Doping im Freizeit- und Breitensport

Eine empirische Studie unter besonderer Berücksichtigung des Langstreckenlaufs


Bachelorarbeit, 2009
50 Seiten, Note: 1,5

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1. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die zuletzt besuchte Seite bei Beendigung der Onlinebefragung 26

Abbildung 2:Die wöchentliche Trainingsfrequenz aller Probanden 28

Abbildung 3: Die sportliche Selbstbezeichnung aller Probanden 28

Abbildung 4: Der Gebrauch von Medikamenten und illegalen Dopingsubstanzen 29

Abbildung 5: Der potentielle Gebrauch von Arzneimitteln und Dopingsubstanzen 30

Abbildung 6: Die wöchentliche Trainingsfrequenz der Arzneimittelkonsumenten 32

Abbildung 7: Die abgeschlossene Schulausbildung der gesamten Untersuchungsgruppe und der potentiellen Dopingmittelkonsumenten 34

Abbildung 8: Die Laufjahre der gesamten Untersuchungsgruppe und der potentiellen Dopingmittelkonsumenten 35

Abbildung 9: Die eingenommenen Dopingsubstanzen 36

Abbildung 10: Die eingenommenen Arzneimittel 38

2. Einleitung

Die Dopingproblematik im Sport wird in der heutigen Gesellschaft überwiegend im Zusammenhang mit dem Spitzen- und dem Hochleistungssport thematisiert. Insbesondere nach den positiven Dopingbefunden bei der Tour de France 2006 sowie nach den Fabelweltrekorden von Usain Bolt und Michael Phelps bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking wuchs das globale Medieninteresse am Doping im Spitzensport. Diesbezüglich sind die vermehrten Dopingvorfälle im Hochleistungssport allerdings nicht einzig auf ein individuelles Fehlverhalten zurückzuführen, sondern vielmehr auf die Organisation des professionellen Sports. Nach Bette & Schimank (2008) resultiert demnach die starke Dopingneigung in einigen Disziplinen aus dem unbeabsichtigten Ergebnis des Zusammenwirkens unterschiedlichster Interessen aus Leistungssport, Wirtschaft, Politik, Massenmedien und Publikum. Getreu dem olympischen Motto „schneller, höher, weiter“ verlangt der Zuschauer stets neue Rekorde sowie spannende Wettkämpfe und erhöht folglich den Leistungsdruck auf den jeweiligen Sportler. Ferner weckt das gesteigerte Publikumsinteresse zunächst die Aufmerksamkeit der

Massenmedien, welches die Gier nach neuen Rekorden nicht unwesentlich beeinflusst. Der Gebrauch illegaler Dopingsubstanzen zur gezielten Leistungssteigerung ist insofern zwar keinesfalls tolerierbar, aber mit Abstrichen durchaus verständlich.

Demgegenüber bleibt die Dopingsituation des Freizeit- und Breitensport unterthematisiert und in vielerlei Hinsicht gänzlich unbeachtet. „Da es auf den unteren Ebenen des wettkampforientieren Breitensports und im Freizeitsport jenseits des Wettkampfsystems keine Dopingkontrollen gibt, ist hier die Intransparenz der Dopinggeschehnisse besonders hoch“ (Kläber, 2009, S. 3). Dennoch ist davon auszugehen, dass auch bei Freizeitsportlern die Einnahme illegaler leistungssteigernder Substanzen, vor allem auf dem Sektor des Fitness- und Kraftsports, zum Teil ähnlich verbreitet ist wie im Hochleistungssport. Eine Befragung in 24 kommerziellen norddeutschen Sportstudios von Boos, Wulff, Kujath und Bruch (1998) erbrachten diesbezüglich bedenkliche Ergebnisse.

Dennoch können scheinbar harmlose Arzneimittel unter bestimmten Voraussetzungen ebenso zu gesundheitlichen Problemen führen wie illegale leistungssteigernde Dopingmittel, auch wenn die Auswirkungen in den meisten Fällen weniger schwerwiegend sind.

In der vorliegenden Arbeit werde ich zunächst die theoretischen Grundlagen des Dopings erläutern und neben einer Definition auch gesundheitliche sowie volkswirtschaftliche Folgen aufzeigen. Anschließend werde ich einige typische Methoden der illegalen Leistungssteigerung am Beispiel verschiedener Substanzen und Arzneimittel darstellen und auf deren Gebrauch im Spitzensport eingehen. Nach dieser ausschließlich auf Fachliteratur basierenden Vorgehensweise werde ich in Kapitel 6 zunächst meine selbstständig durchgeführte Studie zur Dopingproblematik bzw. zum Arzneimittelmissbrauch im Freizeit- und Breitensport vorstellen und anschließend die gewonnenen Ergebnisse präsentieren. Auf Grundlage dieser Ergebnisse werde ich abschließend diverse Vorschläge zur Verbesserung bestehender und präventiver Anti-Doping Maßnahmen präsentieren.

3. Definition des Dopings

Eine einheitliche und genaue Definition des Begriffs Doping wirft insbesondere aufgrund der problematischen Abgrenzung zwischen erlaubter Substitution und verbotenen Dopings einige Schwierigkeiten auf. Einen der ersten Ansätze in der Entwicklung stellte die nachfolgende, vom Europarat 1963 beschlossene Definition des Dopings dar:

Doping ist die Verabreichung oder der Gebrauch körperfremder

Substanzen in jeder Form und physiologischer Substanzen in

abnormaler Form oder auf abnormalem Weg an gesunde Personen

mit dem einzigen Ziel der künstlichen und unfairen Steigerung der

Leistung für den Wettkampf. Außerdem müssen verschiedene

psychologische Maßnahmen zur Leistungssteigerung des Sportlers

als Doping angesehen werden. (vgl. Dreyer & Krüger, 2004, S. 156)

Aufgrund der fehlenden Konkretisierung in Bezug auf die Bezeichnung der verbotenen Substanzen und der unzureichenden Durchführungsbestimmungen

über den Ablauf der Dopingkontrollen, bleibt diese Definition sehr unbefriedigend. „Bei der Welt-Doping-Konferenz 1999 in Lausanne wurde schließlich eine neue Definition von Doping festgelegt, die Doping enumerativ bestimmte, d. h. als eine Liste von ausdrücklich aufgezählten verbotenen Wirkstoffen und Verhaltensweisen“ (Mitterer, 2009, S. 3). Diese Regelung wurde bis Ende 2003 von fast allen internationalen Sportfachverbänden vollständig übernommen, wobei es jedoch bei einigen Fachverbänden vereinzelt zu Abweichungen kam.

Eine weltweite Standardisierung folgte im Jahre 2004 mit der Einführung des World Anti-Doping Codes. Gemäß Artikel 1 des World Anti-Doping Codes wird Doping als „das Vorliegen eines oder mehrerer der in Artikel 2.1 bis Artikel 2.8 festgelegten Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen“ definiert (vgl. WADA, 2009, S. 11).

Dabei beziehen sich die Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln in Artikel 2.1 bis Artikel 2.8 nicht nur auf den Gebrauch oder den versuchten Gebrauch einer verbotenen Substanz oder Methode, sondern ferner auch auf die Meldepflicht bei Trainingskontrollen und auf den Besitz bzw. das Handeln mit verbotenen Dopingmitteln. „Neu ist damit, dass nun auch Sportmediziner, Trainer oder sonstige Betreuer den Tatbestand des Dopings erfüllen können“ (Striegel, 2008, S. 31).

3.1 Unterschiede zwischen Doping und Arzneimittelmissbrauch

Eine Abgrenzung zwischen missbräuchlich eingenommenen Arzneimitteln und einem tatsächlichen Doping ist trotz der in Kapitel 3 vorgestellten Dopingdefinition der WADA nicht ganz einfach. Formal juristisch kann ein illegales Dopingpräparat mit Hilfe der Liste verbotener Substanzen, welche von der WADA mindestens einmal jährlich herausgegeben wird, zwar eindeutig von einem rezeptpflichtigen oder rezeptfreien Arzneimittel unterschieden werden, objektiv betrachtet erfüllt der Missbrauch von Arzneimitteln aber dennoch genau den Kriterien des Dopings. Aufgrund dessen, dass im Freizeit- und Breitensport keine Dopingkontrollen durchgeführt werden und die Zahl der angewandten Dopingsubstanzen im Vergleich zum Leistungssport eher beschränkt ist, hat

das Reglement der WADA auf den ersten Blick keinen direkten Bezug zum Arzneimittelmissbrauch des Freizeitsportlers.

