtigkeit, den Kindern auch zu erklären, dass es verschiedene kulturelle und soziale Umfelder gibt, in denen ihre Mitschüler aufwachsen. So erlernen die Kinder nicht nur Wissen, sondern auch den sozialen Gedanken und somit die Fähigkeit, Rücksicht auf andere Kinder in unserer Gesellschaft zu nehmen.

Auch die Erziehung und Bildung der Eltern kann sehr mannigfaltig sein, was für den Wissenstand und die Bildung der Kinder durchaus eine Rolle spielt.

Unser Studium und auch das Seminar sind dazu da, dass wir als angehende Lehrer nicht nur unser bereits vorhandenes Wissen und unsere bewährten Praktiken und Deutungen sog. Alltagstheorien in der Schule anwenden, sondern dieses mit den sog. Wissenschaftstheorien erweitern und verbinden. Wissenschaftstheorien sind durch empirische Studien entstandene und belegbare Theorien, also nachgewiesene Sachverhalte. Um sie anwenden zu können, ist es wichtig, nie zu vergessen, was man im Studium lernt, denn diese Theorien basieren auf Forschungsergebnissen, Studien, neuen Entwicklungen und erweitern den eigenen Horizont. Diese Ergebnisse helfen einem, die Alltagstheorien zu reflektieren und damit über das hierzu entstandene Bild nachzudenken.

Man muss sich also als Lehrer stets auf dem neusten Stand halten, damit die Wissenschaftstheorien nicht veralten. Die Wissenschaftstheorien sind im Prinzip die Grundlage des Sachunterrichts. Sie begründen wissenschaftlich, wieso welches Thema in der Grundschule mit den Kindern be- und erarbeitet wird. Es ist elementar wichtig, dass wir uns eigene theoretische Begründungen mit Hilfe der Kombination von Alltags und Wissenschaftstheorien bilden. Doch genau hier liegt das Problem. Wie in dem Text von Ute Stoltenberg und Jasmin Godemann[1] erläutert wird, mangelt es in Deutschland immer mehr an der eigenen Reflexion der Lehrkörper über ihren Unterricht. Dies hat zur Folge, dass der Unterricht stagniert und veraltet. Grund hierfür ist, dass die Lehrer, trotz ihres Studiums, wieder auf die Alltagstheorien zurückgreifen, die sie selbst erfahren haben. Das Fazit und der entscheidende Punkt liegt darin, Alltags- und Wissenschaftstheorien miteinander zu verbinden, um einen erfolgreichen Unterricht gestalten zu können.

Es gibt viele verschiedene Methoden, den Kindern Wissen beizubringen. Man kann mit Ihnen, um nur einiges zu nennen, z.B. basteln, einen Text schreiben, Ausflüge machen, Blätter sammeln, frei arbeiten, Versuche machen, beobachten, Frontalunterricht machen, spielen, auswendig lernen.

Welche Methode am Besten ist, kann man nicht pauschal sagen, denn es ist wichtig, die Methode zum Thema passend zu wählen. Häufig wird hier auf eine Alltagstheorie zurückgegriffen („Wir müssen Blätter sammeln gehen, weil das am Anschaulichsten ist“). Um zu entscheiden, welche Methoden den Kindern die Unterrichtsstoffe zugänglich machen, kann man auf Wissenschaftstheorien zurückgreifen. So kann man seine Entscheidung wissenschaftlich belegen und kann den Kindern bestimmte Kompetenzen beibringen. Egal welche Methoden man wählt, man sollte den Kindern möglichst häufig den Anreiz dazu geben, dass sie sich selbst Wissen aneignen wollen, ihnen also schon früh zeigen, dass ein lebenslanges Lernen wichtig ist und eigentlich nur funktioniert, wenn es von ihnen aus geht.

