Die Fragestellung der vorliegenden Arbeit ist in zwei Teile zu gliedern. Im konkreteren Sinne zielt diese Hausarbeit auf eine quellenkritische Untersuchung des ursprünglichen Expeditionsberichtes ab. Im gröberen Rahmen soll analysiert werden, inwiefern Alexander als Auftraggeber der Flottenexpedition, als Freund des Nearchos und nicht zuletzt als dessen König seine Einflüsse im Expeditionsbericht hinterlassen hat. Diese Arbeit basiert ausschließlich auf der Arbeit mit Quellen. Der Forschungsstand, der nach diesem Kapitel folgt, ist deshalb ihr basaler Bestandteil. Darauffolgend ist es wichtig, den Untersuchungsgegenstand darzulegen. Im dritten Kapitel soll deshalb die Quellenlage um den Bericht präzisiert werden und der Inhalt des Berichtes soll zusammenfassend dargestellt werden. Da es sich um eine quellenkritische Untersuchung handelt, müssen die entsprechenden Schritte der Quellenkritik durchgeführt werden. Dafür muss zunächst geklärt werden, wer der Autor war. Dies soll im vierten Kapitel dieser Arbeit geschehen.
Im Rahmen der Fragestellung ist es zudem wichtig, das Verhältnis des Autors zu Alexander so gut es geht abzuklären. Innerhalb der äußeren Quellenkritik ist außerdem nicht davon abzusehen die Entstehungsumstände der Quelle in Betracht zu nehmen, was ebenfalls im vierten Kapitel dieser Arbeit geschehen soll. Von da an kann zu den Aspekten der inneren Quellenkritik vorangeschritten werden. Zunächst sollen der Stil und die Darstellungsweise der Inhalte darauf untersucht werden, ob die Rolle Alexanders dazu fähig war diese Aspekte in jeglicher Form zu beeinflussen. Im Anschluss werden Personenbeziehungen innerhalb der Quelle und zuletzt auch die Selbstdarstellung des Autors untersucht und interpretiert werden. Abschließend werden in einer Schlussbetrachtung alle Aspekte zusammengefasst, reflektiert und zu einem Endergebnis geführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Methode
2. Quellen und Forschungsüberblick
3. Der Bericht
3.1. Quellenlage
3.2. Inhalt
4. Äußere Quellenkritik
4.1. Der Autor
4.2. Die Entstehung des Berichtes
5. Innere Quellenkritik
5.1. Stil und geschilderte Informationen
5.2. Personendarstellungen
5.2.1. Die Rolle anderer Personen
5.2.2. Die Rolle Alexanders
5.3. Die Selbstdarstellung des Nearchos
6. Auswertung
7. Literatur
7.1. Quelleneditionen
7.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht quellenkritisch den Expeditionsbericht des Nearchos von Kreta über die Flottenfahrt Alexanders des Großen. Das Hauptziel besteht darin, den Einfluss Alexanders auf die Darstellung zu analysieren und den Quellenwert des Berichtes unter Berücksichtigung der persönlichen Beziehung zwischen Autor und König zu ermitteln.
- Quellenkritische Bewertung des Nearchos-Berichtes
- Einfluss Alexanders des Großen auf Inhalt und Form
- Vergleich der Alexanderhistoriker und der überlieferten Fragmente
- Untersuchung der Selbstdarstellung als treuer Freund und Held
- Analyse der Rolle von Nearchos im Kontext der makedonischen Politik
Auszug aus dem Buch
3.2. Inhalt
Zu Beginn schildert Arrian, wie Alexander den Entschluss fasste die Flottenexpedition zu unternehmen. Dieser Abschnitt zieht sich bis Arr. Ind. 20, 7. Alexander verspürte scheinbar ein inneres Verlangen die See von den Indern bis hin zum Persischen Meer zu befahren. Er hatte allerdings Bedenken, die von der Dauer der Expedition ausgingen und zu der Sorge führten, dass seine Streitmacht untergehen könnte. Dies würde eine Schande angesichts der bereits erlangten Erfolge darstellen. Da er aber stets davon gedrängt wurde etwas Neues und Unglaubliches zu unternehmen, ließ ihn der Gedanke nicht los. Er ließ sich deshalb durch den Kopf gehen, welchen fähigen Mann er mit einer solchen Expedition beauftragen sollte. Daraufhin beriet er sich mit Nearchos, welcher sich selbst anbot, um die Flotte zu führen.