Die Einnahme eines illegalen Dopingmittels geschieht primär mit dem Ziel der sportlichen Leistungssteigerung im Wettkampf, wohingegen der

Arzneimittelgebrauch diesbezüglich auch noch andere Aspekte aufweisen kann. So ist die Einnahme eines vom Arzt verschriebenen Medikamentes, zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung, keinesfalls mit dem Gebrauch eines Dopingmittels vergleichbar. Wenn hingegen ein Arzneimittel ohne ärztliche Verschreibung mit dem Ziel der Leistungssteigerung im Wettkampf eingenommen wird, auch wenn dieser Effekt möglichweise gar nicht auftritt, ist dieses bereits als Betrugsversuch und demnach mit Abstrichen auch als Doping im Sport anzusehen. Mit der Extrapolation des World Anti-Doping Codes auf den Breitensport, wenn also zum Beispiel die Verwendung jeglicher Substanzen zur individuellen Leistungssteigerung im Wettkampf bereits als Dopingvergehen gewertet wird, so erfüllt die missbräuchliche Einnahme von Arzneimitteln durchaus den Tatbestand des Dopings.

Doch auch wenn eine Leistungssteigerung im Sport durch die missbräuchliche Einnahme handelsüblicher Arzneimittel wahrscheinlich weniger auf eine gesteigerte Leistungsfähigkeit zurückzuführen ist, sondern vielmehr auf die damit verbundenen psychischen Effekte beruht, sollte das

gesundheitsgefährdende Potential dieser Mittel nicht vernachlässigt werden.

3.2 Mögliche gesundheitliche Folgen

Die gesundheitlichen Risiken eines dauerhaften bzw. längerfristigen Medikamentengebrauches sind äußerst vielseitig, da die möglichen Nebenwirkungen von Dopingsubstanzen und Arzneimitteln im Wesentlichen von drei Faktoren abhängig sind. „Zum einen von der Art der konsumierten Substanz, zum anderen von der Wirkstoffmenge und zum dritten von den Wechselwirkungen verschiedener Wirkstoffe bei multiplem

Dopingsubstanzkonsum“ (Striegel, 2008, S. 22). Dabei können die gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht nur von temporärer Dauer sein. So sind diesbezüglich auch irreversible Schäden an verschiedenen Organsystemen bis hin zu Todesfällen bekannt. Als prominente

Zu den vielseitigen Nebenwirkungen einer hochdosierten und längerfristigen Anabolikaeinnahme, welche sowohl in epidemiologischen Studien als auch in Befragungen mit Betroffenen bestätigt werden konnten, zählen zum einen kosmetische Störungen, wie beispielsweise ausgeprägte Akne, Haarausfall, Vermännlichung der Körperbehaarung bei Frauen oder eine meist schmerzhafte Vergrößerung des Brustdrüsengewebes bei Männern, sowie zum anderen eine Störung des Lipoprotein- und Lipidstoffwechsels. Desweiteren ist durch eine längerfristige Anabolikaeinnahme auch eine gesundheitsgefährdende Veränderung des Herzmuskels bekannt.

„Echokardiographische Untersuchungen des Herzens zeigten makroskopische Veränderungen mit einer Erhöhung des Hypertrophieindexes um etwa 20 % und Beeinträchtigung der diastolischen Funktion“ (Boos et al., 2006, S. 22). Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, sollen die zahlreichen gesundheitsgefährdenden Wirkungen in Bezug auf den Missbrauch anaboler Steroide an dieser Stelle allerdings nicht weiter thematisiert werden. Dennoch dürfen die gesundheitlichen Gefahren des Dopings und des missbräuchlichen Einsatzes legaler Arzneimittel, welches nach der erwähnten Studie im Rahmen des Jungfrau-Marathons 1998 im Langstreckenlauf wahrscheinlich keine Seltenheit darstellt, keinesfalls verharmlost werden. Aufgrund dessen, dass der Missbrauch bestimmter Arzneimittel in einigen Fällen möglicherweise auch auf eine Unwissenheit seitens der Sportler zurückzuführen ist, sollten im Zusammenhang mit präventiven Anti-Doping Maßnahmen auch

Aufklärungskampagnen in Betracht gezogen werden.

3.3 Volkswirtschaftliche Folgen

Aufgrund des großen gesundheitlichen Gefährdungspotentials ist das Thema Doping im Breitensport allerdings nicht nur für die subjektive Gesundheitserhaltung von Bedeutung, sondern auch volkswirtschaftlich und gesundheitsökonomisch relevant. So kommen bereits Boos et al. (2006) zu der Erkenntnis, dass die angegebenen direkten und indirekten

Gesundheitsschäden möglicherweise auch Auswirkung auf die Kosten im Gesundheitswesen haben. Eine finanzielle Belastung des Gesundheitswesens, hervorgerufen durch die erhöhte Inzidenz von Verletzungen des

Bewegungsapparates sowie Veränderungen an inneren Organen infolge eines Medikamentenmissbrauchs bei Freizeit- und Breitensportlern, konnte bis dato zwar statistisch noch nicht belegt worden, ist allerdings durchaus denkbar. Dabei beziehen sich die resultierenden volkwirtschaftlichen Schäden nicht nur auf die direkten Kosten, welche durch die Behandlung möglicher Nebenwirkungen verursacht werden, sondern auch auf die verminderte Arbeitsleistung infolge einer höheren Zahl an Arbeitsunfähigkeitstagen. Unter der Voraussetzung, dass die Anzahl der aktiven Fitnessstudiomitglieder in Deutschland auf knapp fünf Millionen geschätzt werden kann, ergeben sich somit beträchtliche Kosten für das Gesundheitssystem. „Wenn von den fünf Millionen Mitgliedern nur 10% dopen und dadurch bei jedem Doper nur ein Krankheitstag pro Jahr verursacht würde, dann entsteht dadurch ein jährlicher volkswirtschaftlicher Schaden von 200 bis 250 Millionen Euro“ (Treutlein, 2008).

4. Verschiedene Wege der illegalen Leistungssteigerung

Nicht nur die Gefahren und die möglichen Nebenwirkungen einer längerfristigen Dopingmitteleinnahme sind äußerst facettenreich, sondern auch die angewandten Methoden können diesbezüglich sehr unterschiedlich ausfallen. Dabei zählt einerseits die beabsichtigte oder unbeabsichtigte Verwendung von Substanzen aus verbotenen Wirkstoffgruppen zu den Möglichkeiten der illegalen Leistungssteigerung, wie zum Beispiel die Substitution von anabolen Steroiden, β2-Sympathomimetika oder Peptidhormonen, andererseits sind unter diesem Punkt auch jegliche Anwendungen verbotener Methoden entsprechend der aktuellen Dopingliste implementiert. Darunter fällt zum Beispiel das Blutdoping, die Manipulation von Proben oder das Gendoping. Aufgrund dessen, dass die zuletzt genannten Methoden üblicherweise für den Freizeit-und Breitensportler nicht relevant sind, sollen diese im Nachfolgenden unberücksichtigt bleiben. Ebenso möchte ich weniger mögliche Gefahren und Nebenwirkungen der vorgestellten Substanzklassen beschreiben, als vielmehr auf deren Wirkungsweise sowie auf deren möglichen Einsatz im Ausdauersport eingehen.