Ich habe heute erfahren, dass es verschiedene Grundlagen für das Wissen von Menschen gibt. Die wenigsten Menschen greifen auf Wissenschaftstheorien zurück, wenn sie sich mit Themen beschäftigen. Die Alltagstheorien von Kindern sind, so denke ich leicht erkennbar und ggf. bei Bedarf auch noch korrigierbar, doch sehe ich eine große Problematik darin, wenn Erwachsene Kindern ihre Alltagstheorien aufbinden. So z.B. in dem o.g. Text über den Stillstand des Sachunterrichts. Ich habe mir nach dem Lesen des Textes fest vorgenommen, meinen Unterricht mit einer Kombination von Alltags- und Wissenschaftstheorien zu gestalten. Ich hoffe sehr, dass ich das auch hinbekomme. Ich habe für mich aus diesem Seminar mitgenommen, dass es von großer Wichtigkeit ist, sich auf die wissenschaftlich erwiesenen Forschungsergebnisse einzulassen und diese Wissenschaftstheorien auch mit in den späteren Unterricht einfließen zu lassen. Mit Hilfe dieser Theorien wird uns der Unterricht erleichtert und gleichzeitig sichert man sich so ab, da man auf wissenschaftlich erwiesenen Theorien aufbauend unterrichtet. Auch wir Lehrer müssen ein lebenslanges Lernen verinnerlicht haben oder spätestens jetzt damit beginnen, denn wenn unsere Wissenschaftstheorien, die wir während des Studiums kennenlernen, veralten, veraltet auch das Wissen, was wir an die Kinder weitergeben.

Durch die Ansammlung von den uns noch in Erinnerung stehenden Themen des Sachunterrichts, waren einige dabei, die ganz offensichtlich gemacht wurden, weil sie typisch waren für den Sachunterricht in der damaligen Zeit oder weil sie vorgeschrieben wurden. Die heutigen Bedingungen einer Verknüpfung von Alltags,- und Wissenschaftstheorien haben sie aber nicht erfüllt. Als absolut sinnvoll fand ich Themen wie z.B. „Der Weg von der Banane in den Supermarkt“ Hier können so viele Gebiete mit abgedeckt werden und man behält trotzdem einen roten Faden und spricht immer wieder über die Banane. Man kann Themen wie die Bananenpflanze an sich, ihre Zucht und Pflege, das Leben der Plantagenarbeiter, den Transportweg über See und mit dem LKW, Container und ihr Umschlag im Hamburger Hafen und vieles anderes mehr behandeln. So ist es möglich mit einem gut gewählten Thema die Ökonomie, die Globalisierung und die unterschiedlichen Kulturen zu behandeln. Es stehen einem viele Türen offen, um den Kindern einen unterhaltsamen Unterricht zu bieten und trotzdem den Lehrplan einzuhalten. Beim Nachdenken über dieses Thema musste ich unweigerlich an die Kindersendung „Löwenzahn“ denken, denn auch hier hat Peter Lustig immer ein Thema zum zentralen Mittelpunkt der Sendung und geht dann mit dem Zuschauer der Sache auf den Grund, indem er z.B. den Weg einer Pfandflasche verfolgt. Auch in dem Buch „Unsere Erde für Kinder“ ist ein solcher roter Faden auf der DVD zu finden, auf der die Kinder spielerisch den Weg eines Storches in den Süden verfolgen und mit ihm wieder zurück nach Deutschland fliegen, wo er dann ein Nest baut und Kinder bekommt.

Es ist also sehr wichtig, den Kindern im Unterricht Zusammenhänge aufzuzeigen und ihnen die Kompetenzen zu ermöglichen, selbst Zusammenhänge herstellen zu können. Dies motiviert die Kinder enorm, sich weiter Wissen anzueignen. Dieses Wissen hat sehr hohe Qualität, da die Kinder es selbst erlernt und sich selbst mit Hilfe des Lehrers erschlossen haben. Hierfür ist es allerdings erforderlich, dass ich noch viele Theorien über die Methoden der Kinderentwicklung und ihr Lernverhalten kennenlerne. Dieses hoffe ich, in meinem Studium erlangen zu können, denn ich bin sehr motiviert, den Kindern mit Spaß in der Schule beizubringen, wie sie sich selbst weiterbilden können.

