Pop-Poesie - Lyrik zwischen Massenmarkt und Netzkultur

Xavier Naidoo - Nicht von dieser Welt


Seminararbeit, 2009

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Potenzial der Popkultur am Beispiel des deutschen Soul- und R&B Sängers Xavier Naidoo
1.1 Xavier Naidoo – Eckdaten seiner Karriere und seines Lebens
1.2 Die Bestimmung seiner Musikrichtung
1.3 Pop-Poesie – Funktionen massenpopulärer Lyrik

2 Xavier Naidoos „Nicht von dieser Welt“
2.1 Eine Analyse und Interpretation des Songtextes „Nicht von dieser Welt“
2.2 Die Wirkung der Musik und ihr Verhältnis zum Text

3 Der Mann hinter dem Lied
3.1 Xavier Naidoo und sein Glaube
3.2 Xavier Naidoo und seine Fans
3.3 Fazit: Das Gesamtwerk Xavier Naidoos

Literaturverzeichnis

1 Potenzial der Popkultur am Beispiel des deutschen Soul- und R&B Sängers Xavier Naidoo

Xavier Naidoo ist vielen Menschen ein Begriff – der deutsche Soul- und R&B Sänger gehört zu einem der erfolgreichsten Solokünstler Deutschlands. Doch was ist das Geheimnis seines Erfolges? Warum bleiben gerade seine Lieder, die sich überwiegend „mit bekennendem Christentum und der Apokalypse, mit Nächstenliebe und der Bekämpfung von Fremdenhass“1 beschäftigen, in den Köpfen seiner primär jungen Zielgruppe verankert? Wer ist der Mensch hinter den Liedern? Obwohl es sich bei Xavier Naidoo um einen sehr jungen Künstler handelt - im Verhältnis zu anderen, die einen vergleichbaren Stellenwert in der Musikszene einnehmen - liegt leider noch wenig autobiografisches Material vor, Literatur über den Künstler selber ist mehr als mager vorhanden. Dennoch habe ich mich in der vorliegenden Hausarbeit dem Phänomen Xavier Naidoo intensiv gewidmet und, neben der Charakterisierung der Person, auch eines seiner bekanntesten Lieder „Nicht von dieser Welt“ analysiert.

Ich habe es als interessant empfunden, mich im Rahmen des Seminars „Pop-Poesie“ auf die Spuren, die Xavier Naidoo in der Musikgeschichte hinterlässt und hinterlassen hat, zu begeben.

Doch zuerst einmal stellt sich die Frage, was sich hinter dem Neologismus „Pop-Poesie“ verbirgt? Es ist die Idee, moderne, kommerzielle, massenpopuläre Popmusik als eine Form der zeitgenössischen Lyrik zu betrachten. Ziel ist es, bei Annäherung an die moderne Pop-Lyrik festzustellen, wo die Unterschiede liegen zur lyrischen Hochkultur (damit verbinden wir jene Hochkultur, mit der sich Jung und Alt in der Schule befasst hat). Ein weiteres Ziel stellt darüber hinaus die Übertragung jener Erfahrung mit der lyrischen Hochkultur auf die populäre Lyrik dar.

Im Rahmen dieser Arbeit werde ich mich daher mit einer Analyse von Xavier Naidoos Song „Nicht von dieser Welt“ beschäftigen. Neben einer Analyse des Songtextes werde ich auch auf die Wirkung der Musik und ihr Verhältnis zum Text näher eingehen.

Zum Schluss möchte ich beleuchten, wer der Mann hinter dem Lied ist, was ihn als Person und Künstler genau ausmacht.

1.1 Xavier Naidoo – Eckdaten seiner Karriere und seines Lebens

Was kennzeichnet Xavier Naidoo? „Mit seinem Betbruder-Image setzte er sich mutig über alle Musiktrends hinweg, die als szenig und cool gelten – und wurde so zum erfolgreichsten Sänger Deutschlands.“2

Um für sich selbst erklären zu können, wer der Mann ist, den man heute zu den erfolgreichsten Popkünstlern Deutschlands zählt, dessen Werke mehrfach ausgezeichnet wurden, muss man wissen, welche Wurzeln er trägt, wo er her kommt und was er in seinem jungen Leben erlebte – erst dann erklärt es sich einem, warum seine Lieder sich von denen anderer Künstler so signifikant unterscheiden und gleichzeitig ihr Inhalt so einzigartig und bedeutsam ist. Kurz: weiß man etwas über das Leben Naidoos, fügen sich alle Fragen wie ein Puzzleteilchen zu einem großen Puzzle zusammen – sein Erfolg erschließt sich dann auch einem Laien der Musikszene.