4.1 Anabole Steroide

Zu den anabol androgenen Steroidhormonen gehören alle synthetischen Abkömmlinge des männlichen Geschlechtshormons Testosteron, welche sich in ihrer Struktur lediglich durch Änderungen chemischer Funktionen am „Aufgrund Steroidgrundgerüst unterscheiden. der erhöhten

Eiweißsynthesekapazität kommt es zu einer verstärkten Muskelhypertrophie und in Abhängigkeit davon zu einer größeren Maximalkraft, verbunden mit einer muskelmassenbedingten Steigerung des Körpergewichts“ (Weineck, 2004, S. 678). Auch wenn die beschriebenen Auswirkungen einer missbräuchlichen Anabolikaeinnahme primär in Maximal- und Schnellkraftsportarten von Bedeutung sind und dort zu enormen Leistungssteigerungen führen können, sollte diese Methode im Ausdauersport nicht gänzlich ignoriert werden. Sicherlich wirkt sich eine testosteronbedingte Steigerung des Körpergewichts äußerst negativ auf die individuelle Leistungsfähigkeit im Ausdauersport aus, welches insbesondere im Langstreckenlauf zu einer verminderten Leistung im Wettkampf sowie im Training führen kann. Jedoch ist die

Testosteronkonzentration im Blut ein bedeutender Einflussfaktor für die Regenerationsfähigkeit der Sportler und somit indirekt auch für deren Leistungsfähigkeit. Intensive und vor allem umfangreiche Trainingswochen führen zu einer signifikanten Senkung des Testosteronspiegels, so dass für eine vollständige Regeneration im Umkehrschluss wiederum eine verlängerte Phase mit geringerer Belastung benötigt wird. „Selbst nach zwei Tagen Regeneration erreichen die Testosteronwerte nicht ihr Ausgangsniveau“ (Weineck, 2004, S. 165). Um zu gewährleisten, dass sich der Körper nach mehreren intensiven Trainingseinheiten ausreichend schnell regeneriert, greifen dementsprechend auch einige leistungsorientierte Ausdauerathleten zu anabolen Steroiden (vgl. Thomas, 1999, S. 40).

4.2 Beta-2-Agonisten

Die Tatsache, dass bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer Berichten zufolge knapp 70 Prozent aller Athleten Asthma-Bescheinigungen präsentiert haben sollen, spiegelt die Popularität dieses Arzneimittels im Spitzensport deutlich wieder. Vor allem im Radsport beklagen viele der

Substanz zu einem geringeren Körpergewicht sowie zu einer verbesserten Regenerationsfähigkeit.

4.3 Peptidhormone

Vor allem in Ausdauersportarten zählen bestimmte Peptidhormone, insbesondere Erythropoetin und dessen Derivate wie beispielsweise CERA, zu den effektivsten Möglichkeiten der illegalen Leistungssteigerung. Als Peptidhormone werden körperidentische Hormone mit hydrophilen

Eigenschaften zusammengefasst, welche aus Aminosäuren unterschiedlicher Länge aufgebaut sind und sich deshalb eindeutig in ihrer Struktur von den Steroidhormonen unterscheiden (vgl. Rost, 2001, S. 146). Einige dieser Peptidhormone weisen zudem einen heterogen aufgebauten Kohlenhydratanteil auf und werden demnach als Glykoproteine bezeichnet. Nach Blasius & Feiden (2008) ist der missbräuchliche Einsatz dieser Substanzgruppe auf Grund ihrer schweren Nachweisbarkeit in der Wettkampfvorbereitung genauso beliebt wie der Gebrauch anaboler Steroide (Blasius & Feiden, 2008, S. 14). Grundsätzlich können Peptidhormone ihrer Wirkungsweise entsprechend in unterschiedliche Gruppen klassifiziert werden. Neben den Gonadotropinen hCG und LH, dem Wachstumshormon Somatotropin, Insulin und dem Adrenocorticotropen Hormon (ACTH) ist im Zusammenhang mit einer Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit vor allem das Erythropoetin in Betracht zu ziehen.

„Erythropoetin ist ein Glykoproteidhormon, das in der Niere gebildet wird und in den Knochenmark-Stammzellen die Ausreifung der roten Blutkörperchen stimuliert“ (Rost, 2001, S. 147). Infolgedessen kommt es zu einer Erhöhung der absoluten Erythrozytenzahl im Blut, wodurch ein verbesserter Sauerstofftransport und damit einhergehend eine erhöhte

Ausdauerleistungsfähigkeit resultieren kann. Ähnliche Effekte, allerdings auf legale Art und Weise, können mit Hilfe eines Höhentrainings erzielt werden. Dabei wird Niere aufgrund der hypoxischen Bedingungen in der Höhe zu einer vermehrten Ausschüttung des Hormons Erythropoetin angeregt, welches wiederum zu der bereits beschreibenden Polyglobulie führt.

Aufgrund der Tatsache, dass Erythropoetin und dessen Derivate allerdings vergleichsweise teuer und schwierig zu beschaffen sind, kann diesbezüglich von einer geringen Verbreitung im Freizeit- und Breitensport ausgegangen werden. Im Spitzensport hingegen ist das Doping mit EPO speziell in Ausdauersportarten durchaus geläufig, welches am Beispiel des Doping-Skandals rund um die Festina-Mannschaft wenige Tage vor dem Beginn der Tour de France 1998 verdeutlicht wird.

4.4 Stimulanzien

Unter der Substanzgruppe der Stimulanzien fallen jene, welche sich strukturell von den Katecholaminen Adrenalin und Noradrenalin ableiten und demnach zumindest kurzfristig eine stark anregende Wirkung auf das

Zentralnervensystem haben. Diesbezüglich lassen sich sowohl direkte und indirekte Sympathomimetika als auch Methylxanthine und diverse andere psychostimulierende Medikamente, wie zum Beispiel Nikotin oder Modafinil, differenzieren. Die direkten sowie die indirekten Sympathomimetika bewirken zwar beide eine Aktivierung des sympathischen Anteils des vegetativen Nervensystems, lassen sich aber durch die jeweilige Vorgehensweise unterscheiden. Eine direkte Wirkung besitzen Substanzen vom Amphetamintyp, die sich direkt an die Rezeptoren binden und damit die physiologischen Effekte der natürlich vorkommenden Katecholamine nachahmen. Unter diese Gruppe fallen zum Beispiel auch die bereits beschriebenen Beta-2-Agonisten. „Indirekte Sympathomimetika erhöhen dagegen die Noradrenalin-Konzentration im synaptischen Spalt, indem sie die Noradrenalin-Freisetzung steigern oder die Wiederaufnahme in das freisetzende Neuron hemmen“ (Walter, 2005, S. 244). Ferner setzen die indirekten Sympathomimetika im Zentralnervensystem die Transmitter Dopamin und Serotonin frei und hemmen das neuronale Dopamin-Reuptake im synaptischen Spalt, welches demzufolge zu einer Erhöhung der extrazellulären Konzentration führt (vgl. Burgis, 2008, S. 62). Dieser Vorgang erklärt die berauschenden und stimulierenden Wirkungen der genannten Substanzgruppe, in der auch die klassischen Drogen wie Amphetamin, Methamphetamin und Kokain sowie verwandte Mittel klassifiziert sind. „Die Einnahme von Amphetaminen erhöht die Mobilisationsschwelle. Das

Ermüdungsgefühl, das zum Abbruch der Belastung zwingen würde, wird unterdrückt; die Ermüdung wird so hinausgeschoben und der Sportler über den wirklichen Ermüdungszustand seines Körpers getäuscht“ (Weineck, 2004, 664). Darüber hinaus werden durch den Konsum von Amphetaminen nicht nur die autonom geschützten Reserven des Sportlers frei gesetzt, sondern es kommt zudem zu einer verstärkten Glykogenolyse und Lipolyse, einer Appetithemmung sowie zu einer erhöhten Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit. Demgegenüber stehen die bereits erwähnten Methylxanthine, von denen insbesondere das Koffein einen nennenswerter Vertreter dieser

Substanzgruppe darstellt. „Die Wirkung des Koffeins beruht im Wesentlichen auf der Hemmung der Phosphodiesterase, die cyclo-AMP zu AMP abbaut. Dadurch bleibt die über cyclo-AMP als second messenger ausgelöste Adrenalinwirkung länger erhalten“ (Bützer, 2009, S. 6). Aufgrund dessen, dass sich Koffein an die Adenosin-Rezeptoren im Gehirn bindet, bewirkt es eine schwache Euphorie verbunden mit einer Dilatation der Arteriolen und Blutgefäße. „Für den Sportler ist von Interesse, dass Koffein genau wie Adrenalin und mit diesem zusammen die Stoffwechselprozesse beschleunigt, speziell die Abbaugeschwindigkeit des Muskel- und Leberglykogens, aber auch von freien Fetten“ (Rost, 2001, S. 131).