20.Oktober 2008 Eigene Fragen an das Buch zu den Seminarthemen 4, 5, 6

Im heutigen Seminar beschäftigten wir uns mit dem Buch „ Unsere Erde. Für Kinder die die Welt verstehen wollen.“ Wir hatten die Möglichkeit, einen Fragenkatalog mit Hilfe der Fragestellungen der nächsten drei Seminartitel zu entwickeln. Die Fragestellungen lauten wie folgt:

- Welches Wissen sollen Kinder erwerben?
– am Beispiel „Unsere Erde für Kinder“
- Können/sollten sich die Kinder heute mit den Fragen, die in der Publikation angesprochen werden, schon beschäftigen?
- Wie lässt sich die Beschäftigung mit den angesprochenen Themenfeldern begründen?

Wir verdeutlichten uns zuerst einmal, welche Stärken das Buch in unseren Augen hat. Durch anschauliche Experimente und kurze, verständliche Zusammenfassungen sowie weit gefächerte und dabei gut verknüpfte Themen ist dieses Buch in unseren Augen durchaus unterrichtstauglich. Es stellte sich uns allerdings die Frage, ob einige Themen für Grundschulkinder nicht schon zu weit gehen. Das Buch ist sehr darauf bezogen, auf den späteren weiterführenden Unterricht vorzubereiten. Das Interesse der Kinder am Lernen soll geweckt werden, so dass sie Spaß am Entdecken der Welt und am Wissensaneignen entwickeln. Wir finden, dass das Buch es schafft, den Kindern selbstständiges Lernen beizubringen und Verknüpfungen zwischen verschiedenen Themen herzustellen. Dieses Buch ist außerdem sehr gut geeignet, für Eltern, die ihren Kindern auf Fragen, die die Welt betreffen eine anschauliche Antwort geben wollen.

Da das Buch auf naturwissenschaftlichen Grundzügen gebaut ist, haben wir unseren Kritikpunkt, der fehlenden sozialen Komponente, wie z.B. unterschiedliche Kulturen, aber auch der Körpererziehung oder der Gesundheit und Ernährung recht früh wieder zurückgezogen.

Wir sind zu dem Schluss in unserer Gruppe gekommen, dass es nicht darum geht, dass die Kinder alles zu 100% verstehen, was in dem Buch thematisiert wird, sondern dass sie lediglich ein Verständnis für die in den weiterführenden Schulen unterrichteten naturwissenschaftlichen Fächer entwickeln.

Meiner Meinung nach bieten die Themen im Buch den Kindern sowohl in der Freizeit als auch in der Schule ein grundliegendes Verständnis für die Geschehnisse auf der Erde. Die hier behandelten Themen sind viel weitgehender und weltoffener, als die Themen aus meiner Grundschulzeit. Hier wurde eher innerhalb Deutschlands gearbeitet. Den Kindern das Planetensystem zu erklären oder die Verknüpfung von den weiten Flügen der Zugvögel aus Deutschland auf die Windkraft oder Flugzeuge herzustellen, finde ich sehr interessant und lehrreich für die Kinder. Sie verstehen so, dass sie die Welt nicht als einzelne Themen beobachten können, sondern dass alles aufeinander aufbaut. Mir ist heute klar geworden, dass ich als angehende Lehrerin aber nicht nur die Aufgabe der Wissensvermittlung habe, sondern dass es auch zu meiner Funktion gehört, das Zwischenmenschliche zu prägen. Nicht alle Kinder wissen, dass es unterschiedliche Kulturen gibt mit Menschen, die unterschiedlich aussehen und andere kulturelle Hintergründe haben. Um die gesellschaftlichen und geschichtlichen Themen für den Sachunterricht zu vermitteln, bedarf es natürlich weiterer Bücher. „Unsere Erde für Kinder“ ist nur ein Grundstein für das weitgefächerte und variationsreiche Fach Sachunterricht.