Xavier Kurt Naidoo wird am 2. Oktober 1971 in Mannheim geboren. Sein Vater Rausammy ist indischstämmig, seine Mutter Eugene eine Südafrikanerin ägyptischer Herkunft.3 Seine Familie ist äußerst religiös, was Naidoos Karriere und vor allem den Inhalt seiner Songtexte entscheidend mit prägen soll. Musik gilt in seiner Familie als ein wichtiges Bindeglied, der kleine Xavier besucht schon vor Schuleintritt eine Musikschule, Unterricht nimmt er jedoch nicht lange.4 Obwohl Xavier Naidoo bis heute keine Noten lesen kann, sagt er von sich, er habe „gesungen, seit ich denken kann. Im Gesangsverein, im Chor, bei den Sternsingern, in verschiedenen Schülerbands. Mir war rasch klar, dass Singen meine Berufung ist.“5 In der Schule - Xavier besucht eine Realschule in Mannheim Freudenheim und danach die Volksschule - wird ihm sein Gesangstalent besonders bewusst, er stellt für sich selber fest, „dass hinter meiner Stimme eine starke Kraft steckt.“6

Nach einer abgebrochenen Lehre als Koch und diversen Jobs als Model und Türsteher tritt Naidoo einen 15-monatigen Zivildienst an. Diese Zeit gilt als Entscheidende für seine spätere Musikkarriere: er entschließt sich, nur noch von der Musik leben zu wollen, trotz anfänglicher Skepsis seitens der Eltern.7 Erste richtige sangestechnische Erfahrungen sammelt er schließlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – doch sein Erfolg in den USA fällt eher bescheiden aus. 1994 tritt er neben Moses Pelham und Thomas Hofmann als Backgroundsänger des Rödelheim Hartreim Projekts auf.8 Das Label 3p entdeckt ihn dort und baut ihn als Solostar auf, als er zudem noch im selben Jahr mit der deutschen Rapperin Sabrina Setlur die Single „Freisein“ aufnimmt, avanciert Naidoo zum großen Soul – und R&B Sänger und wird forthin einem immer größeren Publikum bekannt.9 Die Meilensteile seiner Musikkarriere sind gelegt.

1.2 Die Bestimmung seiner Musikrichtung

Versucht man, Xavier Naidoos Musikstil präzise zu bestimmen, so gelingt dies nicht exakt.

Denn der Sänger lässt sich nicht eindeutig einer Sparte zuordnen. In diversen, bekannten Musikzeitschriften wird regelmäßig Naidoos charismatische Stimme, die über allem thront10, hervorgehoben. Xavier Naidoo zeichnet sich durch eine Vielzahl von Musikrichtungen aus, was sicherlich einer der Gründe seines außerordentlichen Erfolges ist und seine Musik so interessant macht.

Grob lässt sich jedoch festhalten, dass Xavier Naidoo der Musikrichtung Soul und R&B zuzuordnen ist, da seine Liedtexte überwiegend in diesem Stil gesungen werden. R&B Musik kann als Sammelbegriff für „afroamerikanische Mainstreammusik“11 gesehen werden, während Soulmusik „eine Hauptströmung der afroamerikanischen Unterhaltungsmusik“12 darstellt. Soulmusik entstand bereits in den 50 er Jahren aus den Musikrichtungen Blues und Gospel und wurde in den 60 er Jahren gleichgesetzt mit schwarzer Popmusik.

Aber es ist nicht nur die Vielfalt auf musikalischer Ebene, sondern auch eine auffällige Sprache, die ihn als einmaligen Künstler in Deutschland ausmacht. Festzuhalten ist, dass Xavier Naidoo seine Lieder überwiegend in deutscher Sprache singt, manche werden auch auf Englisch gesungen. Sogar den mannheimerischen Dialekt - wie bereits erwähnt wuchs Xavier Naidoo in Mannheim auf - baut er in manchen Liedern mit ein (ein Beispiel dafür ist sein Song „Armageddon“).