Durch die erhöhte Triglyceridkonzentration im Blut werden diese während einer Ausdauerbelastung vermehrt verbraucht, welches zu einer Einsparung der Glykogenreserven und infolgedessen zu einer verbesserten Ausdauerleistung führt. Bis 2004 galt Koffein bei der Überschreitung des Toleranzwertes von 12 mg pro Liter Urin als Doping, wurde nun allerdings komplett von der Dopingliste genommen.

4.5 Frei erhältliche Arzneimittel und Medikamente

Alle bislang aufgeführten Mittel wiesen mit Ausnahme von Koffein die Gemeinsamkeit auf, dass sie sowohl auf der Liste der verbotenen Substanzen der WADA stehen, als auch zweifelsfrei eine Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit bewirken können. Im Nachfolgenden möchte ich jene Substanzen aufführen, welche die soeben genannten Punkte zwar nicht erfüllen, aber dennoch von einigen Sportlern unter dem Aspekt der

wettkampforientierte Freizeitsportler relevant. „In Ausdauersportarten wie Rudern, Radfahren und Laufen liegt nach der Einnahme von L-Carnitin eine gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit sowie eine verkürzte Erholphase vor. Auf muskulärer Ebene liegt eine erhöhte Sauerstoffaufnahme unter Belastung der verbesserten Leistung zugrunde“ (Knechtle, 2002, S. 256). Demgegenüber wird eine mögliche Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit durch die Supplementierung von L-Carnitin allerdings von vielen Autoren auch angezweifelt. So sind nach Berg et al. (2007) jegliche Veröffentlichungen, die eine positive Wirkung auf die Leistungsfähigkeit propagieren, entweder methodisch angreifbar oder in sich widersprüchlich. „Hinzu kommt noch, dass die Gesamtcarnitinkonzentration in der Muskelzelle durch Supplemente kaum erhöht wird“ (Berg et al., 2007, S. 510).

Die exemplarisch dargestellten Wirkungsweisen verschiedener Substanzen belegen also eindrücklich, dass eine erwünschte Leistungssteigerung mit frei erhältlichen Arzneimitteln nur sehr begrenzt möglich ist und ein übermäßiger Konsum sogar teilweise zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Die unkomplizierte Beschaffung und möglicherweise auch die Unwissenheit vieler Freizeitsportler in Bezug auf die Wirkungen dieser Arzneimittel lässt dennoch die Vermutung entstehen, dass die missbräuchliche Einnahme dieser Stoffe zumindest unter einem Teil der wettkampforientierten Langstreckenläufer nicht unüblich ist.

5. Die derzeitige Situation im Spitzensport

Trotz systematischer und umfangreicher Dopingkontrollen, insbesondere während sportlicher Großereignisse, können über Ausmaß und Verbreitung des Dopings im Spitzensport bislang nur Vermutungen aufgestellt werden. Zwar kann sich bei den vorgenommenen Dopingkontrollen zumeist nur ein geringer Prozentsatz als positiv erweisen, die Dunkelziffer muss diesbezüglich allerdings bedeutend höher geschätzt werden. Die im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 in Peking aufgedeckten Fälle griechischer und russischer Athleten deuten zudem auf eine umfassende systeminterne Manipulation hin.

6. Empirische Studie zum Doping im Freizeit- und Breitensport

Über das tatsächliche Ausmaß des Dopings bzw. des Arzneimittelmissbrauchs im Freizeit- und Breitensport ist aufgrund fehlender Dopingkontrollen bislang noch äußerst wenig bekannt. Es existieren zwar bereits diverse Studien zum Anabolikamissbrauch unter US-amerikanischen Highschool-Schülern (vgl. Müller, 2004, S. 98) sowie zum Doping im Fitness-Sport, die breite Masse der Freizeitsportler, welche bei sportlichen Großereignissen wie beispielsweise einem Städte-Marathon aktiv sind, wird dabei allerdings außer Acht gelassen. Im Zusammenhang mit dem Fitnesssport konnte Striegel in einer Studie aus dem Jahre 2008 feststellen, dass von 621 befragten Fitness-Studio-Mitgliedern bereits 84 (13,5%) Erfahrungen mit illegalen Dopingsubstanzen, insbesondere mit anabolen Steroiden, gesammelt hatten (vgl. Striegel, 2008, S. 75). Doch nicht nur der Bereich des Fitnesssports erfreut sich wachsender Beliebtheit, sondern auch der Langstreckenlauf gewinnt in unserer heutigen Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Dieser Trend lässt sich zum Beispiel deutlich an der Entwicklung der Finisher-Zahlen des Berlin-Marathons erkennen. So lässt sich dort seit der Gründung im Jahr 1974 fast ein stetiger Anstieg der Zahl der Läufer verzeichnen, die auch das Ziel erreicht hatten. „Desweiteren gibt es nur wenige Daten, die das Problem der teilweise freiverkäuflichen Substanzklassen wie der nichtsteroidalen

Entzündungshemmer, der Grippemittel und der Asthmamittel untersuchen“ (Mahler, 2001, S. 226). Allerdings sollte in diesem Zusammenhang auch beachtet werden, dass die angesprochene Thematik in der Öffentlichkeit stark negativ behaftet ist und somit quantitative Erhebungen über die missbräuchliche Einnahme von Doping- und Arzneimitteln im Freizeit- sowie im Spitzensport aufgrund verfälschter Antworten nur begrenzt möglich sind. Die Darstellung des Medikamentenmissbrauchs im Freizeitsport am Bespiel des Langstreckenlaufs setzt zum einen das Erfassen empirischer Daten voraus und zum anderen die Einstellung der Befragten zum Thema, um darauf basierend mögliche Präventionsmaßnahmen ableiten zu können.

6.1 Befragung mittels anonymer Fragebögen

Die Entscheidung, eine Studie zum Doping im Freizeit- und Breitensport mit Hilfe anonymer Fragebögen durchzuführen, beruhte in erste Linie auf den Umstand, dass ein persönliches Interview bzw. eine direkte Befragung der Sportler wahrscheinlich vermehrt zu sozial erwünschten Antworten führen würde. Bei der Ermittlung valider Daten im Zusammenhang mit sensiblen Themenbereichen, zu denen auch das Doping bzw. der Arzneimittelmissbrauch im Sport gezählt werden kann, ist in Abhängigkeit vom Ansatz der jeweiligen Untersuchungsmethode stets von einer gewissen Dunkelziffer auszugehen. Um dennoch konkrete Aussagen bezüglich der Verbreitung von Dopingsubstanzen im Freizeitsport treffen zu können, sollte eine Untersuchungsmethode gewählt werden, die den Sportlern ein möglichst hohes Maß an Anonymität garantieren. Dementsprechend ist eine Befragung über das Internet mittels anonymer Fragebögen ein geeignetes Verfahren zur quantitativen Erfassung des Arzneimittelmissbrauchs im Breitensport, „da auf diese Weise einerseits eine Zuordnung der Antworten zu Einzelpersonen ausgeschlossen und andererseits eine große Anzahl von Sportlern in der gleichen Art und Weise befragt werden kann“ (Striegel, 2008, S. 61).