Die Gruppenarbeit an sich hat mir Spaß gemacht heute und ich denke, dass sie auch vielen in dem Seminar geholfen hat, die sich in einer großen Runde vielleicht noch nicht trauten, Fragen zu stellen. Zu Anfang konnte man gut sehen, dass einige in unserer Gruppe stark in das Muster fallen, was in dem Text von Ute Stoltenberg und Jasmin Godemann[2] beschrieben wird. Man verharrt sozusagen auf den Themen, die in seinem eigenen Sachunterricht behandelt wurden. Ich bin sehr offen für die im Buch behandelten Themen, weil ich es wichtig finde, die Kinder auch über ihre Ortsgrenzen hinaus mit der Welt zu konfrontieren. Dazu ist der problemorientierte Sachunterricht, meiner Meinung nach, der ideale Platz.

27.Oktober 2008 Welches Wissen sollen Kinder erwerben?- am Beispiel „ Unsere Erde für Kinder“

Wir haben uns mit der ersten Fragestellung aus dem letzen Seminar beschäftigt[3] und haben einige der von uns entwickelten Fragen behandelt.

Ziemlich schnell bemerkten wir, dass viele Erwachsene dazu neigen, Fragen von Kindern mit „abgespecktem Wissen“ zu beantworten. Dieses entsteht, wenn Menschen eine Antwort bekommen, mit der sie eigentlich nichts anfangen können, weil kein wirkliches Wissen dahinter steckt. Dieses „abgespeckte Wissen“ geben sie allerdings weiter, was sich natürlich negativ bemerkbar macht.

Das Buch zielt darauf aus, dass Kinder Wissen erwerben, welches auf ihr eigenes schon vorhandenes Wissen aufbaut und sie das eigene Wissen besser verstehen lässt. Sie sollen lernen Verknüpfungen mit ihrem Alltagswissen herzustellen, um die Welt komplexer sehen zu können. Kinder sollen außerdem Wissen über verschiedene Kulturen erlernen, aber auch sich selbst und die Gesellschaft, in der sie leben, besser verstehen. Wenn die Kinder das Buch alleine oder mit ihren Eltern gelesen haben, sollten sie bestimmte Kompetenzen erlangt haben z.B. selbstständiges Erarbeiten, selbstständiges Lernen und eigenständiges Verknüpfen verschiedener Sachverhalte. Menschen entwickeln Kompetenzen, um eine Fähigkeit zu erlangen. Kompetenzen sind immer für etwas gut, es gibt keine Allgemeinkompetenz. Jedoch gibt es wichtige Schlüsselkompetenzen, die jeder Mensch beherrschen sollte z.B. die Kompetenz Texte zu verstehen, Lesekompetenz, Infos einzuholen und auszuwerten, Zusammenarbeit mit anderen Menschen etc. Eine Kompetenz ist das Zusammenwirken von Einstellung, Fähigkeiten und Gefühlen, um eine Aufgabe zu meisten. Dabei ist es nur möglich, Kompetenzen zu erwerben, wenn Wissen angewendet wird. Dies kann z.B. in Form von Projekten aber auch von Übungen sein.

Das Buch „Unsere Erde für Kinder“ soll den Kindern helfen, freiwillig mehr Interesse am Verstehen und am „mehr wissen wollen“ zu entwickeln. Es bringt den Kindern nicht stumpf Sachverhalte bei, sondern gibt ihnen Denkanstöße, die sie selbst weiterführen können und die sie mit Hilfe des Buches beantworten können. Wissen ist ein Zusammenspiel von Orientierungswissen, Sachwissen und Handlungswissen. Das Orientierungswissen ist von großer Wichtigkeit. Es ist das Wissen, das einem hilft, einzuschätzen, was es bedeutet, etwas zu wissen z.B. „Was bedeutet es, Strom zu haben?“ Man beschäftigt sich ganz von allein damit, man ist involviert und muss sich nicht aktiv damit beschäftigen. Das Handlungswissen besteht aus den Gestaltungsmöglichkeiten der Wissensaneignung und der Wissensnutzung.[4]