1.3 Pop-Poesie – Funktionen massenpopulärer Lyrik

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich primär damit, sich der massenpopulären Lyrik unter Zuhilfenahme der Erfahrungen mit der lyrischen Hochkultur zu nähern. Im Seminar „Pop-Poesie. Lyrik zwischen Massenmarkt und Netzkultur“ haben wir bereits die Erkenntnis gewonnen, dass populäre Lyrik, wie sie in Popsongs zum Ausdruck gebracht wird, ein Stück unserer Kultur darstellt und somit ein zeitgenössischer Identifikationspunkt für Menschen ist. Als wichtiger, eindeutiger Unterschied zwischen den beiden Lyrik-Rezeptionen ist festzuhalten, dass man sich massenpopulärer Lyrik bewusst oder unbewusst aussetzt, bei der lyrischen Hochkultur ist das nicht der Fall. Grundsätzlich lässt sich nicht genau sagen, ob der Mensch Musik total bewusst oder aber eher unbewusst aufnimmt. Ein Paradebeispiel stellt beispielsweise das Radio hören dar: Viele Leute schalten bewusst das Radio ein, sitzen aber nicht davor und hören Musik, sondern machen meistens etwas nebenbei. Sie schalten es freiwillig ein, um es dann möglicherweise unbewusst zu rezipieren, können aber kaum steuern, ob sie etwas mit voller Aufmerksamkeit verfolgen oder sich ablenken lassen, aber auch in abgelenktem Zustand bekommen sie immer noch etwas mit.

An diesem Beispiel ist deutlich zu erkennen, dass bewusste oder auch unbewusste Rezeption nicht automatisch gleichgesetzt werden sollte mit freiwilligem oder unfreiwilligem Konsum.

Lyrischer Popkultur setzt man sich überwiegend freiwillig aus, ohne gesellschaftlichen Regelrahmen, was einen Gegensatz zur lyrischen Hochkultur darstellt. Festzuhalten ist jedoch auch, dass der Mensch sich einer Massenkultur nicht so einfach entziehen kann, was auch am zuvor genannten Beispiel des Radio Hörens deutlich wurde. Massenkultur - und somit lyrische Popkultur - stellt in der heutigen Gesellschaft mehr denn je eine alltägliche Begleiterscheinung dar, ihr auszuweichen scheint quasi unmöglich. Oft hat der Rezipient wenig Einfluss, ob er Musik bewusst oder unbewusst aufnimmt, da er Musik auf verschiedensten Bewusstseins – und Verarbeitungsebenen aufnimmt.

Bezieht man diese genannten Merkmale der lyrischen Popkultur auf Xavier Naidoos Song „Nicht von dieser Welt“, so unterscheidet er sich, wie eigentlich alle Popsongs, signifikant von der lyrischen Hochkultur dank des Mediums Radio, denn durch dieses wird er übertragen und an den Hörer vermittelt. Wie bereits erwähnt, nimmt der Hörer nicht immer bewusst, sondern auch unbewusst das Lied und vor allem den Inhalt des Liedes auf.

Es stellt natürlich einen großen Unterschied dar, ob sich mit dem Text des Liedes beim aufnehmen bewusst auseinandergesetzt oder aber nur dem Klang der Melodie gelauscht wird.

Wobei hier auch festzuhalten ist, dass dem Klang der Melodie auch ganz bewusst zugehört werden kann, und alles andere bewusst ausgeblendet wird. Es geht also mehr darum, dass sich die Auswirkungen unterscheiden. Stellt man dem Medium Radio jedoch als Beispiel ein Konzertbesuch gegenüber oder auch einen bewussten Kauf einer CD des Interpreten, so kann davon ausgegangen werden, dass sich die Rezipienten der Musik überwiegend freiwillig aussetzen – bei Xavier Naidoo weiß man, dass er regelmäßig Konzerte gibt und regelmäßig Singles veröffentlicht. Zudem sind weitere Institutionen zu nennen, die Popkultur vermitteln, jedoch auf freiwilliger und nicht verpflichtender Basis: Clubs, Bars, Jugendhäuser, aber auch das neue Medium Internet. Anzumerken ist hier jedoch auch, dass Rezipienten Musik nicht immer freiwillig ausgesetzt werden. So kann der Rezipient beispielsweise in einem Club, in den er zwar freiwillig geht, nicht darüber entscheiden, welcher Musik und welchen Liedern er zugänglich gemacht wird.

