Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das erste Mal über das Agenda Setting-Modell gesprochen. „What to think about?“ war die Kernfrage des Modells. Es wurde angenommen, dass durch eine Prioritätensetzung von Seiten der Medien bestimmte Themen bevorzugt behandelt werden, wodurch ihnen eine höhere Wichtigkeit zugeschrieben wird, die auch entsprechend von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Nach weiterführenden Studien zum Agenda Setting reifte die Vorstellung eines first level agenda setting und eines second level agenda setting heran. Während das Erstere eine genauere Bezeichnung für das Agenda Setting-Modell sein sollte, diente der zweite Begriff zur exakteren Beschreibung der durch das Agenda Setting ausgelösten Prozesse. Die Fragestellung war hier: „How to think about?“. Es geht dabei um die Massenmedien, welche durch eine bestimmte Selektion und Hervorhebung die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf ausgewählte Themen lenken können. Die Idee des Priming und Framing war geboren. Zur Untersuchung dieser Aspekte führten Maurer und Reinemann an der Universität Mainz im Jahr 2002 eine Studie durch, welche 2003 mit den Titel „Schröder gegen Stoiber“ veröffentlicht wurde. Dabei wurde die Wahrnehmung und Wirkung des zweiten TV-Duells in einer quasi-experimentellen Untersuchung überprüft und zudem eine Inhaltsanalyse des Duells als auch der Vor- und Nachberichterstattung durchgeführt. Für die folgende Analyse waren die Befragungen direkt vor und direkt nach dem TV-Duell von Bedeutung. Beim zweiten Fragebogen war es also den Teilnehmern nicht möglich, sich durch interpersonale Kommunikation mit anderen Studienteilnehmern auszutauschen. Eine Interpretation der nachfolgenden Ergebnisse im Sinne einer Priming-Wirkung durch das Duell – ohne externe Einflüsse – ist somit möglich. In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwiefern sich die Wichtigkeit der unabhängigen Variablen Parteiidentifikation, Sachkompetenzen-Index und Persönlichkeitseigenschaften-Index auf die Meinung (abhängige Variable) über Schröder beziehungsweise Stoiber durch das TV-Duell, dem Stimulus, veränderten.
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Inhaltsverzeichnis
A. Priming in Fernsehdebatten am Beispiel des zweiten TV-Duells des Bundestagswahlkampfes 2002 zwischen Schröder und Stoiber
1. Einleitung: Agenda Setting und Priming
2. Vorstellung der Studie
3. Kandidaten-Priming und das Ann-Arbor-Modell
4. Fernsehdebatten und die TV-Duelle 2002
5. Wahlkampfjahr 2002: Im Vorfeld der TV-Duelle
6. Methodik der Analyse
7. Ergebnisse der Analyse
8. Schlussfolgerung und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Priming-Effekt im Kontext der Fernsehdebatten des Bundestagswahlkampfes 2002. Ziel ist es, mithilfe einer Regressionsanalyse zu ermitteln, inwieweit die Wahrnehmung der Sachkompetenz und der Persönlichkeitseigenschaften der Kanzlerkandidaten Schröder und Stoiber die Meinungsbildung der Rezipienten beeinflusst haben.
- Grundlagen des Agenda Setting und Priming
- Anwendung des Ann-Arbor-Modells auf das TV-Duell
- Kontext der TV-Duelle 2002
- Methodik der Datenauswertung mittels SPSS
- Einflussfaktoren auf die Meinungsbildung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung: Agenda Setting und Priming
Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das erste Mal über das Agenda Setting-Modell gesprochen. „What to think about?“ war die Kernfrage des Modells und bezog sich dabei auf die Hypothese, dass die Medien durch die Rahmung von Geschehnissen die Tagesordnung, im speziellen die politische Medienagenda, bestimmen konnten. Es wurde angenommen, dass durch eine Prioritätensetzung von Seiten der Medien bestimmte Themen bevorzugt behandelt werden, wodurch ihnen eine höhere Wichtigkeit zugeschrieben wird, die auch entsprechend von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
Nach weiterführenden Studien zum Agenda Setting reifte die Vorstellung eines first level agenda setting und eines second level agenda setting heran. Während das Erstere eine genauere Bezeichnung für das Agenda Setting-Modell sein sollte, diente der zweite Begriff zur exakteren Beschreibung der durch das Agenda Setting ausgelösten Prozesse. Die Fragestellung war hier: „How to think about?“ Es geht dabei um die Massenmedien, welche durch eine bestimmte Selektion und Hervorhebung die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf ausgewählte Themen lenken können.