Man muss ganz dringend Wissen von Bildung trennen. Diese beiden Begriffe hängen zwar eng zusammen, sind aber nicht das Selbe. Bildung bedeutet nicht, viel zu wissen, sondern im Leben zurechtzukommen. Ein Bildungsverständnis muss allerdings jeder Mensch für sich selbst entwickeln. Hierzu zählt das eigene Verständnis, das man davon hat, wie ein Mensch nach der Schule in den Beruf starten soll. Was soll er gelernt haben? Wie soll er sich verhalten? Welche Kompetenzen sollte er erlangt haben?

Kinder sollten früh verstehen, dass sie nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen. Verschiedene Ereignisse sollen für Kinder Gründe bieten, ein eigenes Verständnis für Bildung zu entwickeln. Wenn das frühzeitig geschieht, bilden sich auch schon Kinder ein Verständnis darüber, was sie im Leben erreichen wollen.

Bildungspolitik sollte immer so stattfinden, dass ein Individuum die Möglichkeit hat, sich immer weiterzuentwickeln.

Ein zentraler Inhalt ist für mich heute gewesen, dass jeder Mensch sich ein eigenes Bildungsverständnis machen muss. Ich habe nie darüber nachgedacht, dass es überhaupt Bildungsverständnisse gibt, bzw. was man darunter versteht. Es leuchtet aber absolut ein, dass ein Bildungsverständnis, wie wir es heute mehr oder weniger definiert haben, nicht von allen gleichermaßen gesehen wird und erst recht nicht alle Menschen es gleich ausleben.

Als Lehrer muss man also ganz klare Ideen vor Augen haben, wie ein Kind aus der Grundschulzeit herausgehen soll. Diese klare Struktur sollte auch nach außen hin erkenntlich sein, denn es ist wichtig als Lehrer hinter seinem Handeln zu stehen und den Eltern bei Bedarf zu erklären, wieso man den Unterricht so gestaltet und nicht anders. Ich hoffe in meinem Studium genügend Sachwissen und Kompetenzen zu erlangen, dass ich mir ein solches Bildungsverständnis schaffen und einen wertvollen Unterricht gestalten kann. Dazu wird es wichtig sein, mich mit unterschiedlichen Bildungsverständnissen auseinander zu setzen, um mir dann ein eigenes Bild zu schaffen. Wenn wir als Lehrer also genau wissen, wie wir die Kinder in die weiterführenden Schulen entlassen möchten, müssen wir unseren Sachunterricht so gestalten, dass die Kinder die erforderlichen Kompetenzen, das entsprechende Wissen und die Lust am Weiterlernen in unserem Unterricht erlangen.

Ich habe heute ein neues Verständnis von Bildung, Wissen und Kompetenzen bekommen. Mir hat dieser Seminartag verdeutlicht, dass es große Unterschiede bei diesen drei Begriffen gibt, und dass es verschiedene Wege gibt, diese zu stärken. Mir wurde außerdem klar, dass auch Kinder bereits Kompetenzen haben, die sie allerdings im Laufe ihres Lebens erweitern und festigen. Für mich, als spätere Lehrerin, ist es wichtig, den Kindern frühzeitig beizubringen, wie wichtig Wissensaneignung und Bildung für ihr späteres Leben und nicht nur für die Schule ist.

3. November 2008 Können/sollten sich die Kinder heute mit den Fragen, die in der Publikation angesprochen werden, schon beschäftigen?