Die technische Realisierung der angesprochenen Fragebögen geschah über die Anwendungssoftware des Internetportals www.onlineforschung.org. Mit Hilfe dieser Software wird der Fragebogen unter einer bestimmten WWW-Adresse als Formular bereitgestellt, welches anschließend von den Befragten mühelos per Maus und Tastatur ausgefüllt werden kann. „Vorteile einer derartigen WWW-gestützten Online-Befragung sind die lokal ungebundene Distribution des Fragebogens sowie die Verringerung möglicher Erhebungs- und Auswertungsfehler durch die automatisierte Erfassung und Verarbeitung von Antworten“ (Haverkamp, 2005, S. 239). Überdies ergeben sich durch die Befragung über das Internet sowohl direkte als auch indirekte Kostenersparnisse. So empfiehlt sich diese Untersuchungsmethode nicht nur durch den äußerst geringen personellen und materiellen Aufwand, sondern ermöglicht aufgrund hoher Rücklaufgeschwindigkeiten enorme Zeitersparnisse.

Allerdings sollten diesbezüglich auch die Nachteile einer WWW-gestützten Online-Befragung nicht außer Acht gelassen werden. So sind zum Beispiel schnelle Rückfragen seitens der Befragten, etwa bei Verständnisproblemen oder bei technisch bedingten Komplikationen, nicht möglich. Desweiteren ist bei einer Online-Umfrage die uneingeschränkte Repräsentativität der Ergebnisse nicht gewährleistet, da potentielle Befragungsteilnehmer zunächst auf die Befragung aufmerksam gemacht werden müssen. „Die Menge der tatsächlichen Befragungsteilnehmer - und damit die Menge derjenigen Internet-Nutzer, für die die Online-Befragung repräsentativ ist - bestimmt sich daraus, für wen, wo und wie entsprechende Hinweise auf die Befragung gestaltet bzw. platziert werden“ (Haverkamp, 2005, S. 240).

Diesen vermeintlichen Nachteil konnte ich mir für die Erfassung des Dopings und des Arzneimittelmissbrauchs im Freizeitsport allerdings insofern zu Nutze machen, als ich die zugehörige WWW-Adresse primär in laufsportorientierten Foren veröffentliche. Demzufolge konnte ich das Untersuchungskollektiv bereits im Vorfeld auf die Gruppe der Langstreckenläufer beschränken, die wie bereits erwähnt ein Hauptaugenmerk meiner Untersuchung darstellen sollten.

6.2 Untersuchungskollektiv

Da sich meine Studie zum Doping und Arzneimittelmissbrauch im Freizeitsport weniger auf die Fitness-Sportler, wie zum Beispiel in Untersuchungen von Striegel (2008) oder Boos (1998), sondern vielmehr auf den Sektor des Langstreckenlaufes beziehen sollte, habe ich die angeführte Online-Befragung hauptsächlich über das Internetportal www.runnersworld.de beworben. Diese Seite bietet neben zahlreichen Bildergalerien und Informationen bezüglich aktueller Laufveranstaltungen vor allem ein populäres und oft besuchtes Internetforum für aktive Läufer bzw. laufsportinteressierte Besucher. Die Zahl der dort registrierten Nutzer bemisst sich derzeit auf mehr als 38.000 (Stand: Juli 2009), wobei allerdings die Zahl derer, die das Forum regelmäßig besuchen und zudem diverse Foreneinträge aktiv verfolgen, wahrscheinlich weitaus geringer ausfällt. Schätzungen zufolge gehen die Betreiber der Seite diesbezüglich von mehr als 4.500 aktiven Benutzern aus (vgl. http://forum.runnersworld.de/forum). Aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades

kann zudem nicht ausgeschlossen werden, dass eine Vielzahl nicht-registrierter Nutzer ebenfalls die Seite www.runnersworld.de bzw. das dazugehörige Forum besuchen, welche gleichermaßen über einen direkten oder indirekten Bezug zum Laufsport verfügen.

Demzufolge kann durch die Verbreitung meiner Online-Umfrage über die Internetseite des Fachmagazins Runner’s World ein äußerst breites Spektrum von Läufern angesprochen werden, welches sich von leistungsorientierten Wettkampfläufern verschiedenster Leistungsklassen über Hobbyläufer bis hin zu Personen aus anderen Sportarten erstrecken.

6.3 Inhaltliche und äußere Fragebogenkonzeption

Aufgrund der Tatsache, dass eine WWW-basierende Online-Umfrage keine Möglichkeiten zu schnellen Rückfragen der Befragten bietet, ist die Erstellung eines Fragebogens mit äußerster Sorgfalt durchzuführen. Striegel (2008) kommt diesbezüglich zu dem Schluss, dass sowohl die inhaltliche als auch die äußere Konzeption des Fragebogens besonderer Beachtung bedarf, „da diese entscheidenden Einfluss, nicht nur auf die Rücklaufrate, sondern auch auf die Validität der Antworten haben kann“ (Striegel, 2008, S.63). Die Qualität der Fragebögen stellt somit das zentrale Kriterium für die Güte der erzielten Ergebnisse dar.

Dementsprechend habe ich bei der inhaltlichen Konzeptionierung des Fragebogens einerseits darauf geachtet, dass die jeweiligen Fragen sowohl für fachkundige als vor allem auch für fachfremde Personen allgemein verständlich sind und keinerlei erklärungsbedürftige Fachwörter oder Abkürzungen beinhalten. Andererseits habe ich versucht, durch möglichst neutral formulierte Fragen die Untersuchungsteilnehmer nicht zu einer bestimmten Antwort zu drängen, beispielsweise mit einer Verurteilung meinerseits auf den missbräuchlichen Konsum von Arzneimitteln im Sport. Doch nicht nur bei der Ausarbeitung der einzelnen Fragestellungen waren diverse Aspekte zu berücksichtigen, sondern auch die Auswahl der Antwortmöglichkeiten erforderte sorgfältige Überlegungen.

Die Art und die Menge der Antwortmöglichkeiten ergaben sich dabei aus den entsprechenden Fragen bzw. der gewählten Frageform. So wurde bei den

Arzneimitteln vor einem Training oder einem Wettkampf abgefragt. In Abhängigkeit der gegebenen Antwort sollten diese anschließend entweder in einer Liste mit verschiedenen Arzneimitteln näher bestimmt und begründet werden, oder die Teilnehmer wurden direkt auf die fünfte Seite geleitet, auf der die untersuchten Personen bezüglich einer theoretischen Arzneimitteleinnahme befragt wurden, sofern damit nachweislich die Leistung gesteigert werden könnte. Die sechste Seite meiner Onlinebefragung war ähnlich gestaltet wie die vorherige Frage zum Arzneimittelgebrauch, nur mit dem Unterschied, dass diesbezüglich Angaben zum Dopingmittelmissbrauch gemacht werden sollten. Auch dabei handelte es sich wieder um eine Filterfrage, wodurch einige Untersuchungsteilnehmer diese zunächst benennen und die Einnahme der entsprechenden Substanzen begründen sollten, bevor auch diese auf die achte und letzte Seite geleitet wurden. Die achte Seite bestand aus Fragen bezüglich des jeweiligen Sportverhaltens. Im Detail wurden auf dieser Seite einerseits die ausgeübten Sportarten, die Anzahl der Trainingsjahre und der wöchentliche Trainingsumfang erfasst, sowie andererseits die Aktivitäten im Laufsport. Diesbezüglich sollten die Untersuchungsteilnehmer ihre jeweilige Hauptsportart benennen, die Anzahl der Laufjahre und eine laufsportspezifische Selbstbezeichnung vom Nichtläufer bis hin zum Leistungssportler angeben. Hinsichtlich der äußeren Form war meinerseits auf ein seriöses Erscheinungsbild zu achten, insbesondere aufgrund der sensiblen Fragestellungen zum Doping und Arzneimittelmissbrauch, da auch formale Aspekte einen bedeutenden Einfluss auf die Teilnahmebereitschaft und -motivation der Befragten aufweisen. Dies konnte durch die

Anwendungssoftware der Internetseite www.onlineforschung.de gewährleistet werden, da dort zum Beispiel auf jegliche Werbung verzichtet wird.

6.4 Statistische Auswertung

Sämtliche Antworten der Untersuchungsteilnehmer, die mit Hilfe der beschriebenen Onlinebefragung erfasst werden konnten, wurden zunächst codiert und in einem SPSS-kompatiblen Format in der Datenbank der Internetseite www.onlineforschung.org gespeichert. Aufgrund der

automatisierten Bearbeitung der Daten konnten in diesem Zusammenhang jegliche Eingabefehler ausgeschlossen werden.