Die Idee des Priming und Framing war geboren. Framing, als Meinungs-Transfer, umzeichnet dabei das Hervorrufen bestimmter Bewertungs- und Interpretationsprozesse bei den Rezipienten durch die Salienz des Themas, also seiner Hervorhebung. Priming, als Attribute-Transfer, diente besonders der Beschreibungen der Konsequenzen des Agenda Setting.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Agenda Setting und Priming: Einführung in die theoretischen Grundlagen des Agenda Setting und die Entstehung des Priming-Konzepts.
2. Vorstellung der Studie: Beschreibung der Untersuchung von Maurer und Reinemann zur Wirkung des zweiten TV-Duells 2002.
3. Kandidaten-Priming und das Ann-Arbor-Modell: Theoretische Herleitung des Priming-Effekts anhand des Ann-Arbor-Modells des Wählerverhaltens.
4. Fernsehdebatten und die TV-Duelle 2002: Darstellung des geschichtlichen und organisatorischen Kontextes der TV-Duelle im Wahljahr 2002.
5. Wahlkampfjahr 2002: Im Vorfeld der TV-Duelle: Analyse der politischen Rahmenbedingungen und der Ausgangslage im Wahlkampf 2002.
6. Methodik der Analyse: Erläuterung des methodischen Vorgehens, insbesondere der statistischen Umkodierungen und der Regressionsanalyse mit SPSS.
7. Ergebnisse der Analyse: Präsentation der deskriptiven Statistiken und der Ergebnisse der Regressionsrechnungen für beide Kandidaten.
8. Schlussfolgerung und Diskussion: Interpretation der Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit von Priming-Effekten und der Personalisierung von Wahlkämpfen.
Schlüsselwörter
Priming, Agenda Setting, TV-Duell, Bundestagswahlkampf 2002, Schröder, Stoiber, politische Kommunikation, Meinungsbildung, Ann-Arbor-Modell, Regressionsanalyse, Sachkompetenz, Persönlichkeitseigenschaften, Medienwirkung, Wählerverhalten, Personalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Priming-Effekt durch Fernsehdebatten am Beispiel des zweiten TV-Duells zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber im Jahr 2002.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind politische Medienwirkung, die Wahrnehmung von Kandidateneigenschaften sowie die Frage, wie Medienberichterstattung die Wählerurteile beeinflusst.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit die Sachkompetenz und die Persönlichkeit der Kandidaten im Duell als Priming-Faktoren die Meinungsbildung der Rezipienten beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Inhalts- und Wirkungsanalyse durchgeführt, die auf Panelbefragungsdaten basiert und mittels linearer, multipler Regressionsanalysen in SPSS ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung, die Beschreibung der methodischen Schritte, die statistische Ergebnisauswertung sowie die abschließende Diskussion der Befunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Priming, Agenda Setting, TV-Duell, Wahlkampf, Kanzlerkandidaten und Regressionsanalyse sind die zentralen Begriffe.
Bestätigt die Studie einen Priming-Effekt?
Ja, die Arbeit weist nach, dass das TV-Duell einen Einfluss auf die Einschätzungen der Studienteilnehmer hatte und die Meinungsbildung durch Priming beeinflusst wurde.
Welche Rolle spielt die Parteineigung?
Die Parteiidentifikation dient als eine langfristig gebildete, affektive Bindung, die als wichtige Kontrollvariable in die Regressionsanalyse einfloss.
Was war das Besondere am TV-Duell 2002?
Das zweite TV-Duell zeichnete sich durch eine lebhaftere Auseinandersetzung gegenüber dem ersten, eher sterilen Duell aus.
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- Renard Teipelke (Author), 2009, Priming in Fernsehdebatten am Beispiel des zweiten TV-Duells des Bundestagswahlkampfes 2002 zwischen Schröder und Stoiber, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133940