Bevor wir auf diese Frage eingegangen sind, haben wir zentrale Fragen, die für uns offen sind, gesammelt. Viele davon blieben noch offen, mit einigen haben wir uns bereits weitergehend beschäftigt. Für mich persönlich wichtig erschienen Fragen wie:

„Wie ist der kulturelle Hintergrund der Kinder, und wie erfahre ich, was die Kinder schon über verschiedene Kulturen wissen?“ Zentral hierzu hatten wir einen Diskussionsschwerpunkt zu der Frage „Was für Kinder sitzen eigentlich vor mir in der Klasse?“ Wie erfährt man, welche Wesenszüge, welche Erziehung und welchen familiären Hintergrund die Kinder mit in die Schule bringen? Uns wurde schnell klar, dass wir die Kinder nicht einfach nach genau diesen Aspekten fragen können, da es verschlossene, beschämte Kinder und vielleicht auch unehrliche Kinder gibt. Kinder kann man kennenlernen, durch Klassenausflüge, durch Beobachten beim Spielen, aber vor allem, muss man ein Gespür dafür entwickeln, wichtige Informationen aus dem Gesagten der Kinder herauszufiltern. So kann man z.B. in Stuhlkreisen, in denen jedes Kind über seine Wochenendgestaltung spricht, vieles auch über die sozialen Umfelder der Kinder erfahren. Sitzt das Kind z.B. nur vorm Fernseher, unternimmt es etwas mit seinen Eltern und Geschwistern, oder Freunden, macht es Ausflüge mit der Familie oder wird es mit seiner freien Zeit allein gelassen? Auch an Elternabenden ist es möglich, viel über die Kinder zu erfahren. Diese Informationen muss ein Lehrer zu analysieren lernen. Zur weiteren Unterstützung gibt es aber auch zahlreiche Studien, die sich zum Beispiel mit den Wochenendgestaltungen von Grundschulkindern beschäftigen. Natürlich können solche Studien nicht auf jedes Kind verallgemeinert werden, doch treffen die Ergebnisse dieser Studien, in denen die Gestaltungen der Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten verschieden aussehen, in den meisten Fällen zu. Aus einer Mischung aus diesen beiden Informationsquellen und einem mit der Zeit und vor allem im Studium erarbeiteten Einfühlungsvermögen, können wir lernen unsere Schüler einzuschätzen. Wenn wir dann wissen, was für Kinder wir vor uns sitzen haben, können wir überlegen, wie wir den Unterricht gestalten wollen und wie wir die Kinder animieren können, Spaß am Lernen und am Entdecken der Welt zu entwickeln. Ein weiterer Punkt, weswegen z.B. Klassenausflüge absolut sinnvoll sind, ist, dass nicht nur wir die Kinder besser kennen- und einzuschätzen lernen, sondern auch die Kinder uns von einer anderen Seite kennenlernen. Außerdem fördern gemeinsame Aktivitäten, dass die Klassenkameraden sich anders wahrnehmen als im Schulalltag und entwickeln soziale Kompetenzen, wie z.B. Rücksichtsnahme auf die anderen Kinder. Es ist eine unbezahlbare Erfahrung, die Basis des Berufs Lehrer, nämlich sich für die Kinder zu engagieren und Spaß dabei zu haben, in dieser Art aufzubauen.

[...]


[1] Godemann, 2004 (Literaturverzeichnis Nr. (3))

[2] Godemann, 2004, (Literaturverzeichnis Nr. (3))

[3] Siehe Seminareintrag vom 20. Oktober 2008

[4] Kahlert, 2001 (Literaturverzeichnis Nr. (5))

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Seminartagebuch und Lernprozessentwicklung für ein Seminar im Sachunterricht
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Seminar: Unsere Erde für Kinder
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
61
Katalognummer
V133889
ISBN (eBook)
9783640415991
ISBN (Buch)
9783640412136
Dateigröße
784 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Seminartagebuch, Lernprozessentwicklung, Seminar, Sachunterricht
Arbeit zitieren
Carola Willner (Autor), 2009, Seminartagebuch und Lernprozessentwicklung für ein Seminar im Sachunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133889

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