Für die weitere statistische Analyse wurden diese Daten anschließend mit Hilfe der Statistik-Software SPSS 17.0 (Statistical Package for the Social Sciences) ausgewertet, wobei hinsichtlich möglicher Anti-Doping-Maßnahmen vor allem die jeweiligen Angaben zum Dopingmittel- und Arzneimittelmissbrauch sowie die Einstellung demgegenüber von Bedeutung waren.

7. Ergebnisse der Studie zum Doping im Freizeit- und Breitensport

Die angeführte WWW-gestützte Online-Befragung zum Thema Doping im Freizeit- und Breitensport war im Zeitraum vom 11. Juni 2009 bis zum 25. Juni 2009 für jeden Internetbenutzer unter der Adresse http://ofb.msdmedia.de/doping/ zugänglich. Die Einstiegs-Seite des Fragebogens, welche inhaltlich aus einer kurzen Einführung in die Thematik sowie aus einer Beschreibung und Erläuterung der Untersuchung bestand, wurde in dieser Zeitspanne insgesamt 405 Mal aufgerufen.

Unabhängig von den Antworten bei den erwähnten Filterfragen stellte Seite 8 stets die Abschlussseite der Onlinebefragung dar. Dementsprechend konnten

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bereits im Vorfeld die Zugriffszahlen der achten Seite einen Überblick über die Anzahl vollständig ausgefüllter Fragebögen geben. Aufgrund der Tatsache, dass der WWW-gestützte Fragebogen nicht mit einem Passwort oder Ähnlichem geschützt war und dadurch prinzipiell jeder Internetnutzer die Möglichkeit hatte, an dieser Befragung teilzunehmen, mussten potentielle Falschaussagen im Vorfeld gefiltert werden. Da allerdings vermutlich nur ein sehr geringer Teil der Befragten durch Zufall auf die Onlinebefragung gestoßen ist, sondern primär durch die gezielte Werbung meinerseits in dem erwähnten Internetforum, konnte diesbezüglich von einer geringen Fehlerzahl ausgegangen werden. In diesem Zusammenhang wurde der ursprüngliche Datensatz, bestehend aus 292 vollständig ausgefüllten Fragebögen, auf 288 verwertbare Datenreihen reduziert. Neben drei zweifellos fälschlich oder nur unvollständig beantworteten Fragebögen musste bei näherer Betrachtung der erfassten Daten zudem ein Teilnehmer im Alter von 11 Jahren aus dem Untersuchungskollektiv entfernt werden, da diese Altersklasse für meine Studie nicht relevant ist.

7.1 Stichprobenbeschreibung

Mit einer Häufigkeit von 249 Nennungen war die Mehrheit der Befragten männlich (86,5%). Die Altersspanne erstreckte sich in der vorliegenden Untersuchungsgruppe von 16 bis 66 Jahren, bei einem Durchschnittsalter von 34,9 Jahren (SD = 10,02). Der Body-Mass-Index betrug im Mittel 23,21 kg/m² (SD = 2,44), so dass unter Berücksichtigung des Durchschnittsalters allgemein von einer vergleichsweise guten körperlichen Konstitution der

Untersuchungsteilnehmer ausgegangen werden konnte. Ferner wurde diese Annahme durch die vergleichsweise hohe Zahl der jeweiligen Trainingsjahre und der Trainingsfrequenz unterstützt. So gaben insgesamt 187 (64,93%) der Befragten an, bereits seit mehr als fünf Jahren regelmäßig Sport zu betreiben. Die Zahl derer, die seit mehr als zehn Jahren regelmäßig sportlich aktiv sind, belief sich auf 126 Personen, die fast ausnahmslos mehr als drei Trainingseinheiten pro Woche absolvierten. Mit 139 bzw. 110 Nennungen gab der größte Teil der Befragten eine Trainingsfrequenz von 3-4 bzw. 5-6 Trainingseinheiten pro Woche an. Lediglich sieben Untersuchungsteilnehmer

Befragungsteilnehmer (1,0%) beschrieben sich selbst als Nichtläufer, so dass die Personen, die in meiner Studie untersucht wurden, der gewünschten Zielgruppe der aktiven Langstreckenläufer entsprachen. Neben der vermutlich überdurchschnittlich guten körperlichen Konstitution der Untersuchungsgruppe ist auch ein relativ hoher Bildungsgrad bei den zu untersuchenden Testpersonen festzustellen. In diesem Zusammenhang gaben 176 (61,1%) der Befragten an, ihre Schulausbildung mit einem Abitur abgeschlossen zu haben, wohingegen nur eine Person keinen Schulabschluss aufweisen konnte.

Zur Bestimmung möglicher Korrelationen zwischen dem sozialen Status und dem Gebrauch von Doping- oder Arzneimitteln, wurde zum einen die familiäre Situation sowie zum anderen die Zahl der vorhandenen Kinder erfragt. Die Anzahl der als ledig geltenden Befragungsteilnehmer entsprach mit 168 Nennungen (58,3%) dem größten Teil der Untersuchungsgruppe, gefolgt von 108 verheirateten Personen (37,5%). Die Häufigkeit der getrennt lebenden bzw. geschiedenen Personen belief sich auf jeweils 2,1% (6 Nennungen). Desweiteren gaben insgesamt 100 Untersuchungsteilnehmer (34,7%) an, ein oder mehr Kinder zu haben.

7.2 Deskriptive Statistik

Die wichtigsten und zugleich sensiblen Kernfragen meiner WWW-gestützten Befragung bezogen sich einerseits auf den Gebrauch von Doping- bzw. Arzneimitteln, sowie andererseits auf die Einstellung gegenüber der Verwendung von Substanzen zum Zwecke einer Leistungssteigerung.

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Aufgrund der Tatsache, dass der größte Teil der Arzneimittelkonsumenten (80,6%) angab, bereits seit mindestens fünf Jahren regelmäßig sportlich aktiv zu sein, kann auch in dieser Untersuchungsgruppe von einem allgemein guten Fitnesszustand ausgegangen werden. Bemerkenswert erscheint bei der Analyse der Arzneimittelkonsumenten allerdings der relativ hohe Anteil an Personen, welche auch einen Dopingmittelkonsum bejaht hatten. Diesbezüglich gaben fünf der untersuchten Probanden an, sowohl Arznei- als auch Dopingmittel jemals eingenommen zu haben.

7.4 Bereitschaft zur illegalen Leistungssteigerung

Um die Einstellung der Probanden gegenüber dem Thema Doping- und Arzneimittelkonsum und die Bereitschaft zu einer illegalen Leistungssteigerung beziffern zu können, wurden die Untersuchungsperson nach einer potentiellen Einnahme der entsprechenden Substanzen befragt. Dies sollte einerseits Rückschlüsse auf den Stellenwert der mit einem Wettkampf verbundenen Werte wie Fairness und Chancengleichheit ermöglichen, sowie andererseits auf den Konsum von Dopingmitteln in Abhängigkeit gesundheitlicher Risiken. Die spezifischen Fragen zu diesem Thema lauteten in dem Online-Fragebogen wie folgt:

„Würden Sie vor einem Wettkampf frei verfügbare Arzneimittel einnehmen, wenn Sie dadurch nachweislich Ihre Leistung steigern könnten?“ „Würden Sie zur Leistungssteigerung illegale Dopingsubstanzen einnehmen, wenn damit keinerlei gesundheitliche Risiken verbunden wären?“

Die erste Frage wurde insgesamt von 222 Personen verneint, welches mit einem Anteil von 77,1% der deutlichen Mehrheit entsprach. Allerdings gaben auch 48 Probanden (16,7%) an, dass sie unter der genannten Voraussetzung frei verfügbare Arzneimittel vor einem Wettkampf einnehmen würden. Weitere 16 (5,6%) hatten eine Teilnahme ihrerseits an Wettkämpfen jeglicher Art ausgeschlossen. Ähnlich wie bei der Analyse der tatsächlichen Arzneimittelkonsumenten, konnten hierbei ebenfalls keine Zusammenhänge zwischen der Bereitschaft zum Arzneimittelmissbrauch im Sport und den sozialen Indikatoren sowie dem individuellen Sportverhalten festgestellt werden.