Eine bedeutende Funktion, die massenpopuläre Lyrik ausübt, ist die allgemeine Manipulation von Stimmungen. Jedem ist bewusst, wie sehr Musik, und gerade besondere Lieder, die Stimmung beeinflussen kann. Hinsichtlich Xavier Naidoo und seiner Songtexte ist es sicherlich eine subjektive Betrachtungsweise, wie sehr seine Lieder berühren oder Stimmung in eine bestimmte Richtung erzeugen. Ein Anhänger seiner Musik ist mit Sicherheit der Meinung, dass Xavier Naidoo nicht manipuliert sondern bewegt. Und auch ich denke, dass es ihm vor allem wichtig ist, das kund zu tun, was er denkt, in der Hoffnung, seine Hörer bzw. die Masse der Menschheit zum Umdenken zu bewegen. Ich denke, es ist besonders die Bemühung dieses Musikers, Menschen von seinem Glauben an Gott zu erzählen. Dadurch, dass seine Musik mit den Jahren immer populärer wurde und wird, erfreut sich Xavier Naidoo einer wachsenden Fangemeinde und Zuhörern, seine Botschaften werden einem breiten Publikum zugänglich. Fakt ist, dass ich mich freiwillig überwiegend nur der Musik aussetze, die ich auch hören möchte – im Falle Naidoos heißt das, höre ich seine Musik, kaufe ich seine CDs, besuche ich seine Konzerte, dann möchte ich auch seine Texte wirklich „hören“ und seine Message aufnehmen, verarbeiten, vielleicht auch konstruktiv anwenden. Von Manipulation kann meiner Meinung nach nicht gesprochen werden. Musik sollte das aussprechen, was Menschen denken und nichts aufzwängen, womit sich der Zuhörer nicht identifizieren kann.

Der Unterhaltungsfaktor ist eine weitere Funktion, die der Popmusik zugesprochen wird. Möchte Xavier Naidoo unterhalten?

Hört man sich seine Texte intensiv an, so kann diese Frage deutlich mit einem „nein“ beantwortet werden. Xavier Naidoo möchte nicht unterhalten, im Gegenteil, er nutzt seinen Popularität und die Kraft seiner Stimme, um durch seine Lieder die Menschen wach zu rütteln, zum umdenken zu bewegen, neue Hoffnung im Leben zu schöpfen, aber auch, den Glauben zu stärken. Deutlich wird dies meiner Meinung nach an einem seiner bekanntesten Lieder „Nicht von dieser Welt“, welches ich später analysieren werde.

[...]


1 http://de.wikipedia.org/wiki/Xavier_Naidoo

2 Fuchs-Gamböck, Michael; Klotz, Jörg-Peter. Xavier Naidoo. Seine Wege. 3. Auflage. München 2002, S. 10 (künftig zitiert als: Fuchs-Gamböck u.a. 2002)

3 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Xavier_Naidoo

4 vgl. Fuchs-Gamböck u.a. 2002, S. 25

5 Fuchs-Gamböck u.a. 2002, S. 25

6 Fuchs-Gamböck u.a. 2002, S. 29

7 Fuchs-Gamböck u.a. 2002, S. 36-37

8 http://de.wikipedia.org/wiki/Xavier_Naidoo

9 http://de.wikipedia.org/wiki/Xavier_Naidoo

10 vgl. Leischow, Dagmar. Mann Gottes. In: Musikexpress, Nr. 2, Februar 2001, München, S. 26

11 http://de.wikipedia.org/wiki/Contemporary_R&B

12 http://de.wikipedia.org/wiki/Soul

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Pop-Poesie - Lyrik zwischen Massenmarkt und Netzkultur
Untertitel
Xavier Naidoo - Nicht von dieser Welt
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V133937
ISBN (eBook)
9783640465552
ISBN (Buch)
9783640465606
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pop-Poesie, Lyrik, Massenmarkt, Netzkultur, Xavier, Naidoo, Nicht, Welt
Arbeit zitieren
Rebecca Adams (Autor), 2009, Pop-Poesie - Lyrik zwischen Massenmarkt und Netzkultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133937

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