Alexander habe das Angebot allem Anschein nach zunächst abgelehnt, da ihm die Sorge um seinen Freund zu groß war. Nachdem Nearchos allerdings dennoch inständig darauf bestand, erteilte Alexander diesem das Kommando über die gesamte Flotte. In den nächsten Abschnitten Arr. Ind. 20, 8- 11 berichtet Arrian über die besonders positive Stimmung der Flottenbesatzung, die von Alexanders Motivationsfähigkeit und seinen bisherigen strahlenden Erfolgen ausging.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Methode: Einführung in die Thematik der Alexanderhistoriker und Zielsetzung der quellenkritischen Analyse des Nearchos-Berichts.
2. Quellen und Forschungsüberblick: Überblick über die Überlieferungssituation der Alexanderhistoriker, insbesondere die Bedeutung von Fragmenten für die moderne Quellenforschung.
3. Der Bericht: Darlegung der Quellenlage und inhaltliche Zusammenfassung der Küstenexpedition von der Indusmündung bis nach Susa.
4. Äußere Quellenkritik: Untersuchung von Person und Hintergrund des Autors Nearchos sowie der Entstehungsumstände seines literarischen Berichtes.
5. Innere Quellenkritik: Tiefgreifende Analyse des Stils, der Personendarstellungen und der Selbstdarstellung des Autors unter Berücksichtigung des Alexander-Einflusses.
6. Auswertung: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Glaubwürdigkeit und der Bedeutung von Alexanders Rolle für den Quellenwert des Berichtes.
7. Literatur: Verzeichnis der Primärquellen und der verwendeten wissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Nearchos von Kreta, Alexander der Große, Alexanderhistoriker, Flottenexpedition, Quellenkritik, Arrian, Indischer Ozean, Indienfeldzug, Onesikritos, Schiffstagebuch, Historiographie, Antike, Quellenwert, Persischer Golf, Selbstdarstellung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer quellenkritischen Untersuchung des Expeditionsberichtes von Nearchos von Kreta über die Flottenfahrt Alexanders des Großen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Rekonstruktion des Inhalts, die äußere und innere Quellenkritik, die Analyse der persönlichen Beziehung zwischen Nearchos und Alexander sowie die literarische Selbstdarstellung des Autors.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den historischen Quellenwert des Expeditionsberichtes zu ermitteln und zu bewerten, inwiefern Alexander als Auftraggeber und Freund den Inhalt sowie die Form des Werkes beeinflusst hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine philologisch-historische Quellenkritik angewandt, die sich auf überlieferte Fragmente (insbesondere bei Arrian) stützt und den Text im Kontext der antiken Geschichtsschreibung sowie der Beziehung zu den anderen Alexanderhistorikern interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine quellenkritische Prüfung von Nearchos' Leben, seiner Motivation, der Rolle anderer historischer Akteure (wie Archias, Leonnatos und Onesikritos) sowie die detaillierte Untersuchung der Darstellung Alexanders im Bericht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nearchos von Kreta, Quellenkritik, Historiographie, Alexander der Große und Flottenexpedition.
Warum spielt Onesikritos eine negative Rolle im Bericht?
Nearchos porträtiert Onesikritos als einen Antagonisten, um sich durch die Abgrenzung von dessen als unzuverlässig geltenden Schilderungen als der loyalere und kompetentere Flottenkommandant zu profilieren.
Inwiefern beeinflusste Alexander den Quellenwert des Berichtes?
Alexander fungierte als Initiator und Motiv für den Bericht, was zu fiktiven, emotionalen Passagen führte, die der persönlichen Verherrlichung des Königs dienen, jedoch die allgemeine Glaubwürdigkeit der geographischen und nautischen Berichterstattung nicht grundsätzlich in Frage stellen.
- Arbeit zitieren
- Kristine Bäcker (Autor:in), 2021, Der Expeditionsbericht des Nearchos von Kreta. Nimmt der Einfluss Alexanders des Großen eine für den Quellenwert ausschlaggebende Rolle ein?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1339759