Untersuchungsteilnehmer bei einem Anteil von 61,1% Abiturienten bzw. 16,0% Personen mit mittlerer Reife.

Das Sportverhalten der 34 potentiellen Dopingmittelkonsumenten konnte insofern Auffälligkeiten aufweisen, als mit 29,4% (10 Nennungen) vergleichsweise viele Personen den Langstreckenlauf nicht als ihre Hauptsportart bezeichnen würden. Diesbezüglich beschrieben mit fünf Nennungen (50%) die Meisten den Fußball als ihre Hauptsportart, gefolgt vom Radsport mit zwei Stimmen (20%).

Desweiteren lässt die relativ geringe Anzahl an Jahren, seit denen die untersuchten Personen bereits regelmäßig im Laufsport aktiv sind, die Vermutung nahe, dass weniger die erfahrenden und versierten Langstreckenläufer zu risikofreien Dopingsubstanzen greifen würden, sondern vielmehr diejenigen, die den Laufsport eventuell nur als Ausgleich zu ihrer jeweiligen Hauptsportart ansehen. So gaben knapp ein Drittel (32,4%) der 34 befragten potentiellen Dopingkonsumenten an, erst seit 1-2 Jahren regelmäßig im Laufsport aktiv zu sein. Lediglich bei neun Personen (26,5%) konnte die Anzahl der jeweiligen Laufjahre auf mehr als fünf Jahre bemessen werden. Zum Vergleich lag der zuletzt genannte Wert, unter Berücksichtigung der gesamten Untersuchungsgruppe, mit insgesamt 100 Nennungen bei 34,7%.

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These lässt sich zudem durch die Tatsache stützen, dass sich aus der Gruppe der 28 tatsächlichen Arzneimittelkonsumenten immerhin vier Personen (14,3%) befanden, welche vor einem Wettkampf oder Training zwar schon einmal ein Arzneimittel eingenommen hatten, sich selbst allerdings dennoch als gesundheitsorientierte Freizeitläufer bezeichnen würden.

8. Anti-Doping-Maßnahmen im Breitensport

In Deutschland ist das Thema Antidoping im Breiten- und Freizeitsport grundsätzlich kein Neuland. Hierzulande existieren bereits diverse Doping-Präventionsprojekte und Antidoping-Initiativen, wie zum Beispiel das Neusser Modell, eine Arbeitsmedienmappe zur Dopingprävention der deutschen Sportjugend, eine Präventionskampagne der Nationalen Deutschen Antidoping-Agentur namens HIGH 5 oder die im Januar 2005 veröffentliche Heidelberger Erklärung, welche im Zuge eines internationalen Expertengespräches zur Dopingprävention an der Heidelberger Akademie für Gesundheitsbildung entstanden ist. Diese berücksichtigen neben dem Leistungs- und Profisport zumeist auch diverse Dopingmethoden im Freizeit- und Fitnesssport, wobei diesbezüglich umfassende Anti-Doping-Maßnahmen teilweise nur mit Einschränkung möglich sind. „Im Breitensport ist es rechtlich kaum und logistisch überhaupt nicht möglich, flächendeckende Dopingkontrollen durchzuführen - ganz abgesehen von deren fraglichem Sinn“ (Alampi, Kamber & Marti, 2000, S. 77).

Auf Grundlage meiner vorgestellten Untersuchungsergebnisse stellt im Langstreckenlauf allerdings weniger der Gebrauch von illegalen Dopingsubstanzen eine Problematik dar, sondern vielmehr der missbräuchliche Einsatz von Arzneimitteln verbunden mit einer Unwissenheit über die gesundheitlichen Gefahren. Von dem angesprochenen Wissensdefizit über die möglichen gesundheitlichen Folgen eines Dopingmittel-bzw.

Arzneimittelmissbrauches sind jedoch nicht nur die aktiven Sportler betroffen, sondern darüber hinaus auch die zuständigen Trainer oder das direkte soziale und familiäre Umfeld.

Demzufolge sollte einer der vorgestellten präventiven Anti-Doping-Maßnahmen aus einer umfangreichen Aufklärung bestehen, insbesondere wenn die missbräuchliche Verwendung von Arzneimitteln im Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten geschieht. Desweiteren kann möglicherweise auch eine Verschärfung des Arzneimittelgesetzes zu einem verringerten Gebrauch der genannten Substanzen verhelfen.

8.1 Verschärfung des Arzneimittelgesetzes

Bereits im Juli 2008 wurde im Kampf gegen Doping eine Verschärfung des Arzneimittelgesetzes verabschiedet, wodurch primär die mit Dopingmitteln handelnden Netzwerke unterdrückt bzw. reduziert werden sollten. Das Gesetz sah schon die Besitzstrafbarkeit von nicht geringen Mengen verbotener Substanzen vor, da dies ein Hinweis auf Handel sein könnte. Jedoch stellte sich schnell heraus, dass die neu erlassenen Regelungen des Arzneimittelgesetzes nicht ausreichen würden, um eine wirksame Kontrolle des Umgangs mit Dopingsubstanzen gewährleisten zu können. So lässt der Begriff „geringe Mengen“ nicht nur einen äußerst großen Interpretationsspielraum für die betroffenen Personen zu, sondern ermöglicht zudem einen straffreien Besitz von Dopingmitteln zum Eigengebrauch. Insofern kann in diesem Zusammenhang vielmehr von einem Anti-Dealing-Gesetz als von einem weitreichenden und wirksamen Anti-Doping-Konzept gesprochen werden (vgl. Figura, 2009, S. 237). Anders verhält es sich diesbezüglich in anderen Staaten wie zum Beispiel Großbritannien, Schweden oder Italien, in denen bereits der Eigenkonsum oder der Besitz bestimmter Dopingsubstanzen strafbar ist. Allerdings sollte bei der Verschärfung entsprechender Arzneimittelgesetze auch beachtet werden, dass der offensichtlich weit verbreitete Missbrauch von Arzneimitteln in kommerziellen Fitness-Studios (vgl. Striegel 2008; Boos et al. 1998) entgegen landläufiger Meinung nicht den Anti-Doping-Regeln des organisierten Sports unterliegt. Eine Regelüberwachung durch die Polizei oder durch verschiedene Ordnungsbehörden könnte in diesem Bereich des Freizeitsports möglicherweise Abhilfe verschaffen. Da in der von mir untersuchten Zielgruppe der aktiven Langstreckenläufer allerdings weniger die Einnahme illegaler Dopingsubstanzen ein Problem

darstellt, sondern vielmehr die missbräuchliche Verwendung frei erwerblicher Arzneimittel, sollten diesbezüglich alternative Anti-Doping-Maßnahmen erhoben werden.

8.2 Aufklärungskampagnen im Freizeitsport

Die Tatsache, dass die von mir untersuchten Sportler aus dem Bereich des Langstreckenlaufes primär auf frei verkäufliche Arzneimittel greifen, erscheint aufgrund der vergleichsweise einfachen Beschaffung wenig verwunderlich. Dennoch wird den damit verbundenen gesundheitlichen Gefahren in unserer Gesellschaft nur äußerst wenig Beachtung geschenkt, so dass diesbezüglich wahrscheinlich ein erhebliches Wissensdefizit seitens der Sportler bzw. dessen Umfeld besteht.

Um dem entgegenwirken zu können, sollte die Aufklärung von Sportlern sowie Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt präventiver Anti-Doping-Maßnahmen stehen. Die Realisierung dieser Maßnahme wurde bereits in diversen Projekten und Aktionen durchgeführt, zum Beispiel in der Präventionsbroschüre „Sport ohne Doping“ von der Deutschen Sportjugend oder in der

Präventionskampagne HIGH 5. Allerdings beziehen sich die bestehenden Aufklärungskampagnen ebenfalls zumeist auf illegale Dopingsubstanzen, wie etwa anabole Steroide oder Stimulanzien, die für mein Untersuchungskollektiv von vergleichsweise geringer Bedeutung waren. Unter Berücksichtigung der beschriebenen Probandengruppe könnte eine zielgruppenorientierte Aufklärungsmaßnahme zum Beispiel in Form eines mobilen Informationsfahrzeuges realisiert werden, welches vor allem auf größeren Städtemarathons die möglichen Folgen und Gefahren eines Arzneimittelmissbrauchs im Sport präsentiert. In ähnlicher Weise wird eine solche Kampagne bereits im Rahmen der Deutschland Tour mit Erfolg durchgeführt. Das sogenannte „neusser mobil“, welches im Zuge einer ganzheitlichen Antidopingkampagne der Stadt Neuss entstanden war, begleitet als fester Bestandteil des Tour-Trosses das gesamt Etappenrennen vom Start in Kitzbühel bis zur letzten Etappe nach Bremen. Dieses Fahrzeug ist fachgerecht mit umfangreichen Informationsmaterial und diversen

Multimediaangeboten ausgestattet und bietet den Sportlern zudem die

Möglichkeit eines direkten Gespräches mit verschiedenen Anti-Doping-Experten zum Thema Aufklärung und Prävention.

Im Laufsport ist eine Umsetzung der beschriebenen Aufklärungskampagne vor allem bei größeren Städtemarathons und Volksläufen, wie etwa dem Berlin-Marathon oder dem Paderborner Osterlauf, zu empfehlen, da dementsprechend viele Sportler aus der gewünschten Zielgruppe angesprochen werden können. Ein Schwerpunkt der dort eingesetzten Fahrzeuge sollte in einer umfassenden und nachdrücklichen Aufklärung darüber liegen, dass die eingenommenen Arzneimittel einerseits eine nachlassende Leistungsfähigkeit oder ein fehlendes Trainings keinesfalls ausgleichen können und andererseits durch einen hohen first-pass Effekt in der Leber ein erhebliches Toxizitätspotential besitzen. Aufgrund dessen, dass immerhin 16,7% bzw. 11,8% der untersuchten Befragungsteilnehmer zum Zwecke einer Leistungssteigerung frei verfügbare Arzneimittel bzw. illegale Dopingsubstanzen einnehmen würden, sollte in der Erstellung einer Anti-Doping-Kampagne auch die Appellierung an das Wertebewusstsein der Sportler berücksichtigt werden. Um diesbezüglich eine möglichst große Zahl an Sportlern erreichen zu können, sollte zum Beispiel ein Informationsblatt in den Startunterlagen beigefügt werden, welches den Stellenwert von Fairness und Chancengleichheit im Sport eindrucksvoll beschreibt und somit eine Entwicklung und Stärkung der Eigenverantwortung der Sportler unterstützt. Allerdings sollten die erwähnten Informationsblätter nicht nur in Form eines sachlichen Aufklärungsschreibens gestaltet werden, sondern vielmehr als ein interaktives Projekt, zum Beispiel in Form eines themenbezogenes Rätsels mit Gewinnmöglichkeiten. „Das zur Verfügung stellen von Dopingaufklärungsmaterialien in ausschließlich schriftlicher Form wird nicht ausreichen, um dopende Fitness-Sportler und solche, die dies planen, tatsächlich zu erreichen und eine Verhaltensänderung bei diesen Personen hervorzurufen“ (Striegel, 2008, S. 119).

8.3 Die Bedeutung der Medien

Im Kampf gegen Doping im Freizeit- und Breitensport können die Medien in zweierlei Hinsicht wirksam werden und nehmen somit in der Konzeptionierung neuer Anti-Doping-Maßnahmen einen besonderen Stellenwert ein.

Diesbezüglich drängt die medientechnische Vermarktung des Leistungssports unter den olympischen Maximen „schneller, höher, weiter“ die entsprechenden Sportler zu immer höheren Leistungen und somit zu einer Steigerung der individuellen Leistungsfähigkeit mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln. Doch auch im Freizeitsport wird der Gebrauch von Doping- und Arzneimitteln nicht unwesentlich durch die Medien bzw. durch die medienvermittelten Schönheitsideale beeinflusst. „Solange hier nahezu fettfreie muskulöse Körper als Schönheitsideal angepriesen werden, wird die Nachfrage nach Dopingpräparaten zur Erlangung solcher Körper im Freizeitsport kaum zurückgehen“ (Hoffmann, 1999, S. 98). In diesem Zusammenhang ist zum Beispiel der Jargon-Begriff des ECA-Stacks zu nennen, welcher sich aus den Wirkstoffen Ephedrin, Koffein und Acetylsalicylsäure zusammensetzt und in Kombination vor allem die Fettverbrennung während eines Ausdauertrainings beschleunigen soll.

Desweiteren werden die mit einem regelmäßigen und längerfristigen Arzneimittelmissbrauch verbundenen Gefahren in der Radio- und Fernsehwerbung verschwiegen oder zum Teil sogar beschönigt. So wird zum Beispiel das Schmerzmittel Aspirin, welches in meiner Studie zu dem am häufigsten verwendeten Arzneimittel zählt, in einem TV-Spot damit beworben, dass es nicht nur zur Linderung von Kopfschmerzen verhelfen soll, sondern zudem bei schmerzenden Beinen infolge einer ungewohnt hohen sportlichen Belastung eingesetzt werden kann. Im Kampf gegen den

Medikamentenmissbrauch im Sport sollten diese Werbekampagnen äußerst kritisch betrachtet werden.

9. Zusammenfassung

Entgegen dem von Striegel (2008) und Boos (1998) dargestellten Dopingmittelmissbrauch im Fitnessbereich, ist diese Problematik im Langstreckenlauf nicht bzw. nur kaum ersichtlich. Der Gebrauch von frei verkäuflichen Arzneimitteln, insbesondere von Schmerzmitteln und nichtsteroidalen Entzündungshemmern, muss in diesem Zusammenhang allerdings als nicht unbedenklich eingestuft werden, da die Wirkungen eines

10. Literaturverzeichnis

Alampi, G., Kamber, M. & Marti, B. (2000). Arzneimittelgebrauch im Breitensport: Vergleich von Ausdauersportlern und beruflich körperlich Aktiven. Schweizerische Zeitschrift für Sportmedizin und

Sporttraumatologie 48 (2), 76-79, 2000

Arndt, N., Singler, A. & Treutlein, G. (Juni 2004). Sport ohne Doping -Argumente und Entscheidungshilfen für junge Sportlerinnen und Sportler und Verantwortliche in deren Umfeld. Zugriff am 20. Juli 2009 unter http://www.dsj.de/downloads/Publikationen/SportohneDoping.pdf

Bader, R. & Gallacchi, G. (10. August 2005). Schmerzkompendium: Schmerzen verstehen und behandeln (2. neubearb. u. aktualis. Auflage). Stuttgart: Thieme Verlag.

Balz, E. & Kuhlmann, D. (2. Oktober 2008). Sportentwicklung: Grundlagen und Facetten. Aachen: Meyer & Meyer Sportverlag.

Berg, A., Dickhuth, H., Mayer, F. & Röcker, K. (2007). Sportmedizin für Ärzte (AT): Lehrbuch orientiert am Curriculum der sportmedizinischen Weiterbildung der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag

Bergner, H. (Februar 2006). Grenzen im Leistungssport und Doping. Norderstedt: Books on Demand GmbH.

Bette, K. & Schimank, U. (2008). Doping: der entfesselte Leistungssport. Politik und Zeitgeschichte: APuZ 29-30/2008.

50 von 50 Seiten

Details

Titel
Doping im Freizeit- und Breitensport
Untertitel
Eine empirische Studie unter besonderer Berücksichtigung des Langstreckenlaufs
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
50
Katalognummer
V133929
ISBN (Buch)
9783640407217
Dateigröße
1062 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Doping, Freizeit-, Breitensport, Eine, Studie, Berücksichtigung, Langstreckenlaufs
Arbeit zitieren
Till Hansmeier (Autor), 2009, Doping im Freizeit- und Breitensport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133929

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